Artikel Natur :: Natürlich Online

Ganz schön lecker!

Kategorie: Garten
 Ausgabe_07_08/2017 - 01.07.2017

Text:  Remo Vetter

Gärtnern macht glücklich, ist Remo Vetter überzeugt. Er kennt viele Tricks und Kniffe. Und weiss, welche Blumen und Kräuter am besten schmecken.

@ istockphoto.com, krea, zvg

Es gibt nichts Heilsameres als die Natur. Ein Garten vielleicht. Die Schwielen an den Händen, die zerkratzten Arme, der schmerzende Rücken – all das ist nichts gegen die inneren Spuren, die ein Garten hinterlässt. Seelenruhe. Es ist das Glück, im Freien zu sein. Gärten sind Orte der Musse; sie inspirieren und entschleunigen. Andererseits sind sie auch Schauplätze harter körperlicher Arbeit. Die Kombination macht Menschen glücklich.

Das Glück im Garten kommt also nicht nur von entspannter Betrachtung, sondern auch vom Zupacken. Aktiv sein und etwas gestalten fühlt sich einfach gut an. Eine Tomate vom Säen bis zur Ernte begleiten schafft eine Beziehung zu unserer Nahrung und zur Natur, und das in einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen vom Grund und Boden entfernen und nur noch virtuell unterwegs sind. Sein Gemüse wachsen und reifen sehen, macht demütig.

Die Botschaft der Tomate. Die Entwicklung vom Samen zur saftigen Tomate birgt eine Botschaft an uns gestresste Menschen: Alles braucht seine Zeit. Das zu akzeptieren ist eine Herausforderung in einer Zeit, in der alles immer schneller geht und alles immer sofort verfügbar sein soll. Ein Segen ist die Botschaft für den, der die Lektion versteht: Die Natur schenkt ihm den Luxus der Langsamkeit. Ja, alles braucht seine Zeit.

Im Garten sehe ich, was ich gemacht habe; was sich über Tage, Wochen und Monate verändert; ob ich den Pflanzen und dem Boden Sorge getragen oder sie vernachlässigt habe. Es passiert etwas, aber nur so schnell, dass ich noch mitkomme. So ist der Garten ein Ausgleich zum hektischen Alltag mit seiner Informationsüberflutung. Der Garten dient vielen als Rückzugsort und Musse; er verlangt aber auch Beachtung und Einsatz. Mit diesen beiden Polen ist der Garten für mich ein starkes Symbol für unsere Existenz – ein Modell für das, was wir heute «Work-Life-Balance» nennen.

Im Trend: Naturgärtner. Gärten liefern Früchte und Gemüse, sie ernähren uns also in direktem Wortsinn. Sie bieten mit Blumen, Kräutern und ihren Düften aber auch Nahrung für die Seele. Kein Wunder, ist das Paradies in der Vorstellung vieler Künstler und Schriftgelehrten ein üppiger Garten!

Immer mehr Menschen wollen diesen Garten naturnah gestalten. Und das ist gut so, denn die Vielfalt der Arten zählt zu den wichtigsten Eigenschaften nicht nur eines gesunden Gartens, sondern auch einer intakten Natur. Und erst die ermöglicht uns rundum gesundes und glückliches Leben.

Im naturnahen Garten sorgen viele verschiedene Kleintiere dafür, dass keine Art überhand nimmt. Wir stellen deshalb Insektenhotels auf, sorgen für eine lange andauernde Blütenvielfalt und bieten Igeln und Eidechsen Versteckmöglichkeiten. Auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten wir, denn Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und viele andere Insekten sind wichtige Bestäuber und daher für unsere Gärtner essenziell.

Kräuter gezielt einsetzen. Neben dem Ansiedeln von Nützlingen gibt es eine weitere umweltfreundliche «Schädlingsbekämpfungsmethode»: Kräuter. Gezielt eingesetzt haben sie erstaunliche Wirkungen: Lavendel bei Rosen zum Beispiel hält Blattläuse fern und ebenso die Ameisen, die bekanntlich die Läuse «melken». Wir pflanzen Lavendel als Umrandung um das Rosenbeet oder auch direkt unter Rosen. Das sieht attraktiv aus und betont farblich die Rosen. Gleichzeitig halten die stark duftenden ätherischen Öle des Lavendels Schnecken ab. Weitere Beet-Einfassungspflanzen sind Oregano, Thymian und Minze, letztere hat allerdings die Eigenschaft, sich stark auszubreiten.

Salbei ist nicht nur ein hervorragendes Kraut für die Küche, namentlich zu Saltimbocca, Kartoffeln oder Pasta; im Garten vertreibt Salbei Kohlweisslinge, Raupen, Schnecken und Läuse im Beet. Ameisen mögen Rosmarin nicht und Beifuss vertreibt Erdflöhe, Kohlweisslinge und Läuse. Basilikum hält Fliegen von Haus und Terrasse fern. Ein Töpfchen Basilikum auf dem Terrassentisch ist zudem dekorativ, und er kann gleich frisch gezupft werden, wenn Tomaten und Mozzarella auf den Tisch kommen. Bei unseren Gästen ruft es jedes Mal ein «Oh!» und «Ah!» aus, wenn selber zupfen angesagt ist.

Kamille im Beet schützt mit ihrem Duft nahe Pflanzen vor Pilzen. Einjährige Kamille kultivieren ist ausserdem sinnvoll, weil sie bei Bauchweh und Schlaflosigkeit hilft und krampflösend und entspannend wirkt.

Wie der Rosmarin hält auch die Zitronenmelisse Kohlweisslinge fern. Darum pflanzen wir Melisse (und viele andere Kräuter) gerne direkt ins Gemüsebeet. Wir verwenden die Melisse wie die Pfefferminze für sommerliche Erfrischungsgetränke: einige Blätter in eisgekühlte Tees oder Limonaden geben, das verleiht eine erfrischende Note.

Tipps und Pflegemassnahmen
Bei Pilzerkrankungen: Pflanzen einmal wöchentlich mit einer Mischung Milch-Wasser im Verhältnis 1: 6 bespritzen. Mindestens dreimal wiederholen. Diese Mischung kann auch gegen Tomatenfäule gespritzt werden.
• Triebe von Obstgehölzen sind im Juli jung und weich. Störende Triebe lassen sich jetzt leicht entfernen, ohne grosse Wunden zu verursachen.
• Tomatenpflanzen lieben Kaffeesatz.
• Neuanlage eines Erdbeerbeetes: Im Vorjahr Brennnesseln oder Phacelia ziehen und erst kurz vor dem Setzen entfernen. Der Boden wird dadurch gelockert, ist schön krümelig und wir haben eine gute Humusbildung.
• Anti-Wühlmaus-Tipp: Gehäckseltes Holz von einem Nussbaum ins Pflanzloch geben.
• Krautfäule an Tomaten: Regelmässig mit Zwiebelschalentee übergiessen.
• Um im Moorbeet den pH-Wert konstant zu halten, alle 4 Wochen 20 ml Apfelessig in das Giesswasser geben.
• Himbeerkäfer: Vergissmeinnicht hält diesen Schädling fern.
• Erdflöhe in Blumentöpfen beseitigen: Einige Streichhölzer mit dem Kopf in die Erde stecken.
• Zaubertrank für Kümmerlinge: Ein Esslöffel Apfelessig in 4 l Kompostpresssaft. Regelmässiges Giessen einer kleinen Menge dieser Mischung stärkt die Pflanzen.
• Schildläuse an Orchideen: Die Insekten mit einem in weissen Essig getränkten Wattebausch abtupfen. Die Schildläuse und ihre Eier sterben so.
• Umweltfreundlicher Unkrautvernichter: Fünf Esslöffel Essig und zwei Esslöffel Salz in 1 l kochendes Wasser geben. Diese Mischung mit der Spritze auf den befallenen Stellen ausbringen.
• Gartenwerkzeug
nach der Benutzung mit einem in klarem Essig getränkten Lappen desinfizieren.

Köstliche Blumen. Die Kapuzinerkresse leuchtet jetzt in unserem Garten mit ihren knallig orange-gelben Farben. Wir haben sie auch beim Kohl gepflanzt, denn die Kresse schützt ihn vor Schneckenfrass. Kapuzinerkresse samt Blüten ist ein natürliches Stärkungsmittel. Wir bereichern oft Salate und Suppe damit. Das ist nicht nur gesund, sondern macht einen Salat auch zu einer Augenweide.

Überhaupt rate ich, viele kultivierte und wildwachsende Blüten zu essen, als Salate, Suppen, Gemüse oder auch Smoothies. Ich denke in erster Linie an Gänseblümchen, Stiefmütterchen, Kapuzinerkresse-, Borretsch-, Nachtkerzenblüten oder Ringelblumen, um nur einige zu nennen. Vieles davon wächst in freier Natur und steht uns gratis zur Verfügung. Es ist wichtig, Wildpflanzen an möglichst unbelasteten Orten zu sammeln. Pflanzen von gedüngten Wiesen, gespritzten Obstanlagen oder Strassenrändern können Schadstoffe enthalten. Essbare Wildpflanzen sammeln war früher, als unsere Töchter noch klein waren, eine lust- und sinnvolle Beschäftigung auf unseren ausgedehnten Spaziergängen – es hat unser Haushaltbudget erheblich entlastet. Haben Sie sich schon einmal überlegt, was alles Essbares in freier Natur wächst und für uns frei zugänglich ist?

Zur Person
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im A. Vogel Besucherzentrum in Teufen Appenzell Ausserrhoden tätig.


Fotos: istockphoto.com, krea, zvg

Tags (Stichworte):

Kategorie: Natur

Magische Mitternachtssonne

Viele Menschen reisen im Sommer in den hohen Norden, um das faszinierende...

Kategorie:

Kategorie: Garten

Die Kuhschelle - Pulsatilla vulgaris

Frauenmittel/Pulsatilla lindert Periodenschmerzen und hilft bei...