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Kraftorte

Kategorie: Natur
 Ausgabe 08 - 2010 - 01.08.2010

Text:  Angela Müller Meinherz

Bestimmte Orte oder Stellen in der Natur haben eine besondere Aura und können Menschen Kraft geben. Auch der Tourismus hat solche Kraftorte für sich entdeckt.

«Ein Kraftort ist ein Ort, wo man sich sicher und wohlfühlt», sagt Rolf Vogel, «ein Ort, wo man etwas erfahren kann, das über einen hinausgeht.» Der deutsche Psychologe mit Praxis in Bayern und Lehrtätigkeit an verschiedenen psychoanalytischen und verhaltenstherapeutischen Ausbildungseinrichtungen sieht in Kraftorten ein modernes Thema: «Die Menschen sehnen sich in schwierigen, unruhigen Zeiten nach Sicherheit und Stabilität und fragen sich, wo man dies finden kann.» Die Natur bietet solche Orte, die unberührt und intakt sind. Orte, die einem das Gefühl der Sicherheit und des Aufgehobenseins geben können. Diese Erfahrung machen viele Menschen, ohne dabei von Kraftorten zu reden.

Für Vogel sind solche Orte sehr wichtig: «Durch das äussere Aufsuchen von Kraftorten können wir etwas davon in unserem Innern mitnehmen und so einen inneren Kraftort aufbauen.» Der Psychologe betont aber auch, wie individuell Kraftorte empfunden werden können. Solche Erfahrungen seien subjektiv und hingen von jedem Einzelnen ab.

Bekannte und klassische Kraftorte gibt es einige. Zu den populärsten gehören wohl Flüeli-Ranft (OW), das Hotel-Plateau auf dem Bürgenstock (NW) oder die Felsformation Creux du Van im Val-de-Travers (NE). In den letzten Jahren sind zahlreiche spezifische Wanderführer herausgekommen, immer mehr Hotels werben mit dem Slogan «Ein Ort der Kraft» und auch die offizielle Homepage von Schweiz Tourismus zählt eine ganze Reihe auf. Zum Beispiel sind die Engstligenfälle bei Adelboden (BE), die Kirche St. Georg in Berschis (SG) oder eben die Kirche St. Peter zu Mistail (GR) als Erlebniswanderungen aufgeführt.

Touristische Vermarktung

Die Jungfrauregion im Berner Oberland hingegen hat letzten Sommer eine Broschüre zu Kraftorten im Gebiet Isenfluh/ Sulwald lanciert. Die mehrseitige Broschüre beschreibt den Weg vom Dorf Isenfluh zum Aussichtspunkt Sulwald und zur Lobhornhütte. Die Besonderheiten der Natur, Sagen der Gegend und die jeweiligen Kraftorte werden beschrieben.

«Die Gesamtregion Jungfrau erfährt dadurch kaum eine erhöhte Touristenzahl, aber die kleine Region Isenfluh spürt einen gewissen Zulauf», sagt Andrea Hess, Kommunikationsverantwortliche der Jungfrauregion. Für sie ist klar: «Kraftorte sind Nischen für den Tourismus.» Ähnlich tönt es auch in Graubünden. Kraftorte seien kein Megatrend, sagt Gieri Spescha von Graubünden Tourismus. Aber auch hier könne man sich vorstellen, Kraftort-Broschüren zu lancieren.

Hänni, Autor des Buches "Magisches Berner Oberland", beschäftigt sich seit rund 30 Jahren mit dem Phänomen Kraftorte: «In Frankreich heissen Kraftorte Lieux sacrés – heilige Orte –, was darauf hinweist, dass Kraft nicht allein für bioenergetische Schwingungen im Sinne einer physikalischen Energie steht», so Hänni. «Als ich mit Indianern über ihre Places of power sprach, meinten sie ihre heiligen Stätten, wo sie die machtvolle Gegenwart des Grossen Geistes erfahren.»

Grande Dame der Kraftorte
Die Bauingenieurin Blanche Merz (1919–2002) gilt als Grande Dame der Kraftorte und der Geobiologie. Sie führte während 25 Jahren ein Ingenieurbüro, war 1951 als Beobachterin im Europarat tätig und wurde im Kanton Waadt das erste weibliche Mitglied im Kantonsparlament. Ab 1979 führte sie das «Institut de recherches en géobiologie» in Chardonne (VD). Sie wollte beweisen, dass sich Kraftorte wissenschaftlich nachweisen lassen. Mittels Pendel soll die Energie der jeweiligen Orte in Bovis-Einheiten gemessen werden können. Sie schrieb verschiedene beachtete Bücher zum Thema Orte der Kraft.

Kraftorte sind magische Orte, abhängig vom individuellen Empfinden oder der Empfänglichkeit der jeweiligen Besucher. Manchmal liegt das Göttliche wohl aber auch einfach in der puren Schönheit der Plätze. Oftmals erhalten sie ihren zusätzlichen Zauber durch Geschichten aus der Sagenwelt. Feen, Nymphen und Elfen, aber auch Göttinnen und Zwerge und allerlei anderen Wesen spielen in dieser Welt eine Rolle.

Der Weg gehört zum Ziel

Nicht nur Geschichten, auch Pflanzen und Steine können gemäss dem Experten Pier Hänni Hinweise auf Kraftorte geben, denn auch kleine unscheinbare Plätze in der Natur können Kraftplätze sein. Zu den Kraftorte anzeigenden Pflanzen gehören unter anderem Wacholder, Eiche, Holunder und Weissdorn. «Wo diese Pflanzen besonders üppig wachsen, weisen sie auf hohe Kraftfelder hin», sagt Hänni. Auch Steine können einen Kraftort markieren, zum Beispiel die Menhire in Falera (GR) oder die Schalensteine im Zmutttal bei Zermatt (VS).

Energien messen

Die vor sechs Jahren gegründete Forschungsstelle hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kraftorte zu bestimmen und zu pflegen. Fischbacher ist eine Vertreterin der Geomantie. Dieser Lehre nach haben Kraftorte eine erhöhte Erdstrahlung, die mittels Pendel gemessen werden kann. Die Masseinheit dafür heisst Bovis. Demnach soll ein neutraler Ort rund 6500 Bovis-Einheiten (BE) ausstrahlen, hochenergetische Kraftorte 18 000 BE und mehr. Als Begründerin dieser Forschungsrichtung gilt die Schweizerin Blanche Merz (s. Box).

Die Geomantie und ihre Messmethoden sind wissenschaftlich umstritten. Ob man aber die Energien, die von diesen Orten ausgehen, messen kann oder nicht, ist im Grunde nicht relevant. Kraftplätze sind ein Teil der Natur, ob und wie sie empfunden werden, hängt von der Stimmung und Offenheit ihrer Besucher ab. Das Entdecken solcher Stellen braucht wie das Entdecken der Schönheit der Natur nichts anderes als Lust, Offenheit und den nötigen Respekt.

Fotos: zvg, swiss-image.ch/Max Schmid/Roland Gerth

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