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Männer und Wechseljahre

Kategorie: Gesundheit, Natur

Text:  Angela Bernetta

Auch Männer merken, wenn sie in die Jahre kommen. Wenn der Testosteronspiegel langsam sinkt, fühlen sich viele ausgelaugt und nutzlos. Ein angemessener Lebensstil wirkt Beschwerden entgegen.

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Ob Superman, Popeye oder Spartacus – Helden sind für gewöhnlich männlich, stark und unbesiegbar. Studien belegen aber nicht erst seit gestern, dass auch echte Kerle mit zunehmendem Alter unter hormonellen Veränderungen leiden. Betroffen sind meist Männer ab 40. Sie fühlen sich matt und abgespannt; die Libido lässt nach, begleitet von Erschöpfung, Schlafstörungen, Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen. Was bei Frauen ab der Lebensmitte gängiges Gesprächsthema ist, verunsichert betroffene Männer. Der Zürcher Androloge Christian Sigg findet das nicht weiter verwunderlich: «Bis vor Kurzem wusste man wenig über die Auswirkungen des sinkenden Hormonspiegels beim alternden Mann.» Demgegenüber seien die weiblichen Wechseljahre seit Jahren Gegenstand intensiver Forschung.

Schleichende Abnahme
Die Wechseljahre, wie man sie bei Frauen kennt, gibt es bei Männern nicht. Während sich der weibliche Hormonhaushalt zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr innert kurzer Zeit deutlich spürbar umstellt, werden die Sexualhormone der Männer mit den Jahren nur langsam, aber allmählich weniger. «Ab dem 40. Lebensjahr sinkt das Testosteron beim Mann um etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr», weiss David Zimmermann, Urologe mit Schwerpunkt Andrologie im Andrologiezentrum (Uroviva) in Zürich. «Es ist ein schleichender Prozess, der nicht zwingend zu Beschwerden führen muss.»

Die meisten Männer merken zeitlebens nichts von der Andropause, wie die Veränderung in Anlehnung an die weibliche Menopause mitunter genannt wird. Wahrscheinlich weil sie den geringen Abbau des Testosterons mit einer gesunden Lebensführung ausgleichen. Zwei bis sechs Prozent der Männer zwischen 40 und 79 Jahren sind laut Zimmermann von einem Testosteronmangel mit Begleitsymptomen betroffen.

Ein Testosteronmangel kann Psyche, Körper und das Sexualleben belasten. Betroffene klagen über eine Beeinträchtigung des körperlichen Wohlbefindens, Schlafstörungen, Abgeschlagenheit, Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Nervosität und depressive Verstimmungen. Auch legen sie häufig an Körpergewicht zu und verlieren Muskelmasse. «Für gewöhnlich sind sexuelle Unlust und Erektionsstörungen erste Hinweise, dass etwas nicht stimmt», erklärt Zimmermann. Wer länger als acht Wochen unter den Beschwerden leide, sollte einen Arzt aufsuchen.

Diabetiker sind besonders gefährdet
Der Besuch beim Arzt ist wichtig, um die Ursache klar zu erkennen, etwa ob der Testosteronspiegel im Blut tatsächlich unter den normalen Werten liegt (zwischen 12 und 30 Nanomol pro Liter). Liegt der Wert unter 12 nmol/l, kann man von einem Testosteronmangel sprechen, so Zimmermann. «Es gibt aber Männer mit tiefen Werten, die beschwerdefrei leben. Das ist sehr individuell.»

Krankheiten wie Diabetes Typ II, Übergewicht, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen können die Folge eines niedrigen Testosteronwerts sein oder einen solchen begünstigen. «Bei Männern mit Übergewicht oder Diabetes Typ II besteht in rund 50 Prozent der Fälle ein Testosteronmangel. Dies sollte bei der Betreuung dieser Patientengruppen unbedingt berücksichtigt werden», betont Zimmermann. «Man sollte sich aber nicht nur an Laborwerten orientieren. Oder davon ausgehen, dass eine Hormontherapie alles richten wird.»

Sind die Testosteronwerte zu tief, könne ein gesunder Lebensstil mit regelmässiger Bewegung einiges bewirken, so Zimmermann (siehe Box). «Hat ein Mann allerdings konstant tiefe Werte und leidet unter den typischen Begleitsymptomen, sollte ein Therapiestart ins Auge gefasst werden.» Bei älteren oder stark übergewichtigen Männern bewirkt eine Anpassung des Lebensstils kombiniert mit einer Hormontherapie oft viel. «Durch die Behandlung fühlen sie sich besser und sie können ihr Leben mit neuer Energie positiv verändern. Mittel- bis langfristig können die Auswirkungen auf den Körper sogar so positiv sein, dass die Hormontherapie nach ein bis zwei Jahren wieder abgesetzt werden kann.»

Umstrittene Therapie
Wie Hormonbehandlungen während der weiblichen Wechseljahre sind auch Hormontherapien bei Männern nicht unumstritten. Langzeittherapien können Nebenwirkungen auslösen, insbesondere eine übermässige Zunahme der roten Blutkörperchen, wodurch das Blut dickflüssiger wird und somit das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt. Entscheidet sich der Patient nach einer ausführlichen Beratung für eine Hormontherapie, ist eine intensive, medizinische Kontrolle unerlässlich. Auch gilt es, andere Erkrankungen auszuschliessen, etwa Brust- oder Prostatakrebs. «Eine Hormontherapie löst zwar keinen Brustoder Prostatakrebs aus», stellt Zimmermann klar. «Verabreicht man allerdings einem Patienten mit einem bestehenden Tumor Testosteron, kann es das Wachstum des Tumors befeuern.»

Stelle man die richtige Indikation, überwögen die guten Resultate, meint Zimmermann. «Eine Hormontherapie verbessert das psychische und körperliche Befinden und wirkt sich positiv auf die Sexualität, die Knochendichte und den Fettstoffwechsel aus. Allerdings ist sie keine Lifestyle-Therapie», fügt der Urologe an. «Immer wieder kommen Männer in die Sprechstunde, die mittels Hormontherapie ihre Testosteronwerte anheben wollen, um Muskelmasse aufzubauen. So geht das natürlich nicht.»


Auch Helden leiden mit zunehmendem Alter unter hormonellen Veränderungen.

Mit Naturheilkunde gegen Wechseljahrbeschwerden

In der Mehrzahl der Fälle lassen sich Beschwerden um die Lebensmitte ohne medizinische Unterstützung kurieren. Fachleute wie der Zürcher Männerheilkundler David Zimmermann empfehlen ganz klassisch einen Dreiklang aus Geist, Körper und Ernährung: Statt abends mit Nüssli und Bier vor dem TV abzuhängen, sollte man(n) seine grauen Zellen durch geistige Tätigkeit fordern, sich sportlich fit halten und regelmässig zu gesunder vitaminreicher Kost greifen. «Erlesene Öle und Fette sind ebenfalls wichtig für die Hormonproduktion», weiss die Naturheilpraktikerin Sarah Föhn. «Ebenso hochwertiges Eiweiss für die Muskulatur.» Wer all das regelmässig beherzigt, hält seinen Hormonspiegel einigermassen stabil – vollkommen ohne Nebenwirkungen.

«Wer allerdings wirklich mal abgeschlagen, müde und erschöpft ist, dem können Kräuter eine gute Ergänzung sein», sagt Föhn. «So stärkt beispielsweise die Taigawurzel die Lebensenergie und hilft, den Stress auszugleichen.»

Die Naturheilkunde kennt zahlreiche Mittel, die dem alternden Mann auf sanfte Weise helfen können. Föhn weist explizit auf die Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) hin. «Mit dem Älterwerden nehmen die Nierenenergie und die Verdauungsenergie in Milz und Magen ab», erklärt sie. Verringere sich das Yin, das substanziell-nährende Prinzip, könne das Schlafstörungen, Abgeschlagenheit, Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Nervosität und depressive Verstimmungen nach sich ziehen. «Insbesondere Nahrungsmittel wie Dinkel, Vollkorngetreide, Datteln, Sprossen, Leinöl und Fisch stärken das Yin.»

Auch gegen die schwindende Libido, die mit einem allmählich sinkenden Testosteronspiegel einhergehen kann, ist ein Kraut gewachsen. Die TCM sieht da einen Hinweis auf einen Nieren-Yang-Mangel, also ein Nachlassen des feurigen, bewegenden Prinzips. «Ich empfehle der TCM gemäss in erster Linie Tinkturenmischungen, vorwiegend mit Heilpflanzen wie Damianakraut, Sägepalme, Ginseng oder Gewürznelke, die das Nieren-Yang stärken», sagt Föhn. Auch Wachholder sei ein Yang-stärkendes Mittel. Nachfolgende Kräuter helfen ebenfalls gegen unliebsame Beschwerden:

Brennnessel
: Als Tee getrunken soll sie Prostatavergrösserungen vorbeugen und den Stoffwechsel ankurbeln.

Johanniskraut
: Dieser Heilpflanze wird lindernde Wirkung bei (Winter-)Depressionen nachgesagt. Die Pflanze soll beruhigen und bei Schlafstörungen helfen.

Melisse
: Kann wie Hopfen, Baldrian und Johanniskraut bei Schlafstörungen helfen.

Lavendel
: Lavendelöl wirkt schlaffördernd und hilft bei Verstimmungen.

Passionsblume
: Sie hilft gegen Stress, Unruhe und Nervosität.


Midlife-Crisis als Chance
Auch die eigene Vergänglichkeit rückt bei Männern um die 50 immer stärker ins Bewusstsein. Die damit einhergehenden Verstimmungen haben allerdings kaum etwas mit den Hormonen zu tun. «Manche denken, sie haben mit 50 den Zenit überschritten», folgert Urologe Zimmermann. Gelegentlich verlieben sie sich Hals über Kopf in eine junge Frau, kaufen eine Harley-Davidson und lassen ihr altes Leben hinter sich.

Was wie die klassische Midlife-Crisis anfängt, muss nicht unbedingt in einem Scherbenhaufen enden, findet der Berner Paartherapeut Klaus Heer. «Im Gegenteil. Ein Aufbruch nach der Lebensmitte kann sehr wohl das abrupte Ende eines Dämmerzustandes bedeuten und dazu einladen, sich für ein neues und aktives Leben zu entscheiden.» Dies durchaus auch im «alten» Umfeld. «Das Altern lässt sich zwar nicht verhindern», relativiert Zimmermann, «aber die Umstände kann man mit Anpassungen des Lebensstils positiv beeinflussen.»

Links

Während die Bandbreite an Beratungs- und Informationsangeboten für ältere Frauen breit ist, gibt es für Männer nur wenige Anlaufstellen. Nachstehende Links bieten spezifische Angebote und Adressen von Selbsthilfegruppen für Männer an.

Allgemeine Übersicht: www.mencare.swiss/de/landkarte 

Burnout bei Männern: www.timeout-statt-burnout.ch/cms 

Selbsthilfegruppen für Männer: www.selbsthilfeschweiz.ch 

Fotos: iStock.com
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