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Frisch gestrichen

Kategorie: Garten
 Ausgabe 03 - 2010 - 01.03.2010

Text:  Veronica Bonilla

Weder ein Malerdiplom noch handwerkliches Talent oder ein dicker Geldbeutel sind nötig, um Haus oder Wohnung mit Farben zu verschönern. Der eigenen Gesundheit und de Umwelt zuliebe lohnt es sich, Naturfarben zu wählen.

Natürliche Farben haben den synthetischen gegenüber zahlreiche Vorteile: Sie beeinflussen das Raumklima positiv und lassen uns frei atmen, sie dienen der Werterhaltung, sind anwendungssicher, und, so Knieriemen: «Naturfarben stimmen heiter, haben Rhythmus und Klang. Wer je damit gearbeitet hat, wird kaum zu konventionellen Farben zurückkehren wollen.»

In der Schweiz sind die gesundheitsfreundlichen Anstriche allerdings nur in spezialisierten Malergeschäften oder Biomärkten erhältlich. Die Farben, die Grossverteiler unter dem Umweltzeichen «Blauer Engel» oder mit dem Zusatz «öko» verkaufen, sind nämlich meist petrochemischer Herkunft. Unterschied zu den konventionellen Produkten: «Sie sind arm an Lösungsmitteln und enthalten zum Teil auch weniger bedenkliche Zusatzstoffe wie Formaldehyd oder Weichmacher», sagt Felix Meier, Spezialist für Bauökologie beim WWF.

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Wer liefert was?

Die bekanntesten Hersteller von Farben mit hohen ökologischen Ansprüchen stellt Heinz Knieriemen in seinem Ratgeber vor: Dazu gehören Aglaia, Auro, Leinos, Livos, Biofa, Kreidezeit, Sehstedter, Haga und Thymos. «Der Markt ist ständig in Bewegung», so Knieriemen. Die Produkte werden laufend verändert und verbessert. Wer über die Zusammensetzung der Farben genau Bescheid wissen will, lässt sich im Fachhandel beraten oder studiert die technischen Merkblätter der jeweiligen Produkte, die zumeist auf den Webseiten der Hersteller einsehbar sind. Denn auch manche Naturfarben enthalten kleine Mengen künstlicher Zusätze. «Einer der wenigen Hersteller auf dem Markt, der bei sämtlichen Produkten ohne synthetische Zusätze auskommt, ist Auro», sagt Reto Fux vom Öko Bau Markt in Bern.

Der Fingertest

Vor dem Farbenkauf muss geklärt werden, wie die Wände beschaffen sind, die man verschönern will. Denn: «Je nach Untergrund braucht man eine andere Farbe», so Knieriemen. Klarheit bringt der Fingertest. Man reibt mit einem nassen Finger über die Wand, bleibt schmierigkreidige Farbe zurück, ist es Leimfarbe, haftet nur wenig am Finger, ist es Dispersion. Färbt sich der Finger stark, handelt es sich um Kalkfarbe. Tapete ist übrigens kein Hindernis, solange sie gut haftet. «In der Regel kann sie mit den meisten Farben übermalt werden», sagt Martin Tschumi von Thymos Naturbaustoffe in Lenzburg. Am besten lässt man sich in einem auf Naturfarben spezialisierten Fachgeschäft beraten, welcher Farbtyp zum Untergrund passt. «Auch manche lokale Malergeschäfte kennen sich aus, herumfragen lohnt sich», so Tschumi.

Bleibt es vielleicht doch besser beim neutralen Weiss? Über die Wirkung von Farben auf die Psyche des Menschen wurden ganze Bücher geschrieben, auch im Internet findet sich viel Einschlägiges. Am besten man stellt sich die Wand oder den Raum in der gewünschten Farbe vor und entscheidet nach Gefühl.

Malen in der Mietwohnung – das sagt das Gesetz
Bauliche Veränderungen am Mietobjekt dürfen Mieter gemäss Artikel 260a OR nur mit schriftlicher Zustimmung der Vermieterschaft vornehmen. Das Einholen der Einwilligung lohnt sich: Ergibt sich nämlich aus der Renovation ein erheblicher Mehrwert, kann der Mieter beim Auszug eine Entschädigung verlangen. «Am besten wird die Höhe der Vergütung gleich beim Einholen der Bewilligung geregelt», sagt Regula Mühlebach, Geschäftsleiterin des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbands.
Wer eigenhändig und ohne Einverständnis des Vermieters Wände anmalt, begeht eine Vertragsverletzung, hat aber ansonsten wenig zu befürchten, solange keine massiven Eingriffe in die Bausubstanz vorgenommen werden. Bei Beendigung des Mietverhältnisses kann der Vermieter allerdings verlangen, dass der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt wird.

Nass in nass arbeiten

Stehen die Farbkübel im Haus, kann die Arbeit beginnen. Als erstes müssen Bilder abgehängt, Möbel verschoben und die Wände gereinigt werden. Sämtliche Ränder und alles, was von der Farbe verschont bleiben soll, klebt man mit Klebband ab, auf den Boden kommen Packpapier, Karton oder Plastik. Diese Vorbereitungen sind meist deutlich aufwendiger als das Malen selbst.

Endlich gehts los! Zuerst Kanten und Ecken mit dem Pinsel streichen, dann den Roller tief in die Farben tauchen, am Gitter abstreifen und zuerst von unten nach oben rollen, damit die Farbe nicht tropft. Was für ein Genuss, wenn Schmutzspuren oder Kinderkritzeleien wie von Zauberhand unter dem Pinsel oder dem Roller verschwinden und der Gang plötzlich in fröhlichem Grün erstrahlt! Schnell ists gegangen: Eine Wand von zehn Quadratmetern ist in einer Stunde geschafft.

Damit das Ergebnis wirklich Freude macht, gelten folgende Profitipps: Nicht zuerst alle Kanten streichen und dann erst die Flächen, sondern «nass in nass» arbeiten, damit das Gerollte und das Gepinselte miteinander trocknen können. Ebenfalls wichtig: Klebband entfernen, bevor die Farbe trocknen ist, sonst kann es kleinere Farbabrisse geben. Je nach Farbtyp mehrere Stunden trocknen lassen und gut lüften. Bei Bedarf einen Zweitanstrich auftragen.

Immer wieder hört man, Naturfarben seien qualitativ schlechter als synthetische Farben. Die Fachleute widersprechen: «Das traf vor 20 Jahren zu, heute funktionieren Naturfarben perfekt», so Reto Fux. Ein weiteres Vorurteil, das sich hartnäckig hält: Naturfarben seien viel teurer. «Preislich sind unsere Produkte mit konventionellen, qualitativ hochwertigen Farben in etwa gleich zu setzen», so Tschumi von Thymos. Synthetische Billig-Produkte aus dem Hobby-Baumarkt können jedoch 20 bis 50 Prozent günstiger sein. Ein Kilogramm Naturharzdispersion kostet, je nach Farbtyp, zwischen 8 Franken (grosser Weissanteil) und 19 Franken (knallige Farbe) und reicht für drei bis fünf Quadratmeter.

Literatur
• Heinz Knieriemen und Martin Krampfer: «Naturfarben – Farben, Anstriche, Verputze», AT-Verlag 2006, Fr. 39.90
• Helena Arendt: «Werkstatt Pflanzenfarben – Natürliche Malfarben selbst herstellen und anwenden», AT-Verlag 2009, Fr. 39.90

Fotos: irisblende.de, fotolia.com

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