Artikel Natur :: Natürlich Online Im Zeichen des Regenwurms | Natürlich

Im Zeichen des Regenwurms

Kategorie: Garten
 Ausgabe 10 - 2010 - 01.10.2010

Text:  Remo Vetter

Remo Vetters Plädoyer für eine ganzheitliche Sicht auf das Gärtnern und warum in seinem Garten Pestizide, Kunstdünger und Torf keine Berechtigung haben, dafür biologisches Saatgut.

Der Biogärtner arbeitet heute nicht gegen die Natur, sondern im Einklang mit ihr. Die Natur und der Gärtner erzeugen ein ausgeglichenes Umfeld, das sich selbst erhält. Wenn wir das verstehen, erkennen wir, dass wir alle ein Glied in der Kette sind. Der Gärtner ist genauso wichtig (oder unwichtig) wie der Regen, der Boden und der Regenwurm, aber er ist auch nicht wichtiger. Mein Grossvater pflegte zu sagen: «Der Mensch ist das dümmste Raubtier.» Die Natur braucht den Menschen nicht. Wir nehmen uns zu wichtig. Also bin ich ganz glücklich und nehme mich nicht wichtiger als einen Regenwurm, den ich übrigens sehr hoch schätze.

Wichtige Arbeiten im Oktober
- Wurzelnackte obststräucher und Blumenzwiebeln können gepflanzt werden, sofern der Boden nicht zu nass oder gefroren ist.
- Räumen Sie alles welke Laub und alte. absterbende Pflanzen ab. Sämtliches gesunde Grüngut wird kompostiert oder, wie in unserem Falle, in neue Hügelbeete und Hochbeete eingebracht.
- Gründüngungspflanzen, die nicht überwintern, schneiden wir und lassen sie als Mulch auf den Beeten.

Durch die biologische Pflege versuchen wir, eine gesunde Gartenwelt zu schaffen. Viele Grünanlagen kranken an der Unvernunft, dem Mangel an Einsicht und Verstehen der Besitzer, alles grösser und schneller heranzuzüchten, als die Natur es vorgibt. Das Ziel des biologischen Landbaus sollte es meiner Meinung nach sein, den gesunden Organismus zu erhalten, damit die Natur ihre Selbstheilungskräfte wirken lassen kann. Dafür braucht die Natur ihre Zeit. Wer keine Insektizide einsetzt, wird es von Zeit zu Zeit mit gefrässigen Schädlingen wie Blattläusen zu tun bekommen, die vielleicht kurzfristig Schäden anrichten. Gesunde, ohne Dünger, Kunstlicht und zu viel Wasser herangezogene Pflanzen sind viel widerstandsfähiger und erholen sich in den meisten Fällen schneller von den Angriffen der hungrigen Eindringlinge. Und somit werden die meisten chemischen Produkte eigentlich völlig sinnlos eingesetzt. Geben Sie Ihr Geld lieber für den Kauf gesunder Pflanzen aus.



Biogärtnern und Nichtstun sind nicht dasselbe. Wir versuchen, im Garten proaktiv und unterstützend einzugreifen. Nachhaltiges, langfristiges Denken und Gärtnern sind der Schlüssel zum Erfolg. Und wie fast immer denke ich dabei nicht nur an das Gärtnern, sondern an jegliche Arbeit, vom Management bis zur Beziehungspflege

Herbizide, Fungizide, Schneckenkörner, Kunstdünger und Torf haben keine Berechtigung und wir verwenden ausschliesslich biologisches Saatgut und Jungpflanzen. Wir möchten nicht nur das Richtige tun, sondern wir möchten in erster Linie einen gesunden Garten, in dem alles, von der kleinen Bodenmikrobe, bis zu den Pflanzen, Vögeln, Schmetterlingen, Hummeln, Bienen und Menschen, die Gesundheit des Gartens und der Umwelt fördern. Ein Indianer würde es wohl so ausdrücken: Wir müssen nicht nur an uns, sondern an unsere Kinder und Kindeskinder denken. Wir sollten die Fähigkeit entwickeln, Dinge zu tun und Entscheidungen zu treffen, die über mehrere Generationen Gutes bewirken.

Frühstücke wie ein Kaiser, esse zu Mittag wie ein König und zu Abend wie ein Bettler.

• Iss ...

... nicht zu viel. Höre auf, bevor Du «voll» bist.
... wenn Du hungrig bist, nicht wenn es Dir langweilig ist.
... langsam und kaue gut.
... nichts, was Deine Grossmutter nicht schon als Nahrung erkannt hätte.
... nichts, was durch das Fenster Deines Autos hineingereicht wird (Mac Donald’s lässt grüssen).
... nur, was mit der Zeit verrotten würde (ein Zeichen, dass es sich um lebendige Nahrungsmittel handelt).
... Nahrungsmittel die Du Dir in ihrem ursprünglichen Zustand auch vorstellen kannst: Eine Karotte ist eine Karotte ist eine Karotte.
... hauptsächlich Pflanzen, vor allem Blätter: frisches Gemüse aus einer gesunden Erde.
... wenig Fleisch (die meisten Menschen sind übersäuert und haben einen viel zu grossen Eiweisskonsum) und wenn dann von Tieren, die selbst eine gute Nahrung hatten und gut behandelt wurden.
... farbig.
... «wilde» Nahrungsmittel anstelle von gezüchteten Spezien (Wildpflanzen, Fisch, Wild).
... mehr wie die auf dem Land lebenden Franzosen, Japaner, Italiener oder Griechen.
• Trink das Gemüsewasser
• Verwende so viel Zeit, ein Essen zu geniessen, wie es gebraucht hat, um dieses zuzubereiten.
• Geniesse Mahlzeiten mit Freunden und Familie am Tisch. «Snacke» nicht.

Zeit des Abräumens

Jetzt gilt es aber erst einmal, das Gartenjahr zu einem guten Ende zu bringen. Im Oktober kann man im Garten deutliche Veränderungen spüren. Die Tage sind viel kürzer geworden, die Sonne steht flacher am Himmel und es wird spürbar kühler. Die Wälder verfärben sich, Blätter fallen und es muss mit Nachtfrösten gerechnet werden. Wenn wir jetzt nicht die letzten Tomaten, Paprika, Auberginen und Zucchetti geerntet haben, kann der Frost uns einen Strich durch die Rechnung machen. Der Oktober ist für uns die Zeit des Abräumens, Kompostierens und dem Bauen und Ansetzen neuer Hochbeete und Hügelbeete. Die meisten Pflanzen gehen jetzt in die Winterruhe.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen AR tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Foto: fotolia.com

Tags (Stichworte):

Kategorie: Garten

Knolliger Wintergenuss

Das unscheinbare, wenig attraktive Aussehen täuscht: Kerbelrübchen gelten als...

Kategorie:

Kategorie: Garten

Paradiesapfel

Die exotische, pralle rote Frucht gewinnt in unseren Breiten zunehmend...