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Cannabis-Medizin

Kategorie: Natur

Text:  Kevin Johann

Bis heute ist keine zweite Heilpflanze bekannt, die ein derart umfangreiches Indikationsspektrum abdeckt wie der Hanf. Mit einer alles heilenden «Wunderpflanze» haben wir es im Falle des Cannabisgewächses allerdings nicht zu tun.

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Die Wissenschaft ist sich längst einig: Hanf ist ein vergleichsweise sehr sicheres Heilmittel, das sich zur Linderung zahlreicher Krankheitssymptome eignet. Dabei sind nicht nur die weiblichen Blüten von Interesse, sondern auch andere aus der Pflanze gewonnene Erzeugnisse, wie zum Beispiel die Samen oder das ätherische Öl.

Über viele Jahre hinweg ging man davon aus, dass die therapeutischen Eigenschaften des Hanfs überwiegend auf den enthaltenen Cannabinoiden basieren – allen voran auf THC und CBD. Heute weiss man jedoch, dass sich die Pharmakodynamik von Cannabis um ein Vielfaches komplexer gestaltet. Denn nicht nur die vielen unterschiedlichen Cannabinoide sind wirksamkeitsbestimmend, sondern ebenso die im Hanf vorkommenden Flavonoide und Terpene. Folglich handelt es sich bei der Cannabiswirkung um das Resultat eines synergistischen Wechselspiels aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Wirkstoffen. Schauen wir uns die drei wichtigsten in der Hanfpflanze verfügbaren Substanzgruppen einmal genauer an:

Cannabinoide ist eine Sammelbezeichnung für alle Stoffe, die ihre Wirkung über eine Anbindung an den Cannabinoid-Rezeptoren entfalten. Insgesamt wurden bis dato über hundert solcher Substanzen in der Hanfpflanze nachgewiesen. Interessant ist, dass diese Stoffe nicht ausschliesslich im Hanf vorkommen, sondern inzwischen auch in anderen Pflanzen nachgewiesen wurden, so zum Beispiel im Gemeinen Lein (CBD), in der Strohblume Helichrysum umbraculigerum (CBG) oder in der Lebermoosart Radula perrottetii (Perrottetinen).

Flavonoide gehören mit über 6000 zugehörigen Substanzen zu den grössten bekannten Nährstoffgruppen. Im Hanf wurden bislang 21 Flavonoid-Verbindungen identifiziert. Davon werden all jene Substanzen, die einzig im Hanf vorkommen, als «Cannflavine» bezeichnet. Das Wirkspektrum dieser Stoffe umfasst primär antioxidative und entzündungshemmende Effekte.

Terpene sind aromatische und flüchtige Bestandteile von ätherischen Ölen. Ihre natürliche Funktion besteht darin, zwecks Bestäubung nützliche Insekten anzulocken; gleichzeitig können sie schädliche Frassfeinde in die Flucht schlagen. Wie zahlreiche Untersuchungen bestätigen, bieten Terpene eine sehr grosse Bandbreite an (aroma-)therapeutischen Heilwirkungen. Zu beachten ist, dass abhängig von diversen Faktoren wie Bodenbeschaffenheit, Reifegrad, Klima usw. die Zusammensetzung der Hanf-Terpene niemals einheitlich ausfällt und grundsätzlich starken Schwankungen unterliegt.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe im Überblick

Cannabinoide
Cannabichromen (CBC)
Wirkung
: entzündungshemmend, schmerzlindernd, unterstützt Zellerneuerungsprozesse

Cannabidiol (CBD)
Wirkung
: angst- und schmerzlindernd, antiepileptisch, antibakteriell, Augeninnendruck senkend, beruhigend, entzündungshemmend, schlaffördernd

Cannabigerol (CBG)
Wirkung
: antibakteriell, leicht entspannend

Cannabinol (CBN)
Wirkung:
angstlindernd, Augeninnendruck senkend, schlaffördernd, schmerzlindernd

Tetrahydrocannabinol (THC)
Wirkung:
appetitsteigernd, euphorisierend, muskelrelaxierend, schmerzlindernd, aphrodisierend, psychoaktiv

Flavonoide
Anthocyane
Wirkung:
antimikrobiell, antioxidativ, entzündungshemmend

Cannflavin A
Wirkung: entzündungshemmend

Cannflavin B
Wirkung: entzündungshemmend

Luteolin
Wirkung
: antioxidativ, entzündungshemmend, immunstärkend

Quercetin
Wirkung:
antioxidativ, blutdrucksenkend, durchblutungsfördernd, krebshemmend

Terpene
Borneol
Wirkung:
entspannend, schlaffördernd Caryophyllen Wirkung: entzündungshemmend, schmerzlindernd

Eucalyptol
Wirkung
: antibakteriell, hustenlindernd

Limonen
Wirkung
: antibakteriell, antidepressiv

Linalool
Wirkung:
antidepressiv, beruhigend, euphorisierend

Myrcen
Wirkung:
antibakteriell, antioxidativ, beruhigend, euphorisierend, schlaffördernd, schmerzlindernd

Pinen
Wirkung
: antiasthmatisch, antibiotisch, konzentrationsfördernd, schleimlösend

Terpineol
Wirkung:
entspannend, sedierend

In der Schweiz sind auch CBD-Blüten frei verkäuflich. Vaporisiert oder geraucht können sie u.a. bei Schmerzen, Übelkeit, Angst- und Schlafstörungen helfen.

Zur Person



Kevin Johann, geb. 1987, ist Erziehungswissenschaftler (M.A.), Ethnobotaniker und Pflanzenpädagoge. Seit seiner Jugend interessiert er sich für Pflanzen und ihre traditionellen Anwendungsmöglichkeiten. Er ist Autor von drei Büchern sowie Verfasser zahlreicher Artikel zu den Themenkomplexen Pflanzenkunde, Pflanzenmedizin und Bewusstsein.

Cannabis-Produkte – freiverkäuflich und ohne psychoaktive Eigenschaften

CBD-Produkte


Das Cannabinoid CBD
erfreut sich aufgrund seines legalen Rechtsstatus und seiner leichten Verfügbarkeit seit wenigen Jahren grosser Beliebtheit. Innerlich angewandt wirkt CBD zwar leicht beruhigend, es hat aber keinerlei berauschende Eigenschaften. Angeboten wird es in Form von Ölen, Tinkturen, Pasten, Salben, Kaugummis und sogar Zäpfchen. Anders als zum Beispiel in Deutschland sind in der Schweiz überdies CBD-Blüten frei verkäuflich. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Gehalt des berauschenden THC-Moleküls unter 1% liegt.

Bewährt hat sich die Anwendung von CBD bei Ängsten, Bewegungsstörungen, Entzündungen, Epilepsie, Psychosen, Schlafstörungen, Schmerzen, Spannungszuständen und Übelkeit. Zudem kann sich CBD bei Abhängigkeitserkrankungen, Allergien, Diabetes, Depressionen, Hauterkrankungen, Knochenbrüchen sowie bei Krebs als hilfreich erweisen.

Hanfsamen

Zunächst muss erwähnt werden, dass Hanfsamen ihr medizinisches Potenzial erst dann richtig entfalten können, wenn sie über einen längeren Zeitraum hinweg regelmässig eingenommen werden – am besten als integraler Bestandteil des täglichen Speiseplans. Für eine Einmalbehandlung können sie zwar auch verwendet werden, allerdings sind sie dann in ihrer Heilwirkung nicht sehr effektiv.

Das therapeutische Wirkprofil beläuft sich zum einen auf herz- und kreislaufstärkende und entzündungshemmende Effekte, was ernährungsphysiologisch auf die günstige Zusammensetzung an hochwertigen Fettsäuren (Omega-3 und Omega-6) zurückgeführt wird; nachweislich können Hanfsamen selbst schmerzhafte Entzündungsherde an den Gelenken mildern. Zudem haben Hanfsamen die positiven Eigenschaften, dass sie den Cholesterinwert senken, den Muskelaufbau fördern, Zellerneuerungsprozesse unterstützen, das Immunsystem stärken, das Hautbild verbessern und die Durchblutung anregen können.

Ein kurzer Blick in die Ethnopharmakologie der Hanfsamen lässt schnell erkennen, dass das Wissen um die positive Wirkung der Hanfsamen nicht neu ist. In China, Indien, Europa, Persien, Japan, Tibet, Russland sowie in Ägypten werden sie bereits seit zig Generationen als wichtiges Mittel zur Förderung der Gesundheit geschätzt. Im alten Europa beispielsweise waren die zerstossenen Samen, üblicherweise in der Darreichung eines stark konzentrierten Teeaufgusses, ein sehr beliebtes Hausmittel zur Behandlung von Harnbeschwerden, Gelbsucht, Ödemen und Rheuma. Ähnlich in China, wo die Samen als «Huo Ma Ren» bezeichnet und dem Funktionskreis Milz, Magen und Dickdarm zugeordnet werden. Traditionelle TCM-Indikationen sind unter anderem Bluthochdruck, Blutungsanomalien, Erbrechen, Geschwüre, Harnverhalt, Krebs, Migräne, Mittelohrentzündung, Rheuma sowie Verbrennungen.

Es lohnt sich also sehr, die gesundheitsfördernde Wirkung der Hanfsamen zu nutzen und schnellstmöglich nach leckeren Rezepten Ausschau zu halten. Man kann die kleinen Körner in geschälter Form aber auch einfach grosszügig über den Salat streuen. Ganz im Sinne des altgriechischen Arztes Hippokrates, der es seinerzeit so formuliert hat: «Lasst eure Nahrungsmittel eure Heilmittel sein!»

Ätherisches Hanföl

Das durch Wasserdampfdestillation
gewonnene und sehr angenehm duftende ätherische Hanföl zeigt ebenfalls keinerlei berauschende Wirkungen, schliesslich befinden sich die geistbewegenden Cannabinoide nicht im ätherischen Öl, sondern in den winzigen, auf den sogenannten Trichomen der weiblichen Blüten sitzenden Harzdrüsen. Aromatherapeutisch eingesetzt wird das ätherische Hanföl beispielsweise zur Linderung entzündlicher Atemwegserkrankungen, etwa bei einer Bronchitis oder Nasennebenhöhlenentzündung. Daneben ist es eine hervorragende Unterstützung zum Abschalten, Entspannen und Meditieren, wenn sich der Geist nach einem Moment der Ruhe und die Seele nach innerer Einkehr sehnen. Persönlich präferiere ich für diese Zwecke eine Kombination aus Hanföl und Palo-Santoöl. Natürlich lässt sich Hanföl aber auch gut mit anderen ätherischen Blüten-, Holz- und/oder Zitrusölen mischen, je nach persönlichem Geschmack und der individuellen Zielsetzung.

In Cremes, Körperölen oder Lotionen verarbeitet und auf die Haut aufgetragen, wirkt ätherisches Hanföl durchblutungsfördernd, entzündungshemmend, krampflösend, muskelrelaxierend, schmerzlindernd und wundheilend. Eingesetzt werden können die Produkte dementsprechend bei gereizter, trockener und entzündeter Haut, bei Gelenkerkrankungen, Muskelverspannungen, Schmerzen (auch Phantomschmerzen) sowie bei Schwellungen. Daneben wird ätherischem Hanföl eine positive Wirkung auf das Haar- und Talgdrüsen-System zugesprochen. Und nicht zuletzt verleiht es sämtlichen Pflegeprodukten ein angenehmes Aroma.

Eine Entspannung für Körper, Geist und Seele: ätherisches Hanföl in der Badewanne

Für ein Vollbad werden fünf bis zehn Tropfen ätherisches Hanföl benötigt. Damit es sich mit dem Wasser vermischt, kann es in Milch, Honig oder einem pflanzlichen Emulgator (z.B. auf Lecithinbasis) gelöst werden. Wenn man das ätherische Öl nicht emulgiert, schwimmt es auf der Wasseroberfläche und kann bei sehr empfindlichen Menschen Hautreizungen verursachen. Die Emulsion resp. das ätherische Öl wird erst unmittelbar vor dem Bad ins Wasser gegeben. Zu früh dazuge­geben, verflüchtigt sich das angenehme Aroma möglicherweise schon, bevor man ins Wasser steigt. Bei einem Vollbad ist zu beachten, dass die Wassertemperatur nicht über 38 °C liegt und sich die Badedauer auf maximal 15 bis 20 Minuten beschränkt. Zu langes Baden kann Kreislaufbeschwerden mit sich bringen und dazu führen, dass die Haut wertvolle Fette verliert.

Fotos: unsplash.com/r-r-medicinals | ZVG | iStock.com

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