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Die Seelenwelt der Pflanzen

Kategorie: Natur
 Ausgabe_05/2017 - 01.05.2017

Text:  Eva Rosenfelder

Seit Urzeiten begleiten, nähren und heilen sie uns: Pflanzen sind viel mehr als wir ahnen. Auf Entdeckungsreise in der Welt unserer grünen Verbündeten.

@ istockphoto.com

Was Wundersames geht von Pflanzen aus, dass sie uns Menschen auf so vielfältige Weise berühren können? Je tiefer man sich mit diesen stillen Individuen beschäftigt, umso mehr stellt sich diese Frage, und man beginnt, die Pflanzen als eigenständige Wesen wahrzunehmen, die sich auf mannigfaltigste Weise ausdrücken. Seit Urzeiten begleiten, nähren, heilen sie uns – und dennoch ist ihre Daseinsweise für uns unermesslich geblieben. Dies, obwohl wir gerade heute so viel Zugang zu Wissen und Erfahrungsschätzen haben wie niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Das alte Heilpflanzenwissen verschiedenster Kulturen ist uns heute ebenso verfügbar wie modernste Forschungsergebnisse zu den überraschenden Fähigkeiten von Pflanzen. Doch wissen wir wirklich mehr über sie als unsere Ahnen? «Die Frage ist weniger, ob Pflanzen intelligent sind, als vielmehr, ob wir intelligent genug sind, um sie zu verstehen», sagt Ian Baldwin, führender Pflanzenforscher am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena.

Unser heutiges Naturverständnis ist geformt von einem selbstverständlichen kulturellen Einverständnis, das wenig hinterfragt wird. Wissen hat einen hohen Stellenwert und beeinflusst unsere Wahrnehmung. Fakten, die auf Sezieren, Zerlegen, Analysieren basieren und belegt sind durch Studien und Statistiken, gelten als handfestes Allgemeinwissen. Die Pflanzen kommen dabei schlecht weg. Sie gelten als Behälter für Wirkstoffe, als «Material», das gut verwertbar und nützlich ist. Angesichts der Tatsache, dass der Anteil der Gattung Mensch und aller anderen Tiere zusammen nur gerade 0,3 Prozent ausmacht an der Masse aller Lebewesen auf dieser Erde, im Gegensatz zu 99,7 Prozent Masse an Pflanzen, fragt es sich schon, wie wir zu solcher Überheblichkeit kommen.

Selten werden Pflanzen wirklich in freier Natur besucht, dort, wo sie gedeihen und als Familien oder in Gemeinschaft mit anderen Pflanzen wachsen. Eher landen sie im Labor, werden in Einzelteile zerlegt und, abgetrennt von Wurzel und Heimat, grell belichtet unter Mikroskopen betrachtet, fern des wahren Lebens. Nur: Wie exakt ist das?

Intelligente Pflanzen. Obwohl viele Menschen, die sich mit Pflanzen befassen, diese Gefühle sehr wohl wahrnehmen, äugen wir doch stets auf die Forschungsergebnisse der Wissenschaft. Und diese interessiert sich – so wie es in ihrem Wesen liegt – für die «Intelligenz», das geheime «Wissen» oder die faszinierenden Fähigkeiten der Pflanzen, und versucht über viele Jahrtausende schon die Pflanzenseele zu «erforschen» – stets auf der Vorgabe beruhend, man dürfe die Pflanze nicht vermenschlichen.

Heute weiss auch die Forschung, dass Pflanzen sehr viel mehr sind als nur eine Art von Bioroboter: Pflanzen sind nachweisbar sensibel für alle Arten von Berührungen: Ein sanftes Streicheln genügt, und sie ändern die Wuchsrichtung. Ihr ganzer Körper ist ein einziges Sehorgan, dessen Zellen fähig sind, die Anteile unterschiedlicher Wellenlängen im Licht zu identifizieren und ihr Wachstum so nach dem Sonnenlicht zu richten.

Pflanzen kommunizieren. Mit ihren Sinnen können sie sich in der Welt orientieren, sie interagieren auch mit Nachbarspflanzen, mit Pilzen, Insekten und anderen Tieren. Über chemische Moleküle tauschen sie Informationen aus; sie empfangen Signale aus ihrer Umgebung, verarbeiten die erhaltenen Informationen und kalkulieren, welche Lösung ihr Überleben am besten sichert. Sie sind empfindungsfähiger als wir, besitzen neben unseren fünf mindestens fünfzehn (!) weitere Sinne pflanzlicher Art. So können sie etwa Schwerkraft, magnetische Felder und Feuchtigkeit wahrnehmen und darauf reagieren oder die Stoffmenge zahlreicher chemischer Elemente analysieren. Die Molekularbiologie konnte nachweisen, dass es auf der Zellebene zwischen Tieren und Pflanzen verblüffende Übereinstimmungen gibt.

Buchtipps
Eva Rosenfelder: «Die Seelenwelt der Pflanzen – eine Entdeckungsreise», Verlag Kailash, 2017, Fr. 22.90

Seit Urzeiten beschenken uns Pflanzen, indem sie uns begleiten, nähren und heilen. Instinktiv begreifen wir sie als eigenständige Wesen, die sich auf mannigfaltige Art ausdrücken. Doch wie können wir ihre Seelenwelt wirklich verstehen? Eva Rosenfelder kommt dem Wesen unserer grünen Mitgeschöpfe in der Begegnung mit neuen Pflanzenweisen wie dem Wildkräutersammelweib Gisula Tscharner, dem Arzt und Maler Jürg Reinhard oder dem Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl auf die Spur. Diese Seelengärtner begleiten uns auf einer Wanderung durch den natürlichen Jahreslauf. Gelingt es uns, den Stimmen der Pflanzen zu lauschen, erhalten wir mit etwas Glück sogar den Schlüssel zum Tor eines Paradiesgartens: dem Garten unserer eigenen Seele. «In ihrer unglaublichen Vielfalt laden die Pflanzen uns ein, mit ihnen in Verbindung zu treten.»

Fotos: istockphoto.com

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