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Urbane Gartenlust

Kategorie: Garten
 Ausgabe 04 - 2011 - 01.04.2011

Text:  Remo Vetter

Wer keinen Garten hat, braucht nicht auf eigenes Gemüse zu verzichten. Auf ein paar Quadratmetern Balkon lassen sich nicht nur Küchenkräuter, sondern auch Schnittsalate, Tomaten und Peperoni anpflanzen.

Urbanes Gärtnern ist in und ich bin überzeugt, dass es sich bei dem Phänomen nicht bloss um einen kurzfristigen Trend handelt, sondern, dass immer mehr Stadtbewohner Lust auf Grünes vom eigenen Balkon haben. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Wer keinen Garten besitzt, muss nicht auf sein eigenes Gemüse, Kräuter und Blumen verzichten. Mit ein paar Quadratmetern Balkon und ein wenig Kreativität lässt sich auch in der fünften Etage in Zürich Oerlikon oder Bern Bethlehem ein kleiner Nutzgarten anlegen.

Viele Küchenkräuter sowie Fruchtgemüse und Salate lassen sich auf dem Balkon kultivieren. Dabei geht es nicht nur um ihren Nutzen als Nahrungsspender, sondern auch darum, Auge und Nase durch Farben, Formen und Düfte zu erfreuen. Rote Tomaten, gelbe oder orange Peperoni und die bunte Blütenpracht von Schnittlauch, Kapuzinerkresse, Borretsch und Goldmelisse sind dekorativ und bereichern jede Küche. Balkongemüse könnte eine echte Alternative zum Gemüse aus dem Laden sein: Kürzer, schneller und ökologischer geht es nicht. Und Kinder lieben es ohnehin, auszusäen und den Pflanzen beim Wachsen zuzusehen.



Einige Dinge gilt es zu berücksichtigen: Ein sonniger und windgeschützter Balkon ist hervorragend geeignet für den Anbau Wärme liebender Fruchtgemüsearten wie Auberginen, Peperoni oder Tomaten. Für Salatliebhaber empfiehlt sich der Anbau von schnell wachsenden Pflücksalaten. Sicherlich sollten Küchenkräuter wie Basilikum, Schnittlauch, Dill, Thymian, Rosmarin und Minze nicht fehlen.

Wichtige Arbeiten im April
Jetzt im April ist die Versuchung, all die neuen Samentütchen aufzumachen und zu säen, fast unerträglich. Das ist bei uns auf 1000 Metern über Meer aber sehr heikel, und darum ist es oft besser, vorerst ein paar Samen in Töpfen oder Saatkästen auf der Fensterbank oder im beheizten Gewächshaus vorzuziehen.
Sämlinge pflanzen und kultivieren
• Frisch gepflanzte Sämlinge müssen regelmässig und vorsichtig gegossen werden. Die neuen Kartoffeln müssen angehäufelt werden, denn wenn sie Licht bekommen, werden sie grün und ungeniessbar. Die zeitig gesäten Erbsen haben bereits Halteranken entwickelt und brauchen Stützen, um in die Höhe zu wachsen. Ich verwende meist Hasel- oder Birkenzweige, oder grobe Hühnerdrahtnetze, wenn kein Astmaterial vorhanden ist.
• Auch Bohnenstangen sollen aufgestellt werden, solange die Pflanzen noch klein sind. Ich stelle die Haselstangen kegelförmig wie ein Tipi auf, damit die Bohnen gut klettern können. Wichtig ist, dass die Stangen stabil sind und gute Schnüre verwendet werden, sodass sie Wind und Wetter standhalten und das Gewicht der Pflanzen tragen können.
• Im Kräuterbeet vermehren wir ältere Pflanzen wie Schnittlauch, Liebstöckel, Minze oder Majoran, indem wir die Wurzeln ausgraben und teilen. Die Goldmelisse sollte im zweiten Jahr an einen neuen Standort versetzt werden, da sie eingeht, wenn sie über mehrere Jahre am selben Standort steht.
• Starkzehrer wie Paprika, Kohl oder Lauch sollten jedes Jahr an einen neuen Ort gepflanzt und eine Fruchtfolge eingehalten werden.
• Junge Blätter von Pflücksalat, Feldsalat, Rucola und verschiedene asiatische Salatsorten im Tunnel vor Frost schützen und laufend ernten.

Optimale Pflanzgefässe

Eine Vielzahl von Pflanzgefässen kann man heute im Gartencenter kaufen. Vom einfachen Ton- oder Plastiktopf über den Balkonkasten aus Holz bis zur kunstvoll gefertigten Schale aus Messing. Damit das Angepflanzte nicht vertrocknet oder verbrennt, würde ich auf schwarze Plastiktöpfe verzichten und solchen aus Ton den Vorzug geben. Kulturpflanzen wie Tomaten, Gurken, Peperoni und Auberginen brauchen grosse Töpfe, während für die meisten Kräuter kleinere Töpfe oder Balkonkisten ausreichen. Wärme liebende Kräuter wie Rosmarin oder Verveine pflanze ich einzeln in Tontöpfe, die ich im Herbst an die Wärme in die Küche, den Wintergarten und einige sogar in die Stube stelle, sodass die Pflanzen auch den Winter hindurch geerntet werden können. Als Pflanzenerde eignet sich gewöhnliche biologische Blumenerde, die ich mit etwas Kompost anreichere.

Um gute Ernten zu erhalten, ist das Wässern besonders wichtig, da viele Balkone überdacht sind und keinen oder nur wenig Regen erhalten. Ich gebe dem Giesswasser immer einige Blätter Beinwell als Düngemittel bei. Rankende Pflanzen wie Gurken, Tomaten oder Bohnen müssen hochgebunden werden. Dazu können entweder Stangen oder Gitter benutzt werden oder man befestigt Schnüre an der Balkondecke und lässt diese herunterhängen und befestigt die Kletterpflanzen daran. Ich verwende dieses System übrigens auch im offenen Garten, denn Pflanzen wie Kürbisse, Melonen, Rondini und Gurken, die normalerweise im Garten meterweit kriechen, brauchen bei der vertikalen Anbaumethode viel weniger Platz und sind leichter zu ernten.

Ein Tipp für Familien mit kleinen Kindern und Garten: Kletterbüsche lassen sich relativ leicht mit Weidenruten flechten. Einem kleinen Iglu gleich bieten sie den Kindern im Sommer ein grünes, blühendes Zelt und Gemüse wie Rondini und Co. genug Möglichkeiten, in die Höhe zu klettern.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Foto: fotolia.com, zvg, okapia

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