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Sommergarten

Kategorie: Natur, Garten

Text:  Remo und France Vetter

Es blüht in geradezu überschäumender Pracht – ein Fest für alle Naturliebhaber. Gärtner freuen sich besonders auch über frische Kräuter, denn sie sind gesund und bringen Würze ins Leben. Damit sie gedeihen, gilt es, einiges zu beachten.

dave brüllmann

Jetzt im Hochsommer versprüht unser Garten ein mediterranes Flair. An der schützenden Hauswand blüht der Rosmarin, im Halbschatten der Veranda ein alter Salbeistock und auch die jüngst zugekauften Zitronenbäumchen gedeihen prächtig. In den Töpfen auf der Terrasse haben wir Rucola und wärmeliebenden Basilikum gepflanzt. Beide passen wunderbar zu allerlei Sommergerichten. Spaghetti, frische Tomaten und etwas geschnittene Kräuter, fertig ist der schnelle Schmaus.

Einerseits halten Kräuter uns gesund, andererseits bringen sie Würze ins Leben respektive in die Speisen. Um frische Kräuter zu pflegen, braucht es weder viel Platz noch Zauberei; sie gedeihen meist prächtig, viele sind anspruchslos und damit gerade für Gartenneulinge bestens geeignet.

Überraschung für Gourmets Eines unserer absoluten Lieblingskräuter ist das Basilikum, von den Gärtnereien zur Pflanze des Jahres 2021 erkoren. Unser Basilikum steht in einem Topf auf der Terrasse gleich vor der Küche, damit wir beim Kochen stets auf seine Blättchen Zugriff haben. Selbst eine einfache Vorspeise macht das Basilikum zum Festessen; und es birgt für uns ein bisschen den Esprit des Südens. Man fühlt sich gleich ein wenig wie in den Ferien, wenn der Basilikumduft in die Nase steigt.

Überraschung für Gourmets
Die herrlichen mediterranen Basilikum-Klassiker wie Spaghetti al Pesto oder Insalata Caprese sind rasch zubereitet und schmecken immer. Und auch in thailändischen oder indischen Gerichten hat Basilikum eine lange Tradition. Hier werden vor allem die Sorten mit Anis-, Zimt- oder Citrus-Noten verwendet. Überraschende Gaumenfreuden bereitet Basilikum in Kombination mit Süssem. So passt das aromatisch würzige Kraut zum Beispiel hervorragend zu Früchten und Beeren.

Basilikum ist jedoch nicht nur bei Gourmets beliebt, sondern auch aufgrund seiner positiven Wirkung auf die Gesundheit. Basilikum-Tee wird beispielsweise als beruhigendes, krampflösendes Mittel bei Verdauungsproblemen empfohlen. Verwendet wird das ganze Kraut: Einfach mit heissem Wasser übergiessen und zehn Minuten ziehen lassen. Basilikum wirkt ausserdem appetitanregend, hustenstillend, milchvermehrend, nervenberuhigend, schlaffördernd, schweisstreibend und potenzstärkend.

Ob als Tee, in mediterranen oder asiatischen Speisen oder als süsses Dessert, Basilikum sollte nur frisch verwendet werden. Beim Trocknen gehen (zu) viele Aromastoffe verloren. Auch gekocht schmeckt er nicht wirklich. In warmen Speisen wird Basilikum deshalb erst zum Schluss, kurz vor dem Servieren, beigegeben. Um die unvergleichlichen Sommeraromen des Basilikums für die kühlere Jahreszeit zu konservieren, kann man Basilikum-Pesto oder -öl herstellen, Letzteres passt ideal zu Tomatensalaten. Dazu einfach 2–3 EL frische Basilikumblätter mit ¼ l Olivenöl übergiessen, etwas Salz und schwarzen Pfeffer dazugeben. Auf dieselbe Weise kann man auch Basilikumessig herstellen; wir verwenden dazu naturtrüben Apfelessig. Auch als Basilikum-Salz oder fein gehackt und eingefroren bleiben die Aromen recht gut erhalten.

 

Gartenarbeit im Juli

Nutzgarten


● Frei gewordene Beete nie brach lassen. Noch können Saaten von Gemüse und Gründüngung (z.B. Buchweizen, Tagetes, Phacelia) sowie Setzlinge ausgebracht werden.

● Gemüse und Kräuter
direkt oder in Saatschalen säen: Basilikum, Radieschen, Rettiche, Spinat, Salate, Endivie, Chinakohl und Winterblumenkohl sowie bis Monatsmitte Buschbohnen, Fenchel und Karotten.

● Setzlinge pflanzen: Blumenkohl, Broccoli, Fenchel, Federkohl, Stangensellerie, Kohlrabi, Salat und Lauch.

● Im Beerengarten die Neutriebe der Brombeere und Himbeere aufbinden, die Ausläufer der Erdbeere entfernen. Johannisbeere und Stachelbeere nach der Ernte auslichten.

● Pflanzen mit hohem Nährstoffbedarf (Kohl, Wirz, Lauch) mit Kompost und stickstoffbetonter Düngung versorgen.

Ziergarten

Pflanzen in Gefässen regelmässig – wenn möglich frühmorgens – giessen und düngen. Pflanzen in Gartenerde nicht zu oft, dafür ausgiebig in den Wurzelbereich wässern.

Regelmässiges Entfernen von Verblühtem oder gar einen Rückschnitt verdanken Sommerblumen und Stauden mit einem ausdauernden Blühen bis zum Frost.

Zweijahresblumen säen: Bartnelke, Dotterlack, Gartenbürsteli, Hornveilchen, Stockrosen, Stiefmütterchen und Vergissmeinnicht.

Sommergrüne Laubhecken und Hecken aus immergrünen Nadelgehölzen (Eibe, Thuja) schneiden.

 

So gedeiht Basilikum
Es gibt viele Basilikumsorten. Unsere Favoriten sind das Genoveser Basilikum für italienische und mediterrane Speisen, Basilikum Marseillaise für die französische Küche, Zitronen- und Griechisches Basilikum für Sommersalate mit Feta und Oliven, Thai-Basilikum für die asiatische Küche sowie Indisches Basilikum, das auch als Heiliges Basilikum oder Tulsi (Ocimum sanctum) bezeichnet wird und in der ayurvedischen Heilkunde eine grosse Bedeutung hat. Tulsi bedeutet im Indischen «Unvergleichliche» und ist den Hindus das heiligste Kraut überhaupt, die «Königin der Kräuter».

Alle Sorten haben ähnliche Bedürfnisse. So benötigt Basilikum einen warmen, geschützten und hellen Standort. Es sollte deshalb erst ins Freie, wenn die Temperaturen nicht mehr unter 12 °C sinken (ca. ab Mitte Mai). Optimal sind sonnige bis halbschattige Standorte, die über Mittag vor intensiver Sonneneinstrahlung geschützt sind. Die Wurzelballen sollten regelmässig feucht, aber keinesfalls nass sein und nie ganz austrocknen. Um Basilikum längerfristig nutzen zu können, sollten die Pflanzen nach dem Kauf in ein grösseres Gefäss oder Kistchen gepflanzt werden. Rund vier bis sechs Wochen nach dem Pflanzen sollte dem Giesswasser wöchentlich einmal Dünger beigegeben werden.

Bei der Ernte sollten nicht einzelne Blätter abgezupft, sondern ganze Triebe oberhalb eines Blattpaares abgeschnitten werden. So bleibt die Pflanze vital, wird immer buschiger und blüht kaum. Beginnt Basilikum zu blühen, stellt es die Entwicklung neuer Blätter und Triebe praktisch ein. Es bilden sich lange Blütenrispen mit zahlreichen kleinen, weissen oder lilafarbenen Blüten, die rege von Bienen und anderen Insekten besucht werden. Die Blüten lassen sich als essbare Dekoration verwenden. So hat auch blühendes Basilikum durchaus seinen Wert.

Kleine Kräuterkunde
Bietet man Küchenkräutern einen passenden Standort, sind sie erstaunlich genügsam. Einzig Sorten, die in Töpfen gehalten werden, gilt es, regelmässig zu wässern. Das aber mit Augenmass, denn Kräuter vertragen Staunässe schlecht. Sie gedeihen in der Natur ja oft auf sehr kargen Böden, sei es am Mittelmeer auf sandigen Böden oder bei uns an Bahndämmen und auf Magerwiesen. Auch Dünger brauchen Kräuter nur wenig, die meisten sind Schwachzehrer. Ein Übermass an Nährstoffen macht sie krank und oft auch fade: Werden Kräuter zu stark gedüngt, bilden sie meist weniger Aromastoffe aus.

An der prallen Sonne bilden Rosmarin, Thymian, Oregano, Majoran, Bohnenkraut, Fenchel, Dill, Estragon, Lavendel und Kamille mehr aromatische Stoffe aus als im Schatten. Entsprechende Kräuter erkennt man an ihren schmalen Blättern – sie begrenzen die Wasserverdunstung. Kräuter mit grossen, weichen Blättern hingegen wachsen meist lieber im Halbschatten. Für Kräuter in Töpfen haben wir diesen Tipp: Drehen Sie die Töpfe und Schalen einmal wöchentlich um die Achse, damit die Pflanzen gleichmässig wachsen.

Kräuter lassen sich nahezu überall halten und sind ideale «Lückenfüller», egal ob in Töpfen oder in den Beeten. Manche Kräuter sind derart schön, dass sie selbst in Blumengemeinschaften überzeugen. Wir denken dabei z. B. an die Kapuzinerkresse, deren Blätter und Blüten an Salaten wunderbar schmecken. Oder an Duftnesseln (Agastache-Sorten), die von Juni bis Oktober blühen und deren Blüten und Blätter je nach Sorte nach Zitrone, Minze, Anis oder Fenchel duften und so Salate und andere Speisen aromatisieren. Säen kann man alle Kräuter selbst – wenn man warten mag. Für alle, die an eine schnelle Ernte denken, empfiehlt es, sich auf dem Wochenmarkt oder in Gärtnereien Setzlinge zu kaufen.

Anbau von Küchenkräutern
Mehrjährige Kräuter, die in freier Natur wachsen, benötigen wenig Dünger und Fürsorge. Kräuter in Töpfen hingegen sind auf unsere Fürsorge angewiesen. Es gilt, sie regelmässig zu wässern und vor tierischen Gourmets zu schützen. Denn auch Schnecken lieben Kräuter, allen voran das Basilikum. Darum ist dieses bei uns im Topf auf der Terrasse besser aufgehoben als im Gartenbeet. Kräuter, die man im Handel kaufen kann, stehen meist in zu kleinen Töpfen. Man sollte sie unbedingt umtopfen oder je nach Wuchsdichte sogar vorsichtig teilen und neu eintopfen. «Mittelmeerkräuter» vertragen schwere Böden schlecht. Darum muss die Erde unbedingt durchlässig gemacht werden, indem man Sand, Kies oder Steine einarbeitet. In Töpfen muss das Wasser ungehindert abfliessen können, damit keine Staunässe entsteht. Im Sommer tragen die meisten Küchenkräuter Blüten. Die Blütenknospen sollte man frühzeitig wegknipsen, sonst geht der Pflanze Saft und Kraft verloren, die sie fürs Wachstum braucht. Andererseits erfreuen die Blüten Wildbienen und Co. Auch wer später Samen ernten will, lässt die Blüten am einen oder anderen Zweig stehen. Die Blütenstände von Basilikum und Oregano können übrigens gegessen werden, sie schmecken sogar aromatischer als die Blätter.

Gartenarbeit im August



Nutzgarten


Bei Trockenheit am Morgen giessen, möglichst nur den Wurzelbereich (vermeidet Pilzbefall der Blätter).

Bei Tomaten neue Blütentriebe entfernen, denn bis zur Reife reicht die Zeit kaum mehr.

Direkt aussäen: Rucola, Nüssler, Frühlingszwiebeln, Gartenkerbel, Koriander, Pflücksalat (Wintersorten), Radicchio sowie Spinat und Gründüngung.

Setzlinge pflanzen von Endivie, Fenchel und bis Monatsmitte Chinakohl, Kohlrabi, Kopfsalat und Winterblumenkohl.

● Rhabarberstöcke pflanzen und Steckzwiebeln sowie Knoblauch stecken.

● Beeren nicht mehr düngen. Erdbeeren möglichst bis Mitte Monat pflanzen. Abgetragene Ruten der Sommerhimbeeren ausschneiden, Neutriebe aufbinden. Fruchttriebe von Brombeeren einkürzen.



Ziergarten

● Pflanzen ausputzen, wenn nötig zurückschneiden.

● Knollen ausgewählter Zwiebelblumen setzen.

● Mitte August
ist der letzte Saattermin für Frühlingsblüher wie Stiefmütterchen, Dotterlack und Vergissmeinnicht.

● Immergrüne Sträucher, Fingerhut, Marienglockenblumen, Pfingst- und Stockrosen sowie Zierkohl auspflanzen.

● Immergrüne Hecken schneiden.

● Kübelpflanzen ab Monatsmitte nicht mehr düngen.


Fast alle Kräuter harmonieren miteinander und lassen sich auch problemlos mit Gemüse kombinieren. Basilikum und Tomaten vertragen sich prima, ebenso Bohnenkraut und Buschbohnen sowie Dill und Gurken. Kamille wiederum schätzt die Gesellschaft von Zwiebeln und Rüebli. Fenchel hingegen verträgt weder Kümmel, Dill noch Koriander. Und auch Petersilie und Schnittlauch sollten gebührend Abstand halten. In unserem Garten vertragen sie sich zwar erstaunlich gut – aber wohl auch nur, weil wir ihnen genügend Platz lassen. Einzeln pflanzen sollte man alle Minzen- und Melissen-Arten, denn deren Rhizome und Ausläufer unter dem Boden bringen Nachbarn schnell in Bedrängnis, insbesondere in Töpfen. Wermut sollte überdies im Garten separiert stehen, denn dieser wirkt auf viele Pflanzen wachstumshemmend. Auch Maggikraut ist ein Solist; in frischer, nahrhafter Erde wird diese Pflanze beeindruckend gross und hemmt dadurch das Wachstum umliegender Pflanzen.

Pflege, Ernte – und dann?
Damit unsere Kräuter und auch die Blumen nicht krank werden, geben wir Ihnen mehrmals wöchentlich Auszüge aus Brennnesseln und Beinwell. Auch die richtige Lage leistet einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung der Pflanzen. Wichtig ist ausserdem das Ansiedeln von Nützlingen wie Marienkäfern und Ohrwürmern, die die Pflanzen vor Läusen bewahren. Blattläuse lassen sich auch mit den Fingern abstreifen oder mit einem Wasserstrahl wegspritzen. Falls Kräuter oder Blumen dennoch einmal serbeln sollten, schneiden wir die pilzbefallenen Blätter und Triebe weg.

Um zu ernten, werden an Kräutern Triebe resp. Triebspitzen weggeschnitten, aber nie abgebrochen, sonst nisten sich in den Knickstellen leicht Pilzkrankheiten ein. Idealerweise setzt man die Schere kurz vor der Blüte an einem sonnigen Tag an. Denn dann bergen die Blätter besonders viele Aromastoffe.

Trocknen lassen sich bei den meisten Arten und Sorten sowohl die Triebe wie auch die Blätter. Von Melisse, Pfefferminze, Maggikraut trocknet man jedoch nur die Blätter. Damit möglichst wenig Aromastoffe verloren gehen, sollte man sie vorsichtig vom Stil lösen. Wir trocknen die Blätter auf weissen Leintüchern im schattigen Garten oder auf Packpapier im luftigen Estrich, wenn das Wetter einmal nicht so gut ist. Triebe und Stängel binden wir zu losen Bündeln zusammen und hängen diese an eine sonnengeschützte Wand oder an einen Balken, damit sie gut belüftet werden und nicht schimmeln. Nach drei bis vier Tagen sollten die Kräuter trocken sein und können in Baumwollsäcke oder in Gläser abgefüllt werden. Mit ihnen überbrücken wir die Zeit, in der es keine frischen Kräuter gibt. Jetzt aber, wenn diese spriessen, verwende man sie am besten so frisch wie möglich.

 



Frances und Remo Vetter
sind als freischaffende Gartengestalter, Referenten und Buchautoren unterwegs.

 Fotos: dave brüllmann, at verlag| www.at-verlag.ch | getty-images.com | zvg

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