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Gartenplanung

Kategorie: Natur, Garten
 Ausgabe_01_02_19 - 25.02.2019

Text:  Frances und Remo Vetter

Gärtner und solche, die es werden wollen, können jetzt dafür sorgen, dass sie später gute Ernte einfahren. Und nicht von der Gartenarbeit übermannt werden. Ein «arbeitsarmer» Garten will gut geplant sein. Als Faustregel gilt: je grösser der Nutzgarten, desto mehr Büez.

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Zunächst müssen wir uns als Gärtner bewusst werden, welche Art von Garten wir wollen. Sind frische Kräuter, Gemüse und Obst wichtig, oder verzichten wir darauf? Geht es uns vor allen um Blumen und ihre Blütenpracht? Sollen Obstbäume und Beerensträucher die Hauptrolle spielen? Von allem etwas? Oder von allem alles?


Frances und Remo Vetter*

Viele Gärtner machen den Fehler, dass sie am Anfang zu viel wollen. Quasi Selbstversorger vom Start weg. Und so bepflanzen sie jeden Quadratmeter mit dem Fazit, dass Tag für Tag Trauben, Blaubeeren, Himbeeren, Zucchini, Salate, Gurken, Bohnen und vieles andere geerntet sein wollen, dass Bäume geschnitten, Büsche gerodet, wuchernde Bodendecker ausgerissen werden müssen, dass gejätet und gegossen wird, was das Zeug hält. Will man das wirklich? Und schafft man es auch? Solche allgemeinen Überlegungen müssen vor der konkreten Gartenplanung gemacht werden.

Zeit für die Gartenplanung
In den Wintermonaten haben wir genügend Zeit, um einen Anbauplan für das kommende Gartenjahr zu erstellen. Die Anbaufläche wird dabei mit Vorteil auf Papier gezeichnet und die Beete mit den geplanten Kulturen eingetragen. Wir achten besonders darauf, dass wir stark zehrenden Pflanzen wie Kohlgewächsen genügend Raum geben. Auch wenn wir Mischkulturen anlegen, sollten wir bei den Hauptkulturen einen mindestens dreijährigen Fruchtwechsel einhalten. Mit dem Fruchtwechsel verhindern wir, dass der Boden einseitig ausgenutzt und Krankheiten übertragen werden. Je nach angestrebtem Grad der Selbstversorgung mit Gemüse ergibt sich ein bestimmter Flächenbedarf. Wir müssen uns auch zeitig Gedanken darüber machen, was wir mit der überschüssigen Ernte anstellen wollen – konservieren? Oder doch lieber Nachbarn, Freunde und Bekannte damit beglücken?

Bewährte Mischkultur
«Pflanzen helfen Pflanzen» – das ist das Prinzip der Mischkultur, die unsere Ahnen schon vor Jahrhunderten praktiziert haben. In der Mischkultur sollen sich die einzelnen Pflanzen also nicht nur gut vertragen, sondern sich gegenseitig in ihrem Wachstum und Gedeihen unterstützen. Das funktioniert, weil die verschiedenen Pflanzen dem Boden die einzelnen Nährstoffe in unterschiedlichen Mengen entziehen. Indem wir verschiedene Pflanzen in Mischkulturen anbauen, halten wir das Nährstoffreservoir im Boden in einem gewissen Gleichgewicht; zusätzlich fördert der Gärtner so die Gesundheit und die Widerstandsfähigkeit der Kulturpflanzen. Ziel der Mischkultur ist es, den Boden optimal zu beschatten, ihn stets feucht zu halten und Schädlingen möglichst ungünstige Bedingungen zu bieten.

Beachten wir die Grundsätze einer Mischkultur, wird der Erfolg nicht ausbleiben. Denn durch den Anbau in Mischkultur können wir die Menge der einzelnen Gemüsearten besser regulieren, müssen weniger jäten, da das Unkraut unterdrückt wird, und können den Ertrag wesentlich steigern. Ausserdem sind Mischkulturen viel attraktiver als langweilige Monokulturen.

Folgende Regeln gibt es zu beachten:
- Werden zwei Gemüsearten derselben Familie auf dem gleichen Beet angebaut, so müssen sie mit Zwischenkulturen getrennt werden. Beispiel: drei Reihen der Hauptkultur (z. B. Kohlgewächse), zwei Reihen der Zwischenkultur (z. B. Spinat und Gründüngung).
- Die Fruchtfolge muss eingehalten werden: Im gleichen und im darauf folgenden Jahr nie zwei gleiche Kulturen gleicher Familie nacheinander auf das gleiche Beet säen oder pflanzen.
- Ungünstige Nachbarschaften vermeiden: Bohnen/Zwiebeln; Kohlgewächse/Zwiebeln; Kabis/Tomaten; Tomaten/Erbsen.
- In einer Mischkultur soll es nie eine ernsthafte Konkurrenz zwischen der Haupt- und der Zwischenkultur geben. Das gilt sowohl für die Kulturpflanzen wie auch für die Gründüngung.
- Genug grosse Reihen- und Pflanzabstände. Das ist grundsätzlich wichtig, denn Pflanzen brauchen ausreichend Licht, Luft, Wärme und Wasser, um gut gedeihen zu können.

Fruchtfolge beachten
Pflanzen wir mehrere Male hintereinander die gleichen Gemüsearten auf das gleiche Beet, werden dem Boden immer dieselben Nährstoffe entzogen. Der Boden laugt aus. Man spricht dann von Bodenmüdigkeit. Aufgrund des Nährstoffmangels zeigen sich die Pflanzen geschwächt und anfällig; es kommt leicht zu Krankheits- und Schädlingsbefall. Darum ist es äusserst wichtig, eine Fruchtfolge einzuhalten und mit Mischkulturen zu arbeiten. Je nachdem, wie viele Nährstoffe eine Gemüseart dem Boden entzieht, teilt man sie in Stark-, Mittel- und Schwachzehrer ein. Bei der Fruchtfolge im Dreijahreszyklus wechseln sich Stark-, Mittel- und Schwachzehrer auf drei Beeten ab, sodass sich der Boden im Laufe der Zeit wieder regenerieren und neu mit den entzogenen Nährstoffen anreichern kann. Nach dem dritten Jahr beginnt der Zyklus von Neuem.

Das Gartenjahr beginnt

Nach dem Jahreswechsel beginnt jeweils auch schon die erste Runde im Kampf gegen die Schnecken. Ihre Eier sind nicht frostempfindlich und überdauern den Winter besser als die Schnecken selber. Wir sammeln die Eier, die sie gerne in Erdmulden, unter Brettern, Plattenwegen und Mulchdecken ablegen, ein und vernichten sie (z.B. indem wir sie mit kochendem Wasser überbrühen). Des Weiteren ist nun eine gute Zeit, um Gehölze zu schneiden, falls diese Arbeit noch nicht im Spätherbst erledigt wurde. So können Bäume und Sträucher im Frühling gleich durchstarten und den Garten mit ihrer üppigen Pracht verzaubern. Die Nistkästen für Vögel und Insekten sollten nun geputzt und auch schon bald aufgehängt werden. Immergrüne Pflanzen befreien wir regelmässig vom Schnee, der bei uns meist reichlich vorhanden ist.

« Mein Grossvater hat einmal gesagt, dass es gut und gerne sieben Jahre dauern kann, bis ein Garten nach der Umstellung im Gleichgewicht ist. »

Die Terrakottagefässe und andere Töpfe reinigen wir schonend mit einer Seifenlauge oder verdünntem Essigwasser und einer Bürste. Wer die Gartengeräte nicht gereinigt eingewintert hat, der sollte sie jetzt gründlich putzen und allenfalls einölen. Die Frühbeete müssen gelüftet und das Laub im Steingarten
entfernt werden. Ab Ende Februar/Anfang März säen wir im Gewächshaus auch schon erstes Gemüse.

Viel Zeit verbringen wir nach wie vor mit dem Schmökern in Gartenbüchern und der Planung. Die Auswahl der richtigen Pflanzen spielt eine grundlegende Rolle. Langjährige, widerstandsfähige Gewächse erfordern weniger Aufmerksamkeit als exotische Pflanzen. Winterharte, an unser Klima gewöhnte Stauden kommen mit dem Wetter besser zurecht und sind deshalb pflegeleichter. Bei Bäumen und Sträuchern bevorzugt der faule Gärtner Sorten, die ohne regelmässigen Schnitt am besten wachsen. Daneben gilt es noch einige Tricks zu berücksichtigen, um die Gartenarbeit zu minimieren: Bodendecker oder Mulch halten den Boden feucht, sind ein bewährtes Mittel gegen die Verbreitung von Unkraut und fördern die Entwicklung von Bodenmikroorganismen.

Umstellung auf Bio

Wer sich neu
für das Bio-Gärtnern entscheidet, muss umdenken. Bodenpflege, Kompostbewirtschaftung, Düngung, Mischkulturen und alle nützlichen Helfer aus dem Tier- und Pflanzenreich müssen in die Arbeit einbezogen werden. Das Gärtnern mit der Natur erfordert die Bereitschaft, genau zu beobachten, stets dazuzulernen und neue Erkenntnisse zu integrieren. Bei der Umstellung zum biologischen Gärtnern stellt sich die Harmonie zwischen Boden, Pflanzen und Tieren meist nicht sofort ein. Oft gilt es geduldig zu sein, ja manchmal vielleicht sogar zusehen zu müssen, wie eine Läuseplage die Pflanzen heimsucht – immer wieder, so lange, bis sich das natürliche Gleichgewicht einstellt.

Wir können uns noch gut an unsere gärtnerischen Anfänge erinnern, als wir solche Dramen durchstehen mussten. Doch nach und nach ist es uns gelungen, Nützlinge anzusiedeln und immer mehr von der Natur zu lernen. Mein Grossvater hat einmal gesagt, dass es gut und gerne sieben Jahre dauern kann, bis ein Garten nach der Umstellung im Gleichgewicht ist. Zu Beginn kann es bei den Pflanzen zu regelrechten «Entzugserscheinungen» kommen. Mit Rückschlägen muss gerechnet werden. Als Gärtner ist man also gut beraten, ruhig Blut zu bewahren.

* Frances und Remo Vetter sind als freischaffende Gartengestalter, Referenten und Buchautoren unterwegs.

Fotos: istock.com, dave brüllmann, at verlag | www.at-verlag.ch
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