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Gärtnern im Mai

Kategorie: Natur, Garten
 Ausgabe_05_19 - 02.05.2019

Text:  Frances Vetter

Säen, pflanzen, düngen, ernten – im Mai heisst es für Gärtner: anpacken! Die besten Tipps von den Profis.

@ iStock.com

Der Wonnemonat Mai ist bei uns manchmal gar nicht so «wonnig». Trotzdem sind wir Jahr für Jahr versucht, zu früh im Freiland auszusäen. Bis zu den Eisheiligen Mitte Mai kann es nämlich nochmal richtig empfindlich kalt werden. Oft hat auch noch die Schafskälte unseren wärmeliebenden Pflanzen wie Tomaten, Gurken, Zucchini, Paprika und Basilikum so richtig zugesetzt. Deshalb mahne ich Remo jeweils, nicht zu früh auszupflanzen und die Jungpflanzen sicherheitshalber nach dem Auspflanzen in den ersten Wochen mit Vlies abzudecken.

Auf unserem Aussaatkalender stehen jetzt Salate, von denen wir alle zwei, drei Wochen einige Sorten bis in den Sommer hinein aussäen. Das hat den Vorteil, dass wir keine Salatschwemme haben, sondern nach und nach bis in den Herbst ernten können. Jetzt kommen auch Radieschensamen regelmässig in die Erde. Wir säen alle 14 Tage in etwa so viel, wie wir in 14 Tagen auch essen. Als Faustregel fürs Nachsäen gilt: Radieschen und Salat werden nachgesät, wenn sich die ersten echten Blätter der Vorsaat ausgebildet haben. So sollte es keine Versorgungslücke geben.

Gesunde Vielfalt
Auf der Aussaat-Liste für den Mai stehen zudem Karotten, Randen, Lauch und Pastinaken. Bei Pastinaken und Karotten, die sehr langsam keimen, macht es Sinn, in die Saatrillen auch noch Radieschen zu säen. Damit markiert man die jeweilige Beetreihe, da die schnell auflaufenden Radieschen anzeigen, wo die Pastinaken und Karotten spriessen werden. Auch Kohlrabi und andere Kohlsorten können nun gesät werden. Ergänzend besorgen wir uns vom Bio-Produzenten Setzlinge. Wir beziehen so viele, wie es freien Platz hat beziehungsweise wir zu essen gedenken und pflanzen alle paar Wochen neue Setzlinge nach. Die von uns geliebten Radieschen säen wir ebenfalls in Küchennähe, 70 bis 80 Samen, gut verteilt in einen ein Meter langen Balkonkasten.

Weiter säen wir Buschbohnen, Chinakohl, Erbsen, Kefen, Fenchel, Sellerie, Petersilie (die jetzt viel besser keimt als im zeitigen Frühling), Kartoffeln, Mangold, Pak Choi. Jetzt im Mai kann man auch die mehrjährigen Artischocken aussäen, dann tragen sie nächstes Jahr. Aber Vorsicht: Sie werden sehr gross und benötigen Winterschutz, auch gehen die Mäuse gerne an die Wurzeln.

Ein kleiner Tipp für alle kleinen Samen, ob man jetzt im Mai aussät oder später: Die Erde zuerst anfeuchten und erst dann aussäen. So werden die Sämchen nicht weggespült, wenn man wässert.

Wann ernten?
In den Supermärkten oder auf dem Markt kann das «Grünzeug» ja nicht gross genug sein. Da wir genügend Platz auf den Beeten haben, ziehen wir junges und zartes Gemüse vor. Die kleinen Salatköpfe, der zarte Pflücksalat, das junge Radieschen und die Rande in Golfballgrösse sind viel aromatischer und zarter als die ausgewachsenen Exemplare. Das ist ein kleiner Luxus, den Remo und ich uns leisten. Gleiches gilt später übrigens auch für Gurken oder Zucchini. Die ernten wir, wenn sie jung und zart sind, was nicht nur toll im Geschmack ist, sondern auch das Wachstum der Pflanze beziehungsweise die weitere Fruchtbildung anregt.|

Noch ein Tipp zum Ernten von Pflückund Schnittsalat: Wir pflücken diesen mit den Fingern, etwa zwei bis drei Zentimeter über der Erde von aussen nach innen und lassen das Herz, den Innenteil, stehen. So wächst der Salat kontinuierlich nach. Mit den meisten kopfbildenden Salaten kann man das so machen. Der Vorteil: mehr Ernte auf kleiner Fläche.

Gurken, Tomaten, Zucchini, Kürbis, Chili oder Paprika kommen erst nach den kalendarischen Eisheiligen, also nach dem 15. Mai ins Beet oder den Topf. Topfgärtner, die drinnen Platz haben, können in wärmeren Regionen und geschützten Standorten die Pflanzen bereits Anfang Mai eintopfen und ins Freie stellen. Voraussetzung ist, dass man die Töpfe umplatzieren kann. Fallen die Temperaturen nachts unter den zweistelligen Plusbereich, muss man sie an einen geschützten Platz bringen, etwa in die Garage, ein Gewächshaus oder einen Schuppen. Ins Beet sollte man die wärmeliebenden Gemüsesetzlinge aber nicht vor dem 15. Mai pflanzen; in Frostlagen sogar noch später.

Richtig pflanzen
Ob auf dem Beet oder im Topf – grundsätzlich mögen Tomaten, Gurken, Zucchini und Kürbisse neben viel Wärme und Licht einen guten nährstoffreichen Boden. Dazu sollte ordentlich Kompost in die Erde oder in den Topf. Zusätzlich geben wir eine Gabe Urgesteinsmehl, das mit vielen Mineralien, natürlichen Spurenelementen, Kieselsäure und Tonerde versetzt ist. Damit aktivieren wir das Bodenleben und verbessern die Bodenfruchtbarkeit.

Balkongärtner müssen übrigens nicht auf Gartenkompost verzichten. Sie können ganz einfach in einem grossen, mit Luft- und Ablauflöchern versehenen Eimer mit Deckel selber Küchenabfälle sammeln und von Würmern und Co. in beste Komposterde umwandeln lassen. Kompost gibt es aber auch abgepackt im Gartencenter. Tipp: Kaufen Sie «richtigen» Kompost, nicht «Komposterde». Denn das ist meist nur einfache Pflanzerde, die mit etwas Kompost angereichert wurde.

Tomaten pflanzen kann man auf verschiedene Weise. Sind die Tomaten selbst gezogen, dürfen die Pflanzen gerne fünf Zentimeter tiefer in die Erde als im ursprünglichen Topf. Remo setzt die Tomaten jeweils bis zur ersten Blattachse ins Pflanzloch. Wenn man Tomaten so tief pflanzt, bilden die noch zarten Pflänzchen oberflächennahe Wurzeln aus, über die sie optimal Nährstoffe wie Dünger und Wasser aufnehmen können. Zucchini, Kürbis und Gurken muss man nicht so tief setzen, gepflanzt werden sie ansonsten identisch. Tomaten mögen es luftig und sonnig. Unsere Tomaten im Topf an der südlichen Hausmauer bringen eine vergleichsweise bessere Ernte als die Tomaten im Garten – ausser die Exemplare auf den Hügel- und Hochbeeten, die Rekordernten liefern (siehe hier). Für Balkon- und Terrassentomaten gilt es, genügend grosse Gefässe zu wählen. Wir wählen Kübel mit 60 bis 80 Liter Volumen und pflanzen zwei bis drei Tomaten pro Kübel, samt einer Unterpflanzung von Basilikum. So haben wir mit einem Handgriff schon fast die ganze Vorspeise beisammen – fehlen nur noch Mozzarella, Olivenöl, ein Hauch Pfeffer und etwas Salz.

Die Kunst des Düngens
Eine unserer wichtigen Massnahmen, um die Pflanzengesundheit und das Wachstum zu erhalten und anzuregen, ist die Düngung mit Brennnesseln und Beinwell. Man findet diese wertvollen Pflanzen auf Spaziergängen am Waldrand. Wir haben sie in den eigenen Garten geholt und geben ins tägliche Giesswasser einige Brennnessel- und Beinwellblätter, lassen die Kräuter 24 Stunden ziehen und giessen dann den Wurzelbereich unserer Kulturen mit diesem wunderbaren Ansatz. Das hält die Tomaten gesund und fördert allgemein das Wachstum der Pflanzen. Bei uns bekommen alle Starkzehrer wie Kohlarten, Kürbis und Gurken von diesem 24-Stunden-Kräuterauszug.

Alternativ kann man auch eine Jauche herstellen. Dies ist allerdings zeitaufwendiger, auch muss die Jauche verdünnt werden und für empfindliche Nasen ist sie nicht geeignet. Allerdings ist der Gestank etwa eine Stunde nach dem Giessen verflogen. Wer es probieren mag, hier das Rezept: In einem Eimer mit Deckel 1 Kilo frische Brennnesseln mit 10 Litern Wasser ansetzen. 14 Tage ziehen lassen, dabei täglich umrühren. Danach abseihen und jeweils einen Liter Jauche auf 10 Liter Giesswasser geben. Wer auf die Herstellung einer Jauche oder des 24-Stunden-Ansatzes verzichten will, kann natürlich auch einen flüssigen Tomatendünger im Gartencenter kaufen. BioTomatendünger enthält besonders viel Kalium. Gute Partner für Tomaten, ob auf dem Beet oder im Kübel, sind Minze, Basilikum und Petersilie.

Was Remo und ich übrigens nicht oft genug betonen können: Die Effektivität der Hügel- und Hochbeete! Viele Jahre haben wir nun Unmengen an Gemüse und Salat aus einem Hochbeet und acht Hügelbeeten geerntet und konnten uns auf einer relativ kleinen Fläche von 250 bis 300 Quadratmetern praktisch das ganze Jahr über selbst versorgen.

Gartenarbeiten im Mai

Nutzgarten


Gemüse direkt in vorbereitete Beete säen, z.B. Karotten, Lauchzwiebeln, Mairüben, Radieschen, Rettiche sowie Salate. Bis Mitte Monat sollten alte, fast vergessene Wurzelgemüse wie Pastinake und Petersilienwurzel gesät sein.

Direkt gesät werden auch Gewürze wie Borretsch, Dill, Petersilie, Rucola, Schnittlauch, Kamille, Kresse, Kerbel, Bohnenkraut und Basilikum.

Dichte Saaten ausdünnen. Die Pflänzchen sind so auszulichten, dass jedes ausreichend Abstand zur Entfaltung hat.

Gemüsesetzlinge (z. B. Salat, Kohl) regelmässig auspflanzen. Dabei Fruchtfolge und Mischkultur beachten. In rauen Lagen ist ein Vlies oder Kulturschutznetz zu empfehlen. Es schützt vor Witterung und schädlichen Insekten.

Kartoffeln bis Mitte Monat setzen.

Im Gewächshaus oder auf dem Fenstersims Gurken, Melonen, Tomaten, Zucchetti und Kürbisse vorziehen. Auch für die Anzucht der Setzlinge von Gewürzen, Fenchel, Lauch, Krautstiel und Kohlarten ist die Zeit günstig.

Rasen, Obst- und Beerengarten pflegen, z. B. Wasserschosse entfernen und bei Kirschen vom Pilz Monilia befallene Zweige abschneiden, bei Erd- und Himbeeren Blütenstecher, Käfer aus der Familie der Rüsselkäfer, ablesen (sie legen ihre Eier in welkenden Blüten).

 
Ziergarten

Günstige Wetterbedingungen, keine extreme Kälte oder Hitze und ausreichende Feuchtigkeit begünstigen das gute Anwachsen der Pflanzen. Knollen- und Zwiebelblumen wie Dahlien und Gladiolen jetzt unbedingt in Garten und Balkongefässe setzen.

Frostempfindliche Blumen- und Gemüsesetzlinge in milden Lagen ab Monatsbeginn, in rauen ab Monatsmitte (nach den Eisheiligen) ins Freie pflanzen. Setzlinge aus dem Gewächshaus zuvor abhärten, damit sie Sonne und Wind ertragen.

Einjährige Blumen und Gräser, Stauden, Sträucher und Gehölze in den Garten und in Gefässe pflanzen.

Wärmeliebende Sommerblumen direkt in frisch gelockerte und gejätete Erde säen. Geeignet sind z. B. Löwenmäulchen, Mohn, Jungfer im Grünen, Hain-, Korn- und Ringelblumen, Duft-Wicken, Rittersporn, Kapuzinerkresse, Sonnenblumen, Zinnien.

Der Gartenboden soll nie kahl stehen, darum Unkraut jäten und Gründüngung, z. B. Phacelia, Senf oder Buchweizen säen. Gründüngung fördert die Bodenfauna, schützt vor Erosion und Nährstoffverlust.

Sämlinge und Setzlinge vor Schneckenfrass schützen.

Mit steigenden Temperaturen werden die Larven des Buchsbaumzünslers aktiv. Buchs regelmässig auf Befall kontrollieren. Beim ersten Beobachten von Raupen beginnt die Bekämpfung, z. B. mit «Delfin» (biologisches Frassgift, unbedenklich für Nützlinge) oder natürlichem Pyrethrum (Bezugsquelle www.biogarten.ch).

Abgehärtete Kübelpflanzen ins Freie stellen.

Tipp

Kaufen Sie «richtigen» Kompost, nicht «Komposterde». Denn das ist meist nur einfache Pflanzerde, die mit etwas Kompost angereichert wurde.

* Frances und Remo Vetter sind als freischaffende Gartengestalter, Referenten und Buchautoren unterwegs.

Fotos: dave brüllmann, at verlag| www.at-verlag.ch, iStock.com

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