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Sommer

Kategorie: Natur

Text:  Andreas Walker

Im Sommer sprüht das Leben. Wärme und Licht im Überfluss lassen die Pflanzen üppig gedeihen. Und der Mensch geniesst die längsten Tage des Jahres, am liebsten mit Freunden an einem See oder Fluss. Lasst uns das Leben feiern!

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❜(...) Sommer muss es sein. Wo alles drängt und sich bereitet Auf einen goldnen Erntetag, Wo jede Frucht sich schwellt und weitet Und schenkt, was Süsses in ihr lag. ❛ Gustav Falke (1853–1916)

Seit jeher spielt der Tag der Sommersonnenwende (21. Juni) eine wichtige Rolle für weltliche und religiöse Feierlichkeiten, die Mittsommerfeste. Vor allem in den nordischen, baltischen, slawischen und keltischen Religionen hatten die Sonnenwendfeste einen festen Platz. Auch heute findet noch jedes Jahr in Stonehenge (Südengland) bei der Kultstätte, dem berühmten Steinkreis, die grösste Sommersonnenwendfeier Europas statt.

Im heidnischen Mitteleuropa war die Sonnenwende den Kelten und Germanen ein Höhepunkt im Jahreslauf. Zu Ehren der Fruchtbarkeit zelebrierten sie grosse Feste. Die Sonnenwende, glaubten sie, markierte den Übergang zwischen den Welten, in der sowohl die Götter, als auch die Naturgeister mit den Menschen in Kontakt treten konnten. Mit der Christianisierung Europas versuchten die Missionare, das keltische Fest der Sommersonnenwende in den christlichen Jahreskreis zu integrieren. So wurde der 24. Juni Johannes dem Täufer geweiht. Auf diese Art fanden zahlreiche keltische und auch germanische Bräuche Eingang in die christliche Tradition, wie etwa der Tanz um den Maibaum (Walpurgisfest in der Nacht auf den 1. Mai) oder um das Johannisfeuer (Johannisfeuerfest in der Nacht auf den 24. Juni). Das Johannisfeuer wird auch als Sonnenfeuer oder Sonnwendfeuer bezeichnet. Das Feuer wird meist in der Nacht vor dem Johannistag angezündet. Man kennt den Brauch auch noch bei uns im alemannischen Raum. In den skandinavischen Ländern, wo es im Sommer in der Nacht gar nicht mehr dunkel wird, werden diese Bräuche noch intensiver gelebt. So zählt «Midsommar» in Schweden neben Weihnachten zu den wichtigsten Familienfesten des Jahres.

Bei uns werden eher am 1. August, dem Nationalfeiertag, auf den Berggipfel und Anhöhen über den Dörfern grosse Feuer entzündet. Diese «Höhenfeuer» dienten ursprünglich der militärischen Nachrichtenübermittlung. Danach wurden die Feuer als Symbol der Zusammengehörigkeit und des gegenseitigen Beistandes auch weiterhin auf den Bergen und Hügeln am Nationalfeiertag angezündet – bis heute. Eine andere Theorie besagt, dass die Höhenfeuer an die brennenden Burgen nach der Befreiung aus der Knechtschaft erinnern. In der Tradition der Mittsommerfeste sollten die Feuer zur Abwehr der bösen Geister dienen.

Die Energie ist hoch
Der Sommer strotzt in jeder Hinsicht vor Energie. Während dieser Zeit strahlt die Sonne am wärmsten, was sich in der Natur in mannigfacher Vielfalt zeigt. Ein üppiges Pflanzenwachstum, auch im eigenen Garten: was für eine reiche Vielfalt! Auch die Wetteraktivitäten sind in dieser Jahreszeit extrem variabel. Nach einem Hitzetag kann ein Gewitter mit Blitz, Donner und Hagel aufziehen und grossen Schaden anrichten, etwa in der Landwirtschaft.

Der Sommer ist also auch mit zwiespältigen Gefühlen verbunden. Landwirte dürfen sich bei gutem Wetter über eine reiche Ernte freuen – und die Konsumenten über frisches Obst und Gemüse von hier. Allerdings droht, latent im Hintergrund, immer auch die Gefahr, dass durch ein Hagelunwetter die Ernte binnen Minuten zerstört wird. Ausserdem ist die Sommersonne für die Landwirtschaft nur vorteilhaft, wenn auch genug Regen fällt, der die Felder bewässert. Eine gnadenlos sengende Sommersonne lässt die Felder verdorren und den Grundwasserspiegel senken. Umgekehrt kann ein Gewitter mit Platzregen zu viel Wasser bringen und die Felder überschwemmen.

«Juhannus», das heidnische Finnen-Fest
Frühere Völker waren noch weitaus mehr vom Wetter abhängig. Eine Missernte hatte in der damaligen Zeit häufig eine Hungersnot zur Folge. Deshalb wurde an den Sonnenwendfesten auch für eine gute Ernte gebeten, die vor Gefahren geschützt werden soll. Etwa bei den Samen.

Die Finnen feiern heute noch das Mittsommerfest «Juhannus» am Samstag zwischen dem 20. und dem 26. Juni. Ursprünglich handelt es sich um ein heidnisches Fest mit Zeremonien für Licht und Fruchtbarkeit in den nordischen und baltischen Ländern. Trotz des christlich anmutenden Namens sind sowohl die Ursprünge als auch die bis heute gültigen Traditionen nicht auf das Christentum zurückzuführen. Es sind viel ältere Überlieferungen. Juhannus wurde früher zu Ehren des finnischen Hauptgottes «Ukko» gefeiert, der für das Wetter, die Ernte und den Donner zuständig war. Nach der damaligen Vorstellung entstanden die Blitze, wenn er mit seinem Wagen über den steinernen Himmelsweg fuhr, sodass die Funken sprühten. Noch heute werden die Feuer zum Mittsommerfest in Finnland «ukko-kokko» genannt, was so viel wie «Ukko-Johannisfeuer» bedeutet. Während des Juhannus sind am Seeufer viele Feuer auf allen Seiten der Gewässer zu sehen. Und der Name für Gewitter oder Donner lautet «ukkonen».

Lärmen und Trinken waren nicht nur bei den Samen ein wichtiger Bestandteil dieser Feierlichkeiten, denn die Menschen waren überzeugt davon, dass dies Glück bringt und die bösen Geister vertreibt. Nach altem Volksglauben fiel die Ernte umso besser aus, je mehr man an Juhannus trank. Doch das exzessive Trinken von Alkohol fordert ihren Tribut – jedes Jahr sterben in Finnland in der Mittsommernacht bis zu 20 Menschen bei meist alkoholbedingten Unfällen im Strassen- und Wasserverkehr.

Fit durch den Sommer
In der hellen und warmen Sommerzeit sind wir gerne draussen – wenn es nicht zu heiss und «tüppig» ist. Joggen, Radfahren, Wandern, Klettern, Schwimmen, Federball, Boccia – die Palette an Aktivitätsmöglichkeiten ist wohl nie grösser als im Sommer. Wo man draussen lebt, manche fast rund um die Uhr. Allerdings sind für anstrengende Aktivitäten um die Mittagszeit die Temperaturen zu hoch. Man darf das nicht unterschätzen: Tage mit grosser Hitze und grosser Luftfeuchtigkeit können den Kreislauf stark belasten. Denn die hohe Feuchtigkeit in der Luft reduziert unser Schwitzvermögen und damit auch die Abkühlung des Körpers. Das kann zu einem Hitzestau und im schlimmsten Falle sogar zu einem Hitzschlag führen. Deshalb sollten Höchstleistungen an schwülen Tagen wenn immer möglich vermieden werden!

Das wichtigste bei den heissen Temperaturen ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. So können problemlos bis zu drei Liter am Tag, bei sportlichen Aktivitäten auch mehr, getrunken werden. Am besten eignen sich Wasser, ungesüsster Tee oder verdünnter Saft. Ein Mangel an Flüssigkeit kann körperliche Beschwerden wie z. B. Konzentrationsstörungen, Übelkeit, Schwindel oder Kopfschmerz hervorrufen. In schlimmeren Fällen können sogar HerzKreislauf-Probleme auftreten.

Am Mittag sollte man den Schatten oder die Kühle des Hauses suchen. Sich besonnen sonnen ist gesund, nicht brutzeln! Längere Aufenthalte im Freien sollten vor allem am Morgen oder Abend stattfinden. Anstrengende Gartenarbeit oder Sport sowieso. Wichtig ist, immer wieder Schattenplätze oder gekühlte Räume aufzusuchen oder eine kurze (Garten-)Dusche zu nehmen, um sich abzukühlen. Eine leichte, helle Bekleidung lässt zudem die Hitze leichter ertragen. Auf schwer verdauliche Kost sollte man eher verzichten, sie belastet den Körper in der Hitze des Sommers besonders stark. Salate, Gemüse und Obst sind angesagt – all das, was die sommerliche Ernte so hergibt.

 

Wann fängt der Sommer an?



Dieses Jahr beginnt
der Sommer am 21. Juni um 5.32 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt erreicht die Sonne den nördlichsten Punkt ihrer scheinbaren Bahn – den Punkt der Sommersonnenwende. Am nördlichen Wendekreis steht die Sonne an diesem Tag am Mittag senkrecht am Himmel; am Äquator erreicht sie den niedrigsten Stand von 66,5 Grad.

Der 21. Juni ist bei uns der längste Tag des Jahres, und die Sonne erreicht am Mittag die maximale Höhe des Jahres von 66 Grad. Während der Tag bei uns etwa 16 Stunden dauert, wird der Tag in Richtung Norden immer länger; im Gebiet des nördlichen Polarkreises bis zum Nordpol geht die Sonne gar nicht mehr unter (Mitternachtssonne), während sie im Gebiet des südlichen Polarkreises bis zum Südpol gar nicht mehr aufgeht: Am Südpol herrscht Polarnacht. Derweil steht die Sonne am Nordpol 23,5 Grad über dem Horizont, wo sie parallel zu diesem ihre Bahn zieht, also nicht auf- oder untergeht.

Die Umlaufbahn der Erde um die Sonne ist leicht elliptisch. Deshalb sind die vier Jahreszeiten nicht gleich lang. Da sich die Erde jeweils Anfang Juli am entferntesten Punkt von der Sonne befindet, umkreist sie diese an dieser Stelle am langsamsten. Anfang Januar ist die Erde am sonnennächsten Punkt und wandert am schnellsten um die Sonne. Infolge der unterschiedlichen Bahngeschwindigkeiten der Erde ist das Winterhalbjahr der Nordhalbkugel etwas kürzer – 179 Tage – als das Sommerhalbjahr mit 186 Tagen.

Fotos: getty-images.com , andreas walker

 

 

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Raoul Heinrich Francé (1874–1943) war einer der grössten biologischen Forscher.

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