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Homöopathie für Pflanzen

Kategorie: Natur, Pflanzen
 Ausgabe_05_19 - 02.05.2019

Text:  Eva Rosenfelder

Ob Mehltau, Läuse oder Schneckenbefall: Mit dem richtigen homöopathischen Mittel kommen Pflanzen wieder zu Kräften. Ganz ohne Gift.

@ iStock.com

 Es ist schockierend: Seit 1989 haben wir über drei Viertel unserer Insekten verloren. In einem immer eintöniger werdenden Meer aus Ackerflächen und Monokulturen und einer Flut an Insektiziden und Pestiziden haben sie kaum eine Überlebenschance. Mangelernährung und Gifte schwächen ihr Immunsystem massiv. Und das hat dramatische Folgen.

Insekten sind nicht nur das biologische Fundament, sie zeigen auch an, ob ein Ökosystem gesund oder krank ist. Sie sind es, die in Gärten und Kulturen den Bestand an Schädlingen regulieren und anderen Arten als Futter dienen. Ohne Insekten wird auch die Zahl der Fische, Frösche, Eidechsen, Vögel und Säugetiere weiter dramatisch zurückgehen.

Hauptsächlich verantwortlich dafür sind die heutige, weitgehend industrialisierte Landwirtschaft und eine fehlgeleitete Agrarpolitik, aber auch pharma-industrielle und landwirtschaftliche Interessenvertreter – nicht zuletzt aber auch jeder Einzelne von uns. Mit einem bewussten Einkaufsverhalten (biologisch, regional und saisonal) kann jeder Einzelne von uns viel zu einer Verbesserung beitragen; im eigenen Garten oder auf dem Balkon kann man zudem mit Leichtigkeit eine giftfreie Wohlfühlinsel für Insekten schaffen. Wer dabei seine grünen Zöglinge auch noch mit homöopathischen Präparaten behandelt und stärkt, bekommt ein wertvolles Mittel in die Hand, um nicht nur die Umwelt, sondern sämtliche Kleinlebewesen und die Erde, die Grundlage von allem, zu schonen. Und dank einer giftfreien Ernte auch die eigene Gesundheit.



Frappante Besserung
Die deutsche Heilpraktikerin Christiane Maute ist eine der Vorreiterinnen der Pflanzenhomöopathie. Sie begann bereits vor 17 Jahren, ihre Nutz- und Zierpflanzen homöopathisch mit Globuli zu behandeln. Die Ergebnisse verblüfften sie von Anfang an: Ob Blattfleckenkrankheit bei Rosen, Braunfäule bei Tomaten, Feuerbrand an Obstbäumen, Blattläuse, Kräuselkrankheit, Pflanzenkrebs, Mehltau, Monilia-Fruchtfäule, Schneckenbefall, Sternrusstau oder schwächelnder Wuchs – nahezu überall erzielte sie eine frappante Besserung. Maute experimentierte in der Folge auch mit Pflanzen, die von Frost oder Hagel beschädigt worden waren. Sie behandelte Verletzungen, Staunässemängel, Schnittwunden nach Baum- oder Strauchschnitt und Hitzeschäden durch zu viel Sonneneinstrahlung. Durchwegs wurde sie von ihren Pflanzen mit sichtbarer Regenerationskraft und gesundem Wuchs belohnt. Seither pflegt sie ihren Garten rein klassisch-homöopathisch, und das mit grossem Erfolg. Ihre Erfahrungen hat sie im übersichtlichen und für Laien gut anwendbaren Leitfaden «Homöopathie für Pflanzen» sowie in einem Ratgeber speziell für Rosen zusammengefasst.

Lebendige Organismen
Pflanzen sind lebendige Wesen und reagieren auf ihre Umwelt. Sind die Einflüsse ungünstig, so zeigen sie dies mit entsprechenden Symptomen. Unübersehbar widerspiegeln sie uns ein falsches Nährstoffangebot, eine unpassende Witterung oder Verletzungen. Nicht weniger als Menschen und Tiere reagieren sie deshalb auch auf homöopathische Behandlungen. Das ist besonders interessant, denn gerade bei Pflanzen kann man definitiv nicht von einem Placebo-Effekt der Globuli ausgehen.

Pflanzen bestehen hauptsächlich aus «Lebensenergie» und materiell aus Wasser, Stickstoff, Kohlenstoff und Mineralien. Ganz offensichtlich haben sie einen Stoffwechsel, mit dem sie Nahrung aufnehmen. Ihre Blätter sind eine Art «Atmungsorgane», die Wurzeln sozusagen der «Darm» und die Blüten ihre «Fortpflanzungsorgane». Geht es einer Pflanze schlecht, so lassen sich aus den Symptomen Schlüsse ziehen, was eine gute Beobachtungsgabe und vor allem eine aufmerksame Beziehung zu den Pflanzen voraussetzt. Auf diese Weise kann man bald riech-, sicht- und tastbare Veränderungen feststellen und im Vergleich zum gesunden Zustand der Pflanze differenzieren.

Beim homöopathischen Prinzip gilt: Ähnliches wird mit Ähnlichem geheilt. Im Gegensatz zur Schulmedizin sieht die Homöopathie nicht die Krankheitserreger als Ursache einer Erkrankung. Vielmehr versteht sie die geschwächte Lebenskraft eines Individuums als Auslöser. Nur dadurch wird einer Krankheit überhaupt erst Einlass gewährt. Das bedeutet auf die Pflanze bezogen, dass mit Wasser, Luft, Licht, Nahrung aus dem Boden, Platzbedarf, Pflege, Klima oder mit dem Wetter etwas nicht in Ordnung ist. Dadurch wird sie geschwächt und vermag die inneren und äusseren Umstände durch ihre eigenen Regulationskräfte nicht mehr auszugleichen. Sie serbelt dahin, wird von Schädlingen oder Pilzen befallen und stirbt ab. Sobald ihre Lebensbedingungen verbessert werden, stärkt dies den Selbstheilungsprozess. Die Homöopathie kann hier einen ausschlaggebenden Impuls zur Selbstregulierung und zur Heilung setzen.

Die wichtigsten sieben Mittel 

01 | Aconitum C200 
Die Plötzlichkeit aller Beschwerden ist ein Hinweis auf Aconitum – die Pflanze welkt oder vertrocknet sehr schnell. Das Mittel wirkt auch gegen witterungsbedingte Schäden als Folge von kaltem, trockenem oder plötzlich einsetzendem Wind, heissen Tagen und sehr kalten Nächten. 

02 | Arnica C200 
Arnica hilft gegen die Nachwehen von Stössen, Verletzungen durch Baumschnitt, Umtopfen oder Sturmschäden. Ein gutes Aufbaumittel für alle Pflanzen, denn es durchblutet die Pflanzenbahnen. 

03 | Calendula C30 
Dieses Mittel ist bei geschwächten Pflanzen angezeigt, denn es wirkt antibakteriell sowie stärkend und hilft bei Pflegefehlern sowie abgerissenen Wurzeln, Riss- und Schnittverletzungen. 

04 | Cimicifuga C30 
Für Pflanzen, die empfindlich gegen feuchte Kälte sind. Es wirkt zuverlässig gegen Blattläuse an Rosen und Rosengewächsen. 

05 | Silicea C200 
Ein Stärkungsmittel für alle Pflanzen! Es verhindert Krankheiten und Schädlingsbefall durch Kräftigung des Zellgewebes. Einmal wöchentlich den Wurzelbereich und die Blätter begiessen, bis die Pflanzen gut angewachsen sind und gesund aussehen. Maximal dreimal pro Saison anwenden. Meist reicht eine Anwendung. 

06 | Sulfur C200 
Wenn die Pflanzen sehr durstig sind, verbessert Sulfur die Wasseraufnahme und stärkt so die Pflanze. Aufbauend nach überstandenem Pflanzenkrebs, bei Echtem und Falschem Mehltau sowie bei Pilzerkrankungen. Hilft gegen vielerlei Schädlinge, bei Vergiftungen durch Spritzmittel, bei witterungsbedingten Schäden und bei vernachlässigten Pflanzen. 

07 | Thuja C30 
Schützt bei sehr kaltem Frühlings- und Sommerwetter, kann bei Blattfleckenkrankheit, Braunfäule, Echtem und Falschem Mehltau, Kräuselkrankheit, Pflanzenkrebs, Spitzendürre oder Fruchtfäule, Pilzerkrankungen, Viruserkrankungen mit warzenartigen Auswüchsen sowie bei Folgen von Kälte und (Stau-)Nässe helfen.

Jeder Pflanze ihr Mittel
Wie aber wählt man das richtige Mittel? In der Homöopathie lassen sich Mittelgaben nicht pauschal festlegen. Jede Behandlung ist immer individuell. Es existieren also keine Fertigrezepte. Das einzelne Lebewesen wird in seinem Gesamtkonzept und Lebensumfeld betrachtet. «Das Fieber meiner Nachbarin mit rotem, heissem Kopf und viel Schwitzen wird nicht mit dem gleichen Mittel behandelt wie mein eigenes Fieber mit kalten Füssen und Schüttelfrost», erklärt Cornelia Maute anhand eines Beispiels aus der Humanmedizin. «Die Homöopathie kennt sehr viele Fiebermittel, die genau passend zum Zustand des Patienten ausgesucht werden. Die Schulmedizin kennt hingegen nur ein Fieber.»

Was bei Menschen sehr viel Erfahrung bedarf, ist bei Pflanzen einfacher: Das Mutter-Tochter-Gespann Christiane und Cornelia Maute verwendet rund 50 homöopathische Mittel, im Gegensatz zur Humanmedizin mit mehreren Tausend. Anfänger starten am besten mit sechs bis acht gängigen Mitteln und eignen sich so langsam an, die eigenen Pflanzen ganz genau zu beobachten und auch feinste Veränderungen zu registrieren.

Los gehts!

Hat man erst einmal ein Mittel gewählt, werden vier Globuli der Potenz C30 oder C200 in einem Emailkrug oder einer Plastikflasche (kein Metall verwenden!) in frischem Wasser aufgelöst und kräftig geschüttelt. Der Inhalt kommt in eine Giesskanne mit zehn Liter frischem Wasser und wird mit einem Holz- oder Plastikstab gut durchmischt. Damit wird die Pflanze am Stamm, über die Blätter und im Wurzelbereich begossen. Dies nur vormittags oder gegen Abend und wegen der Verbrennungsgefahr nie an heissen Tagen. Durch das Wasser gelangt das Mittel am schnellsten an die Nervenenden der Pflanze. Danach die Giesskanne gut ausspülen. Das Giesswasser sollte nicht auf die Haut gelangen; man behandelt ja die Pflanzen und nicht sich selber. Das ist wichtig, denn homöopathische Arzneimittel verursachen bei einer Einnahme im gesunden Zustand genau die Symptome, die sie bei einem Kranken mit denselben Symptomen zu heilen vermögen. Danach heisst es abwarten und die Pflanze gut zu beobachten.

Ist das Mittel richtig gewählt, kann es sehr schnell wirken. Deshalb nie mehr als dreimal hintereinander mit demselben Mittel behandeln, das sind genügend Impulse für eine Heilung. Tritt keine Wirkung ein, gilt es, die Diagnose zu verfeinern und ein passenderes Mittel zu finden.

Lange Tradition

In der Homöopathie, die seit über 200 Jahren eingesetzt wird, kommen Substanzen von Pflanzen, Mineralien, Tieren, ja sogar von Krankheitserregern zum Einsatz, um einem kranken Lebewesen wieder zu Gesundheit zu verhelfen. Für den Einsatz im Garten ist diese Methode ideal, weil sie komplett ohne Pestizide auskommt – es kommt zu keinerlei Boden-, Wasser- oder Luftverschmutzungen. Ausserdem braucht der Einsatz im Garten und auf dem Feld sehr wenig Ausgangssubstanzen und ist deshalb preisgünstig. Probieren Sie es nach dem nächsten Pflanzenrückschnitt selber mal aus: Bei einer gesunden Pflanze geben Sie vorbeugend drei bis vier Globuli Arnica C200 in 150 ml Wasser. Mit einem Plastik- oder Holzlöffel gut rühren oder kräftig schütteln. Etwa 1⁄3 dieser Wasser-Arznei-Mischung in eine gefüllte 10-l-Plastikgiesskanne geben, ausgiebig umrühren. Über die Pflanze und das Erdreich giessen. Mit den anderen 2⁄3 ebenso verfahren.

Wer mit Homöopathie experimentiert, lernt in grösseren Naturzusammenhängen zu denken. Und das bedingt, andere Lebewesen in die eigene Lebenswelt miteinzubeziehen und dementsprechend auch achtsam mit ihnen umzugehen.

Buchtipps

Christiane und Cornelia Maute: «Homöopathie für Pflanzen», Narayana 2019, ca. Fr. 40.–

Vaikunthanath D. Kaviraj: «Homöopathie für Garten und Landwirtschaft», Narayana 2017, ca. Fr. 48.–

Link

www.christiane-maute.de

Fotos: iStock.com
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