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Piepts bei Ihnen schon?

Kategorie: Natur
 Ausgabe_01_02_18 - 01.02.2018

Text:  Remo Vetter

Mit dem neuen Jahr beginnt auch die neue Gartensaison. Wobei sich die Arbeiten noch in Grenzen halten. Zeit also, sich um die Planung und die gefiederten Freunde zu kümmern.

@ mauritius-images.com, zvg, istockfoto.com

Ein neues Jahr hat begonnen und damit stehen auch schon die ersten Gartenarbeiten an. Für jene, die im letzten Jahr tüchtig waren, nicht viel, denn die anstehenden Tätigkeiten im Blumen- und Gemüsebeet halten sich noch in Grenzen. Doch die Vorbereitungen und Schnitt- und Pflanzarbeiten stehen bei uns bereits im Januar auf dem Programm. Der erste Kalendermonat des Jahres bietet aber vor allem die Gelegenheit, wenn draussen Schnee liegt, es noch zu kalt oder zu nass ist, den Garten für das kommende Jahr zu planen.

Brachzeit
Vom Winter lernen
der Stille zu vertrauen
der Sprengkraft des Unsichtbaren
und dem Sammeln in den Kammern
während der Brachzeit
Vom Winter wieder lernen
sich überschneien zu lassen
ohne Furcht
Eveline Hasler

Schnee gehört im Januar in vielen Regionen ganz einfach dazu, bei uns auf 1000 Metern sowieso. Wenn grössere Schneemassen immergrüne Sträuchern wie Rhododendron oder Kirschlorbeer bedecken, können diese unter dem Gewicht brechen. Nach einer schneereichen Nacht ist es deshalb zu empfehlen, die Pflanzen von der weissen Pracht zu befreien. Bei manchen brüchigen Sträuchern empfiehlt es sich generell für eine bessere Stabilität zu sorgen, indem die Zweige frühzeitig zusammengebunden werden.

Im Januar tragen Kletterpflanzen noch keine Blätter. Darum ist dies ein idealer Zeitpunkt, um Rankgitter oder Spaliere zu erneuern. Bevor wir diese Arbeit tätigen, schneiden wir die Kletterpflanzen so weit zurück, dass nur noch vier bis fünf kräftige Haupttriebe übrig bleiben.

Keimfähigkeit von Saatgut

Das gesammelte Saatgut aus dem letzten Jahr sortiere ich an der Wärme und prüfe es auf Keimfähigkeit. Dazu lege ich einige Samen in einer flachen Schale auf angefeuchtetes Filter- oder Löschpapier und decke das Ganze mit einer Glasplatte oder Frischhaltefolie ab. Wenn mehr als die Hälfte keimt, kann das Saatgut problemlos verwendet werden. Wenn die Keimquote geringer ist, lohnt es sich, frisches Saatgut zu kaufen. Als Faustregel gilt, dass die meisten Kräutersamen zwei bis drei Jahre, die meisten Gemüsesamen drei bis vier Jahre keimfähig bleiben. Das Saatgut muss absolut trocken gelagert werden. Je trockener die Samen sind, desto länger behalten sie ihre Keimkraft. Die Samen müssen deshalb in luftdichten Gefässen aufbewahrt werden. Wichtig sind im Weiteren eine kühle und dunkle Lagerung und das Vermeiden von Temperaturschwankungen.

Beim Kauf von neuem Saatgut achte ich jeweils darauf, möglichst krankheitsresistente, robuste Sorten zu wählen, die sich in unserem Klima schon seit längerem bewährt haben. Bei Tomaten ist zum Beispiel ein wichtiges Kriterium die Widerstandsfähigkeit gegen Braunfäule.

Kompost umsetzen

Wenn der Kompost nicht gefroren ist, kann er jetzt bei trockener Witterung umgesetzt und gesiebt werden, am besten an einem trockenen, möglichst sonnigen Tag, damit das Material bei der Arbeit nicht verklumpt. Auch nach einem Jahr Rottezeit finden sich im Kompost noch unvollständig zersetzte Materialien wie Holzstücke oder Reste von Laub. Für grosse Kompostmengen verwenden wir Durchwurfsiebe; durch den Neigungsgrad des Siebes lässt sich die Feinheit des Materials beeinflussen. Das grobe Material dient zum Ansetzen eines neuen Kompostes, wogegen der gesiebte Feinkompost für den Beginn der neuen Pflanzzeit bereitgestellt wird; bis zur Verwendung muss man ihn vor Niederschlägen schützen, damit keine Nährstoffe ausgewaschen werden. Wir decken ihn zu diesem Zweck mit einer Folie oder Jutesäcken ab.

Wenn die Schneedecke schmilzt oder der Boden frostfrei ist, bringen wir Kompost auf die Beete aus und bereiten den Boden so auf die Pflanzsaison vor. Im Herbst und Winter nutze ich den Kompost wie Mulch, arbeite ihn also nicht ein, sondern gebe Mist und gröberen Kompost auf die Erde. Im Frühjahr und Sommer arbeite ich den Kompost leicht in die Erde ein.

Winterpflege der Pflanzen

Auch wenn sich der Garten jetzt noch in einer Ruhephase befindet, darf man das Giessen von Kübelpflanzen nicht vergessen. Die Pflanzen brauchen zwar wesentlich weniger Feuchtigkeit als in den wärmeren Monaten des Jahres, es kann aber durchaus passieren, dass Pflanzen im Winter vertrocknen, wenn man sie nicht giesst. Frostfreie Tage eignen sich am besten dazu, denn man muss aufpassen, dass das Giesswasser nicht sofort wieder in der Blumenerde gefriert.

Damit die Wurzeln unserer Obstbäume und Sträucher keine Frostschäden erleiden, bedecken wir den Wurzelbereich mit einer Schicht Laub und Rindenmulch. Die Stämme der Obstbäume schützen wir mit einem Lehm-Kalk-Anstrich vor Frostrissen, die bei zu starken Temperaturschwankungen auftreten können.

Generell gilt es, frostempfindliche Pflanzen jetzt einzupacken, wenn man das nicht schon getan hat. Bei uns treten die Fröste eigentlich meist ab Januar auf, weshalb wir das Thema in diesem Monat speziell im Auge behalten. Eine weitere kleine Arbeit ist das Recyceln der Weihnachtsbäume. Dazu schneiden wir die Äste weg und decken damit zum  Beispiel Rosenwurzeln und Artischockenpflanzen ab. Der Stamm wird zu Brennholz verarbeitet.

Nistkästen für Vögel

Wir hängen jetzt Nistkästen für unsere gefiederten Freunde auf, denn in milden Wintern sind viele Vögel schon Anfang des Jahres auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Beim Aufhängen achten wir darauf, dass wir die Bäume nicht verletzen, und positionieren den Kasten so, dass er wettergeschützt ist. Bevor die ersten Vögel mit dem Nestbau und der Brut beginnen, müssen bestehende Nistkästen gereinigt werden. Dazu später mehr.

Die Ansiedlung heimischer Singvögel im eigenen Garten ist – neben der Freude am Beobachten und am Lauschen ihres Gesangs – von grossem Nutzen. Denn Vögel sind wichtige Helfer bei der Bekämpfung von Schädlingen. Vor allem zur Ernährung ihrer Jungen fangen Meisen, Spatzen, Rotkehlchen und Finken grosse Mengen an Blattläusen, Mücken, Spinnen, Maden, Larven und sonstigen Insekten.

Für Höhlenbrüter wie Meise, Sperling oder Kleiber kann man einen geschlossenen Kasten mit kleinem Einflugloch in Bäume hängen, idealerweise in zwei bis drei Metern Höhe. Der Baum sollte an dieser Stelle nicht zu dicht verzweigt sein, sodass die Vögel eine freie Flugbahn haben. Über die Grösse des Einflugloches kann man beeinflussen, welcher Vogel einziehen wird: Blaumeisen bevorzugen einen Durchmesser von 28 Millimetern, Kohlmeisen und Kleiber dagegen von 33 Millimetern.

Halbhöhlenbrüter wie Rotschwanz, Rotkehlchen oder Grauschnäpper benötigen eine nach vorne offene Nisthilfe. Diese kann auch an einer Hauswand, Garage oder einem Schuppen aufgehängt werden. Halbhöhlen, die für Zaunkönige gedacht sind oder spezielle «Zaunkönigkugeln» werden in dichten Sträuchern oder Kletterpflanzen in etwa einem Meter Höhe aufgehängt.

Es muss darauf geachtet werden, dass sich die Kästen ausserhalb der Reichweite von Katzen oder Mardern befinden, beziehungsweise müssen geeignete Schutzmassnahmen ergriffen werden. Eine Möglichkeit besteht darin, eine um den Baumstamm gelegte Drahtmanschette mit abstehenden Spitzen anzubringen, die Tiere daran hindert, zur Nisthilfe zu klettern.

Das Vogelhaus muss so ausgerichtet sein, dass es entgegen der Hauptwindrichtung hängt. Optimal ist die Ausrichtung nach Südosten, was den Einfall von Wind, Regen und Schnee in den Kasten vermindert.

Damit der Baum keinen Schaden nimmt, werden die Kästen mit einem Drahtbügel befestigt. Dieser kann zusätzlich durch ein Stück Gartenschlauch gezogen werden, damit er sich nicht in die Rinde einschneidet.

Zur Reinigung der Kästen gilt es den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Einige Vögel beginnen sehr früh mit dem Brutgeschäft. Darum ist die Zeit von Januar bis Mitte Februar ideal, oder der Spätsommer, wenn die Jungvögel ausgeflogen sind.

Zur Reinigung verwenden wir keine chemischen Desinfektionsmittel. Es genügt, den Kasten auszufegen und mit heissem Seifenwasser zu reinigen. Das Kasteninnere nach der Reinigung gut trocknen.

Vögel füttern?

Finden die Vögel bei Frost und Schnee nicht genügend Futter oder möchte man die Tiere gerne im eigenen Garten beobachten, empfiehlt sich eine zusätzliche Fütterung. Wichtig ist dabei, für die notwendige Hygiene zu sorgen und damit die Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern. Auch sollte man die Fressgewohnheiten der unterschiedlichen Arten zu kennen. Dazu an dieser Stelle ein kurzer Überblick:
• Sonnenblumenkerne eignen sich als Basisfutter, das von sehr vielen Arten gefressen wird. Bei ungeschälten Kernen fällt zwar mehr Abfall an, dafür verweilen die Vögel länger an der Futterstelle.
• Körnerfresser wie Sperlinge und Finken fressen zusätzlich andere Saaten wie Lein- oder Hanfsamen.
• Sogenannte Weichfutterfresser wie Rotkehlchen, Amsel, Drossel oder Zaunkönig fressen gerne Rosinen, Obst, Haferflocken und Kleie.
• Meisen und Kleiber sind Allesfresser. Sie lieben Gemische aus Fett und Samen, zum Beispiel in Form von Meisen-Knödeln.
• Brot ist nicht zu empfehlen, da es im Magen der Vögel aufquillt und ausserdem schnell verdirbt.
• Auf keinen Fall salzige Nahrung anbieten.

Der Futterspender muss an einer übersichtlichen erhöhten Stelle platziert werden, damit sich keine Katzen anschleichen können. Ausserdem kann man so die Vögel gut beobachten. Bäume oder Büsche sind von Vorteil, um bei Angriffen von Greifvögeln Deckung zu bieten. Die Futterstelle darf sich keinesfalls in der Nähe von Glasscheiben befinden, da diese für die Vögel eine Gefahr beim Anflug sind.

Wir wählen Futtersilos, bei denen die Vögel nicht im Futter herumlaufen und es nicht mit Kot verschmutzen. Auch frei hängende Meisenknödel sind eine gute Wahl – man kann sie auch selber machen, im Internet gibt es gute Anleitungen. Damit das Futter nicht durchnässt und fault, muss der Standort vor Regen, Schnee und Wind geschützt sein. Beachtet man diese einfachen Regel, steht der Vogelbeobachtung nichts mehr im Wege.

Zur Person
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im A. Vogel Besucherzentrum in Teufen Appenzell Ausserrhoden tätig.



Foto: mauritius-images.com, zvg, istockfoto.com

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