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Im Garten Eden

Kategorie: Garten
 Ausgabe 05 - 2010 - 01.05.2010

Text:  Andreas Krebs

Ein Naturgarten ist Lebens- und Erholungsraum zugleich. «natürlich leben» sagt, wie einfach Sie Ihren Rasen und Balkon zum persönlichen und artenreichen Paradies umgestalten.

In der naturnahen «Erlebnisgärtnerei» von Martin Dietwyler im aargauischen Rüfenach summt, flattert und wuselt es, dass es der Seele gut tut. Der aromatisch duftende Kräutergarten und die farbenprächtigen Blütenpflanzen sind ein Paradies für die Sinne – aber auch für Insekten. Hier hat das Jahr der Artenvielfalt, das die Uno für 2010 ausgerufen hat, schon lange begonnen. Iglus aus Weiden und Sitzgelegenheiten aus Holz und Steinen laden zum Spielen und Verweilen ein, und sie bieten Unterschlupf für allerlei Getier. Etwa für die seltenen Gelbbauchunken und Geburtshelferkröten, die in der Gärtnerei Dietwyler leben. Oder für die rund hundert Eidechsen – die zweitgrösste Population im Kanton.

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Dietwylers Garten ist kein Naturschutzgebiet. Er ist eher ein Menschenschutzgebiet. Beim Betrachten der Blüten und Schmetterlinge, Käfer und Hummeln kommt man zur ach so selten gewordenen Ruhe. «Der Garten dient dem Menschen», sagt Dietwyler. Deshalb wachsen bei ihm Kräuter wie Oregano, Mauerpfeffer und Wildlauch. Die ziehen Insekten an, sind aber vor allem ästhetisch und schmackhaft. Für die Hecken wählt er Wildsträucher wie Cornellkirsche, Hagebutte und Schwarzdorn. «Letzterer speist die Raupen von 80 Falterarten», weiss Dietwyler. «Und ich mache aus den Beeren Konfi, Likör und falsche Oliven.»

Natur pur für Balkon und Terrasse
Auch wer nur einen Balkon oder eine Terrasse zur Verfügung hat, kann zum Artenschutz beitragen. «Solche Plätze können wichtige Mosaiksteine im Gefüge sein», sagt Martin Bolliger vom Naturama Aarau. Hier könne man auf kleinstem Raum alles anbieten, was es für eine grosse pflanzliche und tierische Artenvielfalt brauche: Wasser, Blütenpflanzen und beispielsweise ein kleines Insektenhotel. «Luftinsekten kommen immer», verspricht Bolliger. Und: «Man kann auf Balkon und Terrasse sogar Erstbeobachtungen machen.»
• Für sonnige Standorte empfiehlt Gartenspezialistin Nadja Röther «Schmetterlingstöpfe» mit Wildem Oregano, Quendel, Thymian, Klee, Salbei, Peterli und Basilikum.
• Für halbschattige bis schattige Plätze geeignet sind Geissblatt, Geissbart, Farn, Engelwurz, Gräser wie Waldhainsimse, Rhabarber oder Walderdbeeren, «die sind so wunderschön verträumt».
• Für das Minibiotop empfiehlt Röther Wasserminze, Sibirische Schwertlilie und die essbare Brunnenkresse.

Im Kleinen Grosses tun

Der naturnahe Garten verändert sich mit den Jahren; neue Pflanzen tauchen von selbst auf, andere verschwinden. Nie weiss der Gärtner genau, wie sich die Anlage entwickeln wird. «Der Naturgarten ist viel spannender als die immer gleich langweiligen Lifestyle-Gärten», findet Dietwyler.

In 30 Jahren des naturnahen Gärtnerns ist er zur Einsicht gelangt, dass «vor der Haustüre wächst, was wir brauchen». Deshalb bekämpft er den oft als Unkaut bezeichneten Giersch nicht mehr. Er verwendet ihn für Kräuterrisottos und Salate. «Viele sogenannte Unkräuter sind wertvoller als Gemüse», sagt der Gärtner.

Kann ein naturnaher Garten die Verbindung zwischen Mensch und Natur wieder schaffen? «Ja», meint er, «denn die Sorge ums grosse Ganze beginnt mit der Sorgfalt im Kleinen.»

 

Auf Einheimische setzen

Die üblichen Einöden aus Rasen und Koniferen bieten nur wenigen Arten einen Lebensraum, erst recht beim oft massiven Einsatz von Kunstdünger und Spritzmitteln. Aber muss der umweltbewusste Gärtner gleich seine Thuja-Hecke roden und dem Unkraut beim Wachsen zusehen? Anders gefragt: Wie sieht er aus, der ökologisch sinnvolle Garten?

«Einheimische Nektar- und Pollenpflanzen sind das Wichtigste», sagt Artenspezialist Bolliger. «Wenn wir einen permanenten Blütenhorizont von März bis Oktober schaffen, dann haben wir immer Insekten und deshalb auch Vögel im Garten, etwa den Hausrotschwanz oder den Alpen- und Mauersegler.» Doch ganz so einfach ist das nicht, denn ein Garten mit grosser Artenvielfalt ist das Ergebnis einer bewussten Planung, Umsetzung und Pflege. Zudem ist Geduld erforderlich und eine gute Pflanzenkenntnis.

Trotzdem: Auch naturnahe Gärten lassen sich bewusst gestalten. Mehr oder weniger. Röther rät, Pflanzen aus der Region zu kaufen, und zwar «bei spezialisierten Gärtnereien oder auf Märkten, dort gibt es auch das nötige Know-how.» Wichtig sei auch, qualitativ hochwertige Schweizer Erde ohne Torf zu verwenden.

«Es ist auch eine Frage des naturnahen Gärtnerns, wie viel Energie man in den Garten einsetzt», sagt die junge Gärtnerin. So sei eine Blumenwiese zwar «ein Traum» – aber nicht immer im Sinne der Natur.

«Es braucht eine recht grosse Fläche, um ökologisch Sinn zu machen, denn das dazu nötige nährstoffarme Substrat wird meist mit Lastwagen herangekarrt.» Als Alternative schlägt sie deshalb einen verwilderten Rasen mit «Wieseneffekt» vor. Gänseblümchen, Margriten, Feld-Witwenblumen, Wundklee und Thymian wachsen auch auf halbfettem Boden. Sie wachsen übrigens schon, wenn man weniger häufig und weniger tief mäht – und wer den Vorgang beschleunigen will, kann eine spezielle «Blumenrasen»-Samenmischungen in den Rasen einarbeiten. Dabei ist darauf zu achten, dass nur die Samen einheimischer Pflanzen in Bioqualität verwenden werden.

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Naturgarten statt Wildnis

Besonders wichtig ist die Pflanzenkenntnis beim selektiven Jäten. So müssten etwa auf Ruderalflächen Karden und Disteln vor dem Absamen auf zwei bis drei Stück reduziert werden. Alles wachsen lassen ist keine gute Philosophie, denn ohne Pflege verschwindet die Biodiversität; schliesslich würde gar der Mensch aus seinem eigenen Garten vertrieben, etwa von Schlehen oder Brombeeren, die alles überwuchern, wenn ihnen niemand Einhalt gebietet.

Ein vielfältiger Naturgarten ist also keineswegs besonders pflegeleicht. Wie viel Pflege der Naturgarten braucht, hängt jedoch in erster Linie von den Vorstellungen der Gartenbesitzer ab. «Das Wichtigste ist die Freude am Garten», sagt Röther. «Mit Geduld, Liebe und gutem Beobachten kann man eigentlich nicht viel falsch machen.

Literatur
Reinhard Witt: „Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten“, NaturGarten 2008, Fr. 88.90
Wolf Richard Günzel: „Lebensräume schaffen“, Pala-Verlag 2006, Fr. 24.90

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Foto: Bildagentur Waldhäusl, fotolia.com, AndrewH.uk / flickr / cc

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