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Hoch- und Hügelbeete

Kategorie: Natur
 Ausgabe_03_19 - 27.03.2019

Text:  Frances Vetter

Wer bisher konventionell gegärtnert hat und nun auf Bio umstellen will, muss holistisch denken. Und mit Rückschlägen rechnen. Da kommen Ratschläge von den Gartenprofis wie gerufen. Wer einen neuen Garten plant, dem empfehlen sie Mischkulturen in Hoch- und Hügelbeeten.

@ iStock.com

Wer sich für das biologische Gärtnern entscheidet, muss bereit sein, umzudenken. Bodenpflege, Kompostbewirtschaftung, Düngung, Mischkulturen und alle nützlichen Helfer aus dem Tier- und Pflanzenreich müssen einbezogen werden. Das Gärtnern mit der Natur erfordert die Bereitschaft, ständig zu beobachten, dazuzulernen und neue Erkenntnisse anzunehmen. Bei der Umstellung zum biologischen Gärtnern stellt sich die Harmonie zwischen Boden, Pflanzen und Tieren meist nicht sofort ein. Man muss geduldig sein. Und bevor der Garten in Harmonie ist, vielleicht sogar mitansehen, wie eine Läuseplage die Pflanzen heimsucht. Auch kann der Verzicht auf Kunstdünger bei den Pflanzen am Anfang zu regelrechten Entzugserscheinungen führen. Kurz: Mit Rückschlägen muss gerechnet werden. Als Gärtner ist man gut beraten, ruhig Blut zu bewahren.

Tipps zur Förderung des Bodenlebens

Mit einigen einfachen Massnahmen kann man den unverzichtbaren Bodenlebewesen ein ideales Umfeld bereiten:
● Die Bodenfeuchte durch Bodenbedeckung (Mulchen) regulieren und so ein Austrocknen des Erdreichs vermeiden
● Den Boden behutsam lockern und belüften, ohne ihn zu wenden
● Den Boden mit organischer Substanz wie Kompost und Gründüngungen anreichern.

Grund und Boden
Ob Gemüse, Obst oder Kräuter: Der Boden ist der Lebensraum, auf dem unsere Pflanzen gedeihen und somit Grundlage unseres Lebens. Seine Qualität ist entscheidend für die Gesundheit unserer Pflanzen und Basis einer reichen Ernte. Ein gesunder Boden ist die Grundlage jeglichen Wachstums. In ihm sind Luft, Wasser, Nährstoffe und Bodenorganismen enthalten. In einem gesunden Boden funktioniert ein komplexes Zusammenspiel unzähliger Organismen.

Der Boden ist Lebensraum von Bakterien, Algen und Pilzen, von Würmern, Asseln und Tausendfüsslern, von Insekten, Mäusen, Maulwürfen und vielen anderen Klein- und Kleinstlebewesen. Sie alle sorgen dafür, dass Pflanzenreste abgebaut und zu nährstoffreichem Humus veredelt werden. Dabei schliessen sie Nährstoffe auf und geben diese an die Pflanzen weiter. All die kleinen Helfer lockern den Boden, gewährleisten eine gute Drainage (Wasserdurchlässigkeit) und Durchlüftung. Ohne Bodenleben gibt es keinen Humus – und ohne Humus gibt es keine dauerhafte Fruchtbarkeit.

Auf eine gute Nachbarschaft
«Pflanzen helfen Pflanzen» ist das Motto der Mischkultur, die unsere Vorfahren schon vor Jahrhunderten praktizierten. Das Prinzip ist so einfach wie logisch: Pflanzen, die sich gut vertragen und gegenseitig in ihrem Gedeihen fördern, kultiviert man in Nachbarschaften. Jede Pflanze entzieht dem Boden die einzelnen Nährstoffe in unterschiedlichen Mengen. Indem wir verschiedene Pflanzen in Mischung anbauen, halten wir das
Nährstoffreservoir im Boden in einem gewissen Gleichgewicht; zusätzlich fördern wir so die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit unserer Kulturpflanzen. Ziel der Mischkultur ist es, den Boden optimal zu beschatten, ihn dauerhaft feucht zu halten und Schädlingen möglichst ungünstige Voraussetzungen zu bieten.

In der Mischkultur sollen sich die Pflanzen nicht nur gut vertragen, sondern sich gegenseitig in ihrem Wachstum und Gedeihen unterstützen. Beachten wir die Grundsätze einer Mischkultur und beobachten wir die einzelnen Pflanzen in der Gemeinschaft mit hegendem Bewusstsein, wird der Erfolg nicht ausbleiben. So wird uns die Arbeit im Garten unvergleichliche Freude bereiten. Durch den Anbau in Mischkultur können wir die Menge der einzelnen Gemüsearten besser regulieren; wir müssen weniger jäten, da das Unkraut unterdrückt wird; und wir können so die Erträge wesentlich steigern. Zudem schmeicheln Mischkulturen, anders als langweilige Monokulturen, Aug und Seele.

Bedeutung der Fruchtfolge
Aber aufgepasst: Pflanzen wir mehrere Male hintereinander die gleichen Gemüsearten auf das gleiche Gartenbeet, werden dem Boden immer dieselben Nährstoffe entzogen. Der Boden laugt aus; man spricht dann von Bodenmüdigkeit. Aufgrund des Nährstoffmangels zeigen sich die Pflanzen geschwächt und anfällig; es kommt leicht zu Krankheits- und Schädlingsbefall. Darum ist es äusserst wichtig, eine Fruchtfolge einzuhalten und mit Mischkulturen zu arbeiten. Je nachdem, wie viele Nährstoffe eine Gemüseart dem Boden entzieht, teilt man sie in Stark-, Mittel- und Schwachzehrer ein. Bei der Fruchtfolge im Dreijahreszyklus wechseln sich Stark-, Mittel- und Schwachzehrer auf drei Beeten ab, sodass sich der Boden im Laufe der Zeit wieder regenerieren und neu mit den entzogenen Nährstoffen anreichern kann.
Nach dem dritten Jahr beginnt der Zyklus von Neuem.

So bauen wir ein Hügelbeet

1 . Zuerst
wird festgelegt und abgesteckt, wo das Hügelbeet hinkommen soll. Ein Hügelbeet sollte höchstens 150 Zentimeter breit sein. Bei breiteren Beeten wird es schwierig, die Pflanzen in der Mitte zu pflegen, etwa wenn man dort Tomaten ausgeizen will. Die Länge der Hügelbeete richtet sich nach den Platzverhältnissen. Unsere Beete weisen eine Länge von 10 bis 15 Metern auf.
2 . Falls sich dort Rasen befindet, werden zuerst die Rasensoden abgestochen und zur Seite gelegt.
3 . Dann wird die oberste Erdschicht («Humusschicht») etwa 20 Zentimeter tief ausgehoben und auf einen Haufen neben dem zukünftigen Hügelbeet geschichtet.
4 . Nun kleiden wir das ausgehobene Beet mit Maschendraht zum Schutz gegen Wühlmäuse aus.
5 . Danach beginnt das Aufschichten: Als erstes werden in der Mitte des Beetes Gehölzschnitt-Abfälle etwa 30 bis 40 Zentimeter hoch eingefüllt.
6 . Als nächstes werden die Rasensoden etwas zerkleinert, mit Laub, Stroh, Staudenabfällen oder Mähgut vermischt und als etwa 30 Zentimeter hohe Schicht darüber gegeben. Vor allem Mähgut muss gut mit anderen Materialien gemischt werden.
7 . Nun folgt eine ca. 20 bis 30 Zentimeter hohe Schicht halbreifer Gartenkompost.
8 . Als letztes werden Komposterde und die beiseitegelegte Humuserde in einer etwa 20 bis 25 Zentimeter hohen Schicht auf das Hügelbeet gegeben.

Satt dank Hügelbeet...
Ein Geheimnis unseres gärtnerischen Erfolgs sind die Hügelbeete. Sie werden idealerweise im Frühjahr angelegt und können etwas breiter sein als ebene Beete. Die Hügelform bringt eine grössere Anbaufläche als bei herkömmlichen Beeten. Da bei uns Unmengen von Gartenabfällen, Rasen- und Baumschnitt anfallen, sind Hügelbeete eine ideale Lösung: eine Art Kompostanlage, auf der allerlei kulinarische Köstlichkeiten gedeihen. Ausserdem ersparen wir uns beim Pflanzen, Pflegen und Ernten das leidige Bücken.

In dem aufgeschichteten Haufen wandeln Mikroorganismen das Grüngut in Humus um. Dabei entwickeln sie eine Bodenwärme von etwa 50 Grad Celsius, die den Pflanzen vor allem im ersten Jahr zugutekommt. Zucchini können so schon fünf bis sechs Wochen nach der Aussaat geerntet werden. Dank der Wärme im Hügelbeet können wir oft bis in den Winter hinein anpflanzen. Ein frisches Hügelbeet ist eine Nährstoffbombe. Im ersten Jahr gedeihen Starkzehrer wie Tomaten, Gurken, Kohl und Zucchini prächtig. Im zweiten folgen Salate und Wurzelgemüse, im dritten Erbsen und Bohnen. Ein Hügelbeet hat eine Lebensdauer von etwa vier bis fünf Jahren. Dann ist alles Material verkompostiert, und das Beet muss neu aufgesetzt werden.

...und Hochbeet
Eine Alternative zum Hügelbeet, vor allem in urbaner Umgebungen, ist das Hochbeet. Man kann es leicht auf einer ebenen Fläche im Hinterhof oder im Vorgarten aufstellen. Ebenso wie Hügelbeete haben Hochbeete viele Vorzüge: Sie schonen den Rücken, das Gemüse wächst dank vieler Nährstoffe und zusätzlicher Bodenwärme optimal und die Pflanzen lassen sich leicht vor Schneckenfrass und Mäusen schützen. Und es kann mit bis zu 30 Prozent grösseren Erträgen als in herkömmlichen Beeten gerechnet werden. Dies hat mit den unterschiedlichen Aufbauschichten eines Hochbeets zu tun: die unteren Schichten bestehen aus Ästen, Laub, Grobkompost und Kräuterzusätzen wie Beinwell und Brennnesseln. Die durch diese «Zutaten» entstehenden Zersetzungsprozesse im frisch angelegten Hochbeet erzeugen Wärme und unterstützen das Pflanzenwachstum.

So bauen wir ein Hochbeet
1 . Zunächst die Masse des Hochbeets auf die Fläche, auf die es gebaut werden soll, übertragen. Dazu spannen wir Schnüre und achten auf rechte Winkel. Damit man optimal gärtnern kann, sollte das Hochbeet 80 bis 100 Zentimeter hoch und nicht breiter als 100 bis 120 Zentimeter sein, sodass man von beiden Seiten jeweils bis zur Mitte des Beetes arbeiten kann. Die Länge richtet sich nach der Fläche, die einem zur Verfügung steht. Wir selbst haben Hochbeete von 200 bis 500 Zentimeter Länge angelegt.

2 . Als nächstes wird der Boden auf der geplanten Fläche ca. 10 bis 20 Zentimeter tief abgetragen. Man kann ein Hochbeet aber auch auf Steinböden errichten, etwa auf der Terrasse.

3 . Die Beetumrandung des Hochbeets bauen. Als erstes die Eckpfosten setzen, die bei uns aus Aluminiumelementen bestehen. Attraktiv sind Verkleidungen mit halben Rundhölzern. Die Holzqualität ist sehr wichtig. Wir arbeiten seit Jahren ausschliesslich mit robustem Lärchenholz.

4 . Den Boden innerhalb des Hochbeets zunächst grob lockern (beispielsweise mit einer Grabgabel) und danach den gesamten Innenraum mit einem feinen Maschendraht gegen Wühlmäuse auskleiden.

5 . Die einzelnen Schichten der Hochbeet-Befüllung sind jeweils zirka 25 bis 30 Zentimeter dick. Die unterste Schicht sollte aus grobem Gehölzschnitt bestehen.

6 . Die nächste Schicht enthält Staudenrückschnitt, Grassoden und feineren Gehölzschnitt.

7 . Darauf folgt eine Schicht mit halbfertigem Gartenkompost oder – falls man keinen hat – halbverrottetem Pferdemist.

8 . Als oberste Schicht benutzen wir Kompost, Erde von Maulwurfhügeln oder torffreie Bioerde.

9 . Jetzt kann gepflanzt werden. Besonders attraktiv und sehr ertragreich auf Hochbeeten sind Mischpflanzungen von Gemüse, Kräutern und Blumen.

Buchtipp
The Lazy Gardener und seine Gartengeheimnisse
Mit weniger Aufwand zur besseren Ernte im Biogarten
● Ein eigener Garten nach Bio-Prinzipien: ein Ratgeber des «Lazy Gardening»-Pioniers mit 35 Jahren Praxiserfahrung.
● Blumen, Gemüse, Kräuter, Beeren: biologisch, ökologisch, gesund und günstig aus dem eigenen Garten.
● Im Buch finden Sie Tipps zum: Düngen, Säen, Ernten und Jäten sowie zur Bekämpfung von Schädlingen mit Nützlingen.

Gartenarbeit muss nicht
schweisstreibend und anstrengend, sondern kann durchaus lustvoll und entspannt sein. «Lazy Gardening» hat in erster Linie mit einer inneren Haltung zu tun, mit Einfühlung, Beobachtung und Zuwendung. Das zeigt Remo Vetter in diesem Buch auf der Grundlage von 35 Jahren Gartenerfahrung. Umgeben von Sanddorn und Johanniskraut, Artischocken, Shiso und Verveine pflegt er zusammen mit seiner Frau einen grossen Schau- und Nutzgarten mit rund 120 Heil- und Küchenkräutern, Gemüse, englischen Duftrosen, Wildblumen und alten Apfelsorten. Begleitet von eindrücklichen Bildern verraten sie ihre Gartengeheimnisse und eine Fülle an praktischen Erfahrungen, Tipps und Tricks: Wie wird der Boden optimal vorbereitet? Was sind die richtigen Pflanzen, um Insekten, Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Vögel anzulocken? Wie hält man den Boden auf einfachste Art feucht und unkrautfrei? Warum sind Hügel- und Hochbeete zu empfehlen? Was bringt die Bearbeitung mit der Pendelhacke? Und wie lassen sich Schädlinge durch Nützlinge überlisten? Der beste Weg zu reicher Ernte, üppigen, gesunden Pflanzen und purem Gartengenuss.

 ● Remo Vetter: «The Lazy Gardener und seine Gartengeheimnisse», AT Verlag 2018, Fr. 39,90

* Frances und Remo Vetter sind als freischaffende Gartengestalter, Referenten und Buchautoren unterwegs.

Fotos: dave brüllmann, at verlag| www.at-verlag.ch |  iStock.com, zvg
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