Artikel Natur :: Natürlich Online

Manager müssten eigentlich Gärtner sein.

Kategorie: Garten
 Ausgabe 11 - 2010 - 05.11.2010

Text:  Remo Vetter

Schneller Gewinn oder nachhaltige Anlage? Wer gärtnert weiss, was viele Manager verlernt haben: Gut Ding will Weile haben – und wer seinem Garten Sorge trägt, erntet nicht zu viel auf einmal, dafür aber immer wieder.

Ich habe kürzlich an einem Management-Seminar teilgenommen, bei dem es um «Brands», also Marken ging. Was bedeutet die Marke für uns, wie kann sich der Einzelne mit der Marke identifizieren – und wie transportieren wir die Marke? Ich habe öfters den Eindruck, dass Manager zu abstrakt denken und dabei oft schnelle Gewinnmaximierung als das einzig Wahre, das «Nonplusultra», betrachten.

Manager und Banker sollten nicht an blosse persönliche Bereicherung und Boni denken. Gärtner verstehen, dass die Natur Zeit braucht. Die Natur lässt sich nicht drängen. Ein Baum braucht Zeit, um zu gedeihen und Früchte zu tragen. Lassen Sie uns also im November die Erde vorbereiten und Bäume pflanzen, damit unsere Kinder gesunde Früchte ernten können.

Hochzeit und Rückzug

Wir lassen nicht benötigte Pflanzen den ganzen Zyklus gehen. Eine Pflanze hat eine Hochzeit, eine Blüte- und eine Erntezeit. Nach dem Samenstadium beginnt ihr Vergehen, Säfte und Energie ziehen sich in die Wurzeln zurück. Seit wir den Pflanzen diesen Ausreifungsprozess gönnen, seit wir ihnen Ruhephase und Rückzugsmöglichkeit zugestehen, gibt es in unserem Garten kaum mehr Mangelerscheinungen.

Biologisch Gärtnern und Nichtstun sind also nicht dasselbe. Wir müssen dann eingreifen, wenn wir sehen, dass Pflanzen kränkeln oder Schädlinge überhandnehmen. Klar ist, dass wir auf jeden Fall auf Pestizide, Herbizide, Fungizide, Schneckenkörner und Kunstdünger verzichten. Wir verwenden auch keinen Torf und ziehen die Pflanzen aus biologischem Saatgut. Die Philosophie ist denkbar einfach und wurde von mir bereits mehrfach erwähnt: Auf einem gesunden Boden wachsen gesunde Pflanzen, und das wiederum gibt gesunde Menschen.

Wichtige Arbeiten im November
Erntearbeiten
• Die ersten Rosenkohlrosetten können jetzt geerntet werden. Bei uns ist der Rosenkohl ein typisches Weihnachtsgemüse und wir warten deshalb mit der Ernte meist bis Mitte Dezember.
• Den Blumenkohl nach Bedarf ernten. Er kann auf dem Beet bleiben, bis es richtig kalt wird.
• Die Winterendivie lassen wir auf dem Beet stehen und ernten täglich frisch.
• Der Winterspinat wächst schnell und ist erntereif.
• Grünkohl ernten wir den ganzen Winter hindurch frisch ab dem Beet.
• Die meisten Kohlrabisorten ertragen einige Fröste – aber wenn es zu kalt wird, müssen wir den Kohlrabi schützen oder ernten.
• Rüben und Karotten ernten und im Sandbeet oder in Styroporkisten im Keller einlagern.
• Herbst- und Winterkohl ernten.
• Knollensellerie ausgraben und im Sand einlagern.
• Winter-Lauch auf dem Beet stehen lassen und bei Bedarf ernten.

Misten

Die Einstreu für unsere Milchschafe besteht aus Weizenstroh, getrocknetem Wiesengras, Kräutern und Laub. Der mit dieser Einstreu durchsetzte Stallmist ist ein wertvoller Dünger für die stark zehrenden Gemüsepflanzen. Normalerweise streue ich den Stall vom Herbst bis zum Frühjahr einmal wöchentlich ein.

Den Mist bringe ich im Frühjahr aus, um ihn in die neuen Hügelbeete einzuarbeiten. Da unsere beiden Milchschafe nicht genügend Mist produzieren, liefert mir der Bauer zusätzlich ein paar Ladungen Kuhmist aus seinem biologisch bewirtschafteten Betrieb. In der konventionellen Landwirtschaft wird mit chemischen Zusätzen, Antibiotika, Wurmmitteln und Hormonen gearbeitet. Die Zusätze gehen in den Mist über und belasten den Gartenboden. Also Hände weg von solchen «Wachstumshelfern». Natürlich könnte ich mehr Milchschafe halten, damit ich nicht auf fremde Ressourcen angewiesen wäre. Aber dann hätte ich wiederum zu viel Milch, müsste mehr Stallarbeit leisten und zusätzliche Schafe scheren. So akzeptiere ich denn das kleinere Übel und kaufe etwas Mist zu.

Die Helfer im Dunkeln

Zu den wichtigsten Helfern im Garten zählen wir die Regen- und Kompostwürmer. Sie verarbeiten grosse Mengen an organischem Material und liefern uns dabei hochwertigen Dünger. Gleichzeitig belüften sie mit ihrer Arbeit den Boden, die Erde kann dadurch mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Besonders wertvoll ist die Arbeit der Würmer in verdichteten Böden. Ihr Kot ist höchst nährstoffreich und damit ein hervorragender Dünger für unsere Nutz- und Zierpflanzen.

Wer im Garten kaum Würmer antrifft, sollte versuchen, sie selbst zu züchten. Das ist einfach und auf kleinster Fläche möglich. Die besten «Grünzeugfresser» sind aus unserer Erfahrung die Tennessee-Wiggler, eine von mehreren Kompostwurmarten, die wir in einem Fachgeschäft zukaufen. Sie sind im Etagenkomposter sehr einfach zu halten und vermehren sich im Sommer rasend schnell. Praktisch alles in Küche und Garten anfallende Grünzeug kann so zu wertvollem Humus umgewandelt werden.

Vorarbeiten für den Frühling

Im November brauche ich vor allem eine gute Gartenschere, denn jetzt gilt es für mich, viel zu schneiden. Die Obstbäume und Sträucher gehen in die Winterruhe, und das ist für mich der ideale Zeitpunkt, die Schneidarbeiten in Angriff zu nehmen. Das nicht zuletzt auch darum, weil es jetzt noch nicht zu kalt ist. Aus dem gleichen Grund pflanzen wir jetzt wurzelnackte Bäume und Sträucher. Der Boden hat die Restwärme des Sommers gespeichert und mit genügend reifem Kompost und einer leichten Mistgabe versehen, wachsen die Gehölze vor dem Wintereinbruch gut an. Wenn wir auf unserer Höhenlage jetzt nicht pflanzen, müssen wir meist bis im Frühjahr auf die nächste Möglichkeit warten.

Es ist wichtig dem Boden jetzt die nötige Aufmerksamkeit zu schenken, denn er hat uns schliesslich die ganze Gartensaison hindurch mit kostbarem Gemüse, Kräutern, Obst und Blumen beschenkt. Wir entfernen die Pflanzenreste und das Unkraut von den Beeten und graben den Boden bewusst nicht um, geben dafür aber eine zünftige Kompostgabe und ein wenig Stallmist. Die Biomasse wird über den Winter von den Würmern in den Boden gezogen. So gelingt es uns, die Bodenstruktur zu verbessern und die Erde mit Nährstoffen anzureichern. Die abgeernteten Pflanzen kompostieren wir oder setzen bereits wieder neue Hügelbeete an, welche zeitig im Frühjahr bepflanzt werden können.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen AR tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Fotos: fotolia.com, zvg

Tags (Stichworte):

Kategorie: Garten

Strategie-Genie

Mit Sexuallockstoffen lockt seine Raupe rote Ameisen an, die Sie adoptieren und...

Kategorie:

Kategorie: Garten

Merkwürdig: Wie Hühner Eier färben

Ob braune oder weisse Eier sich zum Färben besser eignen, sei dahingestellt.