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Garten im Sommer

Kategorie: Natur, Garten
 Ausgabe_07_08_19 - 06.08.2019

Text:  Frances Vetter

Hochsommer ist die Zeit, in der uns der Garten mit Überfluss belohnt. Sei es im Topf oder auf dem Gemüsebeet: Es wächst und gedeiht und täglich können wir knackig frische Köstlichkeiten ernten.

@ iStock.com

Man kann fast zuschauen, wie die Salate, Gurken und Zucchini wachsen in unseren üppig gefüllten Töpfen und Beeten. Gerade jetzt, wo alles in Rekordzeit gedeiht, warten wir nicht zu lange mit der Ernte. Denn jung und zart geerntet schmeckt das Gemüse einfach am besten. Junge kleine Randen, Karotten und zarte kleine Radieschen zum Beispiel sind einfach unübertrefflich, ein wahrer Schmaus, das Minigemüse! Wir plädieren deshalb immer wieder dafür, früh zu ernten und entsprechend rechtzeitig nachzusäen.


Erdbeeren sollte man bis Mitte August pflanzen, damit sie auch nächstes Jahr wieder schmecken.

Seit Wochen können wir reichlich Salate, Radieschen, Zucchini und Gurken ernten und doch plangt Remo: Täglich blickt er gespannt auf unsere Tomaten. Da schimmert doch schon ein leichter Rotton! Wie lange dauert es wohl noch, bis wir die ersten Paradiesäpfel ernten können?

Angenehm warme und zuweilen brütend heisse Temperaturen bedeuten speziell für den Balkon- und Topfpflanzengärtner permanente Einsatzbereitschaft, ist doch häufiges Giessen angesagt. Während kräftige Pflanzen im Beet meist so tief wurzeln, dass sie auch nach Tagen der Trockenheit noch an das Wasser herankommen, sieht es im Topfgarten ganz anders aus: Die Erde wird, wenn sie einmal ausgetrocknet ist, zu einem kompakten Brikett; giesst man erst dann, läuft das Wasser wie durch ein Sieb. In diesem Fall hilft nur noch, den kompletten Topf für einige Stunden in einen mit Wasser gefüllten Eimer zu stellen und das Wasser aufsaugen zu lassen.

Während mediterrane Kräuter, Chilis und Paprika wahre Hungerkünstler sind, brauchen starkzehrende Gemüse wie Tomaten, Gurken, Zucchini, Kürbis oder Kohl regelmässig Nahrung. Wir düngen Starkzehrer mit selbstgemachten Beinwell- und Brennesselauszügen. Dazu verwenden wir 1 kg frische Brennnesseln oder Beinwell pro 10 Liter Wasser. Das Pflanzenmaterial einfach 24 bis 48 Stunden im Giesswasser ansetzen und dann den Wurzelbereich des Gemüses damit unverdünnt giessen.

Gartenarbeiten im Juli

Nutzgarten


● Frei gewordene Beete nie brach belassen. Noch können Saaten von Gemüse und Gründüngung (z. B. Buchweizen, Tagetes, Phacelia) sowie Setzlinge ausgebracht werden.

● Gemüse und Kräuter direkt oder in Saatschalen säen: Basilikum, Radieschen, Rettiche, Spinat, Salate, Endivie, Chinakohl und Winterblumenkohl sowie bis Monatsmitte Buschbohnen, Fenchel und Karotten.

● Setzlinge pflanzen: Blumenkohl, Broccoli, Fenchel, Federkohl, Stangensellerie, Kohlrabi, Salat und Lauch.

● Im Beerengarten die Neutriebe der Brombeeren und Himbeeren aufbinden, die Ausläufer der Erdbeeren entfernen.

● Johannisbeere und Stachelbeere nach der Ernte auslichten.

● Pflanzen mit hohem Nährstoffbedarf (Kohl, Wirz, Lauch) mit Kompost und stickstoffbetonter Düngung versorgen.

Ziergarten


● Pflanzen in Gefässen regelmässig und wenn möglich morgens giessen und düngen. Pflanzen in Gartenerde nicht zu oft, dafür ausgiebig in den Wurzelbereich wässern (so vermeidet man Pilzbefall).

● Regelmässiges Entfernen von Verblühtem oder gar einen Rückschnitt verdanken Sommerblumen und Stauden mit einem ausdauernden Blühen bis zum Frost.

● Zweijahresblumen säen: Bartnelke, Dotterlack, Hornveilchen, Stockrosen, Stiefmütterchen, Vergissmeinnicht.

● Kräuter und Stauden durch Aussaat anziehen: Akelei, Fingerhut, Nelkenwurz, Rittersporn, Schafgarbe.

● Sommergrüne Laubhecken und Hecken aus immergrünen Nadelgehölzen (Eibe, Thuja) schneiden.

● Rasen bei andauernder Trockenheit mindestens einmal wöchentlich ausgiebig wässern; bei einer Grashöhe von etwa 8 cm auf 4 cm mähen.

Schutz vor Krankheiten
Regelmässiges Giessen und Düngen sowie der richtige, luftige Standort sind viel Wert, um Tomaten, Zucchini, Gurken und Co. vor lästigen Krankheiten wie Mehltau, Kraut- oder Braunfäule zu schützen. Das richtige Giessen – am besten morgens, damit die Pflanzen tagsüber abtrocknen können – und Düngen sind die einfachste Gesundheitsvorsorge für unsere Pflanzen. Eine Ursache für kranke Pflanzen kann aber auch die Wahl eines zu kleinen Topfes sein. Topfgrössen unter 20 Litern Erde führen bei Starkzehrern wie Tomaten, Zucchini, Kürbis und Gurken schnell zu Stress, und Stress macht nicht nur den Menschen, sondern auch Pflanzen krankheitsanfälliger, was zu geringeren Ernteergebnissen führen kann. Blattkrankheiten wie Mehltau oder Falschem Mehltau vorzubeugen oder die Folgen einer Blattlausattacke zu minimieren, gelingt meist mit einem Ackerschachtelhalm-Auszug. Diesen spritzt Remo jeweils morgens auf mehltauempfindliche Pflanzen wie Tomaten. Der Ackerschachtelhalm stärkt die Blätter allgemein. Auch ein akuter Befall von Echtem und Falschem Mehltau kann mit dem kieselsäurehaltigen Ackerschachtelhalm behandelt werden. Tipp: Kranke Blätter wegschneiden und die
betroffenen Pflanzen für einige Tage täglich mit Ackerschachtelhalm-Extrakt einsprühen. Auch hier verwenden wir den Auszug im Verhältnis 1:10, also 1 Teil Pflanze auf 10 Teile Wasser.


Jung und zart geerntet schmeckt das Gemüse einfach am besten.

Bei Kohl, sei es im Topf oder auf dem Beet, müssen wir jetzt regelmässig die Blattunterseiten kontrollieren. Denn es kann sein, dass der Kohlweissling, der Kulturfolger unter den Schmetterlingen, die Eier seiner gefrässigen Raupen dort abgelegt hat. Die reiben wir dann einfach ab. Ebenso verfahren wir mit Blattläusen, wenn der Befall nicht stark ist. Ein Tuch zum Abreiben oder die Finger und ein Wasserstrahl genügen, um den saugenden Insekten den Garaus zu machen. Tipp: Geiztriebe oder Blätter der Tomaten zwischen die Kohlpflanzen legen – ihr intensiver Geruch vertreibt den Kohlweissling, der so erst gar keine Eier ablegt.

Heikle Saat bei Hitze
Man hört es vielleicht nicht gerne, aber im Juli und August heisst es auch schon wieder, an den Herbst zu denken und Herbstsalate und -gemüse rechtzeitig auszusäen. Vor allem die Samen des Herbstsalates sollten jetzt schon in die Erde kommen; dann können die weniger kälteempfindlichen Salatsorten bis zum Herbst gut wachsen und liefern bis in den frühen Winter frisches Grün. Unsere Favoriten sind Zuckerhut, Endivie, Radicchio und Feldsalat (Nüssler). Auch Rauke (Rucola) und Radieschen können jetzt noch gut gesät werden. Ebenso können die Samen der Asia Salatsorten ab Ende Juli in die Erde. Man kann sie aber
auch später, bis in den September, teils sogar Oktober, in die Erde bringen; bei uns haben sie sogar leichte Fröste überstanden. Zuckerhut verträgt ebenfalls Frost bis mindestens minus 5 Grad Celsius. Ein weiterer Vorteil des Zuckerhuts: Er kann im kühlen Keller lange eingeschlagen lagern.


Frances und Remo Vetter*

Jetzt in die Erde (als Saat oder als Setzling) sollte auch Schwarzer Palmkohl, er macht sich auch gut im Blumenbeet. Broccoli, Blumenkohl oder Wirsing können als vorgezogene Setzlinge bis Ende Juli gepflanzt werden. Anfang Juli können noch Buschbohnen, späte Karotten, Winterrettich und Knollenfenchel gesät werden, auch wenn der Fenchel nicht mehr sonderlich gross wird – klein sind sie ja sowieso am aromatischsten.

Gartenarbeiten im August

Nutzgarten


● Bei Trockenheit selten, aber gründlich wässern. Am Morgen giessen, möglichst im Wurzelbereich.

● Bei Tomaten neue Blütentriebe entfernen, denn bis zur Reife der Tomaten reicht es kaum mehr.

● Direkt aussäen: Rucola, Nüssler, Frühlingszwiebeln, Gartenkerbel, Koriander, Pflücksalat (Wintersorte), Radicchio sowie Spinat und Gründüngung.

● Setzlinge pflanzen: Endivie, Fenchel und bis Monatsmitte Chinakohl, Kohlrabi, Kopfsalat und Winterblumenkohl.

● Rhabarberstöcke pflanzen und Steckzwiebeln sowie Knoblauch stecken.

● Erdbeeren möglichst bis Mitte Monat pflanzen.

● Abgetragene Ruten der Sommerhimbeeren wegschneiden und Neutriebe aufbinden. Fruchttriebe von Brombeeren einkürzen.

Ziergarten

● Pflanzen ausputzen und wenn nötig zurückschneiden.

● Mitte August ist der letzte Saattermin für Frühlingsblüher wie Stiefmütterchen, Dotterlack und Vergissmeinnicht.

● Immergrüne Sträucher, Fingerhut, Marienglockenblumen, Pfingst- und Stockrosen sowie Zierkohl auspflanzen.

● Immergrüne Hecken (Eibe, Thuja) schneiden.

● Rasen bei Trockenheit wässern. Bei einer Grashöhe von etwa 8 cm mähen. Bei feuchten Bedingungen düngen.

Bei der Aussaat im Juli muss man etwas vorsichtig sein, denn bei hohen Temperaturen können frisch gesäte Samen schnell austrocknen. Wir raten, das frisch Gesäte am besten morgens und abends zu kontrollieren; allenfalls kann man die Pflanzen auch auf einer kühleren Fensterbank oder an einem schattigen Plätzchen vorziehen. Es kann nämlich auch sein, dass die Aussentemperaturen, zumal in der Sonne, zu hoch sind für die Keimung mancher Salatsorten.

Noch etwas zu den ein- und mehrjährigen Blumen und Stauden, die jetzt so prächtig blühen. Wir säen jedes Jahr verschiedene Sorten. Grundsätzlich gilt für die Blumenpflege im Sommer: Verblühtes vorzu abschneiden oder ausputzen, dann liefern Sommerblüher kontinuierlich ein Meer aus Blüten.

* Frances und Remo Vetter sind als freischaffende Gartengestalter, Referenten und Buchautoren unterwegs.

Fotos: dave brüllmann, at verlag| www.at-verlag.ch | iStock.com
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