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Kristalle

Kategorie: Natur

Text:  Fabrice Müller

Die Schweiz ist reich an Kristallen. Immer mehr Menschen entdecken den Reiz des Strahlens. Andere schätzen die Heilwirkung der Kristalle. Wir gingen auf Strahlertour in Sedrun und besuchten eine Therapeutin, die sich auf Kristalle spezialisiert hat.

@ iStock.com

Pickel, Meissel und Handschuhe. Und natürlich gutes Schuhwerk. Wir «stürcheln» über Stock und Stein hangabwärts. Irgendwo am Ufer des jungen Rheins bei Sedrun. Ich bin im Schlepptau von Sandro Cavegn, leidenschaftlichem Strahler, Goldwäscher und Kristallhändler aus Sedrun. Regelmässig führt er Einzelpersonen und Gruppen in die Natur der Surselva, um ihnen die Faszination des Strahlens näherzubringen. Da oben, an diesem steilen Hang mit dem lockeren Gneisgestein, könnten wir Glück haben, meint der gebürtige Sedruner, der im Winter als Schneesportlehrer arbeitet.

Wie kommt er darauf, dass wir hier fündig werden? Inmitten des Gerölls liegen einige Steinbrocken mit Quarzanteilen. Dies sei ein Hinweis darauf, dass sich weiter oben womöglich eine Quarzbank befindet. Und wo eine Quarzbank ist, stehen die Chancen offenbar gut, mit etwas Pickeln und Graben auf einen Bergkristall oder Rauchquarz zu stossen. Sandro Cavegn ist bereits oben und macht sich am Felsen zu schaffen. Sein Riecher war gut. Nach einigen gezielten Schlägen mit dem Eisenheber gibt der Berg zwei kleinere Quarzstücke frei.

Pickeln und schuften
Noch mehr Glück haben wir an einer anderen Stelle nahe am Rheinufer. Hier waren bereits andere Strahler am Werk, wie man an den Werkzeugen, die an bestimmten Orten deponiert sind, erkennt. «Wenn man auf solche Werkzeuge trifft, bedeutet dies, dass dieser Platz für den Strahler reserviert ist und nicht bearbeitet werden darf», erklärt Sandro Cavegn. Also suchen wir uns eine andere Stelle, die noch unberührt ist. Einige Meter weiter weckt ein ausgeprägtes, waagerechtes Quarzband unsere Aufmerksamkeit. «Solche Stellen lassen im Innern einen Hohlraum vermuten, wo sich kristalline Strukturen heranbilden konnten», erklärt mir Cavegn.

Wir pickeln und stochern am Felsen herum. Mit Meissel und Hammer werden ganze Schieferplatten vom Berg gelöst – in der Hoffnung, eine Überraschung dahinter zu finden. Der Aufwand scheint sich zu lohnen. Sandro Cavegn legt mir mehrere kleine Quarze und Bergkristalle vor die Linse. Auch ich bin mittlerweile fündig geworden: Ein Quarz mit schwarzgrünem Chlorit ist zum Vorschein gekommen. Das pulverige Chlorit gibt dem Schiefergestein seine grünliche Farbgebung. Nach bald zwei Stunden Suchen, Stochern und Pickeln ist bereits eine beachtliche Zahl an nussgrossen Quarzen und Bergkristallen zusammengekommen. Nicht schlecht für den Anfang.

Liebhaberstück und Wertanlage
Kristalle faszinieren die Menschen seit jeher. Die Tradition des Strahlens in der Schweiz ist alt. Schon zur Römerzeit sollen in den Alpenregionen Menschen ihr Glück beim Strahlen versucht haben. Wer heute professionell strahlen will, braucht dazu eine Lizenz von der jeweiligen Gemeinde. Verschiedene Strahler in der Schweiz bieten Führungen an – natürlich ohne Gewähr.

Was bewegt die Menschen dazu, regelmässig in den Alpen nach Kristallen zu suchen? «Jeder Stein ist einzigartig und erzählt ein faszinierendes Stück Erdgeschichte», schwärmt Sandro Cavegn, der sich seit seiner Kindheit mit Kristallen beschäftigt. Doch Kristalle sind auch eine Wertanlage. Cavegn ist stolz auf seinen Quarz in Form eines Doppelende-Kreuzes mit grau-metallisch glänzenden Rutilnadeln als Einschluss. Der Wert eines Kristalls hängt von seiner Grösse, Struktur, seiner Beschaffenheit wie auch von allfälligen Einschlüssen ab.

Wie reich die Schweiz an Kristallen ist, zeigt zum Beispiel das Museum La Truaisch in Sedrun. Sandro Cavegn präsentiert seine eindrücklichen Funde im Museum la Truaisch, Hotel Posta und im Hotel Krüzli.

Links
www.aurira.ch (Sandro Cavegn)
www.tujetsch.ch 
www.disentis-sedrun.ch 

Gefragt: Sandro Cavegn

«Raubbau an der Natur?»

Was bedeutet es für die Schätze der Berge, wenn immer mehr Menschen mit Pickel und Schaufel nach Kristallen graben? Fabrice Müller hat beim Profi-Strahler Sandro Cavegn nachgefragt.

Strahlen ist im Trend. Immer mehr Menschen begeben sich auf die Suche nach Kristallen in den Alpen. Bedeutet diese Entwicklung nicht auch Raubbau an der Natur?
Sandro Cavegn
: In gewisser Hinsicht trifft dies sicher zu. Doch man sollte bedenken, dass ohne uns Strahler viele Museen leer wären. Wenn wir diese Schätze der Natur nicht suchen, gehen sie verloren. Strahlen ist eine langjährige Tradition, ein Kulturgut der Schweiz. Schon die Römer suchten hierzulande nach Kristallen.

Was sollte man beim Strahlen beachten, um die Flora und Fauna zu schützen?
Ich empfehle, sich zu informieren, wo sich entsprechende Strahlstandorte befinden. Auf diese Weise wird verhindert, dass es zu einem Wildwuchs an Strahlstandorten kommt. Idealerweise begibt man sich mit einem professionellen Führer auf Strahltour. Er kennt die besten Strahler-Standorte oder Gebiete mit reichen Vorkommen, was schlussendlich Zeit spart und Leerläufe verhindert. 


Geduld
| Mit Meissel und Hammer macht sich Sandro Cavegn auf die Suche nach kristallinen Strukturen im Fels.

Fotos: iStock.com

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