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Der Winter kann kommen

Kategorie: Natur

Text:  Remo Vetter

Im November müssen sich Gärtner auf den Winter vorbereiten. Remo Vetter beobachtet in dieser Zeit die Wetterlage ganz genau. Sind Schnee und Frost angesagt? Oder gibt es noch einmal ein paar sonnige, warme Tage? Gärtner müssen schnell auf Wetterkapriolen reagieren können.

«Wenn der Frost erst einmal Einzug gehalten und den Garten fest im Griff hat, dann zeigt sich ein Bild, das kaum ein Maler schöner auf die Leinwand bringen könnte.»

In unserer voralpinen Region im Appenzellerland fällt meist schon im November der erste grosse Schnee. Das sieht zwar schön aus; aber wenn es zu früh schneit und das Laub noch an den Bäumen hängt, hat das oft fatale Folgen. Dann droht die Schneelast ganze Bäume und Sträucher umzuknicken oder gar zu entwurzeln. Es kommt daher häufig vor, dass wir in Novembernächten aufstehen, um die weisse Last von den Bäumen zu schütteln. Trotzdem lieben wir den Garten in der dunklen Jahreszeit ganz speziell. Eine unserer Gartenregeln für den Winter lautet: So viel wie möglich stehen lassen. Denn in den kleinen Stämmen, Stängeln und Saatköpfen überwintern viele Nutzinsekten. Deshalb schneiden wir nur das Abgebrochene und -geknickte weg und räumen aus dem Beet, was die matschige Spätherbstzeit nicht überstanden hat. So können wir später in aller Ruhe als stille Beobachter dem Wintertheater beiwohnen.

Der Winter hüllt den Garten in einen ganz besonderen Zauber. Es sind vor allem die Pflanzenskelette vieler Stauden, die ein förmliches Winterspektakel entfachen, wenn Schneehütchen und Frost auf ihnen liegen; oder die fast drei Meter hohen Fenchelsamenstände, die wie kosmische Antennen gen Himmel ragen. Vom Wintergarten aus können wir beobachten, wie die Vögel kommen und sich die Saat aus den Dolden picken.

Wenn der Frost erst einmal Einzug gehalten und den Garten fest im Griff hat, dann zeigt sich ein Bild, das kaum ein Maler schöner auf die Leinwand bringen könnte. Alles wird ruhig. Und leicht. Wenn die Sonne herauskommt, glitzernd und fröhlich. Wenn der Mond in einer wolkenlosen, kalten Nacht auf die Schneeskulpturen scheint, dann ist es, als habe sich der Garten in einen Zauberwald verwandelt.

Gartenarbeiten im November:

Winterschutz
Beim Winterschutz im Garten kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an: Es gilt die Pflanzen nicht zu früh einzupacken, weil hin und wieder sogar im November zweistellige Tagestemperaturen erreicht werden können und es den Gartenpflanzen dann zu warm würde; vereinzelte Nachtfröste hingegen schaden den Pflanzen meist nicht. Erst wenn der Wetterbericht Dauerfröste ankündigt, handeln wir und packen die Pflanzen ein. Denn wenn wir unsere Stauden und Rosen dick mit Laub einschlagen, überstehen sie den Winter besser.

Mulchen
Unsere winterfesten, einjährigen Gründüngungen sind bereits gut angewachsen. Ziel ist eine möglichst permanente Bepflanzung zum Schutz der Bodenstruktur. Aber auch Mulchen ist eine gute Methode, den Boden in der kalten Jahreszeit vor Austrocknung und Frost zu schützen. Als Material eignen sich Laub, Rasen-, Baum- und Strauchschnitt, Kokoshäcksel, Kompost und insbesondere Beinwellblätter. Da in dieser Jahreszeit viel Material im Garten anfällt, ist es ein Leichtes, die Beete mit Ästen und Laub abzudecken, wo dies nötig ist. Die Bodenfeuchtigkeit verdunstet so weniger; zudem wird die Bodentemperatur besser reguliert: Dank der Isolierdecke kühlt der Boden weniger rasch ab und erwärmt sich schneller. Ausserdem wird beim Mulchen mit Pflanzenmaterial der Boden mit Humus und Nährstoffen versorgt. Verrottende Blätter fördern auch die Bodenorganismen. Man kann den kahlen Boden auch mit Vlies, Folie oder Jutesäcken abdecken.

Schneckenplage vorbeugen
Im Herbst legen Schnecken ihre Eier gerne in kleine Erdhöhlen, unter Mulchdecken und ins Laub. Ein Schneckengelege kann bis zu 200 Eier umfassen. Um uns im nächsten Jahr viel Arbeit und Verdruss zu ersparen, müssen wir das Schlüpfen der Jungtiere im Frühling vermeiden. Darum sammeln wir die weichen Eier kontinuierlich ein, überbrühen sie mit kochendem Wasser und entsorgen sie.

Futter für Vögel
Selbst wenn man im Winter die Vögel zusätzlich mit Futter versorgt, sollte man den Garten so gestalten, dass er Vögeln auch in der kalten Jahreszeit Nahrung bietet. Deshalb stets einige Früchte und Beeren hängen und Samenstände stehen lassen. Sträucher wie Mispeln, Feuerdorn, Sanddorn und Schlehen tragen ihre Beeren sowieso lange und sind noch im späten Winter eine reiche Futterquelle.

Igel in den Garten locken
Damit sich Igel im Garten ansiedeln, muss man ihnen einen günstigen Lebensraum und gute Voraussetzungen für den Winter bieten. Folgendes ist zu beachten:
• Keine Gifte verwenden.
• Keine Kunstdünger einsetzen.
• Unterschlupf bieten, zum Beispiel durch dichte Hecken oder Büsche.
• In Gartenzäunen Durchschlupfmöglichkeiten schaffen.
• Überwinterungsmöglichkeiten an trockenen, schattigen Plätzen schaffen, z.B. mit Holzstapeln, Laub- und Reisighaufen. Igel sind wesentlich an der Ungezieferbekämpfung im Garten beteiligt, da sie Unmengen von Schneckeneiern, Käfern und unliebsamem Kleingetier verspeisen. Nur Igel mit einem genügend grossen Fettpolster überleben den Winter. Deshalb ist es sinnvoll, stark untergewichtige Igel ab Oktober mit zusätzlicher Nahrung zu versorgen. Die zusätzliche Gabe von Ballaststoffen, zum Beispiel Weizenkleie, kann die Gewichtszunahme unterstützen. Hat der Igel das Mindestgewicht von etwa 500 Gramm erreicht, wird die Fütterung eingestellt. Man sollte Igel grundsätzlich nicht ins Haus nehmen!

Kübelpflanzen überwintern
Sobald die ersten Nachtfröste auftreten, müssen empfindliche, nicht winterharte Kübelpflanzen in ein frostfreies Winterquartier gebracht werden. Frostempfindlich sind z.B. Fuchsien, Hibiskus, Wandelröschen, Engelstrompeten und Margeriten. Oliven, Feigen und Oleander halten einige Minusgrade aus, bevor sie eingeräumt werden. Nur ganz robuste Kübelpflanzen lassen wir an einem geschützten Ort auf dem Balkon oder der Terrasse stehen.

Bei winterharten Stauden, die in Töpfe oder Kübeln gepflanzt wurden, kommt es darauf an, sie vor Staunässe und extremen Temperaturschwankungen zu bewahren. Das heisst, sie sollten eher schattig stehen; die Töpfe ummanteln wir mit Jute oder Vlies. Wichtig ist auch eine wirksame Isolierung von unten. Hier ist Styropor eine gute Wahl, allerdings muss das Abzugloch des Topfes frei bleiben, denn gefrierende Staunässe kann das Gefäss sprengen. Wichtig ist, Kübelpflanzen beim Einräumen und auch später im Winterquartier immer wieder auf Schädlinge und Krankheiten zu kontrollieren, denn auf engem Raum verbreiten sie sich schnell.

Werkzeuge pflegen
Garten- und Baumscheren sowie Sägen müssen scharf und sauber sein, um die Sträucher und Bäume nicht zu schädigen oder Krankheiten zu übertragen. Vor und nach dem Einsatz reinigen wir die Sägeblätter und Schnittflächen mit Alkohol oder flammen diese kurz ab. Das Sägeblatt nach der Reinigung mit etwas Öl einreiben, damit es nicht rostet. Die Klingen der Gartenschere mit Stahlwolle abreiben, um Verschmutzung und Infektionsüberträger zu entfernen. Robuste Arbeitshandschuhe schützen die Finger.

Gartengeräte richtig einwintern

Unser Gartenwerkzeug aus Kupfer hat den grossen Vorteil, dass es nicht rostet und weitaus weniger Pflege braucht als herkömmliches Werkzeug. Wir behandeln unsere Geräte liebevoll und pflegen sie während der Gartensaison täglich. Dennoch gilt es nun einige Vorkehrungen zu treffen, bevor sie für Wochen beiseitegelegt werden können. Im Frühjahr soll ja dann alles wieder funktionstüchtig sein, damit wir die ersten wärmenden Tage gleich nutzen können. Ausserdem halten gut gewartete Geräte länger und es macht auch mehr Freude, damit zu arbeiten. Sind Reparaturen nötig, können diese im Winter ohne Zeitdruck durchgeführt werden; auch allfällige Neuanschaffungen können frühzeitig in die Wege geleitet werden.

Einwintern des Rasenmähers
• Gründliche Reinigung: Schmutz und Gras entfernen
• Klingen ausbauen und nachschleifen
• Ölwechsel durchführen
• Gehäuse mit Rostschutzmittel einsprühen
• Tank füllen, den Benzinhahn zudrehen und den Rasenmäher so lange laufen lassen, bis er von selbst abstellt. So ist der Tank voll, der Vergaser und alle Leitungen jedoch leer.

Pflege der Gartengeräte
Groben Schmutz abklopfen oder mit einer groben Bürste entfernen, anschliessend mit Schwamm und Wasser nachputzen und gründlich abtrocknen. Kanten nachschleifen. Danach die Geräte mit Pflanzenöl oder Fett einreiben.

Gartenschlauch richtig lagern
Den Schlauch komplett entleeren. Das verhindert ein Durchfrieren und Platzen. Beim Aufrollen des Schlauches darauf achten, dass er an keiner Stelle geknickt ist. Löcher flicken oder ausschneiden und mit Schlauchverbindungen wieder zusammenfügen.

Schubkarre
Gründlich reinigen. Reifen falls nötig aufpumpen und Radlager fetten. Prüfen, ob die Griffe noch gut halten oder neue Griffe notwendig sind.

Elektrische Geräte
Gründlich reinigen und frostsicher lagern.

Allgemeine Reparaturen
Abgebrochene oder lockere Stiele austauschen. Alles in Angriff nehmen, für das während der intensiven Gartenmonate keine Zeit geblieben ist.

* Remo Vetter ist seit 2018 freischaffend als Gartengestalter, Referent und Buchautor unterwegs.

Foto: unsplash.com, annie spratt
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