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Gärtnern auf dem Balkon

Kategorie: Natur, Garten

Text:  Frances Vetter

Gärtnern ist eine hohe Kunst – aber einfacher als gedacht. Zumindest wenn man weiss, worauf es ankommt. Glauben Sie nicht? Probieren Sie es doch! Selbst wer nur einen Balkon zur Verfügung hat, kann gesunde Lebensmittel selbst anbauen. Jetzt bleibt noch genug Zeit für die Vorbereitung.

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Immer mehr Menschen machen sich Gedanken, über eine bewusste und nachhaltige Ernährung und hinterfragen kritisch, wo ihre Lebensmittel herkommen. Damit ist Gärtnern definitiv angesagt. Es braucht nämlich gar nicht so viel Platz, um sich mit frischen Lebensmitteln zu versorgen; und es ist auch überhaupt nicht so kompliziert und aufwendig, wie man denken könnte. Vorausgesetzt, man weiss einigermassen, worauf man achten sollte.

Ein Balkon, eine Terrasse oder ein kleiner Stadtgarten – mehr braucht es nicht, um Gemüse, Obst und Kräuter für den Eigenbedarf anzubauen. Dabei ist ein Garten aus unserer Sicht nicht nur zum Arbeiten da, sondern auch zum Geniessen, zum Ausruhen und zum Energie tanken! Viele Gärtner vergessen das in der Hektik des Säens, Jätens, Pflanzens und Erntens – deshalb möchten Remo und ich in der ruhigen Jahreszeit wieder einmal darauf hinweisen, dass ein Garten auch dazu da ist, um uns Menschen – und auch Tiere – glücklich zu machen, uns zu erden und Beziehungen zu pflegen. 

Heute mache ich nichts! 
Wir haben das Glück, mit dem Garten machen zu können, was wir möchten – jedenfalls alles, was die Garten- und Hausordnung erlaubt. So dürfen wir als Gärtner durchaus auch einmal langsamer treten, und sagen: «Nein, heute mache ich mal nichts!»

Und genau das ist im Garten überhaupt kein Problem. Der Garten ist schliesslich auch zur Erholung da. Voraussetzung ist natürlich, dass der Garten nicht zu gross ist und wir davon leben müssen. Die Erdbeeren werden nämlich auch reif, wenn der Gärtner nicht da ist, die Blumenwiese wächst sowieso von allein. Und verhungern müssen wir auch nicht, falls die Wühlmäuse wieder mal schneller an den Karotten waren als wir. Ganz nebenbei blühen die kleinen, unscheinbaren Unkräuter, die man sonst wohl rausreissen würde, und bieten den Insekten zusätzliche Nahrung. Herrlich! Unser Garten verzeiht Gemütlichkeit und Fehler und wird oft noch schöner, wenn wir nicht so viel darin herumschnipseln. Es ist das pure Glück zu wissen, dass man darauf vertrauen kann, dass sich ein Garten auch ohne permanente Pflege zu einer grünen Oase entwickeln kann, in der man sich wohlfühlt. 

Raum für eigene Ideen 
Wenn man sich einfach einmal mit seinen Liebsten in die Lieblingsecke in den Garten setzt und still ist, sieht man Asseln krabbeln, hört die Vögel singen und riecht die Luft, die besonders nach dem Regen wunderbar nach Erde duftet – so ein Garten ist etwas für alle Sinne! Für uns ist er auch ein kleines Experimentierfeld, wo wir tun und lassen können, was wir wollen – ein Stück Freiheit auf kleinem Raum, das uns gerade in dieser schwierigen Zeit guttut. Hier können wir auch in der Krise Dinge tun, die anderswo nicht gehen. Und Dinge, die wir über die Jahre lieben gelernt haben: draussen schlafen (aber erst wieder, wenn es wärmer wird), über offenem Feuer grillen (auch im Winter!), barfuss über die Wiese gehen (dito), Mittagsschläfchen unter den Bäumen halten und mehr Freunde einladen, als in die Wohnung passen würden.

So ein Garten, egal ob Haus- oder Schrebergarten, bringt also vieles mit, was zum Glücklich-Sein beitragen kann: Freiraum zum selber Gestalten, fruchtbare Erde zum Anbauen von gesundem Gemüse und schönen Blumen und ganz viel frische Luft sowie Raum für eigene Ideen. 



Eigenanbau im Kleinen
Wie wunderbar, wenn man frische Kräuter für eine Omelette benötigt oder sich einen Salat zubereiten möchte und die nötigen Pflänzchen direkt auf seinem Balkon ernten kann. Frischer gehts nicht! Gleichzeitig kann man sichergehen, dass die Pflanzen nicht mit Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden und so einer Topbioqualität entsprechen – was gibt es Besseres?! Ausserdem macht es Freude, etwas zu säen, es beim Wachstum zu beobachten und am Ende stolz die Lorbeeren respektive das angebaute Obst und Gemüse zu ernten. Dabei ist das kein Hexenwerk.

Kräuter zum Beispiel kann man problemlos in der Wohnung vorziehen, vorausgesetzt, sie bekommen ausreichend Licht. Auch für Obst und Gemüse reicht bereits ein kleiner Balkon oder eine Terrasse. Einsteigern, die erste Erfahrungen mit dem Gärtnern machen wollen, raten wir zu schnell wachsenden und anspruchslosen Gemüsesorten. Für den Balkon und die Terrasse sind zudem kleinere oder schlankere Gemüse ideal, die man über einen langen Zeitraum ernten kann, zum Beispiel Mangold, Stangenbohnen, Tomaten, Paprika, kleine Gurken, Radieschen, Kohlrabi, Pak Choi und Asia-Salate. Aber auch grössere Pflanzen lassen sich auf dem Balkon anbauen. Zwiebeln etwa kann man gut in Töpfen verteilen. Am besten eignen sich Winterheckenzwiebeln. Sie sind mehrjährig und man kann die grünen Blätter über einen langen Zeitraum ernten. Auch Kartoffeln wachsen gut in grossen Pflanztöpfen, Maurerkübeln oder Säcken. Pflücksalat ist besser geeignet als Kopfsalat, denn letzterer hinterlässt nach der Ernte eine Lücke im Kasten, die erst wieder gefüllt werden muss. Pflücksalat kann vorzu und viel länger geerntet werden.

Saatgut, Setzlinge und Dünger
Bei Samen und Setzlingen gibt es grosse Preisunterschiede. Doch woran erkennt man gute Qualität? Samen und Saatgut sollte man immer frisch beim Gärtner oder im Gartencenter kaufen. Dort wird es regelmässig kontrolliert und altes, unverkauftes Saatgut aussortiert. Denn nicht alle Samen bleiben unbegrenzt keimfähig. So verliert beispielsweise Schnittlauch schon nach einem Jahr einen guten Teil seiner Keimfähigkeit. Von Billigangeboten im Supermarkt raten wir ab. Das gilt für Saatgut wie auch für Setzlinge. Bei Letzterem gilt: Die Jungpflanzen sollten kompakt sein, nicht zu gross und dürfen nicht schon zu lange in den Schalen oder Töpfchen stehen. Dichte Wurzelballen sind ein sicheres Zeichen dafür, dass sie «überständig» sind und schon lange in den Regalen herumstehen.

Generell pflanzen wir Arten, die nahe miteinander verwandt sind – wie etwa Karotten und Petersilie – nicht nebeneinander, da sie sich gegenseitig Konkurrenz um Nährstoffe machen. Ausserdem werden sie oft von denselben Schädlingen befallen. Ebenfalls wichtig ist, grosse Pflanzen nicht neben kleinen zu platzieren, da sie ihnen das Licht wegnehmen würden. Also nicht Radieschen unter Zucchini säen, sie hätten keine Chance.

Auch betreffend Dünger gibt es einiges zu wissen für Balkon- und andere Gärtner: Organische Dünger und Hornspäne sind ideal, da sie langsamer wirken und das Bodenleben fördern. Normaler Gartenboden ist meist durch Kompost und frühere Düngungen ausreichend mit Nährstoffen versorgt; er braucht keine Extragaben, denn zu viel Dünger schadet dem Boden und kann bei Salat zu hohen Nitratwerten führen. Für alle, die mit Kompost düngen, raten wir maximal zwei z.B. KHCO3 oder NaHCO3 Liter Kompost pro Quadratmeter zu verwenden.

Apropos Kompost: Wer einen Garten hat, und sei er noch so klein, sollte organische Küchenabfälle auf keinen Fall entsorgen, sondern eben kompostieren. Denn Küchenabfälle sind echtes Powerfood für die Pflanzen und werden von Klein- und Kleinstlebewesen in wertvollen Humus verwandelt. Für BalkonGärtner gibt es tolle Etagen- und Wurmkomposter, welche die Abfälle in Rekordzeit in wertvollen Humus verwandeln. Etwas mehr Zeit braucht die Umwandlung, wenn in einem schwarzen, unten und an der Seite mit Löchern versehenen Eimer (mit Deckel) kompostiert wird. Das funktioniert aber genauso gut.

Gartenarbeit im Januar

Nutzgarten

● Auf der Fensterbank Kresse und Sprossen anziehen.
● An frostfreien Tagen Beerensträucher auslichten.
● Erste Salate, z.B. Kopfsalat «Pia» und «Maikönig»oder Batavia «Dorée de Printemps» aussäen. Saatschalen kühl und hell aufstellen, dann Sämlinge pikieren. Die Setzlinge Ende Februar ins frostfreie Folien- oder Gewächshaus pflanzen.

Ziergarten
● Immergrüne Pflanzen
benötigen bei milden Temperaturen Wasser, zumindest niederschlagsfreien Standorten.
● Den Winterschutz prüfen. Hat er Schneedruck und Dachlawinen standgehalten? Ist das Vlies um Töpfe und Rosenbäumchen verweht?
● Kübelpflanzen, die bei 5–10 °C überwintern, vorsichtig giessen. Bei Schädlingsbefall Pflanzenschutzmittel anwenden.
● Sommerblühende Ziergehölze z.B. Buddleia, Hibiskus, Weigelie und Laub abwerfende Hecken an frostfreien Tagen auslichten.
● Vögel brauchen Nahrung. Viele finden sie an Samenständen von stehengelassenen Pflanzen, an Ampfer, Beifuss, Disteln und Kornblumen. Wenn eine Schneedecke liegt, unterstützen wir sie mit Futter im Vogelhaus.
● Alpenstauden, die zur Keimung eine Kältephase benötigen, aussäen. Kaltkeimer, z.B. Edelweiss, Eisenhut, Enzian, Küchenschelle, Trollblume, in eine Saatschale säen, angiessen und feucht ins Freie an die Kälte stellen. Mit steigenden Temperaturen setzt die Keimung ein. Nie ganz austrocknen lassen!

Gartenarbeit im Februar

Nutzgarten

● Im frostfreien Gewächshaus oder Zimmer-Treibhaus z.B. frühen Blumen- und Kopfkohl, Broccoli, Frühlingssalat, Lauch, Sellerie, Tomaten und Zwiebeln säen.
● Puffbohnen und Gartenkerbel bei günstiger Witterung direkt ins Freie säen.
● Mutige säen unter Folie im Freiland erste Gemüse wie Erbsen, Karotten, Spinat; im kalten Kasten kann man schon Radieschen und Rettiche säen und Salat- und Kohlrabi-Setzlinge pflanzen.
● Auf der Fensterbank Kresse und Sprossen anziehen.
● An frostfreien Tagen Beerensträucher auslichten.

Ziergarten
● Im frostfreien Gewächshaus
oder ZimmerTreibhaus Sommerblumen aussäen, z. B. Begonien, Geranien, Impatiens, Leberbalsam, Nelken, Petunien, Salbei, Verbenen.
● Manche mehrjährigen Stauden oder Zweijährige wie Kokardenblume, Mädchenauge oder Stockrosen und Bartnelken blühen bereits im ersten Sommer, wenn sie jetzt gesät werden.
● Bei günstiger Witterung den Gartenboden für erste Kulturen vorbereiten. Unkraut, das jetzt entfernt wird, spart viel Jätarbeit im Sommer.
● In Schalen, Töpfen und im Garten bei frostfreiem und abgetrocknetem Boden werden Gänseblümchen, Stiefmütterchen und Vergissmeinnicht sowie Gehölze und Stauden gepflanzt.
● Der Winterschnitt von Sträuchern und Gehölzen erfolgt an frostfreien Tagen. Voraussetzung für einen perfekten Schnitt ist gutes Werkzeug.
● Kaltkeimer, z. B. Edelweiss, Eisenhut, Enzian, Küchenschelle, Trollblumen säen.
● Mutige säen unter Folie im Freiland erste Gemüse wie Erbsen, Karotten, Spinat; im kalten Kasten kann man schon Radieschen und Rettiche säen und Salat- und Kohlrabi-Setzlinge pflanzen.
● Auf der Fensterbank Kresse und Sprossen anziehen.
● An frostfreien Tagen Beerensträucher auslichten.



* Frances und Remo Vetter
sind als freischaffende Gartengestalter, Referenten und Buchautoren unterwegs.

Fotos: iStock.com | dave brüllmann, at verlag| www.at-verlag.ch 

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