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Lust und Liebe

Kategorie: Natur
 Ausgabe_05_20 - 25.05.2020

Text:  Erna Jonsdottir

Sex ist nicht nur das beste Anti-Aging-Mittel: Ein gesundes Sexualleben ist ein Lebenselixier, das glücklich macht und gesund hält – bis ins hohe Alter. Doch was, wenn die Lust fehlt oder plötzlich nachlässt?

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Schatz, ich habe Kopfschmerzen» oder «ich habe morgen ein wichtiges Meeting» gehören zu den beliebtesten Ausreden, wenn es darum geht, Eros in die Schranken zu weisen. Klingt auch, seien wir mal ehrlich, besser als «Schatz, ich habe keine Lust» – denn wer mag schon Spielverderber im Bett sein?

Liebe, Lust und Leidenschaft sind Themen, über die seit Jahrhunderten sehr viel nachgedacht, geredet und geschrieben wurde und wird; man denke an Tristan und Isolde, Romeo und Julia, Lady Chatterleys Liebhaber oder an Shades of Grey. «Sogar in der Bibel ist Erotik zu finden», sagt unser Pfarrer und meint damit Passagen aus dem Hohelied Salomos wie «er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes; denn deine Liebe ist lieblicher als Wein».

Was in der Bibel sinnlich begann, wurde um das Jahr 1200 zur Erbsünde erklärt und als schändliche Begierde abgestempelt: die Lust. Im Mittelalter löste die Kirche bei ihren Schäfchen derart grosse Schuldgefühle aus, dass diese dachten, die Hände würden beim Masturbieren abfallen. Gott sei Dank erfolgte im 20. Jahrhundert die Befreiung dieser Zwänge, die mit der 68er-Bewegung ihren Höhepunkt feierte. Heute masturbieren laut Studien rund 94 Prozent der Männer und 80 Prozent der Frauen regelmässig; die Hände verloren hat deswegen noch keine(r).

Sex – ein Lebenselixier
Die Sexualität wird im 21. Jahrhundert in allen Facetten gelebt. Jan-Dirk Fauteck und Gerd Jansen (siehe Buchtipps) bezeichnen sie als Medienstar mit Nebenwirkungen: Durch die «sexuelle Dauerberieselung» und den «exzessiven Pornokonsum» werde die Reizschwelle signifikant herabgesetzt, was sich vor allem unter jungen Männern pandemisch ausbreite und zu sexuellen Funktionsstörungen wie Erektionsstörungen, Lustlosigkeit oder Orgasmus-Störungen führe.

Nicht gut, ist die körperliche Liebe doch ein Lebenselixier, das bis ins hohe Alter das Bedürfnis nach Geborgenheit stillt und Glücksgefühle hervorruft. Mehr noch: Regelmässiger Sex erhöht die Qualität der Partnerschaft, sorgt für eine gute Figur (350 Kilokalorien werden in 30 Minuten verbrannt) und hält den Herzkreislauf fit. Zudem werden nebst Hormonen, die Stress abbauen, Endorphine ausgeschüttet, die schmerzlindernd wirken, und Immunglobine produziert, die das Immunsystem und die Wundheilung beeinflussen.

Sex ist jedoch nicht gleich Sex. Er ist unter anderem abhängig von unserer körperlichen und seelischen Verfassung, aber auch vom Partner. Hinzu kommt, dass sich Erregung und Lust nicht auf Knopfdruck herbeiführen lassen.

Die Lusthormone
Die Schaltzentrale der Lust ist das Gehirn. Dort gehen Hormone und Neurotransmitter «verschlungene Wege» – etwa durch die Nase: Ob wir jemanden riechen können oder nicht, steuert der Botenstoff Pheromon. Verlieben wir uns, kommen die Glückshormone Dopamin, Noradrenalin und Serotonin ins Spiel. Ohne die Steroidhormone Östrogen und Testosteron wäre die Lust nicht spürbar. Diese wirken, vereinfacht ausgedrückt, direkt auf die Genitalien und erhöhen die Stimmung. Sie sorgen dafür, dass andere Hormone und Botenstoffe ausgeschüttet werden, die unser Lustempfinden steuern.

Das sexuelle Verlangen richtet sich nach der Höhe des Testosteronspiegels – auch bei der Frau. Und während das Stickstoffmonoxid (NO) die Durchblutung fördert und somit das Anschwellen der Genitalien, spielt das Hormon Vasopressin für die Erregung des Mannes eine wichtige Rolle. An der Empfindung des Orgasmus schliesslich sind rund 50 Hormone beteiligt! Darunter das (Ent-)Bindungs- und Kuschelhormon Oxytocin sowie das Prolaktin, das zum tiefen Befriedigungsgefühl danach führt.

Luststörungen bei Mann und Frau
Das Hormonsystem ist komplex und mit einem Uhrwerk vergleichbar. Gerät ein Rädchen aus den Fugen, tickt die Uhr nicht mehr richtig. Deshalb braucht es für ein erfülltes Liebesleben auch die richtige Balance der Hormone. Ein Östrogenmangel zum Beispiel kann sich negativ auf die Befeuchtung der Scheide oder auf die Stimmung auswirken. Dabei können Mann und Frau unruhig, gereizt oder depressiv werden – schlechte Voraussetzungen für die Liebe. Gleiches gilt bei Stress, der Sexbremse Nummer eins, bei psychischen und chronischen körperlichen Krankheiten sowie bei Drogen- und Alkoholmissbrauch und dem Konsum gewisser Medikamente.

Wie viel Sex normal ist, lässt sich nicht beantworten. Sicher ist, dass eine Sexualstörung vorliegt, sobald die Betroffenen darunter leiden. Die häufigste diagnostizierte sexuelle Funktionsstörung ist die Luststörung: Laut einer Studie ist jede zehnte Frau einmal in ihrem Leben damit konfrontiert. Und auch wenn sich das Bild des starken und hormongesteuerten Geschlechts hartnäckig hält, steigt die Tendenz auch bei den Männern. Die Sexualstörung mit dem grössten Leidensdruck ist die erektile Dysfunktion.

Natürliche Aphrodisiaka
Betroffene suchen am besten eine Fachperson auf. Denn Hormone sind messbar und müssen exakt eingestellt werden. Sehr häufig braucht es jedoch auch eine begleitende Sexualtherapie. Können keine hormonellen oder körperlichen Ursachen festgestellt werden, bleiben Hormonersatztherapien und/oder pharmakologische Behandlungen erfolglos. Dann eignen sich Therapeutika aus der Natur besonders gut.

Dass Menschen mit allen möglichen Mitteln versuchen, ihre Lust zu steigern, hat eine jahrtausendealte Tradition. Oft entstanden dabei Mythen rund um Substanzen, die ungesund und gefährlich sind. Das wohl bekannteste Aphrodisiakum ist die Spanische Fliege, ein Käfer aus der Familie der Ölkäfer (Meloidae). Die Spanische Fliege enthält den Wirkstoff Cantharidin, der aus den getrockneten und pulverisierten Flügeln des grün schimmernden Käfers gewonnen wird. Die Gefahr: Schon eine geringe Überdosis kann akutes Nierenversagen verursachen, in Krämpfen und Lähmungen münden oder schwere Halluzinationen auslösen. Der Libido verleiht sie auf jeden Fall keine Flügel.

Aphrodisiaka sollten die Liebe sinnlicher machen, indem sie das sexuelle Verlangen stimulieren, entspannend wirken, den Organismus positiv beeinflussen und für eine bessere Durchblutung sorgen. Mehr noch: Manche Aphrodisiaka erhöhen sogar die Sensibilität der Haut, andere setzen das Glückshormon Serotonin frei.

 

Pflanzen der Lust

Weder Bock noch Stehvermögen? Dann könnten Entspannung und natürliche Aphrodisiaka wieder für geile Nächte sorgen. Eine Auswahl für Mann und Frau.

 

Wirkung bei der FrauWirkung beim Mann
Erhöht die Östradiol- und Testosteronwerte; steigert die sexuelle Aktivität.
Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) 
Erhöht die physiologischen Aspekte der männlichen Libido wie die Erektions- und Orgasmusfähigkeit.
Verbessert die Durchblutung der Geschlechtsorgane und die sexuelle Motivation; erhöht die sexuelle Erregung.
Damiana
(Turnera diffusa)
Verbessert die Durchblutung der Geschlechtsorgane und die sexuelle Motivation; erhöht die sexuelle Erregung.
Erhöht den Testosteronspiegel; steigert das Wohlbefinden und die mentale Gesundheit; mildert PMS und dank seines östrogenfördernden Effekts Beschwerden in der Menopause.
Gelée Royale
Erhöht den Testosteronspiegel; steigert Wohlbefinden und mentale Gesundheit.
Verbessert die sexuelle Aktivität und Libido von prä- und postmenopausalen Frauen; intensiviert den Orgasmus; steigert allgemein das Wohlbefinden.
Ginkgo (Gingko biloba) 
Steigert die Libido und allgemein das Wohlbefinden.
Positive Auswirkungen auf die Lebensqualität und Libido; erhöht den sexuellen Antrieb und die Aktivität.
Ginseng (Panax ginseng)
Verbessert die Erektion; erhöht die Produktion von Sexualhormonen und verbessert die Anzahl und Qualität der Spermien; schützt die Hoden vor chemischen Schäden; unterstützt die Spermatogenese bei Erkrankungen.
Anti-inflammatorische und antioxidative Eigenschaften helfen bei bestimmten Formen von Dyspareunie (Schmerzen beim Sex).
Grüner Hafer (Avena sativa)
Mildert erektile Dysfunktion; steigert das sexuelle Verlangen.
Fördert die Hormonproduktion in den Eierstöcken; steigert die sexuelle Aktivität; beeinflusst die Regelblutung positiv und stabilisiert das Hormonsystem.
Ingwer (Zingiber officinale)
Verbessert die Testosteronproduktion und führt zu einem höheren Blutfluss in den Hoden und im Penis; steigert die sexuelle Aktivität; verbessert Libidoverlust bei leichter bis mittelschwerer Dysfunktion.
Verbessert sexuelle Funktionsstörungen bei Depressionen und die Libido nach SSRI-Behandlungen (Antidepressiva); hilft bei sexueller Unlust in der Menopause.
Maca (Lepidium meyenii)
Verbessert leichte erektile Dysfunktion (Impotenz); erhöht das sexuelle und allgemeine Wohlbefinden; erhöht die Bioverfügbarkeit und Wirkung von Testosteron.
Entspannt und verbessert die Libido.
Passionsblume (Passiflora incarnata)
Entspannt und verbessert die Libido und die Spermienbildung.

Quelle: «Pflanzen der Lust – Natürliche Potenzmittel zur Steigerung der Libido bei Mann und Frau».

Die Pflanzenwelt hat einige effektive und sichere Alternativen zu bieten, welche die Lust und Leidenschaft fördern. Manche Phytostoffe wie der Lavendel wirken indirekt auf unser Sexualverhalten, weil sie einen starken Einfluss auf unser Wohlbefinden haben. Andere Pflanzen, so die Damiana, eine Pflanzenart der Gattung der Safranmalven, haben eine physiologische Wirkung, indem sie die Durchblutung der Genitalien anregen und die sexuelle Aktivität unterstützen. Die uralte Traditions-Heilpflanze Maca aus den Anden wirkt sogar psycho-pharmakologisch: Sie überwindet die Blut-Hirn-Schranke und beeinflusst die für eine gesunde Sexualität wichtigen Hormone und Neurotransmitter.

Ein in vielen Pflanzen enthaltener Wirkstoff ist die Aminosäure Arginin – ein Luststeigerer, der durch die Einwirkung auf die NO-Synthese die Spermienbildung fördert und die Erektion unterstützt. Doch auch Vitamine und Spurenelemente haben einen positiven Einfluss: Während das Vitamin B3 die Durchblutung fördert sowie die Produktion der Sexualhormone ankurbelt, regelt Zink den Testosterongehalt beider Geschlechter und steigert beim Mann die Spermienqualität. Das wusste auch Casanova, der auf den Genuss von zinkreichen Austern schwor und nicht umsonst zum berühmtesten Liebhaber der Welt wurde.

Buchtipps

Jan-Dirk Fauteck, Gerd Jansen «Pflanzen der Lust – Natürliche Potenzmittel zur Steigerung der Libido bei Mann und Frau», Brandstätter Verlag 2019, ca. Fr. 30.–



Ronny Tekal «Durch dick und dünn. Wie Hormone unseren Körper und unser Leben steuern», Dumont 2017, ca. Fr. 16.–

Fotos: iStock.com

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