Artikel Natur :: Natürlich Online Ode an die Schönheit | Natürlich

Ode an die Schönheit

Kategorie: Garten
 Ausgabe 07 - 2010 - 01.07.2010

Text:  Remo Vetter

Der Juli ist die Zeit, um es im Garten geruhsam anzugehen: zu geniessen, sich an der Schönheit der Natur zu erfreuen – und zu ernten, was man gesät hat.

Wir hatten bereits im Juni viele Freunde im Garten und konnten die Gaben der Natur aus vollen Zügen geniessen. Ich finde, dass man seine Gäste danach auswählen sollte, ob sie gehaltvolles Essen und Trinken zu schätzen wissen und ein gutes Gespräch führen können. Mit stimmigen Gästen, gutem Essen und Wein erübrigt sich die Frage, wann man leben solle, wenn nicht jetzt.

Bei Gärten ist es ein wenig so wie bei Menschen: Der erste Eindruck, die ersten Sekunden und Minuten lassen meist erkennen, ob man sich in ihrer Gegenwart wohlfühlt. Besuche ich auf Reisen einen Garten, verhalte ich mich wie eine Biene: Ich lasse mich von den Farben anziehen, atme die Düfte ein und nehme den optischen Eindruck auf. Der Garten bedient unsere Sinne wie vielleicht nur noch gute Kunst, Architektur, Essen und Trinken. Jetzt im Sommer an einem schattigen Bäumchen vorbeizugehen, ein buntes Blumenbeet zu betrachten, Gräser, die sich im Wind bewegen, Vogelgezwitscher in einheimischen Gehölzen. Das sind Erlebnisse, die einem niemand nehmen kann. Erlebte Gärten machen glücklich, weil etwas Wunderbares entsteht, das uns zu Herzen geht.

Wichtige Arbeiten im Juli
Ernten
Neue Kartoffeln, junge Randen, Zwiebeln, Karotten, Busch- und Stangenbohnen, Kefen, Erbsen, Salate.
Aussaaten
Randen, Fenchel, Erbsen, Bohnen, Federkohl, Winterlauch.
Auspflanzen
Kohl, Brokkoli, Rosenkohl, Wintersalate.

Im biologischen Gartenbau galt lange Zeit als ehernes Gesetz, dass bestimmte Pflanzenzusammenstellungen besondere Vorteile bringen sollen. Da ich sehr viele Pflanzen miteinander vermische und nach dem Lustprinzip arbeite, ist es schwierig festzustellen, welche Kombinationen am besten zusammen gedeihen. Eine unumstössliche Tatsache aber gibt es: Monokulturen sind viel anfälliger als Mischkulturen. (Un)kräuter, Gräser und Wildblumen sind wichtige Helfer im Garten. Legen Sie, wenn immer möglich Beete mit mehreren Arten an oder kombinieren Sie verschiedene Gemüsepflanzen. Das lockt Insekten an und führt Schädlinge in die Irre. Neben den Tomaten pflanze ich auf meinen Hügelbeeten verschiedene Sorten Basilikum. Es ist interessant zu beobachten, wie wuchtig die Südländer in dieser Kombination gedeihen. Über die Jahre haben sich die Fenchelsamen im ganzen Gemüse und Kräutergarten ausgebreitet. Fenchel zieht Schwebefliegen und Wespen an, die sich von Blattläusen und den Raupen des Kohlweisslings ernähren.

Ein Erntefest

Die ersten Stangenbohnen schmecken am besten. Wir ernten sie sehr jung, bevor sie faserig werden. Im Juli können wir die ersten Kartoffeln ernten und das verbinden wir meist schon mit einem kleinen, vorgezogenen Erntedankfest, weil die Kartoffeln in unserem Speiseplan einen wichtigen Platz einnehmen – und frisch gegraben schmecken sie ganz einfach sagenhaft. Unsere Zwiebeln erreichen bereits eine gute Grösse und wir ernten und verarbeiten sie täglich ab Beet. Die Erbsen reifen jetzt sehr schnell, sodass wir mehrmals wöchentlich ablesen und diese Delikatesse frisch geniessen.

Unsere Kinder lieben Artischockenblätter, die wir garen und mit selbstgemachter Mayonnaise geniessen. Wir ernten, solange die schuppenartigen Blätter noch dicht geschlossen sind und die Fruchtstände etwa die Grösse eines Tennisballs haben. Bei Mangold und Spinat ernten wir die jungen Blätter für Salate und dünsten die Stiele und grösseren Blätter. Die frühen Kohlrabi liebt unsere Jungmannschaft, wenn sie nicht grösser als Golfbälle sind und frisch mit Kräutersalz gewürzt verzehrt werden können. Rüebli ziehe ich aus der Erde, wenn sie noch klein, knackig und wunderbar süss schmecken.

Dem Rhabarber geben wir nach der letzten Ernte eine gute Kompostgabe, lassen die Pflanzen jetzt zünftig wachsen, damit sie erstarken können und auch im nächsten Jahr kräftig austreiben. Radieschen haben wir laufend gesät und können jetzt mehrmals wöchentlich ernten. Nicht zu gross werden lassen, sonst werden sie scharf und holzig.

Kostbares Wasser

Auf abgeerntete Beete und in Zwischenräume säen und pflanzen wir Rosenkohl, Federkohl, Winterkohl, Herbstblumenkohl, Brokkoli, Gemüsefenchel, Kohlrabi, Lauch und Wintersalate. Zur Vermehrung von strauchigen, mehrjährigen Kräutern wie Thymian, Salbei und Rosmarin schneiden wir verholzte Stecklinge und bewurzeln diese in einer Mischung aus Kompost, Erde und Sand. Wichtig für die Wurzelbildung ist, dass die Mischung immer schön feucht bleibt und nicht austrocknet.

Wir bewässern unseren Garten nur sehr spärlich und nur wenn nötig. Wasser wird im Garten aber immer gebraucht und jetzt in den trockenen Monaten gehen wir besonders sorgsam damit um. Wir versuchen, so viel Regenwasser zu sammeln wie möglich. Dazu haben wir unter allen Dachrinnen Regentonnen aufgestellt. Wenn bei Trockenheit Wasser knapp ist und Sie nicht alle Pflanzen versorgen können, gilt es zu entscheiden, welche am dringendsten bewässert werden müssen: Priorität haben Sämlinge und frisch gesetzte Pflanzen, die noch wenig Wurzeln haben; danach kommen Kübelpflanzen und Kräuter, welche die Feuchtigkeit aus dem Boden ziehen können; nach diesen bediene ich Obst und Fruchtgemüse, wenn die Früchte gerade anwachsen; wenn noch Wasser übrig bleibt, folgen Gemüse, die leicht in Saat schiessen, zum Beispiel Salat, Stangensellerie, Spinat.

Falls wir verreisen, schneiden wir die Untersaaten und Gründüngungen mit der Sense und verwenden das Schnittgut als Mulch. Das schützt die Beerensträucher und die sich im Wachstum befindlichen Pflanzen vor dem Austrocknen. Gleichzeitig mache ich einen Rundgang im Gemüsegarten und dünne die Direktsaaten aus. Den Tomaten gebe ich nochmals eine Packung aus Brennnesseln, Beinwell und wässere gut.

Der Autor
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im Gesundheitszentrum in Teufen (AR) tätig, wo er mithilfe seiner Familie den Schaukräutergarten von A. Vogel hegt.


Foto: Frances Vetter

Tags (Stichworte):

Kategorie: Natur

Bäumig

Im Winter gibt es nichts zu tun im Garten? Von wegen! Jetzt ist die ideale...

Kategorie:

Kategorie: Natur

Vögel II: Überforderte Greifvögel

Windräder sind eigentliche Todesfallen für grosse Vögel – beispielsweise...