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Massaker am Weihnachtsbaum

Kategorie: Natur
 Ausgabe_12/2016 - 01.12.2016

Text:  Gundula Madeleine Tegtmeyer

Zwei Drittel der in der Schweiz verkauften Weihnachtsbäume werden im Ausland gefällt; dänische Tannen dominieren den Markt. «natürlich» präsentiert umweltfreundliche Alternativen.

Grüne Zweige im Winter waren schon im Mittelalter ein Zeichen der Hoffnung. Hoffnung auf die Wiederkehr des Frühlings und der Lebenskraft. Und so hängten die Menschen in der düsteren Zeit Mistel-, Tannen- und Eibenzweige auf in ihren Häusern – um die Weihnachtszeit zu feiern, aber auch, um böse Geister zu vertreiben. Der Ursprung dieses Brauchtums reicht bis in die vorchristliche Zeit zurück. Bereits die Römer schmückten ihre Häuser zum Jahreswechsel mit Lorbeerzweigen.

Im Mittelalter schmückte man zu bestimmten Anlässen ganze Bäume und vor dem Krippenspiel wurde die Paradiesszene mit Adam und Eva aufgeführt. Eine traditionelle Requisite des Bühnenbilds war ein mit roten Äpfeln geschmückter «Paradiesbaum».

Erstmals schriftlich erwähnt wurde ein «Weihnachtsbaum» im Jahr 1419. Er stand im Freiburger Heilig-Geist-Spital. Die Bäcker von Freiburg im Breisgau sollen, laut einer unbelegten Quelle, die Tanne mit Nüssen, Lebkuchen und Äpfeln behängt haben. Nach Weihnachten durfte der Baum geplündert werden – ein froher Schmaus besonders für die Kinder.

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Ins Private verbannt. Weihnachten wurde ursprünglich öffentlich gefeiert. Weihnachtsbäume wurden, ähnlich wie Maibäume, im Freien aufgestellt. Die Menschen nannten sie daher auch «Weihnachtsmaien». Unsere Familienweihnacht, wie wir sie heute zelebrieren, gibt es erst seit etwa 150 Jahren. Im 18. Jahrhundert wehte der Geist der Aufklärung. Fortan galt das Motto «Sapere aude!», zu Deutsch «Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen». Die Obrigkeit deutete die Volksbräuche als Zeichen des Aberglaubens. Die Umzüge und das Aufstellen von Krippen wurden vielerorts verboten. Gläubige Menschen liessen sich davon nicht einschüchtern – der Brauch, einen Weihnachtsbaum aufzustellen, wurde von nun an im privaten Bereich weiter gepflegt.

Das 18. Jahrhundert war auch die Epoche, in der die Familie zum Hort der vertrauten Geselligkeit heranwuchs. Weihnachten entwickelte sich zum wichtigsten Familienfest, und dazu gehörte der Weihnachtsbaum. Die Tanne wurde in die Wohnstube geholt, wenn auch überwiegend von protestantischen Familien. Damals hängte man den Baum allerdings noch kopfüber an die Decke.

Giftige Bäume in guten Stuben. Ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum gehört noch immer zum traditionellen Weihnachtsfest. In der Schweiz wird schätzungsweise eine Million Weihnachtsbäume verkauft. Dänemark gilt europaweit als das Land, das den Vertrieb von Tannenbäumen am professionellsten betreibt. Die Schweiz habe diesen Trend leider verschlafen, beklagt die IG Suisse Christbaum. «Aus Klimaschutzgründen sollte der Weihnachtsbaum daher möglichst aus der heimischen Region stammen.» Eine Forderung, die auch der WWF Schweiz stellt. Nicht nur aufgrund der langen Transportwege, sondern auch weil auf grossen, konventionellen Monokulturplantagen oft Pestizide und synthetische Dünger eingesetzt werden. Das schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch der Gesundheit, denn mit den Bäumen gelangen auch die Gifte in die Stuben, zumindest Spuren davon.

Bislang gibt es keine gesetzliche Deklarationspflicht. Deshalb sollte man beim Kauf nach der Herkunft des Baumes fragen. Oder man kauft die Weihnachtstanne, wenn möglich, direkt vor Ort.

Für ein nachhaltiges Fest. Der WWF Schweiz empfiehlt Tannenbäume mit dem FSC- oder dem Bioknospe-Label. Tannen aus FSC-zertifizierten Betrieben stammen aus Mischwäldern, in denen die Vielfalt von Pflanzen und Tieren bewahrt wird. Das Label bürgt auch dafür, nur so viele Bäume zu fällen, dass die Wälder aus eigener Kraft ein natürliches Gleichgewicht bewahren können. Tannen aus dem Bestand der IG Suisse Christbaum entsprechen den FSC-Kriterien. In der IG Suisse haben sich Schweizer Weihnachtsbaumproduzenten zusammengeschlossen mit dem Ziel, weniger Weihnachtsbäume aus dem Ausland zu importieren. FSC-zertifizierte Tannenbäume kann man bei Migros und Coop, aber auch bei zahlreichen regionalen Forstbetrieben und lokalen Werkhöfen kaufen.

Die Tanne im Topf. Drei Schweizer Jungunternehmer gründeten 2011 die Firma «Ecosapin», zu Deutsch Ökotanne. Das Geschäftsmodell: einen Christbaum mieten und nach dem Fest wieder pflanzen. Die Idee traf in der Westschweiz offenbar den ökologischen Zeitgeist: Im ersten Geschäftsjahr vermietete das Start-up bereits 600 ökologische Weihnachtsbäume. Die «Tanne im Topf» war so erfolgreich, dass Ecosapin sein Geschäftsmodell aufgrund der stetig wachsenden Nachfrage ausbaute. In Kooperation mit den SBB liefert Ecosapin seine Mietbäume mittlerweile in der gesamten Schweiz. Für das bevorstehende Weihnachtsfest können rund 3000 Tannen im Topf ausgeliefert werden (www.ecosapin.ch). Zur Auswahl stehen Rottannen, Nordmanntannen und Blautannen mit einer Baumgrösse zwischen 160 und 190 Zentimetern, die Preise variieren zwischen 99 und 149 Schweizer Franken.

Die Idee ist nicht ganz neu. Sie stammt ursprünglich aus Kanada, wo Julien Bugnon das Konzept vor gut sechs Jahren während eines Aufenthaltes kennenlernte. Der Jungbauer war es, der das nachhaltige Konzept in die Schweiz gebracht hatte, wo er die Tannenbäume auf seinem Hof in Cottens VD aufzieht. Seit 2013 gibt es zusätzlich in Freiburg eine Plantage.

Eine Ökotanne wächst mindestens sechs Jahre, bis sie gemietet werden kann. In 80 Prozent der Fälle schafft es der Baum, nach dem Weihnachtsfest zurück in die Erde gepflanzt, seinen Lebenszyklus wieder aufzunehmen. Die Tanne braucht dann drei bis vier Jahre, um wieder zu voller Vitalität zu kommen. Tannen, die es nicht schaffen, werden zu Biogas verarbeitet.

Wir wünschen gesunde und frohe Weihnachten!

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• Stefanie Haberlander «Weihnachten natürlich selbstgemacht», BLV Buchverlag, 2015, Fr. 18.90
• Pia Pedevilla «NaturZauberWeihnacht – dekoratives aus Naturmaterial», Frech Verlag, 2015, Fr. 17.90

Foto: mauritius-images.com, stockphoto.com

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