Artikel Natur :: Natürlich Online Gartenarbeiten im Sommer | draussen sein | garten | Natürlich

Gartenarbeiten im Sommer

Kategorie: Natur, Garten
 Ausgabe_06_19 - 06.08.2019

Text:  Frances Vetter

Im Juni gibt es allerhand zu tun für Gärtner. Auch wer über keinen Garten verfügt, Salate, Radieschen und Co. aber in Töpfen zieht, muss sich jetzt gut um seine Pflanzen kümmern. Sonst wird es nichts mit der erhofften Ernte.

@ iStock.com

Im Juni grünt und blüht es allenthalben, auch in den Gartenbeeten und in den Töpfen auf den Balkonen. Es gibt jetzt so richtig viel zu tun für Gärtner. Die ersten Radieschen, die Remo und ich im März ausgesät haben, schienen unendlich lange auf sich warten zu lassen, bevor wir sie endlich ernten konnten; mit der Nachsaat geht es nun deutlich schneller. Die Frühsommersonne, die die Beete und Töpfe erwärmt, und das Licht der länger werdenden Tage lassen die Pflanzen förmlich explodieren.

Wir erwähnen es immer wieder gerne. Gemüse ernten wir lieber klein als zu gross. Denn frisch geerntetes, junges Gemüse ist einfach unübertrefflich, was Zartheit und Geschmack anbelangt.

Wenn wir Setzlinge kaufen, müssen wir daran denken, rechtzeitig für Nachschub zu sorgen. Wichtig ist im Juni auch das kontinuierliche Nachsäen, wobei wir darauf bedacht sind, nicht zu viel der gleichen Sorten zu säen. Bei den Radieschen säen wir beispielsweise nach, sobald sich die ersten richtigen Blätter (nach den Keimblättern) zeigen, beim Pflücksalat, wenn die ersten drei, vier Blätter gewachsen sind.

Salat vom Balkon
Zum Nachsäen kann man auf die abgeernteten Lücken säen beziehungsweise Setzlinge in die Lücken pflanzen. Dabei achten wir darauf, ausreichend Platz zur Nachbarspflanze zu belassen, damit die Pflanzen nicht zu eng stehen. Remo hat die Angewohnheit, immer ein wenig zu dicht zu säen und zu pflanzen. Ich rate ihm darum immer, sich einen ausgewachsenen Salatkopf oder eine Zucchinipflanze vorzustellen. Das hilft meistens. Übrigens brauchen natürlich auch die Pflanzen in den Töpfen genug Platz.

In unserem Topfgarten auf der Terrasse ist es relativ einfach, abgeerntete Töpfe und Blumenkästen im Wechsel zu verwenden. Je nach Salatkonsum genügen uns beiden drei, etwa einen Meter lange Balkongefässe, um uns den Sommer hindurch mit Salat zu versorgen. Ist das erste Gefäss fast abgeerntet, der Salat im zweiten gerade im Kommen, dann wird im dritten ausgesät. Auch können jetzt noch immer späte Bohnen oder Kefen in die Töpfe respektive die Beete.

Es tönt vielleicht etwas verrückt, aber es gilt jetzt schon auch an den Herbst zu denken. Was man eigentlich im Juni und Juli nicht gerne tut (eben an den Herbst denken), macht im Gemüsegarten durchaus Sinn. Herbstsalate wie der Endiviensalat oder der Zuckerhut und Radicchio, aber auch der robuste Pak Choi, die gesunden Randen, Chinakohl, Knollenfenchel, Rucola und Karotten, ja selbst Kürbisse wie unser Favorit Butternuss können jetzt ausgesät werden.

Tomaten hegen und pflegen
Aber zurück zum Frühsommer. Sobald die Tomaten ihre ersten Blüten zeigen, heisst es, neben dem regelmässigen Giessen, die üppig wachsenden Pflanzen auch zu düngen. Wir brauchen zum Düngen und Giessen, wie schon öfters erwähnt, Brennnessel- und Beinwellauszüge. Diese für uns kostbaren und günstigen Düngepflanzen fördern das Pflanzenwachstum und die Pflanzengesundheit unserer Nutzpflanzen. Auch Gurken, Zucchini, Kohl und Kürbis, alles Starkzehrer, sind über eine wöchentliche Düngegabe mit Brennnessel und Beinwell sehr erfreut. Die genügsamen Radieschen und schwachzehrenden Salate hingegen benötigen keinen Dünger.

Bei den Tomatenpflanzen können die unteren Blätter entfernt werden, wenn sich die erste Rispe ausgebildet hat. Dies hat zum einen den Zweck, dass die Tomaten mehr Energie in das Wachstum und vor allem in die Früchte investieren. Zum anderen kann so die Krankheitsanfälligkeit minimiert werden. Man muss dann beim Giessen nicht mehr darauf achten, dass die unteren Blätter nicht nass werden, was es Krankheitserregern wie zum Beispiel der Kraut- und Braunfäule sehr leicht machen würde. Diese Pilzkrankheiten haben sich in den letzten Jahrzehnten massiv vermehrt. Entdeckt man erster Anzeichen von Kraut- und Braunfäule an den Tomaten, dann gilt es, schnell zu reagieren und alle betroffenen Stellen wegzuschneiden. Befallene Früchte sind nicht geniessbar. Hat die Kraut- oder Braunfäule den Stamm erreicht, ist keine Rettung mehr möglich. Dann sollte man die ganze Tomatenpflanze umgehend im Kehricht entsorgen.


«Gemüse ernten wir lieber jung und zart als zu gross.» Frances und Remo Vetter*

Gartenarbeiten im Juni

Gemüsegarten

Sonnenwarmer Boden ist die beste Voraussetzung zur Saat von Busch- und Stangenbohnen. Bei ungünstiger Witterung Stangenbohnen geschützt vorkeimen, danach als kleine Pflänzchen mit Startvorteil auspflanzen.

Gestaffelt werden weiterhin Radieschen, Sommerrettich, Karotten und Salate gesät.

Frasslöcher der Erdflöhe an den Blättern von Radieschen, Rettich, Rucola und Kohlarten sind lästig. Erdflöhe meiden feuchte Böden und werden vertrieben von Salat, Spinat und Holunder. Darum anfällige Pflanzen in Mischkultur mit Salat pflanzen, den Boden gleichmässig locker und feucht halten und mit Salat-, Spinatoder Holunderblättern mulchen. Auch Pflanzenbrühen aus Rainfarn oder Wermut vertreiben die Plagegeister.

Alle vorgezogenen Kräuter und Sommergemüse wie Tomaten, Melonen, Kürbis, Kohlarten, Kohlrabi, Zucchini, Patisson und Lauch müssen jetzt ausgepflanzt werden.

Nach der Sonnenwende werden Herbstgemüse wie Zuckerhut, Endivie, Herbstfenchel, Winterlauch, Radicchio und Chinakohl in Schalen gesät und vorgezogen.

Kraut- und Braunfäule bei Tomaten verhindern

Blätter regelmässig ausdünnen (von unten nach oben): mit der Schere abschneiden.

Blätter nicht mit der Hand anlangen. Das gilt vor allem, wenn die Pflanzen feucht sind, z.B. vom Morgentau.

Konsequentes ausgeizen.

Blätter, die welken oder sich verfärben, abschneiden.

Pflanzen nicht zu dicht aufstellen.

Stehen die Tomaten im Gewächshaus, sollte dieses sehr gut gelüftet werden – am besten auf Durchzug stellen.

Den Boden mulchen, um Feuchtigkeit (verdampfendes Wasser an warmen Tagen) zu minimieren.

Hat die Kraut- oder Braunfäule trotz allem um sich gegriffen, die Stützstangen, Stäbe, Klammern etc. unbedingt für die nächste Saison schrubben, das Gewächshaus mit Essigwasser gründlich abwaschen sowie Erde aus den Töpfen zumindest teilweise entfernen (obere Schicht).

Die Spargel- und Rhabarberernte wird mit Johanni (24. Juni) beendet. Die Pflanzen brauchen eine ausreichende Ruhephase und auch Dünger für einen reichen Ertrag im Folgejahr.

Frei gewordene Beete nie brach liegen lassen. Gründüngung (z. B. Buchweizen, Tagetes, Phacelia, Senf) ist rasch ausgebracht und auch rasch wieder entfernt.

Bohnen, Kohl und Lauch anhäufeln. Tomaten regelmässig wässern, Seitentriebe ausbrechen und den Boden mit Mulch abdecken.

Starkzehrer (Kohl, Wirz, Lauch, Tomaten) mit Kompost versorgen.

Kräuter regelmässig ernten. Basilikum, Dill, Gewürz-Fenchel und Minze regelmässig auf Seitentriebe zurückschneiden, damit daraus zarte Zweige nachwachsen.

Ziergarten


Stauden wie Rittersporn, Lupine und Katzenminze nach der Blüte auf ca. 10 cm über dem Boden zurückschneiden. So blühen viele im Spätsommer ein zweites Mal. Wer Schwertlilien (Iris) erhalten will, teilt nach der Blüte alte Horste, das heisst die eng aneinander stehenden Triebe.

Auch einjährige Sommerblumen blühen erneut, wenn Verblühtes regelmässig entfernt, die Samenbildung vermieden und ausreichend gedüngt wird.

Abgeblühte Polsterstauden wie Blaukissen zurückschneiden, damit die Pflanzen kompakt bleiben.

Blütensträucher und Gehölze wie Flieder, Forsythie, Schneeball und Kornelkirschen, die im Frühjahr am einjährigen Holz blühen, nach der Blüte zurückschneiden. Hecken bleiben dicht, wenn diesjährige Triebe Ende Juni eingekürzt werden.

Für Wasser- und Sumpfpflanzen ist jetzt günstige Pflanzzeit. Unterwasserpflanzen produzieren Sauerstoff, binden Nährstoffe und bremsen so das Algenwachstum.

Rasen regelmässig mähen. Bei andauernder Trockenheit einmal wöchentlich ausgiebig wässern. Bei Bedarf während einer Feuchtwetterperiode düngen. Wenn man nach dem Mähen jeweils (kurzen) Rasenschnitt auf dem Rasen belässt, erübrigt sich das Düngen.

Balkonpflanzen richtig giessen 



Das richtige Giessen ist im offenen Garten ein kleineres Problem, als es auf dem Balkon und der Terrasse ist. Erst recht bei hohen Temperaturen und bei sehr sonniger Ausrichtung. Ideal ist es, den Balkon-, Terrassenoder Topfgarten am Morgen zu giessen und dann die Giesskannen gleich wieder zu füllen. So kann sich das Wasser temperieren, das erspart den Pflanzen einen Kälteschock. Zudem hat man so das Wasser gleich griffbereit, sollte es zu einer Überhitzung im Topf kommen und die Pflanzen darunter leiden.

Doch wie merkt man überhaupt, ob die Pflanzen Wasser brauchen? Ganz einfach: Man steckt den Finger in die Erde und testet die Feuchtigkeit. Auch wenn die Erde trocken scheint, kann sie kurz unter der Oberfläche noch feucht sein. Dann muss man nicht unbedingt giessen. Tomaten allenfalls schon, denn sie mögen feuchte «Füsse». Chili und Paprika dagegen sollte man nicht zu sehr mit Wasser verwöhnen. Sie kommen auch mit weniger zurecht, ja sie wachsen dann sogar besser und tragen mehr Früchte.

Und noch zwei Tipps, falls Sie mal ein paar Tage ausser Haus sind: PET-Flaschen lassen sich ganz einfach zu Wasserspendern umfunktionieren: einfach kleine Löcher in den Deckel machen, z.B. mit einem dünnen Nagel (je weniger Löcher, desto langsamer fliesst das Wasser), Flasche mit Wasser füllen und umgekehrt in die Erde stecken. Da unsere doch relativ grossen und schweren Töpfe flexibel sind – wir haben sie auf rollbare Untersätze gestellt – nehmen wir uns die Zeit, sofern wirklich warme Temperaturen oder auch Sturm angesagt sind, um die Töpfe an einen sicheren und schattigen Platz zu stellen. So trocknet die Erde nicht zu schnell aus.

* Frances und Remo Vetter sind als freischaffende Gartengestalter, Referenten und Buchautoren unterwegs.

Fotos: dave brüllmann, at verlag| www.at-verlag.ch | iStock.com 
Tags (Stichworte):

Kategorie: Garten

Lesen: Gärtnern für Tiere

Admiral und Zaunkönig im eigenen Garten – schön wär’s! Machbar auch.

Kategorie:

Kategorie: Natur

Wildschweine: Austricksen

Wildschweine wühlen wie alle Schweine gerne im Boden, um nach Nahrung zu...