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Erntedank

Kategorie: Natur

Text:  Frances Vetter

Eisige Dezemberkälte. Zeit für Gedankenspiele. Es geht uns gut: warme Kleider, eine warme Stube, das Knistern des Feuers im Kamin. Wir sind reich gesegnet und dankbar für die Gaben, die der Garten auch dieses Jahr hervorgebracht hat.

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Wenn wir nicht eigenes Gemüse und Früchte aus dem Garten ernten können, gehen Remo und ich seit vielen Jahren mit Vorliebe auf den Wochenmarkt, wo die Gemüsebauern ihre Stände aufschlagen. Ein kalter Wind treibt heute den Duft gebratener Kastanien vor sich her. Auf dem Markttisch liegt die letzte Ernte des Jahres: Schön nach Länge und Dicke sortierte Schwarzwurzeln, rohe und gekochte Randen, Sauerkraut und saure Rüben. Der tiefgrüne Feldsalat weckt Jugenderinnerungen. Dies war jeweils die Zeit, als Remos Grossmutter eine Portion Feldsalat mit gekochtem Ei an einer herrlichen Sauce mit Nüssen auftischte.

Unser Garten ist in ein weisses Kleid gehüllt und ruht. Die Tage sind kurz, wir geniessen die langen Abende und schmücken das Haus für die bevorstehende Weihnachtszeit. Wer wie wir das Glück hat, auf dem Land zu leben, findet in den dunklen Wintermonaten Zeit für Erholung, Zeit, die inneren Batterien aufzutanken. Die Tage zwischen den Jahren nutzen wir für eine Rückbesinnung ebenso wie für die Vorschau auf das Kommende: Was war gut, was hätten wir besser machen können, was machte Freude und welche Ziele setzen wir uns für das kommende Gartenjahr, ja für unser Leben insgesamt?

Blühendes Glück
Oft kommen in dieser Zeit Erinnerungen an unsere Grosseltern auf, die noch von den Gaben des Gartens und der Natur gelebt haben. Die Jahreszeitenfeste wurden gefeiert, es wurde gekocht, eingemacht, eingesalzen und geräuchert und wir stiegen als Kinder oft mit grosser Spannung und Vorfreude in den Keller, um ein Glas Kompott oder eine Konfitüre zu holen. Diese Zeiten sind, bedingt durch die äusseren Umstände, nicht vorbei: Es gibt gerade heute viele Gründe und Möglichkeiten, nachhaltige Traditionen fortzusetzen oder wiederaufzunehmen.

«Der tiefgrüne Feldsalat weckt Jugenderinnerungen: An Remos Grossmutter, die in dieser Zeit jeweils eine Portion Feldsalat mit gekochtem Ei an einer herrlichen Sauce mit Nüssen auftischte.»

Wer zu Weihnachten ein Blütenwunder erleben möchte, sollte am Barbaratag – dem 4. Dezember – ein paar Zweige vom Kirschbaum schneiden. Diese «Barbarazweige» werden über Nacht in lauwarmes Wasser gelegt und dann in eine Vase mit frischem Wasser gestellt. Es empfiehlt sich, das Wasser alle drei bis vier Tage auszutauschen. Vorsicht vor allzu warmen Räumen und unmittelbarer Heizungsnähe: Zuviel Hitze kann leicht schaden und die Zweige vertrocknen. Öffnen sich die Kirschblüten genau am Weihnachtsmorgen, so die Überlieferung, verheissen sie ihrem Besitzer Glück im kommenden Jahr.

Topinambur und Sauerkraut
Dann möchte ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, ein altes Gemüse, das früher in ganz Europa verbreitet war, jedoch etwas in Vergessenheit geraten ist, ans Herz legen: Topinambur. Die Knolle ist auch als «Indianerkartoffel» bekannt und war ein Hauptnahrungsmittel der Indianer Nordamerikas. Seefahrer brachten dieses Gemüse im 17. Jahrhundert zuerst nach Frankreich, wo es als Delikatesse für reiche Leute zubereitet wurde. Geerntet werden die Knollen von Oktober oder November bis in den April hinein. Der Vorteil ist, dass sie auch grösste Kälte ertragen und den ganzen Winter hindurch frisch geerntet werden können, zumindest sofern die Erde nicht gefroren und hart ist.

Botanisch ist Topinambur nicht etwa mit der Kartoffel verwandt, sondern mit der Sonnenblume. Im Herbst blüht der Topinambur rötlichgelb; die Blüten ähneln denen der Sonnenblumen stark, sind jedoch kleiner. Die Stängel aber wachsen bis zu vier Meter in den Himmel, weshalb Topinambur früher oft als grüne Hecke in Bauerngärten angepflanzt wurde. Die Knollen, dünn geschält, besser nur geschabt, haben einen nussartigen Geschmack. Gekocht erinnern sie an Artischocken oder Schwarzwurzeln. Die Verwendung ist vielseitig: Topinambur kann ähnlich wie Kartoffeln gedämpft, gedünstet, gekocht, gebraten, gebacken oder püriert zubereitet werden. Wir verarbeiten die Knolle gerne auch roh als Salat. Unsere drei Mädchen schätzen sie speziell als Chips. Dazu hobeln wir die Knollen in hauchdünne Scheiben und backen diese in heissem Öl aus. Wenn die Chips hellbraun und knusprig sind, legen wir sie auf einem Küchenpapier aus und salzen leicht. Topinambur-Chips sind eine kleine Köstlichkeit zum Knappern sowie als Garnitur von Salaten.



Eine andere äusserst gesunde Köstlichkeit ist Sauerkraut. Seine heilsame und entschlackende Wirkung ist unbestritten. Es wird bei Schlankheitskuren angewendet, denn es baut Fett im Körper ab (sofern wir nicht Speck dazu essen!) und wirkt stoffwechselanregend. Sauerkraut ist zudem reich an Vitaminen, Mineralstoffen und wertvollen Milchsäurebakterien. Schon die frühen Seefahrer haben auf ihren monatelangen Schiffsreisen Sauerkraut eingesetzt, um Skorbut und Mangelerscheinungen vorzubeugen. Sauerkraut sei «ein Kaminfeger» für Magen und Darm, habe ich einmal in einem alten Medizinbuch gelesen. Am besten eignet sich für die Verarbeitung zum Sauerkraut der Winterkohl, weil er einen höheren Zuckergehalt hat, als der Kohl aus der Spätsommerernte.

Gartenarbeiten im Dezember

● Alle frostempfindlichen Gemüsesorten sollten abgeerntet sein. Falls noch nicht geschehen, holen wir letzte Sellerieknollen, Karotten und Randen aus der Erde.
● Wurzelgemüse wie Pastinaken und Winterrettich sind erntereif.
● Schwarzwurzeln können ab jetzt bis in den Frühling hinein geerntet werden.
● Sofern wir Mangold angehäufelt und gegen Frost geschützt haben, können wir den Winter über einzelne Blätter ernten.
● Steckrüben und Topinambur sind erntereif.
● Wintergemüse wie Lauch, Grünkohl und Rosenkohl laufend ernten.
● Im Gewächshaus sind Portulak, Spinat, Chicorée, Blattsalate, Endivie und Rucola erntereif. Je nach Pflanzzeitpunkt können sie noch länger stehen, vorausgesetzt im Gewächshaus friert es nicht.
● Den Boden ab und zu mit einem Sauzahn lockern.
● Abgeräumte Beete kontrollieren: Kompost verteilen und/oder das Beet mit Rasenschnitt oder Laub mulchen. Eine zusätzliche Gabe von Hornspänen gleicht den Nährstoffhaushalt aus. Nicht dicker als ca. 2 cm mulchen, denn die Mikroorganismen im Boden benötigen ausreichende Luftzufuhr, um die Pflanzenteile in Humus zu verwandeln.
● Wenn wir Wintergemüse wie Spinat, Feldsalat oder Winterportulak angepflanzt haben, müssen wir das meist ebenfalls wachsende Unkraut zwischen den kleinen Pflänzchen vorsichtig herauszupfen.
● Nach der Ernte eingelagertes Obst regelmässig kontrollieren. Regelmässiges Lüften verhindert die Anreicherung des Reifegases (Ethylen), was zu einer verfrühten Überreife führen kann.
● Obstbäume und Beerensträucher können wir den ganzen Winter hindurch pflanzen, sofern der Boden nicht gefroren ist. Baumschulen und Gärtnereien liefern die günstigeren «wurzelnackten» Gehölze, die viele Garten-Profis den Containerpflanzen vorziehen. Entscheidet man sich für Containerware, muss der Wurzelballen vor dem Setzen leicht zerrissen werden. In das grosszügig ausgehobene Pflanzloch kommt ein Gemisch aus Erde mit Kompost und Hornspänen. Danach wird die Pflanzstelle gegossen und die Pflanze wird «eingeschlämmt».
● Barbarazweige schneiden: Traditionell werden am 4. Dezember (Tag der heiligen Barbara) Kirschzweige geschnitten und zuhause in die Vase gestellt, damit sie an Weihnachten blühen. Wir können dafür auch Zweige anderer Sträucher nutzen, z.B. Forsythie, Kornelkirsche, Holunder, Haselnuss, Rosskastanie, Johannisbeere, Apfel oder Pflaume.
● Frühblüher schützen: Bei milden Temperaturen kann es passieren, dass kürzlich gesetzte Frühblüher bereits austreiben. Genau wie frostempfindliche Pflanzen im Staudenbeet müssen sie vor Frost geschützt werden. Wir bedecken Sie sie mit Mulch oder Reisig (Tanne, Fichte, Kiefer), dann stehen die Chancen gut, dass sie den Winter überleben.
● Immergrüne Gewächse benötigen auch im Winter Wasser, da sie über das Blattwerk Feuchtigkeit verdunsten. In trockenen Perioden muss gegossen werden!
● Den Rasen betreten wir im Winter so wenig wie möglich, da er in dieser Jahreszeit keine Belastungen verträgt, ohne Schaden zu nehmen.
● Kübelpflanzen im Winterquartier einmal pro Woche kontrollieren, ob es den Pflanzen gut geht. Bei Bedarf giessen und kranke Triebe entfernen; auf Krankheiten und Schädlinge kontrollieren, die sich im Winterquartier leicht ausbreiten könnten.
● Vor dem Frost Wassertonnen und Giesskannen entleeren; auch Gartenschläuche und offen liegende Rohre müssen entleert und das Wasser abgestellt werden. Wer diese wichtigen Massnahmen vergisst, muss mit Rohrbrüchen und geplatzten Tonnen rechnen.
● Laub sammeln, mulchen und kompostieren: Auch im Dezember fällt noch Laub an, das nicht auf dem Rasen liegen bleiben darf. Unter den Blättern vergilben und faulen die Grashalme. Am besten kehren wir das Laub unter Büsche und Hecken, wo es eine schützende Mulchschicht bildet, oder wir kompostieren es. Krankes und befallenes Laub von Kastanien oder das Laub von kranken Obstbäumen muss entsorgt werden!
● Schnee von Hecken, Wegen, Gartenhäuschen und Frühbeetkästen entfernen. Sollte bereits Schnee liegen bleiben, sollte man grosse Schneelasten auf Gehölzen vermeiden, da Äste in der Kälte leicht brechen. Auf Wegen empfiehlt es sich, den Schnee wegzuräumen, um Unfälle zu vermeiden. Auf keinen Fall Salz streuen, stattdessen Sand, Splitt oder Holzchips nutzen!



* Frances und Remo Vetter
sind als freischaffende Gartengestalter, Referenten und Buchautoren unterwegs.

Fotos: dave brüllmann, at verlag| www.at-verlag.ch | iStock.com

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