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Jahreszeiten: der Frühling

Kategorie: Natur

Text:  Andreas Walker

Jede Jahreszeit hat ihre Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele des Menschen. Deshalb ist es wichtig, dem jahreszeitlichen Rhythmus entsprechend zu leben. Im Frühling erwacht die Natur aus dem Winterschlaf. Er steht für Aufbruch, Neubeginn, Tatendrang und Lebenslust.

@ unsplash.com/ricardo gomez angel

Der Frühling ist ein Sinnbild des erwachenden Lebens. Deshalb wird er oft von einer jungen Frau dargestellt, die einen Blütenkranz in ihrem Haar trägt. Wenn jemand sich verliebt, spricht man von Frühlingsgefühlen oder gar von einem zweiten Frühling. In der Natur fallen vor allem die Vögel mit ihren typischen Frühlingsgesängen auf, da bei ihnen der Nest- und Bruttrieb erwacht. Besonders auffällig ist dabei der Ruf des Kuckucks. Und auch die Menschen bekommen «Frühlingsgefühle», die als leichte Euphorie spürbar wird. Diese ist auf einen steigenden Spiegel der Hormone Serotonin und Dopamin zurückzuführen, der durch die steigende Lichtintensität ausgelöst wird.

❜Frühling lässt sein Dopamin Wieder flattern durch die Lüfte; Süsse, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land.❛ Eduard Mörike (1804–1875)

Der Frühling symbolisiert auch die erste Phase des menschlichen Lebens: von der frühen Kindheit bis zur Jugend. Frühling und Fruchtbarkeit gehen Hand in Hand. So symbolisiert der Brauch des Eierfärbens zu Ostern sowie der Osterhase selbst die Fruchtbarkeit und das Erwachen neuen Lebens. Die Göttin Flora war im alten Rom die Schutzherrin der Blumen und Blüten. Sie wurde mit einem Füllhorn dargestellt, aus dem sie Blüten über die Erde streute. Flora wird im Frühling von der Verkörperung des Westwindes Zephyr verfolgt und zu seiner Frau gemacht. Die aufblühende Natur, die im Frühling an Üppigkeit alles überbietet, führt in einigen Ländern zu einem ausgiebigen Zelebrieren dieser Jahreszeit. Besonders bekannt dafür ist Japan. Wenn sich die Knospen der Kirschblüten überall öffnen, werden dort Picknicks und Partys veranstaltet, um die Blüten zu betrachten, was auf japanisch Hanami («Kirschblütenschau») genannt wird.

Die Göttin des Frühlings
Der jährliche Vegetationszyklus wurde in vielen Religionen und Kulturen als Gottheit symbolisiert, die im Winter in die Unterwelt sinkt und im Frühling wieder aufersteht. So spielt der Frühling auch in der griechischen Sagenwelt eine wichtige Rolle, wie folgende Geschichte zeigt.



Hades, Gott der Unterwelt, verliebte sich in Persephone, die Tochter von Demeter und Zeus. In der Mythologie wird Persephone auch Kore genannt (Kore ist altgriechisch und heisst Jungfrau oder eben Tochter). Hades bat Zeus, ihm Persephone zur Frau zu geben. Zeus lehnte zwar nicht ab, hatte jedoch grosse Bedenken, da er wusste, dass Kore nicht freiwillig Hades in die dunkle Unterwelt folgen würde. Dennoch wollte er seinem Bruder Hades den Gefallen tun. Persephone weilte inzwischen Blumen pflückend mit ihren Gespielinnen in der Ebene von Nysa. Zeus liess eine dunkelblaue Narzisse erblühen, um Kore wegzulocken. Sein Plan ging auf und Hades stürmte mit seinem Gespann empor und entführte Persephone in seine dunkle Welt. Demeters Schmerz über ihre verlorene Tochter war unbeschreiblich. Verzweifelt liess sie alle Pflanzen verdorren, die Felder lagen brach und es drohte allen Menschen auf der Welt der Hungertod. Da griff Zeus ein; er schickte Hermes als Unterhändler zu Hades. Jener willigte ein, dass Persephone einen Teil des Jahres mit ihrer Mutter verbringen darf, jedoch danach zu ihrem Gatten zurückkehren muss. Seither regiert Kore im Winter in der Unterwelt; im Frühling steigt sie empor, und die Natur erwacht zu blühendem Leben. Bis heute wird Persephone deshalb als Göttin der Fruchtbarkeit und erneuernder Vegetation verehrt.



Den Winter abschütteln
Auch wenn der Frühling Lust auf viele Aktivitäten macht, die im Winter nicht ausgeführt werden konnten, verspüren viele gerade in dieser Jahreszeit eine besonders grosse Müdigkeit. Das kommt wohl nicht von ungefähr: Vor der Entdeckung der Elektrizität schliefen die Menschen im Winter deutlich länger, weil der Lebensrhythmus durch die Tageshelligkeit vorgegeben wurde. Mit den länger werdenden Tagen folgten die Menschen diesem natürlichen Rhythmus. Der heutige Mensch hingegen hat mit der modernen Technik diesen natürlichen Ablauf längst hinter sich gelassen – unser Körper folgt allerdings immer noch der Natur. Und das macht durchaus Sinn. Denn in der kalten und dunklen Winterzeit schützt sich der Organismus, indem er die Temperatur um wenige Zehntelgrade senkt, den Blutdruck leicht erhöht und mehr Melatonin bildet, das auch als «Schlafhormon» bekannt ist. Bricht der Frühling mit seinen schnell wachsenden Tageslängen an, reagiert der Körper erneut mit einer Veränderung des Stoffwechsels: die Körpertemperatur steigt wieder ein wenig, die Blutgefässe weiten sich und der Blutdruck sinkt. Nur langsam wird mit der wachsenden UV-Strahlung die Produktion des Melatonins reduziert, um stattdessen die Herstellung des Glückshormons Serotonin anzuregen. Diesen Vorgang nehmen wir als Frühjahrsmüdigkeit wahr, denn der Kreislauf kommt vorerst nicht so richtig auf Touren, weil das Melatonin uns immer noch auf Dunkelheit eingestellt hat.

Tipps wider die Frühjahrsmüdigkeit
Die Geister der Frühjahrsmüdigkeit können jedoch schnell vertrieben werden. Ein Tagesrhythmus, der der Sonne angepasst ist – früh aufstehen, früh ins Bett gehen – tut unserem Körper gut. Sehr wichtig ist es auch, genug Bewegung zu haben. Allerdings soll man dies langsam angehen und dann allmählich steigern. Um fit zu bleiben, braucht es keinen Hochleistungssport. Spaziergänge, Fahrradtouren, Joggen – nicht übertrieben, jedoch regelmässig – halten unseren Körper fit. Ein Muskelaufbau kann mit gezielter Gymnastik oder an Fitnessgeräten schon mit zwei wöchentliche Trainingseinheiten von 15 bis 20 Minuten erreicht werden. Ausdauersportarten in gemässigtem Tempo wie Nordic Walking, gemächliches Jogging, Schwimmen, Fahrrad fahren oder auch zügige Spaziergänge sorgen zusätzlich dafür, dass überschüssiges Fett verbrannt und das Körpergewicht reduziert wird.

Der winterliche Mangel an natürlichem Sonnenlicht führt gerade im Spätwinter respektive Frühjahr häufig zu einem Mangel an Vitamin D im Körper. Dieses Hormon wird in unserer Haut mithilfe von Sonnenlicht produziert. Ein Mangel davon kann Müdigkeit, Schlafstörungen und weitere unangenehme Symptome zur Folge haben. Deshalb tun ausgedehnte Spaziergänge bei schönem Wetter nicht nur der Seele gut, sie helfen auch, den Vitamin-D-Spiegel wieder zu heben.

So wichtig wie Bewegung ist auch eine gesunde Ernährung. Für die Umstellung auf die wärmere und aktivere Sommerzeit braucht der Körper mehr Vitamine und Proteine als sonst. Mit viel frischem Obst und Gemüse ist es einfach, an Vitamine zu kommen, um die leeren Batterien wieder aufzutanken. Der Körper braucht jetzt weniger Fleisch und Fette als im Winter, da es wieder wärmer ist. Grüne Gemüsearten oder kurz gekochte Gemüsesuppen, die auf den Körper erfrischend und reinigend wirken, eignen sich sehr gut. Kaum zu toppen sind wilde Frühlingskräuter wie Bärlauch, Brennnessel, Löwenzahn, Gänseblümchen, Giersch oder Vogelmiere. Sie sind eine schmackhafte Bereicherung für allerlei Speisen wie Suppen und Salate und liefern gleichzeitig dem Körper wichtige Vitalstoffe. Auch Keimlinge und Sprossen, etwa der Mungbohne stärken das Immunsystem. Ähnlich wie Wildkräuter liefern sie einen besonders hohen Anteil an Enzymen, Proteinen, Vitaminen und Mineralien; ausserdem regen sie die Zellerneuerung an.

Tag- und Nachtgleiche am Frühlingsanfang



Der Frühling, die erste der vier Jahreszeiten im Jahreslauf, löst aus astronomischer Sicht auf der nördlichen Halbkugel am 20/21. März (Tag- und Nachtgleiche) den Winter ab und endet mit dem Sommerbeginn am 21. Juni. Meteorologisch gesehen, dauert der Frühling vom 1. März bis zum 31. Mai.

Dieses Jahr beginnt der astronomische Frühling exakt am 20. März um 10.37 Uhr. Zu dieser Zeit erreicht die Sonne den Frühlingspunkt und überquert den Himmelsäquator nordwärts. An diesem Tag steht die Sonne am Mittag im Zenit aller Orte, die am Äquator liegen und Tag und Nacht sind überall gleich lang (Pole ausgenommen). Damit ist die Frühlings-Tagundnachtgleiche erreicht. Der Erdschatten verläuft am Frühlingsanfang exakt über den Nord- und Südpol. Am 20. März geht am Nordpol die Sonne auf, um für ein halbes Jahr zu scheinen. Am Südpol geht an diesem Tag die Sonne unter, um eine halbjährige Polarnacht einzuleiten. Auf der Südhalbkugel beginnt der Herbst. Die Tagundnachtgleiche wird auch Äquinoktium genannt (vom Lateinischen: aequus = gleich und nox = Nacht).

Auch auf anderen Planeten gibt es Jahreszeiten und Tagundnachtgleichen. So tritt z.B. auf dem Neptun (mit einer Umlaufzeit von rund 165 Erdenjahren um die Sonne) ein Äquinoktium etwa alle 82,5 Erdenjahre auf. Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurden die Tagundnachtgleichen zu allen Zeiten von vielen Völkern gefeiert. Am Frühlingsanfang werden die Tage bei uns am schnellsten länger. Ebenso wächst der Winkel des Sonnenhöchsttandes zu dieser Jahreszeit am schnellsten. Deshalb werden die Temperaturen auch markant wärmer und die Natur erwacht.

Fotos: unsplash.com/ricardo gomez angel 

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