Artikel Natur :: Natürlich Online Gärtnern zur Heilung von Mensch und Natur | draussen sein / garten | Natürlich

Gärtnern zur Heilung von Mensch und Natur

Kategorie: Natur

Text:  Frances Vetter

Frances Vetter ist in einer magischen Landschaft in Irland aufgewachsen, mit Ziegen und Gänsen. Doch die Welt ist aus den Fugen geraten. Es ist Zeit, die Erde wieder als Heiligtum zu behandeln.

Gabriel Jimenez

Ich bin in einer magischen, wilden und zum Teil unberührten Landschaft in Irland aufgewachsen und fühlte mich der Natur sehr nahe und verbunden. Meine Grosseltern besassen einen kleinen Hof in den Bergen mit Ziegen, Schafen, Hühnern und Gänsen. Auf den Bergwiesen wuchsen viele Wildblumen und meine Grossmutter wusste damit allerlei Hausmittel gegen Unpässlichkeiten herzustellen. Mein Grossvater ist hundertjährig verstorben und hatte bis zuletzt noch seine eigenen Zähne. Im Haus gab es keinen Strom und demzufolge auch kein Fernsehgerät; am Samstagabend kamen die Nachbarn zum Singen, Musizieren, Geschichtenerzählen, Tanzen oder einfach so, um sich zu treffen und auszutauschen.

Ein wild rauschender Bergfluss, der zum Meer hinunter verlief, grenzte das Grundstück im Süden ab. Meine Grossmutter war geschickt darin, Lachse mit blossen Händen zu fangen; aber sie achtete stets darauf, nie mehr zu fischen, als die Familie zum Überleben benötigte. Das Leben war karg, einfach und doch waren wir alle zufrieden und glücklich. Meine Grossmutter war der festen Überzeugung, dass es keinen Platz für Gier gab, wenn man von der Erde lebt. Einer ihrer Leitsprüche war: „Was immer Du einem Menschen oder dem Land gibst, wird Dir hundertfach zurückgegeben.“ („Give the world the best and the best will come back to you.») Als Kind habe ich mit Grossvater am Strand Meeresalgen gesammelt und als reichhaltigen Dünger im Garten verteilt. Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, mit welch grossem Respekt er die Erde behandelt hat.

Wann ging die Verbindung verloren?
Im Laufe der Jahre haben sich die Dinge in Irland wie überall auf der Welt verändert. Die Menschen ernten ihre Grundnahrung nicht mehr direkt von der Erde, die Supermärkte wuchern dort wie anderswo. Dies hat zu einem ganz anderen Verhältnis zu Mutter Natur und unserer Ernährung geführt. Als ich aufwuchs, hatte ich das Gefühl, dass die Erde lebendig und gesund ist und ich ein Teil von ihr bin. Ich glaube, wir haben diese Verbindung verloren, als wir aufhörten, unsere eigene Nahrung anzubauen. Wir haben das Land gerodet und Produkte angebaut, die hier eigentlich nicht hingehören, und den Boden mit Pestiziden und die Nutztiere mit Wachstumshormonen krank gemacht. Die Natur wird gezähmt und Gärten werden sauber und ordentlich gehalten oder gar mit Vlies und Kies bedeckt. Um das "Unkraut" fern zu halten, wird Gift ausgebracht. Aber wer will schon etwas von einer vergifteten Erde essen?!

In Irland gibt es ein Sprichwort: "Du kannst das Land nicht besitzen, das Land besitzt dich". Dieses umgekehrte Denken ist eine gute Übung. Sie hilft uns, wiederzuentdecken, was die Natur braucht. Die Natur wird noch lange nach uns da sein, und es wäre klug, wenn wir damit beginnen würden, der Natur etwas zurückzugeben, bevor es für uns zu spät ist.

Das Gleichgewicht wieder finden
Wir haben uns vom Boden, von der Erde entfernt und sind immer mehr in eine Abhängigkeit von Grosskonzernen geraten, die uns Vorteile des industriellen Anbaus, der Massentierhaltung und von synthetischen Nahrungsmitteln vorgaukeln. Dies hat zu einer massiven Verschlechterung der körperlichen und vor allem auch emotionalen Gesundheit geführt. Unsere Nahrung ist heute angehäuft mit Hormonen, Chemikalien, genetisch modifizierten Organismen und anderen in Laboratorien hergestellten, krankmachenden Zusätzen. Die Ernährungsproduktion vergiftet unsere Nutztiere, den Boden, das Wasser, die Luft und schlussendlich auch uns Menschen. Dass wir krank und kränker werden, ist eine Reflektion der Gesundheit von Mutter Erde. Was ist also zu tun?

Vom Garten und Gärtnern können wir sehr viel lernen. Aus unserer Erfahrung geht es im Garten um das Gleichgewicht. Die Natur weiss, was wo wachsen soll und welche Bedingungen für welche Pflanzen am besten sind. Wir müssen lernen das Wachstum zu unterstützen, indem wir dem Boden helfen, mit natürlichen Methoden das Gleichgewicht wieder zu finden. Wenn Remo und ich einen Naturgarten anlegen, schreiten wir immer zuerst zu Fuss das Gelände ab, um zu sehen, was wo von Natur aus gedeiht und wächst - und wie wir dieses Wunder helfend unterstützen können. Wir alle haben vom Insektensterben gehört. Doch vor den Insekten stirbt das Land. Wir müssen die Erde, den Boden wieder gesund machen! Wenn wir eine möglichst grosse Pflanzenvielfalt anbauen, wird es den Insekten und den Bodenlebewesen auch wieder gut gehen. Wir müssen uns zu Erdbeschützern entwickeln, indem wir so viel Land wie möglich begrünen.

 

Wie wir Erdheiler werden

•            Es gibt weltweit etwa 80 000 Arten wildwachsende essbare Pflanzen. Wir ernähren uns        jedoch von einem minimalen Teil davon.

•            Wir müssen das ganze Immunsystem stärken. Das erste Immunsystem ist die Erde selbst: Auf einem gesunden Boden, gedeihen gesunde Pflanzen für gesunde Menschen.

•            Aufbau von Natur- und Waldgärten auf allen Kontinenten.

•            Wir sollten sämtliche möglichen Flächen begrünen und essbare Pflanzen, Blumen, Kräuter,         Beeren und Obst anbauen. Damit ginge es uns physisch und psychisch besser.

•            Wir müssen wieder Gärtnern und unsere Nahrung selber anbauen. Auch wenn dies nur auf        kleinen Flächen möglich ist. Zur Veranschaulichung: Wir haben 35 Jahre lang auf einer Fläche von 250 Quadratmetern eine fünfköpfige Familie ganzjährig versorgt, indem wir Gemüse, Kräuter, Beeren und Obst auf Hügelbeeten in Mischkultur angebaut haben.

•            Städte und Dörfer sollen ihren Bewohnern Grünflächen, Gemeinschaftsgärten, Brachgebiete       und Rabatten zur Verfügung stellen, wo gemeinsam Gemüse, Kräuter, Obst und Blumen angebaut werden. Dabei entstehen nicht nur Verbindungen von Mensch zu Mensch, auch der Umwelt würde mehr Sorge getragen.

•            In Quartieren sollen Generationengärten entstehen, in denen Senioren gemeinsam mit jungen Familien, Jugendlichen und Kindern gärtnern und die Ernte teilen oder gar gemeinsam zubereiten.

•            Nachhaltigkeit, achtsamer Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen, gesunde Ernährung und Gesundheitsvorsorge müssen Schulfächer werden.

Foto: gabriel jimenez

Tags (Stichworte):

Kategorie: Natur

Die Spiritualität in der Socke

Thomas Widmer weiss, wo der gestresste Mensch Ruhe findet: beim rituellen...

Kategorie:

Kategorie: Garten

Gartentherapie

Ein Garten ist mehr als ein Stück Boden, auf dem man Gemüse und Obst anpflanzt....