Artikel Natur :: Natürlich Online Ja zur Liebe | liebesschule | leila dregger | Natürlich

Ja zur Liebe

Kategorie: Natur
 Ausgabe_11_20 - 01.11.2020

Text:  Leila Dregger

Es gibt wahrscheinlich nichts Schöneres im Leben, als einen anderen Menschen bedingungslos zu bejahen. Und es ist absolut frei: Mein «Ja» ist meine Entscheidung.

iStock.com

Niemand kann mich dazu zwingen, niemand kann mich davon abhalten. Es beinhaltet keinen Vertrag und keine Forderung nach Gegenseitigkeit. Niemand verlangt von mir, mein «Ja» auf die Menschen zu beschränken, die umgekehrt auch mich bejahen. Ich kann auch Dritte in mein «Ja» einbeziehen, ohne meinem Geliebten untreu zu werden.

Mein bedingungsloses «Ja» zu einem Menschen bedeutet: Ich sehe sein eigentliches Wesen und bleibe ihm treu. Und zwar auch dann, wenn er es selbst nicht sieht. Selbst wenn er sein Wesen verbirgt, vernachlässigt oder sogar verrät.

Was aber passiert, wenn ich selbst Fehler mache? Wenn ich meinem eigenen Wesen untreu werde, weil mich alte Verletzungen, Faulheit, Angst, Machtspiele oder Gewohnheit davon abhalten? Kann ich mich selbst dann noch bejahen? Da kommen wir an eine schwierige Stelle. Mir jedenfalls gelingt das meistens nicht.

Wir lehnen uns ab, wenn wir Fehler machen. Und deshalb gehen wir davon aus, dass andere uns dann auch ablehnen. Ergo beginnen wir, unsere Fehler zu verbergen, zu überspielen oder vor uns und anderen zu rechtfertigen. Das ist das grosse Beziehungstheater: Wir spielen uns etwas vor – gerade da, wo es heilsam wäre, uns offen und verletzlich zu zeigen. Wir kapseln Bereiche in unserem Leben ein und lassen niemanden mehr hineinschauen, meistens noch nicht mal uns selbst. Verdrängung nennt man das. Es sind hartnäckige heimliche Angewohnheiten und tiefe Schmerzpunkte, von denen wir glauben, wir könnten sie einander nicht zumuten. So bildet sich jenes gepanzerte Bollwerk, das wir gemeinhin Charakter oder Persönlichkeit nennen. Vor was aber soll es uns schützen? Vor der Liebe.

K
ürzlich war ich bei der Hochzeit zweier Männer. Eines ihrer Eheversprechen hat mich berührt, ich zitiere es aus meiner Erinnerung: «Ich kann nicht immer in meiner vollen Kraft sein. Aber ich verspreche, mich an den Stellen, wo ich Fehler mache, bemühe, deine Liebe wahrzunehmen.»

Können wir anderen erlauben, uns auch dann zu lieben, wenn wir uns selbst nicht lieben können? Können wir einander dort vertrauensvoll zeigen, wo wir uns selbst ablehnen? Das ist eine Schlüsselfrage. An diesen Stellen fühlt sich die Liebe von anderen seltsam an. Wie ein Geschenk, das wir nicht zurückgeben können. Wenn wir aber auch dazu ein «Ja» finden, beginnt etwas zu heilen, was lange verletzt war. Jetzt könnte eine heilsame Beziehung beginnen – ob zum Liebespartner, zum besten Freund oder zwischen Eltern und Kindern.

Dazu brauchen wir nicht nur das bedingungslose «Ja» des anderen; wir brauchen manchmal auch sein «Nein»: als liebevolle und achtsame Korrektur und Orientierung. Nur dann können wir sein «Ja» auch akzeptieren und daran glauben. Es lohnt sich, die Zeit zu nehmen und die richtige Situation zu schaffen, wo wir es in aller Tiefe geben und hören können, das «Ja» wie das «Nein».

Dieses Nein der Liebe sagt: Ich sehe dein eigentliches Wesen und liebe es. Ich sehe auch, wann und wo du von diesem Wesen abweichst. Ich will dir an dieser Stelle ein Zeichen geben, damit du die Abweichung angstfrei wahrnehmen und ändern kannst. Ich werde zusammen mit dir darum ringen, dass dein wahres Wesen über alle Schatten und Verfälschungen siegt. Das ist für mich gemeint mit: «in guten und in schlechten Zeiten».



● Leila Dregger
ist Journalistin und Buchautorin (u. a. «Frau-Sein allein genügt nicht», Edition Zeitpunkt). Sie begeistert sich für gemeinschaftliche Lebensformen und lebt seit 16 Jahren in Tamera, Portugal, wo sie beim Verlag Meiga und der Globalen Liebesschule mitarbeitet.

Foto: zvg | iStock.com

Tags (Stichworte):

Kategorie: Garten

Ausgebüxt

Bei Erbsen denkt man unweigerlich an fades Büchsengemüse oder Tiefkühlkost....

Kategorie:

Kategorie: Natur, Pflanzen

Grünes Zuhause

Grünlilie, Bromelia, Aloe – Zimmerpflanzen verbessern nicht nur das Raumklima,...