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Ab ins Beet

Kategorie: Natur
 Ausgabe_04_19 - 02.05.2019

Text:  Frances Vetter

Biologisch gezogenes Obst und Gemüse sowie Beeren und Kräuter sind reich an Mineralstoffen, Vitaminen und Enzymen. Klar, dass Gärtner möglichst viel davon im eigenen Garten anbauen und ernten wollen. Doch was braucht es für eine reiche Ernte?

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Ein Garten lebt aus meiner Sicht als unteilbare Einheit: Alles ist miteinander verbunden. Ob und wie wir das «Unkraut» auf unserer Zufahrt bekämpfen, beeinflusst unweigerlich auch unseren Umgang mit dem Salat. Wir schätzen einen vielfältigen Garten mit einheimischen Blütensträuchern, Stauden, Beeren, Gemüse und Blumenmischungen. In so einem Garten fühlt sich nicht nur der Mensch wohl, er ist auch Habitat für allerlei Nützlinge, des Gärtners wichtigste Helfer. Gezielt fördern kann man Nützlinge durch Anbringen von Schlupf- und Nistmöglichkeiten, etwa für Wildbienen, Ohrwürmer, Vögel, Marienkäfer und Igel.

Viele Jahre war die Natur für den Gärtner etwas, das man zähmen musste. Zum Glück hat bei vielen naturverbundenen Menschen ein Umdenken stattgefunden. Sie versuchen, mit der Natur und nicht gegen sie zu arbeiten. So sind sie wertvolle Mitgestalter einer gesunden (Garten-)Umwelt. Insbesondere Biogärtner müssen positiv, intelligent und unterstützend in die Natur eingreifen, denn bewusstes, nachhaltiges Wirtschaften ist der Schlüssel zum Erfolg.

Wer sät, der erntet
Die Frühlingsblumen blühen im Garten bereits um die Wette, es wird spürbar wärmer und kaum einen hält es noch im Haus. Also raus in den Garten! Jetzt ist Aussäen, Pflanzen und Umtopfen angesagt. Es soll aber auch Zeit bleiben, um den Garten zu geniessen.

Anstatt Setzlinge anzuziehen, können wir im April auch schon verschiedene Gemüse direkt ins Freiland aussäen, zum Beispiel Spinat, Kresse, Schwarzwurzeln, Karotten oder Schnittsalate. Bei der direkten Aussaat säen wir meist in Reihen. Der Grund: Pflegemassnahmen wie Lockern, Jäten und Vereinzeln sind in der Reihe leichter auszuführen. Eine gleichmässige und nicht zu dichte Aussaat ist wichtig. Das Volumen feiner Samen kann durch Beimischen von Sand vergrössert werden, damit erreichen wir eine gleichmässigere Aussaat. Aufgelaufene, erstarkte Pflanzen werden möglichst frühzeitig ausgedünnt. Ein Frühbeet und die Vliesabdeckung beschleunigen vor allem im Frühjahr das Auflaufen der Saaten. Folgendes gilt es zu beachten:

• Nie in nasse, schmierige Böden säen
• Bei trockenem Wetter die Saatrillen vor der Aussaat angiessen
• Nicht zu dicht säen
• Die Saattiefe entspricht normalerweise der 2- bis 4-fachen Samendicke
• Die Saat dünn mit Erde bedecken
• Kleine Mengen säen, alle zwei bis vier Wochen nachsäen
• Aussaaten bis zur Keimung feucht halten

Der Grund und Boden
Der Boden ist die Grundlage von allem. Deshalb schenken wir dem Gartenboden besondere Aufmerksamkeit. Zunächst entfernen wir unerwünschte Beikräuter und lockern ihn gut durch, allerdings ohne ihn zu wenden, denn das würde die Bodenlebewesen wortwörtlich durcheinander bringen. Nach Möglichkeit arbeiten wir Kompost oder Mist ein. Apropos Kompost: Der sollte jetzt umgesetzt werden. Das fördert die optimale Verrottung.

In einem Gartentagebuch halten wir Beobachtungen fest, z.B. Notizen über die verwendeten Sorten, über Aussaat- und Pflanzzeitpunkte, die Entwicklung der Pflanzen usw. Auch die Aufzeichnung der Sortierung in den Beeten macht Sinn, damit im nächsten Jahr die Fruchtfolge eingehalten werden kann.

Wie schon erwähnt, können bereits die ersten Aussaaten von kälteunempfindlichen Pflanzen erfolgen: Radieschen, Rettich, Bohnen, Erbsen, Karotten, Spinat, Mangold, Pastinake und Pflücksalate zählen dazu. Ab Ende April werden die vorgezogenen Jungpflanzen abgehärtet. Dazu werden sie täglich draussen an einem windgeschützten Platz ohne direkte Sonneneinstrahlung aufgestellt.

Tipp: In einem Frühbeet kann die Saison für einige Pflanzen schon früher beginnen, da sie durch den Schutz unter Folie oder in einem Frühbeetkasten mehr Wärme bekommen als Pflanzen im Freiland. Wichtig ist, dass das Frühbeet bzw. der Folientunnel des Öfteren geöffnet wird, um die Pflanzen regelmässig zu belüften.

Obst pflanzen und düngen 
Obstbäume und Beerensträucher sind dankbar für eine Nährstoffgabe im Frühling. Wir streuen Anfang April auf jeder Baumscheibe etwa drei Liter Kompost pro Quadratmeter aus. Kompost ist ein idealer Dünger für Obstgehölze, da er viel Kalium und Kalzium liefert – Nährstoffe, die für die Fruchtbildung besonders dringend gebraucht werden. Eine Ausnahme sind Heidelbeeren: Sie vertragen als Moorbeetpflanzen keinen Kompost.

Heuer setzen wir auch wieder einmal Johannisbeeren, und zwar so tief, dass der Wurzelballen fünf Zentimeter mit Erde bedeckt ist. Dadurch wird die Bildung neuer Ruten aus dem Wurzelbereich angeregt. Wenn wir mehrere Johannisbeeren nebeneinander am Spalier ziehen möchten, pflanzen wir die Sträucher jedoch so hoch, dass der Wurzelballen mit der Erdoberfläche abschliesst, denn es sollen hier ja nur wenig neue Zweige gebildet werden. Beim Pflanzen lässt man nur die drei kräftigsten Triebe stehen und fixiert sie fächerförmig an den Spanndrähten.

Frances und Remo Vetter*

«Zum Glück hat bei vielen naturverbundenen Menschen ein Umdenken stattgefunden. Sie versuchen mit der Natur und nicht gegen sie zu arbeiten. »

 

* Frances und Remo Vetter sind als freischaffende Gartengestalter, Referenten und Buchautoren unterwegs.

Fotos: dave brüllmann, at verlag| www.at-verlag.ch | masterfile.com
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