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Winterhilfe

Kategorie: Garten
 Ausgabe 11 - 2010 - 05.11.2010

Text:  Helen Weiss

Damit die Pflanzen auf Balkon und Terrasse den Winter schadlos überstehen und auch im nächsten Jahr wieder Freude machen, wollen sie richtig versorgt werden. Wenn die Tage kürzer werden, ist es daher an der Zeit, Vorkehrungen für den Winter zu treffen.

Gummistiefel, Giesskanne und Gartenschere bereit? Jetzt gilt es, für dieses Jahr zum letzten Mal im Garten und auf dem Balkon Hand anzulegen, bevor Väterchen Frost unseren Breiten seinen ersten Besuch abstattet. Zwar überstehen die meisten Pflanzen im Garten die kalte Jahreszeit unbeschadet, Topfkulturen auf Balkon und Terrasse sind jedoch auf etwas Winterhilfe angewiesen. Für Oliven und Oleander steht ein Umzug ins helle Winterquartier an, Bambus und Buchs erhalten ein wärmendes Mäntelchen um die Füsse.

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Sommerflor: hell und kühl

Mit der üppigen Blütenpracht von einjährigem Sommerflor wird die Natur rund ums Haus zur Bühne. Unter Sommerflor versteht man Pflanzen, die im Frühjahr gepflanzt oder gesät werden und beim ersten Frost wieder eingehen. Zu den bekanntesten Vertretern des Sommerflors gehören die Vanilleblume (Heliotropum), Margeriten (Chrysanthemum) oder Petunien. Bei einigen dieser Sommerblüher wie etwa Geranien (Pelargonium), Fuchsien oder Wandelröschen (Lantana), deren Stiele verholzen, lohnt sich eine Überwinterung. «Sie werden bei zirka fünf Grad und möglichst hell überwintert», erklärt Hanspeter Schumacher, Leiter des botanischen Gartens St. Gallen. Vor dem Umzug ins Winterquartier werden die Pflanzen zurückgeschnitten. Als Grundregel beim Rückschnitt gilt, dass mindestens ein Drittel des Pflanzenvolumens entfernt werden sollte. Wie oft man giessen soll, hängt ganz von der Raumtemperatur und der Luftfeuchtigkeit ab.

Stauden: Frostschutz für Sensibelchen

Während der frostempfindliche Sommerflor seine Kurzlebigkeit mit einer üppigen Blütenbildung wettmacht, erfreuen mehrjährige Blütenpflanzen, sogenannte Stauden, durch ihre Beständigkeit. Stauden verfügen über einen krautigen Spross. Ihre oberirdischen Teile sterben im Winter ab und treiben im Frühjahr wieder neu aus. Von wenigen empfindlichen Arten abgesehen, benötigen die meisten Stauden unter normalen Bedingungen keinen Winterschutz. Pflanzen mit dichten Blattschöpfen wie Fackellilie (Kniphofia), Palmlilie (Yucca) oder grosse Büschelgräser wie das Pampasgras (Cortaderia) sollten jedoch locker zusammengebunden und mit Laub oder Fichtenreisig vor zu grosser Kälte geschützt werden. Eine gute Laubabdeckung ist auch sinnvoll bei der Herbstanemone (Anemona japonica) und dem Riesenschilf (Arundo). «Im Herbst neu gepflanzte Stauden sollten zudem im ersten Jahr immer einen Winterschutz bekommen», erklärt Martin Löw, Inhaber der gleichnamigen Staudengärtnerei in Mühleberg (BE). «Mit dem eigentlichen Rückschnitt sollte man bis zum Frühjahr warten», rät Löw.

Kräuter: unterschiedliche Ansprüche

Wer auch im kommenden Gartenjahr viel Freude an seinen Kräutern haben möchte, muss einige Vorkehrungen treffen. Denn nicht alle der Gewürzpflanzen haben dieselben Ansprüche. Viele Kräuter sind Stauden, ziehen ihre oberirdischen Teile im Herbst ein und treiben im Frühling aus dem Wurzelstock komplett neu aus. Dazu zählt etwa die Minze, Oregano, Maggikraut oder Schnittlauch. «Von diesen Kräutern kann man mit dem Rückschnitt noch alle gesunden Blätter ernten und trocknen», sagt Andy Fässler, Leiter des Gartenhauses Wyss in Zuchwil (SO). Damit die Erde im Topf nicht gefriert und die Pflanzen dadurch vertrocknen, wird das Gefäss mit Kokosmatte, Jute oder Luftpolsterfolie eingepackt (siehe Kasten). Denselben Schutz benötigen sogenannte mediterrane Kräuter, die ihr Laub während des Winters nicht abwerfen. «Da sie zwar einige Minusgrade ertragen, aber vor zu starkem Frost geschützt werden müssen, sollte man sie zudem mit einem Wintervlies vor Sonne und Wind schützen und während langer Kälteperioden ins Haus holen», rät Fässler.

Gehölze: Vorsicht bei kalten Füssen

Auch in unseren Graden heimische Gehölze, die als absolut winterhart gelten, benötigen bei einer Kultur in Topf ein wenig Winterhilfe. Immergrüne Sträucher wie Bambus, Rhododendron oder Buchs laufen Gefahr, zu vertrocknen, wenn der Ballen gefriert. Zudem sollten immergrüne Gehölze regelmässig von der Schneelast befreit werden, da sonst einzelne Astpartien dem Druck nachgeben und abbrechen können. Mit Ausnahme von Obstbäumen ist es grundsätzlich nicht notwendig, einen Baum zu schneiden.

Kübelpflanzen: warmer Platz

Während des Sommers bringen Oleander (Nerium), Bougainvillea und Engelstrompeten (Datura) einen Hauch von Süden in die Gefilde nördlich der Alpen. Die Überwinterung der Exoten und Sonnenanbeter unter den botanischen Vertretern stellt einige Ansprüche an die Pflege – schliesslich stammt fast alles, was sich in der warmen Jahreszeit bei uns wohlfühlt, aus unterschiedlichen Klimaregionen. Ein geeignetes Winterquartier für die Kinder des Südens zu finden, ist also nicht einfach. Wichtig ist, dass die Südländer vor dem ersten Frost ihr Winterquartier beziehen; ein regelmässiger Blick auf die Wetterkarte ist unumgänglich.

Zwar lieben die meisten Gäste aus dem Süden Wärme, das beheizte Wohnzimmer ist als Winterquartier jedoch nicht geeignet. Die trockene Heizungsluft in den Wohnungen macht ihnen nach einem Sommer im Freien meist zu schaffen. «Helle Treppenhäuser, Estriche oder ungeheizte Zimmer sind als Quartier besser geeignet», sagt Mareike Holluba, Leiterin Gärtnerei der Stadtgärtnerei Basel. Um den Platz optimal auszunutzen, dürfen die Pflanzen zurechtgeschnitten werden. Die Winterruhe ist eine sogenannte Vegetationspause und lässt sich durchaus mit dem aus der Tierwelt bekannten Winterschlaf vergleichen. Die Pflanzen assimilieren und wachsen kaum, weshalb sie während dieser Zeit wenig Wasser und keinen Dünger benötigen.

Literatur
Christa Klus-Neufanger: «Gartenpflanzen richtig überwintern», BLV-Verlag 2010, Fr.15.90

Foto: biophoto, irisblende, zvg

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