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Gärtnern vertreibt den Winterblues

Kategorie: Natur, Garten

Text:  Frances Vetter

Graue Tage haben sich im vergangenen Winter endlos aneinandergereiht. Unser Auge sehnt sich jetzt im März nach Licht und Farbe.

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Instinktiv wissen wir, dass Alltagsstress verfliegt, wenn wir nach draußen ins Grüne gehen. Um diese Jahreszeit blühen Krokusse, Narzissen und Stiefmütterchen in den Beeten – blau, gelb, bunt, umschwirrt von Bienen und Hummeln. Es tut einfach gut, die vielen Farben zu sehen und die Blumen zu schnuppern. Die Natur genießen, wärmende Sonnenstrahlen auf der Haut spüren, mit den Händen in der frischen Erde graben, die Pflanzen um einen herum bestaunen – Gärtnern spricht alle Sinne an und ist definitiv unsere Lieblingsbeschäftigung.

Ich wage die Behauptung, dass Gärtner mit die glücklichsten Menschen sind. Das Wühlen in der frischen Erde, das Säen und Hegen von Pflanzen hat etwas so Meditatives, dass wir uns nach dem Gärtnern manchmal fühlen wie nach ein paar Tagen Ferien. Und in dieser Corona verrückten Zeit ist anstelle von den Malediven als Feriendestination dieses Jahr wohl auch eher Gardinien und Balkonien angesagt. Jedenfalls finden wir das viel stressfreier und genüsslicher, vorausgesetzt mein lieber Remo wühlt nicht den ganzen Tag in der Erde, sondern geniesst auch einmal gemeinsame Stunden beim Nichtstun, sprich sich um mich kümmern an einem lauschigen Plätzchen im Garten. Meine Behauptung, dass Gärtnern glücklich macht bestätigt die wunderbare Philosophie «Ikigai». Der Begriff „Ikigai“ stammt aus dem Japanischen und kennzeichnet eine Lebenseinstellung. Es bedeutet übersetzt in etwa „das, wofür es sich zu leben lohnt“, „Freude und Lebensziel“ oder „etwas, wofür es sich lohnt, am Morgen aufzustehen“. Auf der japanischen Insel Okinawa leben die ältesten Menschen der Welt, die meisten über einhundertjährig. Außer täglicher moderater Bewegung, gesunder Ernährung und einem Leben in Gemeinschaft mit anderen ist das „Ikigai“ eines der zentralen Gründe für ihr hohes Alter. Sie kennen den Begriff „Ruhestand“ nicht und bleiben zeitlebens aktiv. Praktisch alle gärtnern und teilen ihre Erzeugnisse mit den Anderen Inselbewohnern.

In Zeiten, die immer schneller und stressiger werden und viele Leute ihre Freizeit alleine mit dem Handy oder vor dem Computer verbringen, ist Gärtnern eine der schönsten Möglichkeiten, das Leben zu genießen. Ob im eigenen Garten, im Schrebergarten oder auf dem Balkon spielt keine Rolle. Die Seele baumeln lassen, in der Natur einen Ausgleich zur Arbeit zu finden, das ist das Entscheidende. Gärtnern bedeutet für uns Auftanken und uns lebendig zu fühlen. Die Vorfreude auf gemeinsame Stunden mit Freunden im Garten ist so schön; man grillt und zeigt, was man gepflanzt und angelegt hat. Sich im Garten auszutauschen, sich inspirieren zu lassen und ein gemeinsames Interesse zu teilen, macht Freude.

Jede Jahreszeit hat ihren Reiz. Der nahende Frühling mit seiner überbordenden Zuversicht, die mediterranen Leichtigkeit des Sommers, der Herbst mit seiner wehmütigen Vorahnung und schliesslich der oft karge und melancholische Winter. Die Mischung aus wohltuendem Wechsel und Vertrautheit tut unserer Seele gut.

Gärtnern ist definitiv in, und es passt in die «Do-it-yourself-Euphorie» die seit Beginn dieser verflixten Pandemie ausgebrochen ist. Auch wer die drei Buchstaben «DIY» bislang nicht enträtselt hat, weiß, was gemeint ist: Mach es selbst! Im Garten ist das eine der leichtesten Übungen. Nie, wirklich nie, schmeckt Konfitüre besser, als wenn die Früchte selbst gepflanzt, gepflegt und geerntet werden. Und, dass es glücklich macht, Beeren direkt vom Strauch zu geniessen, versteht wohl jeder.

Gärtnern macht fit und wird sogar von bequemen Menschen gemocht. Sich recken, um Bäume zu beschneiden, sich bücken, um Löcher zu graben, auf Leitern zu klettern– ich finde, das ist nicht so eintönig wie 1’000 Schritte auf dem Laufband im Fitnessstudio zu gehen, womöglich unter den kritischen Augen der Top-Fit-Fraktion. Unsere Erfolgserlebnisse beim draussen werken: Ein wunderbarer Naturgarten und ein gestärkter Körper. Das lässt sich doch sehen. Ich weiss, manche Arbeiten gehen in die Knochen, aber diese Erschöpfung stimmt am Abend doch einfach zufrieden. Und günstiger als jedes kaum genutzte Fitnessstudio-Abonnement ist es auch.

Jeder Fünfsternekoch weiß es: Nichts fördert den Geschmack so sehr, wie Frisches direkt aus dem Boden. Frisches Gemüse, biologisch und giftfrei angebaut, nie in Kontakt mit Verpackungsfolien schmeckt unvergleichlich gut. Unsere Devise, die wir immer wieder kundtun: Vom Boden auf den Teller in einer Stunde. Ich weiss, das ist purer Luxus und nicht für Alle möglich, aber für Gärtner ein anstrebenswertes Ziel, finde ich.

Und ein guter Arzt empfiehlt seinen Patienten: „Essen Sie mehr frisches Obst und Gemüse“, vor allem viel Grünes, denn frisches Gemüse und Obst aus dem Garten ist die gesündeste Ernährung und schützt vor Mangelerscheinungen und Krankheit. Früher gab es auch nur maximal einmal Fleisch oder Fisch pro Woche und die Leute waren körperlich gesünder. Naturvölker jedenfalls kannten Krankheiten wie Diabetes oder Gicht nicht, bevor denaturierte Nahrungsmittel Einzug gehalten hatten.

Remos Grossvater zum Beispiel war sein Leben lang nie beim Arzt und mein Grossvater lebte auf einem Bauernhof in den irischen Bergen, wurde einhundert Jahre alt und hat bis zum letzten Tag gearbeitet.

Unser Körper weiß, wann es uns gut geht, er schüttet Glückshormone aus und die sind letztlich der Grund, warum Gärtnern glücklich macht. Gartenarbeit ist ein sinnliches Vergnügen. Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: „Willst Du einen Tag lang glücklich sein, betrinke dich. Willst Du eine Woche lang glücklich sein, schlachte ein Schwein. Willst Du ein Jahr lang glücklich sein, heirate. Willst Du aber ein Leben lang glücklich sein, werde Gärtner.“ In dieser Aussage steckt eine gehörige Portion Wahrheit. Denn tatsächlich macht Gärtnern gesund – und zufrieden. Glücksforscher nennen es „Flow“: Ein Gefühl der völligen Konzentration, das alles andere um einen herum in den Hintergrund treten lässt. Kinder erleben dieses Gefühl regelmäßig beim Spielen. Warum das Hantieren in der Natur „Flow“ fördert? Experten wissen: Wer regelmäßig gärtnert, trainiert die Fähigkeit, in einem Tätigkeitsrausch zu versinken; er tut etwas Nützliches, lebt im Einklang mit der Umwelt, bewegt sich und kann sich auch über die kleinen Dinge des Lebens, wie eine aufblühende Pflanze, freuen. Folglich suchen immer mehr Menschen ihr kleines grünes Glück im Garten.

Der Frühling ist da und die Gartensaison kann beginnen! Umgraben, Rasen mähen, barfuß über die Wiese laufen – dass Bewegung an der frischen Luft gesund ist, ist nichts Neues. Doch Gartenarbeit kann viel mehr. Auf geht’s.

Gartenarbeit im März
Ziergarten:

Winterschutz entfernen und dürre Staudengräser bis zum Boden zurückschneiden. Der Winterschnitt ist jetzt, vor dem grossen Austreiben, abzuschliessen.
Frostverträgliche Sommerblumen direkt in frisch gelockerte und gejätete Erde säen, z. B. Mohn, Phacelia, Liebeshain-, Korn-, Spiegelei- und Ringelblumen.
Im Zimmer-Treibhaus aussäen: Z. B. Duft-Wicken, Impatiens, Leberbalsam, Nelken, Petunien, Salbei, Sonnenhut und Verbenen.

Manche mehrjährigen Stauden wie Kokardenblume, Mädchenauge oder Stockrosen und Bartnelken blühen bereits im ersten Sommer, wenn sie jetzt gesät werden.
Kaltkeimer, z. B. Edelweiss, Eisenhut, Enzian, Küchenschelle, Trollblumen, säen.
Lücken im Garten und Schalen auf dem Balkon mit Frühlingsblühern, Gehölzen und Stauden bepflanzen.
Balkon- und Kübelpflanzen aus dem Winterquartier holen, zurückschneiden, umtopfen und kühl-hell aufstellen.

Nutzgarten:
Bei günstiger Witterung den Gartenboden für die Kulturen vorbereiten: Kompost und Mist einarbeiten, Unkraut jäten, Gründüngung säen.
Auf vorbereitete, abgetrocknete Beete Spinat, Puffbohnen, Kefen, Mark- und Auskernerbsen säen sowie Steckzwiebeln und Knoblauch stecken. In milden Lagen Karotten, Radieschen, Rettiche und Kohlrabi säen.
Im Zimmer-Treibhaus Auberginen, Kohlarten, Paprika, Tomaten sowie Salate, Lauch und Zwiebeln säen.
Der Anbauplan ist zu erstellen. Er berücksichtigt Fruchtfolgen und resistente Sorten. Richtige Sorten und Anbauzeiten, und die Förderung der Nützlinge ist vorbeugender Pflanzenschutz.
Kräuter umpflanzen, teilen und säen.
Auf der Fensterbank Kresse und Sprossen anziehen.
An frostfreien Tagen Beerensträucher auslichten.

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