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Feuer - das Männerelement

Kategorie: Natur

Text:  Fabrice Müller

Feuerspucken, Lagerfeuer, Höhenfeuer, Grill – davon fühlen sich viele Männer geradezu magisch angezogen. Doch woher kommt die Faszination für Feuer und Flammen?

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Er habe schon immer gern mit dem Feuer gespielt, sagt Peter Oertle. Das meint er im wahren wie im übertragenen Sinn: Mit 19 Jahren prägte ein traumatisches Erlebnis seine Beziehung zum Feuer. Mit Freunden verbrachte er einige Tage auf einer Alp der Familie im Onsernonetal. «Mein Vater hat mir eingebläut, dass ich nur bei ganz bestimmten Windverhältnissen ein Feuer entfachen darf», erzählt Oertle. Und er war sich sicher, diesen Ratschlag befolgt zu haben. Doch es kam anders. Bald brannte der ganze Hang lichterloh. Peter Oertle wurde als Feuerteufel gebrandmarkt. Ein andermal setzte er unwillentlich mit seiner Freundin eine Wiese in Graubünden in Brand. Und schliesslich fiel ein Unterstand dem Feuer zum Opfer, als Oertle, der damals im Drogenentzug arbeitete, einen Aschenbecher zu früh im Abfallcontainer entsorgte und dadurch einen Brand auslöste. «Ich bin ein gebranntes Kind und muss aufpassen, das Spiel mit dem Feuer nicht auf die leichte Schulter zu nehmen», sagt Oertle. Seine Beziehung zum Feuer, vor dem er heute grossen Respekt habe, beschreibt er als Hassliebe.



Der Urmann am Grill
Oertle ist therapeutischer Berater in Weissenburg-Berg BE; er leitete während 25 Jahren verschiedene Männergruppen, bei denen das Feuer in Ritualen eine wichtige Rolle spielte – zum Beispiel bei Feuertänzen. Dabei stellte er fest, dass Männer sich vom Feuer besonders angezogen fühlten. «Das Feuer weckt etwas Uriges, etwas Archetypisches im Mann», ist er überzeugt. Vieles laufe im Angesicht eines Feuers unbewusst im Mann ab. Nur leider sei dies dem modernen Mann von heute selten bewusst, zu stark sei dieser im Kopf verankert und nur mehr wenig mit der Natur verbunden. 

Aber auch heute noch fühlen sich viele Männer zum Feuer hingezogen – und sei es nur zum Grill im Garten? Der Grill gilt als direkter Nachkomme der ursprünglichsten Form der Nahrungszubereitung auf dem offenen Feuer. Als Herr über das Feuer wird der urbane Mensch urplötzlich zum Urmann, der seine Sippe mit Fleisch versorgt, das er zwar nicht selbst erlegt, dafür mit viel Hingebung zur Genussreife gebraten hat. In der Hand die Grillzange, in der anderen das Bier, um den Oberkörper eine Schürze geschnürt – eine Analogie zu königlichen Insignien wie Herrschermantel und Königszepter?

«Am Grill darf der Mann etwas Ursprüngliches, etwas Wildes im positiven Sinne ausleben», sagt der Outdoorspezialist und Erlebnispädagoge Reto Bühler. In seinen Seminaren setzt er das Feuer regelmässig ein – um zu kochen und um das Gespräch und überhaupt die Gemeinschaft zu pflegen. «Männer lieben grosse Feuer», weiss er aus Erfahrung. «Männer haben etwas Feuriges in sich und daher einen guten Zugang zu diesem Element.» Aber auch Frauen mögen laut Bühler das Feuer, obgleich sie sich mehr der Glut des Kochfeuers und weniger den Flammen eines Höhenfeuers verbunden fühlten.

Wie Forscher vermuten, spielte das Feuer bereits zu Zeiten des Homo erectus für die Gemeinschaft und Geselligkeit eine entscheidende Rolle. Es wird daher angenommen, dass es schon bei den Höhlenmenschen ein funktionierendes Sozialgefüge gab. Ausserdem schenkte das Feuer Wärme, half den Menschen, die Speisen zu garen und bot Schutz vor wilden Tieren.

Zum Sprachbegriff

Sprachlich lässt sich der Begriff «Feuer» bis ins uralte Indogermanien zurückverfolgen. Über verschiedene Etappen entwickelte sich aus pehwr das althochdeutsche fiur, von dem sich unsere aktuelle Bezeichnung ableitet. Im Griechischen wurde daraus das Präfix pyr, das heute noch Verwendung findet.

(Quelle: www.feuerwissen.jimdofree.com)

Lebensfreude und Transformation
Das Feuer ist jedoch weit mehr als Wärmequelle, Schutz und Licht. Es steht – astrologisch gesehen – für das männliche Prinzip, die sogenannte Yang-Qualität. Der Mann steht den Elementen Feuer und Luft nahe, die Frau den Elementen Wasser und Erde.

Das Element Feuer wird gleichgesetzt mit Aktivität und Lebenskraft, aber auch generell für die geistige Entwicklung des Menschen und für Spiritualität. «Faszinierend am Feuer ist unter anderem seine Kraft, etwas zu wandeln, zu transformieren, ohne dass dabei die Information des verbrannten Gegenstandes verloren geht», sagt Peter Oertle. Das Feuer schenke dem Menschen Urvertrauen und Geborgenheit. Es wirke zudem reinigend und beruhigend auf alle, die sich um die Feuerstelle versammelt haben. «Grosse Feuer jedoch wecken die Lebensgeister, entfesseln Kräfte und sorgen beispielsweise bei einem Feuertanz für Lebensfreude», konnte Peter Oertle in seinen Männergruppen immer wieder beobachten. Um ein Feuer zu sitzen, bringe so manches innerhalb einer Gruppe in Bewegung, stellt auch Reto Bühler fest: «Vieles passiert im Unbewussten. Die Wandlungskraft des Feuers wirkt im Stillen und hat eine klärende, läuternde Dynamik.»

Und dann wäre da noch die spirituelle Ebene des Feuers. Peter Oertle bringt nochmals die Astrologie ins Spiel, genauer gesagt den Kriegsgott Mars und das Feuerzeichen Widder. In vielen Mythologien hat der Mars seinen festen Platz. Der rötlich am Firmament leuchtende Planet hatte etwas Bedrohliches an sich. Rot gilt als das Symbol für Feuer und Blut, für Macht und Aggression – Attribute des griechischen Kriegsgottes Ares und des römischen Kriegsgottes Mars. Der Widder ist das Sternzeichen des ersten Hauses. Widder-Menschen wählen offenbar auffallend häufig Berufe, die mit Feuer zu tun haben – zum Beispiel Feuerwehrmann, Schmied, Schweisser oder Pyrotechniker. Das Frühlingszeichen steht für den Aufbruch, ganz im Sinne von: Am Anfang war das Feuer.

www.maenner-art.ch 
www.retobuehler.ch  

«Das Feuer schenkt dem Menschen Urvertrauen und Geborgenheit.»

Über die Mythologie des Feuers



Feuer gilt
als der erste fundamentale Akt der Nutzbarmachung elementarer Kräfte. Es steht somit am Anfang der Menschwerdung.

In religiösen Kulten ist das Feuer fester Bestandteil für Rituale – ob als Flamme der Kerze oder als hochloderndes Oster-, Beltane- oder Sonnenwendfeuer.

In der christlichen Kultur wird das Feuer mit der Schmerzerfahrung in Verbindung gebracht. «Wechseln wir in das Jenseits, so durchschreiten wir selbst das Feuer, und die Seele erglüht», sagt der deutsche Geomant und Buchautor Stefan Brönnle. Das Erglühen der Seele sei jedoch alles andere als eine Höllenerfahrung: Die christliche Heilige Teresa von Ávila erlebte die mystische Erfahrung, dass ein Engel sie mit einem Feuerpfeil zum Erglühen brachte – eine religiöse Verzückung. Im Christentum wird der Heilige Geist oftmals in Form einer Flamme dargestellt. Und Gott zeigte sich Moses unter anderem als brennender Dornbusch.

Bei den Hindus wird die Position des Feuers durch den Gott Agni eingenommen. Zugleich bildet sein Feuer ein Portal ins Jenseits.

Die Germanen verehrten Loki als ihr Gott des Feuers. Seine Tochter war die Unterweltsgöttin Hel. Feuer und Jenseits gehörten auch hier zusammen.

In Asien werden noch heute die Gaben an die Ahnen dem Feuer übergeben.

In der Yoga-Tradition spricht man von der feurigen Kundalini-Schlange, die zusammengerollt im Wurzelchakra schläft, bis sie erweckt wird. Dann jedoch bewegt sie sich der Wirbelsäule entlang nach oben und unten; sie erzeugt ein Feuer, das die Seele erfasst. «In diesem mystischen Feuer der Lebens- und Geisteskraft werden Visionen erzeugt, die jenen von Teresa von Ávila nicht unähnlich sind», erklärt Stefan Brönnle.
(Quelle: www.inana.info)

Buchtipps



Hans-Peter Hufenus
«Urmensch, Feuer, Kochen», AT Verlag 2021, ca. Fr. 35.–

Andy Müller
«Feuer. Von der Steinzeit bis zum Brennglas», Androma Verlag 2004, leider nur noch antiquarisch erhältlich

Wilfried Hacheney
«Feuer – Geheimnis der Geburten», Michaels Verlag 2004, ca. Fr. 30.–

Fotos: getty-images.comunsplash.com/vadym lebedych

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