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Wider die Einfalt

Kategorie: Natur
 Ausgabe 06 - 2010 - 01.06.2010

Text:  Andres Jordi

Der Rückgang der Vielfalt von Pflanzen und Tieren konnte in der Schweiz bis heute nur unzureichend gebremst werden. Zu diesem Schluss kommt eine Gruppe von Experten.

Das offizielle Ziel der Schweiz, den Verlust an Biodiversität bis 2010 zu stoppen, ist gescheitert. Dieses Fazit ziehen über 80 Wissenschaftler und Fachexperten. Im kürzlich in Buchform erschienen Bericht «Der Wandel der Biodiversität in der Schweiz seit 1900 – Ist die Talsohle erreicht?» konstatieren die Forscher, dass die Artenvielfalt hierzulande weiter zurückgehe, weil für die Erhaltung und Förderung bislang zu wenig unternommen worden sei.

Laut der Studie sank die Biodiversität vor allem in Tal-Lagen auf ein sehr tiefes Niveau, während der Rückgang in Berggebieten langsamer verlief. Die Gründe für den Artenschwund sind sattsam bekannt: Intensivierung der Landwirtschaft, Ausdehnung des Siedlungsraums, die Transport- und Verkehrsinfrastruktur, einseitige Waldbewirtschaftung mit gezielter Förderung weniger Nutzbaumarten wie der Fichte, Eingriffe in die Gewässerdynamik, unter anderem zur Stromproduktion, sowie Gewässerverschmutzung.

Die Autoren weisen aber auch auf die seit den 80er-Jahren aufgenommenen Schutzbestrebungen hin. So hätten dank der Schutzverordnungen für Moore, Auen oder Trockenwiesen die wenigen verbleibenden Reste dieser Lebensräume besser gesichert werden können. Der ökologische Leistungsnachweis in der Landwirtschaft, Förderprojekte für gezielte Arten oder Gewässerrenaturierungen hätten ebenfalls zu einer Stabilisierung geführt.

Trotzdem konnte der Biodiversitätsverlust laut den Wissenschaftlern nicht gestoppt werden. Die Talsohle sei noch nicht erreicht und der Zustand vor allem im Mittelland bedenklich. «Für anhaltende Verluste sind unter anderem die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung in den Berggebieten, die Ausdehnung des Siedlungsraums und die Zunahme der Tourismus- und
Freizeitaktivitäten verantwortlich. Neue Bedrohungsfaktoren wie invasive Arten und direkte und indirekte Auswirkungen des Klimawandels werden den Druck auf bereits seltene Arten und Lebensräume zusätzlich erhöhen», schreiben die Experten. Eine echte Trendwende ist für sie unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen nicht möglich. Die nationale Biodiversitätsstrategie,
die gegenwärtig vom Bundesamt für Umwelt erarbeitet wird, müsse diesbezüglich einen Umschwung einleiten, fordern sie.

Literatur
Lachat, Pauli, Gonseth, Klaus, Scheidegger, Vittoz, Walter: «Der Wandel der Biodiversität in der Schweiz seit 1900 – Ist die Talsohle erreicht?», Haupt-Verlag 2010, Fr. 36.-

Foto: Baudepartement Kanton Aargau

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