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Gute alte Zeiten

Kategorie: Garten
 Ausgabe 01 - 2011 - 01.01.2011

Text:  Remo Vetter

Die Rückkehr zum Einfachen ist für Remo Vetter mehr als moderner Luxus: eine Lebensphilosophie, mit der sich wahre Zufriedenheit einstellt.

Früher bestimmten das einfache bäuerliche Leben und die Arbeit stets auch das Essen, das auf den Tisch kam: herzhafte, schnörkellose Gerichte, die sich entweder schnell zubereiten liessen oder die gleich am Morgen zum stundenlangen Schmoren in den Kachelofen gestellt wurden. Alles wanderte frisch aus dem Garten und dem Stall in die Töpfe. Diese alten Rezepte sind für mich eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Ich habe auch das Gefühl, dass die Rückkehr zu den einfachen und natürlichen Dingen des Lebens heute vielen Menschen ein Bedürfnis ist. Der kürzeste Weg vom Garten auf den Tisch ist heute wieder en vogue, nicht zuletzt, weil es einfach keinen Sinn macht, Lebensmittel um die halbe Weltkugel zu transportieren.

Der einfache Luxus

Einer der Hauptgründe neben der Liebe zur Natur und der Entspannung beim Gärtnern ist für mich dabei der Luxus, frische Pflanzen direkt vom Garten auf den Tisch zu zaubern und dabei meine Familie mit Naturprodukten zu versorgen, von denen ich weiss, woher sie kommen – gewachsen direkt vor unseren Augen. Auf meinen täglichen Rundgängen durch den Garten, meist abends nach der Büroarbeit, habe ich das Gemüse, die Früchte und Beeren vom Samen bis zur Ernte beobachtet und begleitet und so im Laufe der Gartensaison einen Bezug zu den Pflanzen geschaffen.

Mein Diätplan

Statistiken zeigen auf, dass Kochsendungen ganz oben auf der Beliebtheitsskala der westlichen Fernsehzuschauer stehen. In Amerika schauen sich in 100 Millionen Haushalten Menschen täglich Kochsendungen an. Was ich dabei aber nicht verstehe, ist Folgendes. Wieso sind so viele Menschen erpicht darauf, anderen zuzusehen, wie diese Rinderbouillon köcheln, anstatt selbst am Herd zu stehen?

Meine Antwort zu Problemen wie Übergewichtigkeit, Allergien und Zivilisationserkrankungen ist einfach. Hier ist mein Diätplan: Selber anbauen, selber kochen, nach Möglichkeit mit Familie und Freunden geniessen. Damit haben wir mit einem Schlag gleich einige grundsätzliche Bedürfnisse abgedeckt: Bewegung an der frischen Luft, eine sinnvolle Tätigkeit, Lebensfreude, Beziehungspflege. Und berücksichtigen Sie dabei immer: Essen Sie, worauf Sie Lust haben, so lange Sie bereit sind, es selbst zuzubereiten.

Wichtige Arbeiten im Januar
Gemüse und Salat
● Winterharte Kohlsorten liefern frische Vitamine und können im Boden bleiben, bis sie verwertet werden.
● Grünkohl ist frosthart und bleibt bei uns den ganzen Winter über auf dem Beet.
● Steckrüben ernten wir, bevor sie zu gross und holzig werden.
● Rosenkohl belassen wir auf dem Beet und ernten von unten nach oben.
● Knollensellerie ernten wir auch nach Bedarf. Die Pflanzen packen wir mit Stroh ein und schützen sie so vor leichten Frösten.
● Den Winterendivien stehen lassen und direkt vom Beet ernten.
● Die Pastinaken schmecken hervorragend süss, wenn sie einen leichten Frost bekommen. Sie müssen dann aber bald in Sicherheit gebracht werden.
● Den Winterlauch lassen wir auf dem Beet stehen.
● Der Winterrettich kann so lange auf dem Beet stehen, bis der erste strenge Frost kommt.
● Brokkoli können wir in milden Wintern fast bis im Frühjahr ab Beet ernten.
● Rhabarber kann jederzeit im Winter gepflanzt beziehungsweise geteilt werden. Die Pflanzen vertragen die Kälte problemlos.

Planen am Feuer

Damit das mit dem selber Anbauen klappt, dürfen wir auch im Winter den Garten nicht ganz vergessen. Im Januar zieht es uns nur an ganz milden Tagen in den Garten und meist liegt bei uns ja eine dicke Schneedecke. Aber das macht nichts. Wir geniessen es, zu planen, Samenkataloge durchzusehen, das Werkzeug in Schuss zu bringen und von grossen Frucht, Obst und Gemüseernten zu träumen. Nassen, harten Boden sollte man eh ruhen lassen und nicht umgraben, dabei wird er nur unnötig verdichtet. Bleiben Sie drinnen, schmökern Sie in schönen Gartenbüchern, bestellen Sie das Saatgut für die kommen de Saison. Jetzt ist die beste Zeit dafür.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Fotos: Frances Vetter

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