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Doktor Frost

Kategorie: Garten
 Ausgabe_01-02/2017 - 01.02.2017

Text:  Remo Vetter

Im Winter lebt man von den Früchten der vergangen Ernte: Eingemachtes, Eingekochtes und Geräuchertes sorgen in ländlichen Küchen für einen reich gedeckten Tisch.

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Viele Hobbygärtner denken, dass im Winter der Garten ruhe und nichts zu verrichten sei. Schliesslich hat man im Herbst Bäume und Sträucher zurückgeschnitten, die frostempfindlichen Pflanzen gut geschützt und die notwendigen Vorarbeiten für den Frühling erledigt. Und so ist der Winter die Zeit, in der die wenigsten von uns in den Garten gehen.

Die Wohlfühloase des Sommers sei in der kalten Jahreszeit eher ungemütlich, vermutet man. Erst mit dem Ansteigen der Temperaturen und den ersten grünen Trieben an den Pflanzen beginne die Gartensaison, glauben viele. Das muss aber nicht so sein. Wer das ganze Jahr gerne im Freien ist, kann auch jetzt einige Arbeiten verrichten – denn auch im Januar und Februar gibt es einiges zu tun im Garten. Die Erfahrung zeigt: Je mehr wir im Winter vorbereiten, umso weniger müssen wir im Frühling tun. Dies gilt grundsätzlich übrigens für jede Jahreszeit und alle zu erledigenden Tätigkeiten: Was Du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen!

Gartenhygiene mit Väterchen Frost. Früher empfand ich den Januar als einen eher garstigen Monat. Meist lag Schnee und die Temperaturen pendelten unter dem Gefrierpunkt. In den letzten Jahren ist der grosse Schnee bei uns oft erst Ende Winter eingetroffen, sodass wir im Januar noch unerledigte Herbstarbeiten tätigen konnten. So auch jetzt. Das Laub ist relativ lange an den Bäumen geblieben, und so können wir an sonnigen Tagen die Wiesen vom Laub befreien, damit die Gräser Licht bekommen und die Wiesen im Frühjahr kräftig wachsen.

Einige Hecken und Pflanzen im Garten haben wir unbeschnitten stehen lassen. Die vertrockneten Blätter, Samenstände und Stängel schützen die Pflanzen vor Frostschäden und bieten Vögeln Nahrung und Insekten Unterschlupf. Ausserdem sind sie sehr attraktiv, besonders bei Frost und Schnee. In der Abendsonne sehen die Pflanzen manchmal aus, als wären sie mit einem rosa Zuckerguss überzogen. Wir lieben diese Zeit zwischen den Gartenjahren. Es gibt Gartenbücher zu studieren und Pläne für die kommende Saison zu machen.

Nicht nur den Pflanzen tut eine längere kräftige Kälteperiode gut. Sie sorgt auch für einen festen Boden, mit dem sich gut arbeiten lässt. Der Frost bewirkt, dass die Erde feinkrümelig zerbröckelt. Und er tötet Pilzsporen ab, die sich bei feuchter Wärme gerne vermehren und Verursacher von Krautfäule und Schimmel sind. Den Blattläusen geht es an den Kragen und die Schnecken müssen leiden. Ein Monat mit kräftigem Frost ist somit wie eine Reinigungskur für den Garten.

Gartenarbeiten im Januar
Winterhartes Gemüse wie Kohl, Blumenkohl, Lauch, Sellerie, Pastinaken und Winterrettich ernten.
An trockeneren Tagen halb verrotteten Stallmist oder Kompost auf leeren Beeten verteilen, um Nährstoffe zuzuführen und den Boden zu schützen.
Aussaat- und Pflanzplan für die kommende Saison tätigen, Samen bestellen.
Wenn Kletterpflanzen keine Blätter tragen, ist der Zeitpunkt ideal, um Rankgitter und Rosenbögen zu erneuern oder neu zu streichen.
Gartengeräte kontrollieren. Wir nutzen die ruhigere Zeit, um Werkzeuge zu prüfen und nötigenfalls zu reparieren oder ersetzen. Töpfe und Aussaatschalen mit einer Bürste säubern.
Bei empfindlichen Gartenpflanzen den Frostschutz überprüfen.
Regelmässig giessen: Winterharten Gartenpflanzen sieht man es teilweise nicht an, aber sie benötigen auch im Winter Wasser.
Winterschnitt an älteren Apfel- und Birnbäumen.

Jetzt Gartenplanung machen. Der Januar bietet die ideale Gelegenheit, den Garten zu inspizieren und sich Gedanken zu machen, falls im Frühjahr Neu- oder Umpflanzungen getätigt werden sollen. Da die meisten Pflanzen ruhen und meist zurückgeschnitten sind, haben wir jetzt den besten Überblick über unser Gartenareal. Wir erkennen Lücken in der Bepflanzung und können so neue Pflanzaktionen planen.

Wir prüfen in dieser Zeit auch unsere Vorräte an Saatgut und entsorgen nicht mehr keimfähige Samen. Bei abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum machen wir eine Keimprobe. Dazu wird ein Küchenpapier mit Wasser getränkt und auf einen Teller gelegt. Einige Samen werden darauf verteilt und mit einer Klarsichtfolie abgedeckt. An einem warmen Standort sollten die Samen nach einigen Tagen keimen. Wichtig ist es, das Küchenpapier stets feucht zu halten. Wenn mehr als zwei Drittel der Samen keimen, können wir diese noch verwenden. Wenn nicht, ist es sinnvoll, neues Saatgut zu kaufen.

Falls der Winter sehr trocken ist, müssen wir unsere Kübelpflanzen hin und wieder giessen, damit sie nicht ganz austrocknen. Die Zeit ist jetzt auch ideal, um Bäume zu fällen, falls dies nötig ist, da sie jetzt nicht mehr im Saft stehen und die Blätter restlos abgefallen sind. Das Holz schichten wir an einem geschützten Ort auf und lagern es zwei bis drei Jahre, damit es bei der Verwendung einen idealen Brennwert abgibt.

Falls der grosse Schnee doch noch eintreffen sollte, ist es wichtig, die Pflanzen von der Schneelast zu befreien, da Äste und Zweige sonst brechen könnten.

Apfel- und Birnbäume schneiden
• Apfel und Birnbäume werden in der Ruhezeit im Winter geschnitten.
• Gartenscheren, Baumschere und Säge müssen sauber sein, um den Baum nicht zu schädigen oder Krankheiten zu übertragen.
• Robuste Arbeitshandschuhe schützen die Finger.
• Alle Sägeschnitte sollen schräg abwärts verlaufen, sodass Regenwasser gut abfliessen kann und die Schnittwunden nicht faulen.
• Nicht zu radikal schneiden, sonst steckt der Baum mehr Energie in die Bildung von Trieben als in die Fruchtbildung.
• Zuerst alles tote, kranke und beschädigte Holz entfernen. Anschliessend ausschneiden, was sich kreuzt, aneinander reibt oder zu dicht steht. Wenn zwei Äste aneinander reiben, entfernen wir den schwächeren.
• Dann gilt es, die Fruchtbildung anzuregen, also zu lange Triebe einzukürzen und altes Holz zu entfernen: Zu lange Zweige auf die Hälfte oder einen Drittel einkürzen, und zwar immer bis zu einem Seitentrieb, der nach aussen gerichtet ist. Alte erschöpfte Äste entfernen und jüngere Zweige bis zu kürzeren, nach aussen gerichteten Seitentrieben zurückschneiden.
• Triebe, die sich an Rändern früherer Schnittstellen gebildet haben, abschneiden. Sie tragen keine Früchte.
• Äste, die zur Kronenmitte wachsen, werden mit einer Astsäge dort abgesägt, wo sie vom Hauptstamm abzweigen. Die Krone soll offen sein, damit die Luft gut zirkulieren kann.
• Dicke Äste in Etappen sägen, damit sie beim Schneiden nicht abbrechen.
• Die Klingen der Gartenschere nach jedem Einsatz mit Stahlwolle abreiben, um getrockneten Pflanzensaft zu entfernen.
• Das Sägeblatt nach der Reinigung mit etwas Öl einreiben, damit es nicht rostet.

Frische Kräuter vom Fenstersims. Gerade im Winter, wenn die Tage kalt und dunkel sind, benötigen wir mehr Abwehrkräfte. Da ich es liebe auszusäen und frische Vitamine aus dem Garten relativ rar sind, ziehen wir frische Kräuter und Sprossen auf dem Fenstersims in einem Keimglas oder Sprossengarten im wohlig beheizten Haus.

Das Füttern von Vögeln in der Winterzeit hat in unserer Familie schon länger Tradition. Eigentlich hat es genügend Samenstände im Garten, doch es ist immer ein Erlebnis, die Tiere aus nächster Nähe zu beobachten, wenn sie sich auf dem geschützten Balkon über das Futter hermachen. Amseln und Rotkehlchen freuen sich über angefaulte Äpfel und Birnen, Meisen, Spatzen, Grünfinken und Buntspecht über Sonnenblumenkerne. Man sollte aber nur mässig füttern, denn wenn sich allzu viele Vögel auf engem Raum treffen, besteht die Gefahr der Übertragung von Krankheiten. Wichtig ist zudem, dass man bis zum Ende des Winters füttert, wenn man mal damit begonnen hat. Denn die Vögel verlassen sich auf ihre Futterplätze.

Zur Person
Demo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im A. Vogel Besucherzentrum in Teufen Appenzell Ausserrhoden tätig.


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