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Über sechs «Eggen»

Kategorie: Natur
 Ausgabe 05 - 2010 - 01.05.2010

Text:  Ueli Hintermeister

Der Schwyzer Panoramaweg bietet anspruchsvolle Höhen und genussvolle Wege – beides kombiniert in einer 2-Tages-Tour über den alpinen Hoch-Ybrig bis in die lieblich flachen Moorgebiete von Rothenturm.

Trotz ruhenden Skiliften, Sesselbahnen und von Musik beschallten Sonnenterrassen ist der Hoch-Ybrig auch im Sommer ein Gebiet, das man mit gutem Gewissen als Wanderregion empfehlen kann.

Die Einsamkeit sucht man hier wie bei allen gut erschlossenen Wanderrouten vergeblich. Dies gilt speziell für das Herzstück des Schwyzer Panoramawegs zwischen Ibergeregg und Hagenegg und insbesondere natürlich für das Wochenende. Aber auch wer lieber auf einsamen Wegen unterwegs ist und die Natur ungern mit vielen anderen teilt, darf sich den Schwyzer Panoramaweg getrost vornehmen. Die offizielle Route führt vom Kleinen Sternen im Hoch-Ybrig-Gebiet über die Ecken der Iberger-, Holz- und Haggenegg nach Mostelberg, was sich gut in einem Tag bewältigen lässt. Doch mit einer Verlängerung am Anfang und am Ende sowie einer Übernachtung dazwischen wandelt man nicht nur auf den angefügten Enden auf deutlich einsameren Pfaden, sondern begeht auch das populäre Herzstück zu Tageszeiten, wenn die meisten schon wieder auf dem Heimweg oder aber noch nicht angekommen sind.

Einstieg über Leitern

In der von uns vorgestellten Variante beginnt der Panoramaweg in Weglosen. Das erste Zwischenziel ist die Druesberghütte, am einfachsten erreichbar auf der Fahrstrasse, wesentlich aufregender jedoch ist der Aufstieg über den Leiternweg: Weiss-blau-weiss markiert, bietet dieser Weg keine technischen Schwierigkeiten und führt zuerst steil, über hohe Stufen durch den Wald hinauf an den Fuss der Felswand, die sich über Weglosen auftürmt und kaum überwindbar scheint.

Geschickt eine Rinne ausnutzend, gewinnt man rasch an Höhe und geniesst dabei den immer weiter werdenden Ausblick. Der gut gesicherte Steig ist ein attraktiver Aufstieg zur Druesberghütte; wer allerdings Tiefblicke nicht schätzt und für die zuweilen hohen Tritte nicht gelenkig genug ist, wählt vorzugsweise die Fahrstrasse.

Wer sich, auf der Hüttenterrasse sitzend, vom nahen Druesberg und seinem Nachbarn, dem etwas niedrigeren Forstberg, angezogen fühlt, folgt der weissblauen Wegmarkierung hinauf zum Sattel zwischen den beiden benachbarten Gipfeln. Ein Abstecher zum Druesberg drängt sich hier beinahe auf, doch wer am selben Tag noch bis zur Ibergeregg will, sollte sich diesen kleinen Ausflug gut überlegen, verlängert sich doch das ohnehin schon recht ambitiöse Tagesprogramm so um eine gute Stunde.

Die unmittelbare Nähe zu den grossen Innerschweizer Bergen macht den Forstberg zu einem sehr lohnenden Aussichtsberg. Nicht zuletzt überblickt man von hier oben die weite, silbrig glänzende Welt der Silberen, ein riesiges Karstgebiet, welches auch das Höllloch beherbergt, eines der längsten Höhlensysteme Europas. Steil vom Gipfeldach abwärts, dann mehr oder weniger den Grat entlang mit einigen recht ausgesetzten Passagen bringt uns die weiss-blaue Route ebenfalls zum Kleinen Sternen, dem eigentlichen Tor zum Schwyzer Panoramaweg. Von hier aus streben wir dem Etappenziel, der Ibergeregg entgegen.

Der Schwyzer Panoramaweg wurde – nicht zuletzt angespornt durch den Erfolg des 1991 eröffneten «Wegs der Schweiz» – in den Jahren 1993 bis 1998 realisiert. Der Weg verläuft natürlich meist auf früher schon bestehenden Pfaden, die aber saniert, neu beschildert und zum Teil auch neu und vorteilhafter angelegt wurden.

Ausblick auf die Mythen

Langsam beginnen am zweiten Tag die Mythen das Blickfeld zu füllen und rücken mit fortschreitender Tour immer näher. Die zwei eigentümlichen Berggestalten sind Überreste der einstmals riesigen penninischen Deckenmasse, die ansonsten in schon weit zurückliegenden Zeiten abgetragen worden ist. Im Unterschied zur Umgebung, die hauptsächlich aus Nagelfluh besteht, sind die Mythen aus sechs verschiedenen Kalksteinarten aufgebaut, was zu ihrer auch optisch auffälligen Erscheinung beiträgt. Auf der Ostseite der beiden Felsriesen, zu denen auch der kleine Nachbar Haggenspitz zählt, leitet der Panoramaweg zur Haggenegg und strebt dann nach Mostelberg, wo eine Gondelbahn nach Sattel hinab hilft.

Auf der Haggenegg verlassen wir den Panoramaweg. Wer mag, besteigt noch die grasbewachsene Pyramide des Hochstuckli. Ansonsten lockt nun der zumeist bewaldete Rücken, der das Alptal nach Westen einrahmt und der auf dem spitzen Nüsellstock einen letzten Höhepunkt findet. Die Variante Haggenegg–Nüsellstock– Rothenturm ist sozusagen das Dessert, ein liebliches, überaus angenehmes Stück Weg, ein Wechselspiel von Bäumen, blumenreichen Wiesen, Alpweiden, Fernsicht und dem Reiz der Schätze am Wegrand. Die schroffen Felstürme der Mythen im Rücken, hat man nun die mit zunehmender Ferne sanfter und flacher werdenden, von den Voralpen ins Mittelland übergehenden Hügelzüge im Blickfeld. In leichter Biegung liegt das glitzernde Band des Zürichsees zu Füssen des Betrachters und an seinem Ende, im dunstigen Licht kaum auszumachen, die Stadt Zürich.

Auf dem Schwyzer Panoramaweg
• Charakter

Von der Druesberghütte über den Forstberg zum Kleinen Sternen ist es eine alpine Route. Die Etappe über den Forstberg kann aber umgangen werden (siehe «Varianten»). Vom Kleinen Sternen bis nach Rothenthurm auf einfachen, gut ausgebauten Wegen oder Fahrstrassen.
• Wanderung
Anfahrt: Mit der Südostbahn nach Einsiedeln, dann mit direktem Bus ab Einsiedeln via Unteriberg zur Talstation der Hoch-Ybrig-Luftseilbahn in Weglosen.
1. Tag: Der weiss-blau-weiss markierte Leiternweg führt ab Weglosen die steile Ostflanke des Tals hinauf nach Ober Gruebi, dann auf dem normalen Hüttenweg über Weiden zur Druesberghütte. Von dort über die Alplandschaft auf das Chalberalpeli. Hier beginnt ein stetig steiler werdendes Geröllfeld, das man auf einem Zickzackweg hinaufsteigt bis auf den Sattel zwischen Druesberg und Forstberg. Nun nach rechts über Geröll bis zum Gipfelaufbau und auf steilem Pfad zum Forstberggipfel (2215 m ü. M.). Über die Nordwestflanke des Berges abwärts zu P. 2026, der Schlüsselstelle der Tour: ein ausgesetztes Felsband mit Kettensicherungen und durch Kies etwas rutschigem Untergrund (bei Nässe meiden). Weiter auf dem Verbindungsgrat zwischen Forstberg, Grossem und Kleinem Sternen. 8 km, 1250 m Aufstieg, 450 m Abstieg, 4 ¾ Std., T4. Ab Kleinem Sternen auf breiten, guten Wegen zuerst weiter dem First entlang, dann kurzer Abstieg zum Nühü̈ttli, von wo es zum Spirstock (1771 m ü. M.) hinauf geht. Über Laucherenchappelen zur Sternenegg und schliesslich über einen kleinen Sattel zur Ibergeregg. 7 km, 200 m Aufstieg, 600 m Abstieg, 2 ¼ Std., T2.
2. Tag: Ab Ibergeregg auf einer Fahrstrasse leicht ansteigend durch die Südwestflanke nach Zwäcken, weiter zur Müsliegg und dann direkt zur Stäglerenegg und Holzegg. Nun dem Fuss des Grossen Mythen entlang nach Zwüschet Mythen und durch bewaldetes Gebiet zur Haggenegg. 7 km, 300 m Aufstieg, 300 m Abstieg, 2 Std., T2. Ein kurzes Stück auf der Teerstrasse Richtung Mostelberg, dann rechts hinauf zu einem Sattel (P. 1475) zwischen Hochstuckli und Nätschboden. Hier zweigt die Fortsetzung der Tour nach rechts ab und steigt auf den Grat, der die Haggenegg mit dem Nüsellstock verbindet. Über mehrere kleinere Auf- und Abstiege zum Nüsellstock (1478 m). Nun steil abwärts durch den Wald auf eine Forststrasse, der man bis zu einem Übergang (P. 1206) zwischen Rothenthurm und Trachslau folgt. Abstieg durch Wald und Moorlandschaft und schliesslich über Weiden nach Rothenthurm. 11 km, 400 m Aufstieg, 900 m Abstieg, 3 ½ Std., T3.
• Varianten
1. Tag: Von Weglosen auf dem Hüttenweg zur Druesberghütte. Weiter auf dem Bergwanderweg, der die Nordwestflanke des Forstbergs entlang zum Kleinen Sternen führt. 8 km, 900 m Aufstieg, 100 m Abstieg, 3½ Std., T3.
2. Tag: Ab Haggenegg weiter auf dem Schwyzer Panoramaweg, um den Engelstock nach Mostelberg. 6 km, 140 m Aufstieg, 360 m Abstieg, 1 ½ Std., T1.
• Unterkunft und Verpflegung
Druesberghütte, 8842 Unteriberg Telefon 055 414 11 63, www.druesberghuette.ch
Hotel Passhöhe, Ibergeregg, 8843 Oberiberg, Telefon 041 811 20 49, rubliwhatever@ibergeregg.ch, www.ibergeregg.ch
• Informationen
Ferien- und Sportregion Ybrig Jessenenstrasse 5, 8843 Oberiberg, Telefon 055 414 26, 26, www.ybrig.ch, Schwyzer Wanderwege, Brand 18, 6436 Ried-Muotathal, Telefon 041 820 04 24, infowhatever@schwyzer-wanderwege.ch
www.schwyzer-wanderwege.ch, www.mythenregion.ch, www.sattel-hochstuckli.ch
Landeskarte 1: 25 000, 1152 Ibergeregg, Landeskarte 1: 50000, 236 Lachen

Fotos: zvg, swiss-image.ch, Peter Ruegger

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