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Gartentherapie

Kategorie: Garten
 Ausgabe 09 - 2010 - 01.09.2010

Text:  Remo Vetter

Ein Garten ist mehr als ein Stück Boden, auf dem man Gemüse und Obst anpflanzt. Ein Garten ist ein Ort der Ruhe und Rückbesinnung auf die Natur und sich selbst.

Im Garten spielen ganz verschiedene Gesetzmässigkeiten. Die Natur schenkt uns den Luxus der Langsamkeit. Hier im Garten, wo ein Baum lange braucht, um Früchte zu tragen, es länger geht, bis das Gemüse reif wird, wo wir Einflüsse nicht manipulieren können, hier sind wir der Natur und den Jahreszeiten ausgesetzt; sie geben vor, was geht und was zu tun ist. Und: Im Garten sieht man den Lohn seiner Arbeit und den Aufwand, den man geleistet hat. Wenn man etwas pflanzt, pflegt, beobachtet und liebt, blüht es irgendwann und erfüllt uns mit Freude und Dankbarkeit

Zurück zur Natur

Viele Menschen würden gerne so gärtnern, wie sie essen und leben: Es sollte schnell gehen und anfallende Probleme wollen sofort bekämpft werden. Doch Gärtnern wie Essen sind eine Philosophie, eine Gastronomie des Auges. Gärtnern heisst zudem auch vegetieren können, loslassen, durch den Garten flanieren – leben. Und damit ist der Garten zum echten Luxus geworden.

Ich bin überzeugt, dass das Anpflanzen von eigenem Gemüse und eigenen Kräutern dazu führt, dass wir vertrauter mit der Natur, der Nahrung und mit unserer Umwelt umgehen. Wir erkennen durch das eigene Tun, dass Nahrung nicht ein Industrieprodukt ist, sondern «ursprüngliche» Natur ist und dass es (fast) nichts Schöneres gibt, als Essen mit Familie und Freunden zu teilen. Die praktische Seite daran ist, dass das Essen, das aus dem eigenen Garten kommt, das frischeste, geschmacklich beste, nährendste und vermutlich billigste und ökologisch vertretbarste Gut ist, das wir nutzen können.

Im September beginnt der Herbst. Die Temperaturen sind bereits zurückgegangen und das frühe Gemüse ist weitgehend abgeerntet. In unserem voralpinen Klima bringen jetzt vor allem Bohnen, Zucchini, Tomaten, Paprika, Auberginen, Artischocken, Gurken und Mais Erträge. Die Ernten der späteren Herbstgemüse laufen nun an. Kartoffeln graben, Lauch und Kürbisse, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Zwetschgen und Herbsthimbeeren sind jetzt reif. Jetzt sind die spät gesäten Bohnen reif. Wir ernten laufend junge Bohnen, bevor sie «fädig» werden. Auberginen pflücken wir, wenn die Haut dunkel violett glänzt. Bei zu langem Warten werden sie bitter. Mangold ernten, bevor er zu gross wird: immer die äusseren Blätter nehmen, damit sich in der Mitte neue bilden können.

Zwiebeln knicken wir ab, trocknen sie an einem luftigen Ort, flechten sie zu Zöpfen und hängen sie an einem kühlen Ort auf. So halten sie gut bis lange nach dem Jahreswechsel. Artischocken treiben jetzt noch einmal Köpfe. Wir lassen immer einige Pflanzen in Blüte gehen und erfreuen uns am Spiel der Hummeln und Bienen, welche die Blüten zu schätzen wissen. Den Kohl ernten wir jetzt und geniessen ihn frisch mit den gegrabenen Kartoffeln – und manchmal einem Stück Speck. Die Karotten holen wir vorsichtig mit der Grabgabel aus dem Boden, damit sie nicht abbrechen. Auf den Hügelbeeten sind auch in diesem Jahr wieder Prachtexemplare gewachsen.

Wichtige Arbeiten im September
Im September wird der Garten bereits aufgeräumt und das anfallende Material kompostiert.
• Letzte Erdbeervermehrung durch Ableger, damit sie gut wurzeln und anwachsen. Je früher man sie pflanzt, desto besser tragen sie im nächsten Jahr.
• Spargeln zurückschneiden und welkes Laub bei allen Blattgemüsen entfernen. Wir nutzen in unserem Garten das Grünzeug, Laub, Baumschnitt, Gras usw., um neue Hügelbeete anzulegen.
• Brachflächen mit Gründüngung einsäen, um das Unkraut zu unterdrücken. Wir verwenden hauptsächlich Bienenweide (Phacelia) und lassen kein Stück Boden unbepflanzt. Bienenweidesamen streuen wir nur oberflächlich auf die Erde. Wenn die Pflanze ihren Dienst als Bodenverbesserer und Nährstofflieferant geleistet hat, kippt sie um, wird von den Würmern in den Boden eingearbeitet und führt den Mikroorganismen reichlich organische Substanz zu. Die Gründüngung erspart uns einen ganzen Kompostiervorgang, der mit Schneiden, Umsetzen und Ausbringen des fertigen Kompostes mit viel Arbeit verbunden ist. Die Bienenweide zieht ausserdem Insekten an, die unsere Blüten bestäuben.

Apfelbäume pflanzen

In unserem Garten gedeihen an die 30 verschiedene Apfelsorten. An sich sind unser Klima und die Höhenlage nicht für den Apfelanbau geschaffen. Wir sind aber der Meinung, dass Apfelbäume zu einem grösseren Garten gehören.

Früher hatte unser Supermarkt nur drei Sorten Äpfel im Angebot, deren zwei stammten aus Südafrika. Das brachte mich auf die Apfelspur, und ich stellte fest, dass es 3000 Sorten Äpfel gibt. Ich setzte mich mit der Organisation Pro Specie Rara in Verbindung und pflanzte in den Folgejahren viele alte Apfelsorten mit wohlklingenden Namen wie Graf von Berlepsch, James Grieve, Berner Rosen oder Ananas Reinette. Diese Äpfel sind nicht nur viel besser im Geschmack, sie lassen sich auch viel länger lagern.

Jetzt ernten wir die letzten frühen und die ersten mittelfrühen Äpfel. Äpfel und Birnen sind reif, wenn sie sich mit einer leichten Drehung vom Baum lösen. Feigen sollten dagegen möglichst lange am Baum reifen und frisch geerntet genossen werden. Melonen, die wir im Gewächshaus oder im Folientunnel ziehen, sind ebenfalls zur Ernte bereit. Auch die späten Brombeeren reifen und wir pflücken die Früchte, wenn sie schön ausgefärbt dunkel sind. Herbsthimbeeren (Autumn Bliss) können jetzt täglich bis Ende Oktober gepflückt werden. Pflaumen, Zwetschgen, Reineclauden und Mirabellen verarbeiten wir zu Konfitüre. Nun gilt es auch, die letzten Aprikosen zu ernten. Da die Tage kürzer und kühler werden, reifen die Aprikosen am Baum kaum noch.

Unser Obsthain ist eingezäunt, was ein grosser Vorteil ist. Früher mähten wir die Wiese zweimal jährlich mit der Sense, später vor allem aus Bequemlichkeit mit dem Motormäher. Beides war mit ziemlich grossem Aufwand verbunden. Heute nehmen uns die beiden Milchschafe Blacky und Beauty die ganze Arbeit ab. Die zuverlässigen, ruhigen «Rasenmäher» versorgen uns ausserdem mit Milch, Wolle und wertvollem Dünger.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen AR tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Foto: Frances Vetter, striatic / flickr / cc

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