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Natürliche Schmerzmittel

Kategorie: Natur

Text:  Erna Jonsdottir

Paracetamol, Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Diclofenac – von Schmerzen geplagt, greift man gerne in die chemische Hausapotheke. Doch es geht auch anders: Heilpflanzen wie die Weidenrinde, der Beinwell oder Arnika lindern Schmerzen ebenso, und zwar ohne Nebenwirkungen.

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Aua!», schreit das Kind und rennt weinend zur Mutter. Schmerzen sind unangenehm – trotzdem sollten wir sie nicht als unseren Feind betrachten. Wie wir es im Kindesalter lernen, haben sie eine wichtige Alarm- und Schutzfunktion: Das Kind wird durch seine ersten Schmerzerfahrungen den Finger nie wieder in die Flamme einer Kerze halten oder unbedacht eine Brennnessel rausreissen.

Im Verlauf unseres Lebens werden die meisten aber von weitaus schwereren Leiden geplagt, die sehr starke Schmerzen auslösen können. «Nimm doch e Tablette», ist oft der gut gemeinte Rat. Und ehrlich gesagt sind «Painkillers» (das englische Wort bringt es auf den Punkt) aufgrund der effektiven und schnellen Wirkung bequem: Der Schmerz ist innert Kürze weg und das Leben geht weiter.

Der bekannte Molekularmediziner Ulrich Strunz sieht das anders: «Das Leben geht nicht einfach weiter; es gerät aus dem Takt», schreibt er in «Neue Wege der Heilung – Gesundheit geschieht von innen» und erklärt, dass jede Pille den Molekülhaushalt (den Haushalt unserer «Lebensbausteine») verändert.

Auch der kürzlich verstorbene Arzt und Homöopath Norbert Ender gab zu bedenken, dass Schmerzen nichts anderes als die Vorbedingung zur Heilung sind. Er riet, den Schmerz zu erlauben, damit er für unser geistiges Auge einsehbar wird: Drückender, stechender, brennender, hämmernder, krampfender, bohrender Schmerz – seinen Code zu knacken ist nicht einfach, um sich von ihm zu befreien jedoch essenziell. «Das sollten wir uns vor Augen führen, wenn wir sie mit chemischen Mitteln bekämpfen wollen», so Strunz in seinem Homöopathie-Handbuch.

Die Schattenseiten der Chemie
Die beiden Ärzte wissen, wovon sie sprechen. Erstens wird der Schmerz mit chemischen Mitteln lediglich weggedrückt, aber die Ursache nicht eruiert. Zweitens können sie der Gesundheit schaden: Viele Menschen schlucken jahrelang unbedacht Ibuprofen. Damit riskieren sie nicht nur Magen- und Darmblutungen sowie Nierenschäden; sie haben auch ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Männer können auch unfruchtbar werden. Und während in den USA jährlich rund 400 000 Menschen am Schmerzmittel und Opioid Oxycontin (Oxycodon) sterben und Voltaren (Diclofenac) Leberversagen verursachen kann, gehören Überdosierungen mit Paracetamol in Deutschland zu den häufigsten Medikamenten-Vergiftungen. Schlimmer noch: Das frei verkäufliche Schmerzmittel Acetylsalicylsäure, bekannt unter dem Namen Aspirin (ASS), führt laut einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Oxford jährlich zu 3000 Todesfällen in Grossbritannien. Schuld sind Mangelblutungen, die für ältere Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen tödlich enden.

Hinzu kommt, dass diese Schmerzmittel die Magenschleimhaut reizen, weshalb der Arzt meist den Magenschoner Pantoprazol dazu verschreibt. Dieser stört den sogenannten intrinsic factor, was zur Folge hat, dass das Vitamin B12 im Dünndarm nicht mehr resorbiert werden kann – ein Vitamin-B12-Mangel ist die Folge. Auch nicht gut!

Vitamin E statt Blutverdünner
Doch was geschieht im Körper bei der Einnahme von ASS? Strunz erklärt: Das Aspirin-Molekül hemmt ein Enzym, das wiederum unseren Schmerz auslösenden Gewebehormonen (Prostaglandine) «den Wind aus den Segeln nimmt». Von diesen Gewebehormonen gibt es drei Gruppen: Zwei drücken die Schmerzwahrnehmung, die Dritte – Strunz nennt sie Alarmgruppe – verstärkt den Schmerz. Aspirin wirkt auf alle drei Gruppen; vorwiegend jedoch auf die Alarmgruppe. Wird diese gedämpft, verringert sich das Schmerzempfinden und das Blut wird dünner, was bei vielen Patienten durchaus erwünscht ist. Nebenwirkungen wie Geschwüre und Blutungen im Magen sowie Asthma-Anfälle und Atemprobleme sind es jedoch nicht.

Strunz hat andere Lösungen: Bei Migräne etwa ist Magnesium sein Mittel erster Wahl und zum Spannungsabbau notfalls die Aminosäure Tryptophan. Zudem kann ASS, das häufig als Blutverdünner eingesetzt wird, mit Vitamin E ersetzt werden. Es reduziert die Verklumpung der Blutplättchen ebenso, ganz ohne Nebenwirkungen.

Aspirin aus der Natur
ASS kommt auch in der Natur vor. So gehört die Weidenrinde – die «Mutter des Aspirins» – zu den ältesten Heilmitteln der Welt. Schon Hippokrates riet gebärenden Frauen, Weidenrinde gegen Wehenschmerzen zu kauen. 1828 wurde der Wirkstoff im Weidenrindenextrakt erstmals unter dem Namen Salicin chemisch isoliert. Die Leber setzt diesen zu Salicylsäure um, die ihre fiebersenkende, entzündungshemmende und blutverdünnende Wirkung im Körper entfaltet. Die salicinhaltige Weidenrinde, das Aspirin aus der Natur, findet auch heute noch Anwendung: Sie wird innerlich entweder als Trockenextrakt (Assalix) oder als Teezubereitung bei rheumatischen Beschwerden, Kopfschmerzen und Arthrose angewendet.

Ebenso eine Verbindung zu Aspirin hat die salicinreiche Pflanze Mädesüss, auch Wiesenkönigin genannt, die häufig an Bachläufen zu finden ist und früher als Spirea oder Spierstaude bekannt war. Einst diente sie auch als Süssungsmittel für Met. Heute werden die Blüten und das Kraut als Tee bei Kopfschmerzen eingesetzt. Wichtig: Wer empfindlich auf Salicylate reagiert, sollte auch bei pflanzlichen Mitteln vorsichtig sein, die diese Stoffgruppe enthalten, also Salze und Ester der Salicylsäure.

Alternativ helfen bei Kopfschmerzen auch Pfefferminzöl (äusserlich anwenden, es hat eine lokal anästhesierende Wirkung) und Extrakte der Afrikanischen Teufelskralle (innerlich). Mittel der ersten Wahl bei Migräne sind Pestwurzelstock-Extrakte sowie das Mutterkraut: Laut klinischen Studien verringert sich die Anzahl und Intensität von Migräneanfällen nach einer viermonatigen Behandlung mit Mutterkraut signifikant. Nebst der (vor allem hormonell bedingten) Migräne wird es auch bei Arthritis angewendet – entweder als Tee, Tinktur oder als Fertigpräparat (Partenelle).

Heublumen lindern Arthroseschmerzen
Arthrosen (degenerative Gelenkerkrankungen) sind nicht nur Probleme des Alters; sie können auch nach Unfällen oder jahrelangen Fehlbelastungen auftreten. Oft sind sie sehr schmerzhaft. Wegen der Nebenwirkungen von Antirheumatikum (NSAR) bieten Phytopharmaka eine gut verträgliche Therapiealternative. Empfehlenswert ist die äusserliche Anwendung mit Salben oder Cremes zum Beispiel mit Beinwellwurzelextrakt (Kytta-Salbe). Aber auch wärmende Pflaster mit Capsiacin (Cayennepfeffer), Breiumschläge aus Samen vom Weissen Senf oder ein Heublumensack lindern die Schmerzen bei nichtentzündlichen rheumatischen Beschwerden. Und so gehts: Der Heublumensack wird in einem Siebaufsatz über dem Dampf in der Pfanne erwärmt und mit einem Flanelltuch auf der ausgewählten Stelle fixiert. Durch die Erwärmung entfalten sich die Wirkstoffe der Heublumen (z. B. Cumarin), die schmerzstillend und krampflösend wirken.

Innerlich können nebst der erwähnten Weidenrinde und Teufelskralle auch das schmerzstillende Kombi-Präparat Phytodolor aus Extrakten von Pappelrinde und -blättern, Echtem Goldrutenkraut und Eschenrinde angewendet werden. Hochwirksam ist auch der Frischpflanzensaft der Brennnessel: Er ist harntreibend, regt den Stoffwechsel an und wirkt entzündungshemmend.

Die Königin der Berge
Nebst den erwähnten schmerzstillenden Pflanzen gehört der Indische Weihrauch in Form eines standardisierten Fertigarzneimittels zur ersten Wahl bei Arthritis (entzündlichrheumatische Gelenkerkrankung). Äusserlich eignen sich Cremes mit Beinwell oder Campher sowie kalte Kompressen oder Wickel mit Quark, Lehm, Beinwell- oder Arnikatinktur.

Die Arnika ist, sagte Sebastian Kneipp, nicht mit Gold zu bezahlen. Sie ist «die» Pflanze bei rheumatischen Beschwerden und kann wahre Wunder bewirken; innerlich und äusserlich angewendet. Damit es nicht zu starken Hautirritationen kommt, muss die Tinktur bei Auflagen um das Zehnfache verdünnt werden! Interessant: In einer Doppelblindstudie bei 204 Patienten mit Osteoarthritis gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen dem arnikahaltigen A. Vogel Rheuma-Gel und Ibuprofen. Arnika hilft auch bei Insektenstichen (Tinktur direkt auf den Stich geben) sowie bei Sportverletzungen, Prellungen und Blutergüssen (Salben oder Globuli).

Arnika gehört also in jede Hausapotheke, genauso wie Fenchelsamen, Kamille oder Ingwer – die treuen Begleiter bei kleineren Blessuren und Wehwehchen (s. Box).

Entscheidend: Lebensstil und Ernährung
Ein wichtiger Bestandteil für einen schmerzfreien Alltag ist auch die Ernährung. Die drei Gruppen unserer Gewebehormone sind eng mit dem Fettstoffwechsel verbunden. Eine Störung oder ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren hat zur Folge, dass die «Anti-Alarmgruppe» fehlt – und dann geht es los mit dem Schmerz. Konkret: Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend. Sie reduzieren die Arachidonsäure (eine reichlich in Sonnenblumenöl und Schweinefleisch enthaltene Fettsäure), die entzündliche Prozesse im Körper begünstigt.

Weiter kann eine Übersäuerung des Körpers Schmerzen auslösen oder verstärken. Insbesondere rotes Fleisch, verarbeitetes Getreide und Zucker führen nach der Verdauung zur Bildung von sauren Substanzen. Ein wunderbarer Säurebinder ist die Zitrone. Ihre organischen Säuren verwandeln sich beim Kontakt mit Verdauungssäften in alkalisierende Substanzen. Jede Menge entzündungshemmender Stoffe enthält die Ananas oder der Kohl und viele Heilpflanzen wie Ingwer, Salbei, Schafgarbe und Thymian.

Und last but not least: Negative Gefühle und Stress wirken sich erheblich auf das Schmerzempfinden aus. Schliesslich ist es ja das Nervensystem, das die Schmerzsignale weiterleitet. Atemübungen und Entspannungsmethoden helfen deshalb dabei, Schmerzen zu reduzieren – ebenso ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

 

Heilpflanzen und Indikationen

Kräuter/Pflanze

Gut für. . .



Aloe vera
Verbrennungen, Sonnenbrände

Arnika
Schwere und müde Beine, Rheuma

Basilikum
Blähungen, Mundgeschwüre (Aphten)

Chilli
Gelenk- und Muskelschmerzen

Estragon
Menstruationsschmerzen, Blähungen

Eukalyptus
Ohrenschmerzen, Nebenhöhlenschmerzen

Fenchel
Flatulenz, Osteoarthritis

Gewürznelke
Zahnschmerzen

Ginkgo
Hämorrhoiden

Heldenkraut (Erika)
Rückenschmerzen

Ingwer
Flatulenz, Übelkeit

Johanniskraut
Ohrenschmerzen

Kastanienrinde
schwere Beine

Kohl
schmerzende Brüste

Kreuzkümmel
Flatulenz

Kümmel
Flatulenz

Kurkuma
Gastritis

Süssholzwurzel
Gastritis

Lavendel
steifer Nacken, Verbrennungen, Sonnenbrand (Lavendel-Aspik-Öl)

Lorbeer
Mundgeschwüre (Aphten)

Mädesüss
Kopfschmerzen, rheumatische Schmerzen

Majoran
Koliken, Bauchkrämpfe

Mastix
Hämorrhoiden

Mönchspfeffer
schmerzende Brüste

Mutterkraut
Migräne, Kopf- und Menstruationsschmerzen

Pfefferminze
Kopf- und Nebenhöhlenschmerzen, Gingivitis, rheumatische Schmerzen

Pflaume
Mundgeschwüre (Aphten)

Phytolacca (Kermesbeere)
Halsschmerzen

Rosmarin
Muskelkater und -schmerzen, steifer Nacken, Rückenschmerzen

Schwarztee
Koliken, Bauchkrämpfe

Steinklee
schwere Beine

Strohblume
Prellungen und Blutergüsse; Verstauchungen

Teufelskralle
rheumatische Schmerzen

Thymian
Zahnschmerzen, Nebenhöhlen- und Halsschmerzen

Weidenrinde
Tendinitis (Sehnenscheidenentzündung), Kopfschmerzen

Wintergrün
Tendinitis, rheumatische Schmerzen

Zitrone
Mundgeschwüre, grosse Gelenke, Prellungen und Blutergüsse, Sodbrennen

Zitronenverbene
Sodbrennen

Zwiebel
Ohren- und Gelenkschmerzen.

Quelle: «Natürliche Schmerzmittel» (siehe Buchtipp)

Buchtipp
Yann Rougier, Marie Borrel «Natürliche Schmerzmittel», Bassermann 2019, ca. Fr. 15.–

Fotos: getty-images.com

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