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Des Gärtners treue Helfer

Kategorie: Natur
 Ausgabe_04/2017 - 01.04.2017

Text:  Remo Vetter

Remo Vetter will endlich säen und pflanzen. Doch der Schnee hat ihm im Frühjahr schon oft einen Strich durch die Rechnung gemacht. Deshalb kümmert er sich erst mal um den Boden und die Nützlinge.

@ zvg, istockphoto.com

Im April befinde ich mich oft in einem Dilemma. Zum einen gibt es schon sehr viele schöne Tage, an denen sich zahlreiche Gartenarbeiten erledigen lassen. Zum anderen kann es recht schnell wieder sehr kühl, ja frostig werden. Schon öfters hat mir der Schnee einen Strich durch die Planung gemacht. Vermutlich ist es eben doch sinnvoll, es etwas gemächlicher anzugehen und geduldig zu warten, bis der Boden sich genügend erwärmt hat.

Apropos Boden: Ein humoser Gartenboden ist die beste Voraussetzung dafür, dass die Pflanzen im Garten gut gedeihen. Um das zu erreichen, braucht es etwas Zeit und Geduld. Als wir den Garten vor 35 Jahren zur Bewirtschaftung übernommen haben, war der Boden schwer und extrem lehmig. Dank Zugabe von Sand und permanentem Einsatz von Gründüngungspflanzen können wir heute eine herrliche, feinkrümelige Erde bewirtschaften, auf der wunderbares Gemüse, Obst und Früchte wachsen. Ich würde darum insbesondere Gartenneulingen raten, dem Boden speziell Beachtung zu schenken. Denn auf einem guten Boden wachsen in den Folgejahren gesunde, kräftige Pflanzen.

Ein zu lehmiger Boden neigt zu Staunässe und das überschüssige Wasser wird kaum abgeführt, während ein zu sandiger Boden das Wasser und die Nährstoffe ungenügend speichern kann, was meist zu schwachem Wuchs führt. Um den Gartenboden zu verbessern, ist es ratsam, gut verrotteten Kompost in die obere Schicht einzuarbeiten.

Seifenlauge gegen Spinnmilben. Jetzt, vor den Auspflanzungen im April, sollen die Gartenbeete noch einmal gut gelockert und die im Herbst als Biomasse gesäte Gründüngung wie z. B. Phacelia in den Boden eingearbeitet werden. Im Frühling und Frühsommer mit feuchtwarmem Klima kommt es häufig vor, dass die Pflanzen von Blattlauskolonien überfallen werden. Es gilt, ruhig Blut zu bewahren und nicht gleich mit der Chemiekeule aufzufahren. Bei einem Befall von Blattläusen und Spinnmilben kann Seifenlauge eine sehr gute Wirkung erzielen. Dafür stellen wir aus Wasser und Kernseife eine Mischung her, mit der wir die befallenen Pflanzen mehrmals behandeln. Am einfachsten geht es mit einer Sprühflasche. Dabei ist es wichtig, sowohl die Blattoberseite wie auch die Unterseite zu besprühen. Gleichzeitig haben wir Nützlingshotels aufgestellt, um möglichst viele natürliche Helfer gegen die Schädlinge im Garten anzusiedeln. Und zur allgemeinen Pflanzenstärkung geben wir täglich etwas Brennnessel- und Beinwellblätter in das Giesswasser, um den Boden und die Pflanzen proaktiv zu stärken.

Gut zu kompostieren
• Krautige Bestandteile von Stauden
• Laub
• Grasschnitt
• Sämtliches Grünzeug aus dem Garten
• Kleingeschnittene Äste und Zweige
• Natürliche organische unbehandelte Küchenabfälle

Von Florfliegen und Raubmilben. Für Igel legen wir in einer ruhigen Ecke des Gartens Laub- und Reisighaufen an. Es sind ideale Verstecke für die nachtaktiven, insektenfressenden Helfer, die sich auch gerne über Schneckeneier hermachen und darum im Garten sehr geschätzt sind. Im Handel sind auch fertige Igelhäuser erhältlich, wir haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass sich unsere Igel in den natürlichen Laubund Asthaufen wohler fühlen.

Marienkäfer, Wildbienen, Ohrwürmer, Florfliegen, Schwebefliegen und Raubmilben sind im biologischen Garten weitere wichtige Helfer, die allerlei Ungeziefer wie Blattläuse und Spinnmilben in Schach halten. Darum ist es wichtig, dass wir ihnen im Garten ein Zuhause bieten. Nützlings- oder Insektenhotels etwa sind ideale Nisthilfen. Sie werden ausgestattet mit Schilfrohr, Bambusröhren, Lochziegeln, Ziegelsteinen, Lehm, Stroh, Hartholz, in das tiefe dünne Löcher gebohrt werden, Rinde, Holunder, Weidenzweige und markhaltige Stängel, zum Beispiel von Disteln, Königskerzen, Fingerhüten, Holunder, Brombeere, Himbeere, Heckenrose, Rohrkolben. Wichtig ist, natürliche, unbehandelte Materialen zu verwenden. Das Insektenhotel sollte an einem sonnigen und vor Wind und Wetter geschützten Standort stehen oder aufgehängt sein.

Die heimischen Wildbienen werden oft gar nicht als Bienen wahrgenommen. Viele Arten sind wesentlich kleiner als Honigbienen und als Einzelgänger unterwegs. Im Insektenhotel legen sie ihre Brut in Löcher und hohle Stängel. Nach der Eiablage wird der Brutplatz mit einer Art Lehmgemisch oder mit Harz verschlossen.

Auch Florfliegen sind nicht nur schön, sondern auch nützlich: Ihre Larven werden auch Blattlauslöwen genannt; neben Blattläusen vertilgen sie auch Thripse (Fransenflügler), Spinnmilben, Woll- und Schmierläuse. Ausgewachsene Schwebefliegen wiederum ernähren sich von Nektar und Blütenpollen und sind wichtige Bestäuber. Und ihre Larven sind in der Lage, ganze Blattlauskolonien zu vertilgen.

Ohrwürmer gehen nachts auf Blattlausjagd. Als Tagesversteck haben wir für sie mit Stroh oder Heu gefüllte, umgestülpte kleine Tontöpfe in Bäumen und Büschen aufgehängt und auf Bambusstäbe gesteckt und im Garten verteilt. So finden diese Nützlinge direkt im Baum, Busch oder Gemüsegarten ein Versteck für den Tag und können nachts gleich an Ort und Stelle auf die Jagd gehen. Der bekannteste und sympathischste Blattlausfeind ist wohl der Marienkäfer. Die kleinen bunten Tierchen verstecken sich gerne in Erdmulden und Trockensteinmauern. Raubmilben schliesslich sind die natürliche Antwort auf Spinnmilben. Bei optimalen Bedingungen vermehren sich die Raubmilben etwa doppelt so schnell wie die Spinnmilben, das macht sie zu sehr effektiven Nützlingen.

Gartenarbeiten im April
• Start von Gartenprojekten und Neuanlagen
• Pflanzzeit für die meisten frostunempfindlichen Pflanzen
• Winterschutz entfernen
• Rosen düngen und anhäufeln
• Rückschnitt der Sommerblüher
• Kübelpflanzen umtopfen
• Rasen düngen
• Unkraut regelmässig jäten
• Garten auf Schädlinge kontrollieren, Nützlinge ansiedeln
• Vogelhäuser an sicheren, vor Katzen geschützten Standorten aufstellen
• Sommerblumen aussäen
• Aussaaten von Lieblingsgemüsen in Frühbeetkasten
• vorkultivierte Gemüsearten wie Tomaten, Paprika, Zucchini, Kürbisse, Gurken in Töpfe pflanzen

Des Gärtners Gold. Ein Komposthaufen ist eine ideale Möglichkeit, um die natürlichen Abfälle aus Garten und Küche in wertvollen Humus zu verwandeln. Es ist das «Gold» des Gärtners, bester Dünger für seine Pflanzen. Der Kompost wird meist als Miete oder in Behältern und Kompostgittern angelegt. Wichtig ist, dass der Kompost öfters umgesetzt und gelüftet wird, damit keine Fäulnis entsteht. Zudem sollte er Kontakt zum Erdboden haben, damit Mikroorganismen und Regenwürmer bei der Verrottung mithelfen können.

Der Kompost wird mit organischem Material angesetzt. Dabei ist es wichtig, dass die Zusammensetzung möglichst abwechslungsreich ist. Grasschnitt sollte unbedingt mit kleingeschnittenen Ästen oder ähnlichem vermischt werden, da sonst gerne eine luftundurchlässige Schicht entsteht und der Kompost deshalb nicht verrotten kann, sondern schimmelt. Als Standort eignen sich halbschattige, wind- und regengeschützte Lagen im Garten. An einem sonnigen Standort könnte er austrocknen, wodurch der Zersetzungsprozess gestört würde.

Je nach Material kann der frische Kompost schon nach vier bis fünf Monaten ausgebracht werden. Noch nicht zersetzte, grobe Bestandteile werden vom feinkrümeligen Kompost ausgesiebt und als Starthilfe für einen neuen Kompost angesetzt.

Nicht auf den Kompost gehören
• Plastik
• Folien und Netze
• Zeitungspapier
• Fleischreste und gekochtes aus der Küche
• mit Pflanzenschutzmittel behandelte Materialien
• Mit Schädlingen oder Krankheiten befallene Pflanzen

Kartoffelanbau auf dem Balkon. Für alle, die keinen eigenen Garten haben, ein Tipp zum Kartoffelanbau – die Pflanzen wachsen nämlich nicht nur im Garten, sondern auch in Kübeln oder Kisten auf Balkonen und Terrassen. Das Gefäss sollte mindestens zehn Liter fassen. Grosse, schwarze Plastikeimer eignen sich sehr gut, da sie sich schnell erwärmen. Die Kübel dürfen jedoch nicht in der prallen Sonne stehen, denn sonst wird es den Pflanzen zu heiss und sie verbrennen oder trocknen aus. Die Gefässe müssen Löcher im Boden haben, damit das überschüssige Wasser abfliessen kann und sich keine Staunässe bildet.

Zum Pflanzen der Kartoffeln wird der Gefässboden mit einer 15 bis 20 Zentimeter dicken Schicht Gartenerde bedeckt. Anschliessend werden die vorgekeimten Saatkartoffeln etwa fünf Zentimeter tief gesetzt. In einen 10-Liter-Kübel passen circa drei bis vier Knollen.

Sobald die Kartoffeltriebe etwa zehn Zentimeter aus der Erde schauen, häufelt man die Pflanzen an. Diesen Vorgang wiederholt man immer wieder, bis das Gefäss bis oben mit Erde gefüllt ist. Besonders bei warmem Wetter müssen die Pflanzen regelmässig gegossen werden. Erntereif sind die Kartoffeln je nach Sorte nach drei bis vier Monaten. Ein Versuch lohnt sich! 

Zur Person
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im A. Vogel Besucherzentrum in Teufen Appenzell Ausserrhoden tätig.

Fotos: zvg, istockphoto.com

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