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Kratzbeere: die Kraft der Dornen

Kategorie: Natur
 Ausgabe_09_19  - 06.08.2019

Text:  Steven Wolf

Wer im Wald der Kratz- oder auch Hirschbeere genannt begegnet, begegnet den Geistern des Waldes. Die zierliche Pflanze hilft unter anderem bei Nieren- und Blasenleiden, stärkt den Willen und fördert das kreative Potenzial.

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Die Kratzbeere (Rubus caesius) ist eine zierliche, wild wachsende Brombeere und gehört somit zur grossen Familie der Rosengewächse. Kaum eine andere Pflanzenfamilie schenkt der Erde eine derartige Fülle an betörenden und lebenswichtigen Früchten. Brombeeren, also auch die Kratzbeere, haben keine feste Blütezeit, deshalb findet man oft Blüten, unreife und reife Früchte am selben Strauch. Von April bis September kannst du die jungen Triebe ernten, von April bis August die lieblichen Blüten und ab August bis weit in den Oktober hinein die süssen Früchte.

Trotz ihrer Erscheinung ist die Kratzbeere eine wahre Lichtbeere. Sanft und dennoch kraftvoll bringt sie Licht ins Seelendunkel und ebenso erfüllt sie Menschen in körperlichen und geistigen Bereichen. Die Beere ist aufgebaut wie ein Insektenauge und genau diese Ähnlichkeit gilt es bei ihr zu deuten. In der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Beere erweist sie sich denn auch als optimale Begleiterin bei der Erarbeitung eines gedanklichen Rundblicks.

In der Praxis kannst du die Kraft der Hirschbeere nutzen, um den Willen anzuregen oder um erkannte Ziele und Absichten zu stärken. Das wirkt Unentschlossenheit und Zögern entgegen und hilft, um nötige Schritte gestärkt und entschlossen anzugehen. Auf der geistigen Ebene begleitet dich die Kratzbeere also auf dem Weg vom «Sehen zum Verstehen», damit du erkennen kannst, was zu tun ist. So unterstützt sie Menschen in ihrem kreativen, schöpferischen Tun und Ideen können entschlossen in die Tat umgesetzt werden.

Stachlig und wehrhaft
Seit den Anfängen der Heilkunst werden wehrhafte Pflanzen bei stechenden Schmerzen eingesetzt. In unseren Breitengraden finden sich viele davon. Das Geheimnis und der Zauber der Heilung durch Pflanzen bestehen darin, die richtigen zu finden, aber auch die Intensität der Anwendung und die Länge der Kur bestimmen den Heilerfolg. Wehrhafte Pflanzen wie die Kratzbeere lassen sich deshalb bei stechenden Schmerzen in Leber, Niere, Blase und Brust erfolgreich einsetzen, aber auch bei ähnlichen Symptomen im Unterleib und in den Gliedmassen.

Brombeerbögen waren schon immer ein besonderes Zeichen der Kraft der Natur. So ist auch heute noch im Volksglauben verankert, dass sich Unglück und Krankheiten abstreifen lassen, wenn man unter solchen dornigen Bögen durchkriecht. Dabei nehmen die Stacheln schlechte Energien auf und man fühlt sich nach dem Durchkriechen wieder gesund und glücklich. Das jedenfalls glaubten unsere Ahnen und unterstützten die Heilkraft der Brombeerbögen beim Untendurchschlüpfen mit Gebeten.

Aber damit nicht genug. Das Prinzip der Wehrhaftigkeit verweist auch auf das Thema Schutz, das diese Pflanzen auf geistiger und körperlicher Ebene bieten können. Wer sich auf diese spezielle Kraft der Kratzbeere einlässt, wird sich mit der Zeit auch gegen emotionale Angriffe behaupten können.

Eine weitere Stärke wehrhafter Pflanzen liegt zudem im Bereich Entgiftung und Ausleitung, denn sie regen den Stoffwechsel und somit die Funktion
entgiftender Organe an. Ausscheidungsprozesse über Haut, Nieren und Leber werden angeregt und der Körper wird entsprechend entlastet. Die Kratzbeere stärkt aber auch das Immunsystem und wirkt somit abwehrend gegen Viren und Bakterien.

Entspannung für den Blutdruck
Anschaulich weisen uns die Dornenbögen auf das Thema Spannung hin. Die fortlaufende Verholzung der Triebe symbolisieren Verhärtungen und Verdichtungen – die Blüten und Beeren der Dornbögen hingegen Ausdehnung respektive Erweiterung. Diese Polarität braucht einen Vermittler, die Spannung. Und genau das ist eine weitere Kraft der Kratzbeere, sie wirkt spannungsausgleichend, und zwar sowohl körperlich als auch seelisch. Dadurch senkt sie das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verbessert den Blutfluss. Das wiederum beeinflusst den Blutdruck positiv und stärkt das Gefässsystem ganzheitlich. Selbst blutzuckersenkende Eigenschaften werden der Beere nachgesagt.

Die zusammenziehende Kraft der Blätter erkennst du ganz einfach, wenn du ein Blatt kaust. Unweigerlich spürt man dabei, dass im Laub nicht viel Wasser enthalten ist, was sich als bitterer Geschmack im Mund und ein pelziges Gefühl auf der Zunge wahrnehmen lässt. Kommt dazu: Der Speichelfluss im Mund kommt praktisch zum Versiegen und du spürst deutlich, wie es in den Schleimhäuten spannt. Aus diesem Grund hilft das Zerkauen von Kratzbeer- und anderen Brombeerblättern bei Zahnfleischproblemen und Blutungen im Mund. In der Hausapotheke kommt die Kratzbeere deshalb als Blutstiller und Wundheilmittel zum Einsatz, vor allem, wenn es sich um eitrige, nässende und entzündete Wunden handelt. 

Leben schützen und heilen 
Die austrocknende Wirkung hilft auch bei Verschleimungen der Atemwege, denn Schleim hat mit dem Element Wasser zu tun. Wasser ist befeuchtend – das Gegenteil davon ist das Austrocknen. Diese Polarität zwischen befeuchtend und austrocknend ist eine weitere Eigenschaft der Kratzbeere, und genau das bewirkt ihre schleimlösende Eigenschaft. In der Volksheilkunde setzte man die Blätter der Beere deshalb auch als Mittel gegen akute und blutige Durchfälle ein.

All diese Eigenschaften, die der Familie der Brombeergewächsen eigen sind, zeigen uns, dass die flächendeckend wuchernden, struppig dornigen Gewächse, in deren Schutz sich viele andere Pflanzen und Tiere verstecken können, trotz ihrer Garstigkeit in erster Linie Leben schützen und auch heilen können.

Gut zu wissen



Tipps rund um die Brombeere:

● Verletzungen – Blutungen
Mit einem starken Teesud kannst du die Verletzung immer wieder auswaschen. Du kannst auch zerkaute Blätter für deine eigene Wundauflage benutzen. Meiner Meinung nach ist das die einfachste Art, seine Wunden zu behandeln. Es sei gesagt, dass sich Ölauszüge nicht für blutende Wunden eignen. Da kann es im schlimmste Falle zu Ablagerungen in den Blutgefässen kommen.

● Nieren- und Blasenentzündung
Gehörst du auch zu den Personen, die, wenn sie zu lange auf kaltem Stein gesessen haben, einen brennenden, stechenden Schmerz in der Blase verspüren? Dass ein leises Gefühl einer Blasenentzündung entsteht? Da hilft der kultige Haustee aus Brombeer- und Himbeerblättern, den man zu gleichen Anteilen mischt. Wenn du magst, kannst du mit Honig leicht nachsüssen. Erfahrungsgemäss wird über vier Wochen hinweg ein Liter auf den Tag verteilt getrunken. Tritt nach wenigen Tagen keine Besserung ein, sollte man einen Arzt aufsuchen.

● Geburtskraut
Es wundert nicht, dass die lebensschützende Hirschbeere auch zu den Geburtshelferinnen zählt. Vor der Geburt eignet sich Brombeerblättertee, getrunken, für die Auflockerung des Gewebes, damit die Geburt leichter vonstatten gehen kann. Aber auch nach der Geburt steht sie einem zur Seite und kann dann als Wundheilförderin wirken, indem man eine Salbe aufträgt oder Teesud als Waschung verwendet.

● Krampfadern, Venenleiden und Hämorrhoiden
Ein Schraubglas mit zerzupften Brombeerblättern locker füllen. Danach mit einem gutem Bio-Olivenöl bis 5 mm unter den Rand aufüllen. Gut verschlossen 14 Tage an einen warmen oder sonnigen Standort ausziehen lassen. Danach abseihen, umfüllen und kühl lagern. Regelmässig die betroffenen Stellen mit dem Öl einreiben.



Steven Wolf
hat schon als Kind von seiner Grossmutter altes Pflanzenwissen gelernt und weiss um die Kraft der Natur mit all ihren sichtbaren und unsichtbaren Wesen. Er lebt im Jurtendorf in Luthernbad, wo er zusammen mit seiner Partnerin ganzheitliche Pflanzenkurse für interessierte Frauen und Männer durchführt.

www.pflanzechreis.ch 

Fotos: iStock.com | ZVG

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