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Eifersucht

Kategorie: Natur
 Ausgabe_06_08_20 - 25.05.2020

Text:  Leila Dregger

Sie versalzt jede Harmonie, jedes Vertrauen, jedes Glück. Sie ist die Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft – und doch gilt sie als Beweis für Liebe.

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Wer den oder die Liebste stärker an sich binden will, zieht oft an den Strippen der Eifersucht, flirtet hier und dort, erhöht den eigenen Marktwert und schaut zu, wie das Blut des geliebten Menschen in Wallung gerät. Dann weiss sie oder er: Ich bin ihm oder ihr wichtig. Sie oder er gehört mir. Aber mal ehrlich: Wollen Sie in so einer Partnerschaft leben?

Eifersucht gehört so wenig zur Liebe wie Asthma zu einer gesunden Atmung. Denn im Zustand der Eifersucht bin ich alles andere als liebend – ich bin voller Wut, Selbstmitleid und Rachegedanken. Allerdings sind auch diejenigen unter uns, die die Eifersucht als Glücksverderber entlarvt haben, selten immun dagegen. Die Angst, den geliebten Menschen zu verlieren, kriecht uns in die Knochen und kühlt unsere Herzen aus. Schliesslich kennen wir Verlust von klein auf; wir alle haben einmal jemanden verloren, den wir von ganzem Herzen geliebt haben, und dieser Schmerz war unerträglich. Das wollen wir nie wieder erleben. Deshalb wollen wir irgendwie sichergehen, dass dieser Partner bei uns bleibt. Eifersucht ist da nicht nur ein Leiden, sondern auch ein Mittel, dem anderen permanent ein schlechtes Gewissen zu machen. «Wo kommst du her? Was hast du so lange im Büro gemacht? Warum hast du dieser Frau/diesem Mann hinterhergeschaut?» So wird aus der Liebesaffäre ein Gefängnis. Es gibt Paare, die trotzdem zusammenbleiben – aber die Liebe kommt meistens unter die Räder.

„Eifersucht gehört so wenig zur Liebe wie Asthma zum Atmen.“

Doch wie kommen wir raus aus der zerstörerischen Eifersuchtsspirale? Durch Treue! Und zwar als Erstes die Treue zu uns selbst. Obsessive Eifersucht ist oft ein Zeichen dafür, dass wir uns von unseren eigenen Lebensimpulsen abgeschnitten haben: Niemand kann uns lieben, wenn wir nicht wir selbst sind. Das spüren wir und schieben dem anderen dafür die Schuld in die Schuhe. Bei starker Eifersucht sollten wir uns also selbst fragen: Wer bin ich? Was liebe ich wirklich? Und was will ich im Leben? Darüber hinaus meine ich die Treue zu dem, was wir im Anderen lieben. Haben wir nicht einmal sein Wesen geliebt, seine Freiheit, seine Lebendigkeit? Und wollen wir die nun tatsächlich einsperren und kontrollieren? 

Sabine Lichtenfels, die Gründerin der Liebesschule von Tamera, schreibt: «Treue ist Vertrauen: Man vertraut einander, weil man weiss, dass der andere einen nicht belügt. Man lässt sich in der Treue auch nicht beirren durch Fehltritte des anderen. Man ist herzlich gern bereit zur Vergebung, wenn der Irrtum eingesehen wird. Treue ist ein aktives Ja zum Partner: Mit diesem Menschen will ich ein gemeinsames Leben führen, ich will ihn nicht belügen, ich will ihn unterstützen und seiner Entwicklung dienen, so gut ich kann. Ich will täglich neu meine Nachlässigkeiten ihm gegenüber erkennen und überwinden, will mit ihm ein sexuelles Leben führen, das nicht der Alltäglichkeit anheimfällt. Ich will dafür sorgen, dass genügend Spannung und gelegentlicher Abstand in unserer Beziehung bleibt, um uns immer wieder von Neuem begegnen zu können. Ich möchte die wichtigsten Entscheidungen in meinem Leben mit ihm zusammen treffen, und ich bin im Grunde meiner Seele davon überzeugt, dass wir nie auseinandergehen.» So spricht die Stimme der Treue, wenn sie aus freier Liebe spricht. Meine Antwort auf die Verlustangst ist einfach: Ich verlasse nicht mehr!



● Leila Dregger
ist Journalistin und Buchautorin (u.a. «Frau-Sein allein genügt nicht», Edition Zeitpunkt). Sie begeistert sich für gemeinschaftliche Lebensformen und lebt seit 16 Jahren in Tamera, Portugal, wo sie beim Verlag Meiga und der Globalen Liebesschule mitarbeitet. 

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