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Garten im Winter

Kategorie: Natur, Garten

Text:  Frances Vetter

Wenn die Tage kürzer werden und kälter, wenn die Blätter fallen und es stiller wird in der Natur, dann kann Melancholie den Menschen befallen. Doch dank Bewegung, frischer Luft und Sonnenlicht empfinden viele gerade in den dunkleren Wintermonaten Glücksmomente bei der Arbeit im Garten und auf der Terrasse.

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Nebelschwaden wecken in diesen Tagen oftmals malerische Stimmungen. Es gilt nun, solange das Wetter hält, den Garten, die Terrasse und Balkonkästen aufzuräumen. Verschiedene Winterkohlsorten wie Rosen-, Rot- und Weisskohl, Blumenkohl und der unverwüstliche und besonders vitaminreiche Federkohl sind jetzt erntereif. Auch frisches Wurzelgemüse wie Rüben, Pastinaken, Knollensellerie, Steckrüben, Endivie, Winterportulak, Feldsalat und, je nach Witterung, Kopfsalat und Rucola ernten wir in diesen Tagen.

Damit uns der Frost kein Schnippchen schlägt, lagern wir Wurzelgemüse in Mieten, wie Remo es von seinem Grossvater gelernt hat. Dazu wird an einem trockenen, geschützten Ort eine 20 bis 30 Zentimeter dicke Schicht sauberes, trockenes Stroh ausgebreitet und das Gemüse darauf pyramidenförmig aufgeschichtet. Das Ganze wird mit einer Schicht sauberem Stroh und etwa 20 Zentimeter Erde abgedeckt. Zur Sicherheit legen wir unter und auf die Miete ein engmaschiges Gitternetz, damit sich keine Nagetiere über das Gemüse hermachen. Wenn mit sehr kaltem Wetter zu rechnen ist, kann die Miete mit zusätzlichem Stroh oder mit Planen oder Vlies abgedeckt werden. Auf diese Weise sind Wurzelgemüse wie Karotten, Kartoffeln und Rote Beete lange lagerbar.

Es sei an dieser Stelle gesagt, dass Frost häufiger unser Verbündeter ist als unser Feind. Wieso? Frost unterdrückt Krankheiten, setzt Schädlingen wie Käfern, Raupen, Schnecken und Mäusen zu, macht Schadorganismen wie Pilzen den Garaus und reinigt die Luft. Die zu erwartenden eisigen Temperaturen im November und Dezember brechen den Boden auf und machen ihn hart, sodass wir gut darauf arbeiten können, ohne die Erde zu verdichten. Wenn wir im Garten etwas umgestalten wollen, greifen wir also am besten zur Schaufel, sobald das Thermometer für einige Tage unter die Nullgradgrenze sinkt.

Fit mit Meerrettich
Gerade jetzt in der dunklen, kalten Jahreszeit ist es umso wichtiger, sich möglichst viel in der freien Natur aufzuhalten, sei es auf Feld und Wiese, im Wald oder im Garten. Bewegung, frische Luft, Sonnenlicht, eine gute vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung, ausreichend Schlaf und die Stärkung des Immunsystems sind zentrale Aspekte, damit wir gesund durch den Winter kommen. Deshalb möchten wir an dieser Stelle dem Meerrettich speziell Beachtung schenken. Denn die «Heilpflanze des Jahres 2021» stärkt den ganzen menschlichen Organismus.

Traditionell erntet man Meerrettich von Oktober bis Januar, wobei die Haupterntezeit November ist. Im Garten kann man die winterharten Wurzeln an frostfreien Tagen den ganzen Winter über aus dem Beet holen. Dazu hebt man sie mit der Grabgabel aus der Erde, dreht die Blätter und bürstet die anhaftende Erde ab. Ausser der Verwendung in der Küche wird das Wurzelgemüse als Heilmittel bei Verdauungsbeschwerden, hartnäckigem Bronchialhusten und Lungenleiden eingesetzt, ebenso bei Harnwegsinfektionen und, als Wickel, bei Kopfweh, Migräne und Verspannungen der Nackenmuskulatur. Nicht ohne Grund also wird Meerrettich auch als «Antibiotikum der Bauern» bezeichnet – und tatsächlich konnte eine antivirale und antibakterielle Wirkung des Meerrettichs inzwischen nachgewiesen werden. Die kalorienarme Knolle enthält die wertvollen Mineralstoffe Kalium für Muskeln, Nerven und die Verdauung, Calcium für den Knochenaufbau, Natrium zur Regulierung des Wasserhaushaltes und Magnesium, das gesund für Herz und Kreislauf ist; ausserdem ist sie reich an den Vitaminen B1, B2 und B6. Durch die Schärfe werden Magensaft und Gallensäure angeregt und damit der Appetit gesteigert. Gut bewährt hat sich die Pflanze ausserdem gegen Entzündungen. Neben dem Roten Sonnenhut (Echinacea purpurea) halten Remo und ich den Meerrettich für eine der wichtigsten Pflanzen, um das Immunsystem zu stärken.

Winterschutz und -schnitt
Nicht nur der menschliche Körper, auch der Garten braucht Schutz im Winter. Dabei kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an: Es gilt, die Pflanzen nicht zu früh einzupacken, weil hin und wieder sogar im November zweistellige Tagestemperaturen erreicht werden und es den Gartenpflanzen dann zu warm würde. Vereinzelte Nachtfröste schaden den meisten Pflanzen nicht. Erst wenn der Wetterbericht Dauerfröste ankündigt, handeln Remo und ich und packen die Pflanzen ein. Wenn wir unsere Stauden und Rosen dick mit Laub einpacken, überstehen sie den Winter besser.

Sobald alle frostgefährdeten Pflanzen im Garten und auf der Terrasse geschützt, die Wasserleitungen und Regentonnen entleert und die Pflanzungen der wurzelnackten Gewächse getätigt sind, können wir es ruhiger angehen. Dann sinnieren wir über die Frage: Sollen wir die ausdauernden Pflanzen schon jetzt zurückschneiden oder doch erst im Frühjahr? Hier scheiden sich die Geister: Schneiden oder stehen lassen? Wir denken, dass es auf verschiedene Aspekte wie Klima, Art der Bepflanzung und Gartengrösse ankommt. Wer wie wir in einer im Winter oft schneereichen Gegend lebt, wird kaum in den optischen Genuss zart eingepuderter Samenstände kommen, weil diese unter Schneebergen begraben sind. Wer einen grossen Garten hat, wird allein aus Zeitgründen mit dem Ausputzen der Stauden schon im Herbst beginnen. Unser Credo lautet aber: Möglichst viele Pflanzen über den Winter stehen lassen, damit die Insekten und Vögel Nahrung und Unterschlupf finden.

Ab- respektive zurückschneiden sollte man im Herbst alle Stauden, deren Laub oder Samenstände nach Frosteinbruch matschig und unansehnlich werden. Solche Pflanzen werden auch gerne von Schnecken als Unterschlupf aufgesucht. Darum schneiden wir Pfefferminze, Liebstöckel, Zitronenmelisse, Oregano, Johanniskraut und Pflanzen wie Funkien, Sonnenhut und Herbstanemonen stark zurück. Ungeschnitten hingegen schicken wir die Gräser in den Winter. Für sie geht die Gefahr in der kalten Jahreszeit hauptsächlich von der Feuchtigkeit aus, die in die Mitte, also ins Herz des Horstes, dringt und das Gras zum Faulen bringt. Deshalb empfehlen wir, die Wedel mittelhoher und hoher Gräser mit einem Strick zusammenzubinden, damit von oben nicht zu viel Feuchtigkeit eindringt.

Obstbäume richtig schneiden
Ein Sprichwort sagt, ein Apfelbaum gedeiht am besten, wenn man ihn so schneidet, dass eine Taube durch seine Krone hindurchfliegen kann. Das will heissen, dass die Krone offen und lichtdurchlässig sein soll. Äpfel- und auch Birnbäume werden während der Ruhezeit zwischen November und Februar geschnitten. Zunächst ist es wichtig, alles tote, kranke und beschädigte Holz zu entfernen. Dann schneiden wir aus, was sich kreuzt, aneinander reibt oder zu dicht steht. Und dann gilt es, die Fruchtbildung für das kommende Jahr anzuregen: Zu lange Triebe sind einzukürzen, altes Holz ist zu entfernen.

Die Baumkrone soll, wie erwähnt, offen sein, damit die Luft dort gut zirkulieren und Licht einfallen kann. Deshalb werden Äste, die zur Kronenmitte hin wachsen, abgesägt, und zwar dort, wo sie vom Hauptstamm abzweigen. Zu lange Zweige kürzen wir auf die Hälfte oder ein Drittel ein, und zwar immer bis zu einem Seitentrieb, der nach aussen gerichtet ist. Auch gilt es, alte erschöpfte Äste und Triebe zu entfernen, die sich an Rändern früherer Schnittstellen gebildet haben.

Alle Sägeschnitte sollen schräg abwärts verlaufen, damit Regenwasser gut abfliessen kann und die Schnittwunden nicht faulen. Säge, Garten- und Baumschere müssen scharf und sauber sein, damit der Baum nicht beschädigt oder Krankheiten übertragen werden. Vor und nach dem Einsatz reinigen wir die Sägeblätter mit Alkohol oder flammen sie kurz ab; danach reiben wir sie mit etwas Öl ein, damit sie nicht rosten. Die Klingen der Gartenschere reiben wir mit Stahlwolle ab, um Verschmutzung und Infektionsüberträger zu entfernen, und ölen sie danach ebenfalls. Robuste Arbeitshandschuhe schützen die Finger.

Wir pflanzen im Spätherbst auch wurzelnackte Bäume und Sträucher. Der Boden hat die Restwärme des Sommers gespeichert und mit genügend reifem Kompost und einer leichten Mistgabe versehen, wachsen die Gehölze vor dem Wintereinbruch gut an.

Einen Apfelbaum pflanzen
Wir pflanzen kleine Apfelbäumchen in ein grosses Loch, in dem der Unterboden genügend gelockert wurde, und arbeiten Kompost und Stallmist ein. Vorgängig stellen wir das Gehölz in die Grube und platzieren einen Pfahl an der Wind- und Wetterseite, um den Stamm künftig zu schützen. Nun nehmen wir das Bäumchen wieder heraus. Die Wurzeln werden etwas angeschnitten; sie müssen gut durchfeuchtet sein. Deshalb stellen wir das Bäumchen vorgängig einige Stunden in einen Wassereimer, damit die Wurzeln das Wasser aufsaugen können. Wenn die Wurzeln gekappt sind, schlägt Remo den Pfahl fest ein, stellt das Bäumchen wieder ins Loch, füllt dieses mit gutem Kompost und bindet den Stamm mit Baumbändern an den Pfahl. Das neu gepflanzte Bäumchen muss gut eingewässert und die Baumscheibe unkrautfrei gehalten werden. Zu diesem Zweck haben sich Kokosmatten sehr gut bewährt.

Auch ältere Obstbäume bekommen im Spätherbst eine Kompostgabe. Und wenn es die Zeit zulässt, machen wir bei ihnen einen Lehm-Kalk-Stammanstrich, um Frostschäden und das Eindringen von Schädlingen einzudämmen.

Gartenarbeiten im November

● Lauch, Feder- und Rosenkohl anhäufeln. Möglichst erst nach den ersten Frösten ernten, denn danach schmecken sie milder.

● Winterportulak, Feldsalat und Winterspinat gedeihen in geschützten Lagen auch in Balkonkistchen: In 1–2 cm tiefe Rillen säen. Nach dem Auflaufen die Sämlinge auf 2–3 cm Abstand ausdünnen.

● Im Kräutergarten Salbei, Minze, Zitronenverbene und Stevia stark zurückschneiden und die abgeschnittenen Blätter trocknen. Stevia und Zitronenverbene sind nicht winterhart; sie können in einem kühlen Raum überwintern, z.B. im Keller oder in der Garage.

● Wärmeliebende Kübelpflanzen, die Frost nicht ertragen, ins Winterquartier zügeln.

● Zimmerpflanzen wie Orchideen und Birkenfeige (Ficus benjamina) in Fensternähe platzieren.

● Amaryllis eintopfen.

Balkon- und Fensterkistchen mit Herbstschmuck und winterharten Gewächsen bepflanzen.

● Frühlingsblüher setzen und die letzten Blumenzwiebeln für die Frühlingsblüte in Garten und Balkongefässe stecken.

● Herbstdünger für den Rasen zählt zu den wichtigsten Pflegemassnahmen, um diesen winterfest zu machen. Gegen Ende November steht der letzte Mähtermin an. Stellen Sie den Rasenmäher dazu etwas höher ein als üblich: Fünf Zentimeter Schnitthöhe sollten nicht unterschritten werden. Moos und Laub abrechen und kompostieren.

● Laub auf Wegen und Rasenflächen zusammenrechen, unter Sträuchern aber liegen lassen. Da bietet es den Wurzeln Kälteschutz und Kleintieren Lebensraum.

● Frost gefährdete Wasserleitungen und -becken entleeren. Teiche winterfest einrichten und Laub abfischen, Ziergräser und Schilf sehen lassen.

● Gartengeräte pflegen, Tongefässe vor Frost schützen, Nistkästen reinigen.



* Frances und Remo Vetter
sind als freischaffende Gartengestalter, Referenten und Buchautoren unterwegs.

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