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Leben «al fresco»

Kategorie: Garten
 Ausgabe 08 - 2010 - 01.08.2010

Text:  Remo Vetter

Das Leben findet bei Remo Vetter zurzeit vor allem im Freien statt. Im Garten herrschen Hochgefühle und Überfluss.

Es ist jetzt definitiv an der Zeit, sich so viel wie möglich im Freien aufzuhalten. Unsere Bekannten wissen, dass sie uns in diesen Wochen kaum im Haus antreffen, da wir den Garten bis zum Eindunkeln geniessen. Wir leben nach Möglichkeit quasi «al fresco» draussen, solange es das Klima zulässt.

Wenn wir ganze Tage im Freien verbringen können, ja manchmal sogar draussen schlafen, dann fühlen wir uns noch mehr mit der Natur verbunden. In diesen Momenten bekommen wir wieder das Gefühl dafür, wie wenig es doch braucht, um glücklich zu sein: Gefühle, die uns niemand wegnehmen kann und die nichts
kosten. Ist das nicht wunderbar?

Die Ernte in vollem Gang

Zucchini und andere Sommerkürbisse gibt es in verschiedenen Farben und Formen. Wir haben es in unserem Garten auf 27 verschiedene Sorten gebracht. Im August wachsen sie so schnell, dass man praktisch täglich ernten muss. Jetzt nehmen wir auch den Knoblauch und hängen ihn zum Trocknen auf, um ihn den Winter hindurch brauchen zu können. Wenn sich ihre Blätter gelb verfärben, sind auch die Zwiebeln dran. Wir knicken die Blätter ab und lassen die Zwiebeln bei schönem Wetter einige Tage auf dem Beet abtrocknen.

Sommerkohl und Rotkohl bilden jetzt Köpfe. Sobald sie geschlossen sind und sich fest anfühlen, können wir ernten. Randen nehmen wir, sobald sie die Grösse
eines Tennisballs haben. Auch die mittelfrühen Kartoffeln sind jetzt reif und schmecken frisch gegraben einfach am besten. Die Karotten können jetzt auch laufend aus der Erde gezogen werden.

Sind die Auberginen schön rund, schwarz und glänzend, pflücken wir auch die, ebenso ernten wir laufend Gurken, bevor sie gelb und bitter werden. Gemüsepaprika wird mit zunehmender Reife milder, die kleinen Chilischoten werden schärfer. Wir machen aus den Peperoncini ein wunderbares Pesto (Achtung: Kerne entfernen). Mangold und Spinat ernten wir den ganzen Sommer hindurch. Der Mais ist reif, wenn die seidenen Fasern braun bis schwarz werden.

Die Kürbisse schwellen jetzt mächtig an und brauchen viel Wasser. Cocktail- und Kirschtomaten sind nun wunderbar süss und eine perfekte Zwischenverpflegung auf den Gartenrundgängen. Radieschen säen wir den ganzen Sommer hindurch und können sie laufend ernten. Stangensellerie ernten wir, bevor er gelblich wird, sonst sind die Stangen faserig.

Sobald die Schwarzen Johannisbeeren blauschwarz glänzen, verarbeiten wir sie zu Saft und Konfitüre. Die roten und weissen Johannisbeeren sind reif, wenn sie
prall und saftig sind. Frances macht hervorragende Johannisbeer-Meringues. Die Sommerhimbeeren – wir haben die Sorte Mekker – geniessen wir meist ab Strauch. Dessertpflaumen, Renekloden und Mirabellen verarbeiten wir zu herrlicher Konfitüre. Da die Heidelbeeren unregelmässig reifen, ernten wir die reifen Früchte täglich.

Wichtige Arbeiten im August
• Kartoffeln und Tomaten auf Krautfäule kontrollieren.
• Knoblauch, Zwiebeln trocknen und einlagern.
• Kürbisse düngen.
• Pflaumen, Renekloden, Brombeeren, Sommeräpfel und Feigen ernten.
• Bohnen und Zucchini regelmässig ernten, bevor sie zu gross werden.
• Maiskolben, Tomaten, Paprika und Auberginen ernten.

Überfluss

Auf den abgeernteten und freien Flächen säen wir überall Gründüngung, mit Vorliebe Phacelia (Bienenweide), ein. Das verbessert die Bodenstruktur durch Lockerung und Anreicherung mit organischer Substanz. Gleichzeitig liefert die Gründüngung Nährstoffe und schützt den Boden vor Austrocknung, aufkommendem Unkraut und Verdichtung.

Der August ist wahrlich ein Monat des Überflusses. Praktisch alles, was wir im zeitigen Frühjahr ausgesät und gepflanzt haben, ist jetzt erntereif. Ich kehre jeden
Abend mit vollem Korb und herrlich duftenden Kräutersträussen aus dem Garten zurück. Kräuter sind für uns das ultimative Tüpfelchen auf dem i und Basilikum, Bohnenkraut, Dill, Estragon, Koriander, Liebstöckel, Oregano, Petersilie, Pfefferminze, Rosmarin, Salbei, Zitronenmelisse oder Zitronenthymian nicht aus unserer Küche wegzudenken. Was für ein Genuss und Luxus das doch ist!

Bei so dichter Bepflanzung, wie wir sie pflegen, hat das Unkraut eigentlich gar keine Chance mehr, sich zu entwickeln. In unserem Märchenwald und Gartenparadies wimmelt es jetzt von Kröten, Feuersalamandern, Igeln, Blindschleichen, Fledermäusen, Hummeln, Bienen und Schmetterlingen.

In den lauen Augustabenden verströmen Lavendel, Rosmarin und Verveine ihre wunderbaren Düfte und Aromen und machen aus dem Garten einen Ort zum Träumen und der Träume.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.

Fotos: fotolia.com, zvg

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