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Der Garten ruht

Kategorie: Garten
 Ausgabe_12/2016 - 01.12.2016

Text:  Remo Vetter

Gärtner haben endlich Zeit, liegen gebliebene Gartenarbeiten zu erledigen, und Musse, um die Gaben des Sommers zu verarbeiten – zum Beispiel zu Weihnachtsgeschenken.

@ istockphoto.com

Die Faszination des Gartens liegt für mich darin, dass er das ganze Jahr über attraktiv ist und vielfältig genutzt werden kann. Jetzt im Dezember ist es zwar etwas ruhiger und wir können uns herrlich entspannen. Dem Garten tun wir Gutes, indem wir ihm Beachtung schenken, ihn geniessen und hie und da unerledigte Arbeiten tätigen.

Der winterliche Garten hat eine ganz besondere Atmosphäre. Raureif und Schnee verleihen den Bäumen und Sträuchern eine märchenhafte Stimmung. Der Garten kann jetzt ohne Weiteres sich selbst überlassen werden. So haben wir endlich Zeit und Musse, um festliche Gestecke, Geschenke und Weihnachtsguetsli herzustellen.

Zeit für die Seelenpflege. Der Gemüsegarten, die umliegenden Felder und Wälder sind im Dezember bei uns meist schon in ein weisses, stilles Kleid gehüllt. Die Tage sind kurz. Und so sollten Gärtner die Wintermonate nutzen zum Entspannen, Erholen und Kräftetanken. Für mich ist der Dezember auch eine Zeit der Rückbesinnung auf das vergangene Gartenjahr und zugleich eine freudige Vorausschau auf das kommende. Neue Ideen für den Garten entstehen in gemeinsamen Gesprächen und beim Stöbern in Gartenbüchern.

Wir haben Zeit, mit den Gedanken zu spielen. Es geht uns gut. Die Natur hat uns auch dieses Jahr reich beschenkt. Wir haben ein warmes Zuhause, Vorräte im Keller und in der Advents- und Weihnachtszeit oft Besuch von lieben Freunden und der Familie. Wir müssen weder frieren noch hungern, auch sind wir nicht einsam – und doch sind wir manchmal unzufrieden. Warum nur? Wenn ich in die Welt schaue und mich der Informationsflut der Medien hingebe, kann ich mich doch nur glücklich schätzen und dankbar sein für all die Reichtümer, die die Natur uns schenkt, und dafür, in diesem gesegneten Land zu leben.

Innehalten, dankbar sein. Doch die Adventszeit ist für viele vor allem eine hektische Zeit. Allzu oft rennen wir irgendwelchen Dingen hinterher, die doch gar nicht so wichtig sind. Ob der Hetze vergessen wir doch glatt die schönen Dinge im Leben. Schenken wir die Zeit besser unseren Liebsten: geniessen die Ruhe gemeinsam, unternehmen zusammen ausgedehnte Advents-Spaziergänge und erfreuen uns am Schnee und Raureif.

Was im Garten zu tun ist. Im Garten stehen bei uns hauptsächlich Instandhaltungsarbeiten an. Ausser Boden lockern, Mulchen und Obstgehölze schneiden, ist wenig zu tun. Wenn es mir zu kalt und garstig ist, warte ich geduldig, bis das Wetter besser wird. Das war nicht immer so. Früher habe ich bei jedem Wetter irgendetwas erledigt im Garten. Vermutlich wird man mit dem Alter etwas gelassener – und es ist eindeutig sinnvoller und angenehmer, die im Winter anfallenden Arbeiten bei gutem
Wetter durchzuführen.

Es gibt jetzt schon empfindlich kalte Nächte und frostempfindliche Pflanzen sollten mit Vlies oder Tannenreisig abgedeckt werden. Solange der Boden frostfrei ist, müssen die immergrünen Pflanzen weiterhin gegossen werden, auch die Sträucher. Bei gutem Wetter nutzen wir die Zeit für Umgestaltungsarbeiten und Verjüngungsschnitte im Obstgarten: Die Baumkronen werden ausgelichtet, kranke und abgestorbene Äste entfernt. Dabei ist es wichtig, die Schnittstellen mit einem Verschlussmittel zu bestreichen, damit keine Schäden auftreten.

Wintervorrat einlagern und kontrollieren. Viel Arbeit sollte es jetzt im Gemüsegarten nicht geben. Wir müssen uns allerdings entscheiden, ob wir das letzte Gemüse auf dem Beet belassen oder ernten und einlagern. Rosenkohl, Winterkohl, Brokkoli, Federkohl und Lauch lassen wir auf den Beeten, meist auch Pastinaken, Knollensellerie und Winterrettich; die decken wir allerdings mit Stroh oder Tannenreisig ab. Wenn die Gefahr von starkem Frost besteht, ernten wir diese Wurzelgemüse und lagern sie im Keller in Kisten mit einem Sand-Erde-Gemisch ein. Das Lagergemüse und Obst kontrollieren wir jedes Mal, wenn wir etwas aus dem Vorrat holen. Angefaultes Gemüse nehmen wir aus den Kisten und verarbeiten es umgehend.

In milden Gegenden kann fast bis zum Winterende frisch vom Beet geerntet werden. Leichte Minustemperaturen erhöhen den Geschmack und Gehalt von Rosenkohl und Krauskohl. Alle anderen Gemüsesorten sollten an einem kühlen Ort gelagert und von Zeit zu Zeit kontrolliert werden.

Da wir derzeit nur wenig Werkzeug benötigen, kümmern wir uns jetzt um die Geräte. Sie werden gereinigt und geschärft, Kettensäge, Rasenmäher und Trimmer einem Service unterzogen, damit im Frühjahr alles wieder parat ist.

Frühlingssnack von der Fensterbank. Eine wichtige Arbeit, die ich an sonnigen Wintertagen gerne tätige, ist das Bearbeiten und Umsetzen des Kompostes. Je öfter wir ihn bewegen und umsetzen, desto besser wird er.

Falls viel Schnee fallen sollte, ist es ratsam, ihn von den Bäumen und Büschen zu schütteln, da die Zweige sonst brechen könnten. Töpfe ohne Pflanzen befreien wir von der Erde und reinigen sie gründlich, denn sonst besteht die Gefahr, dass sie Krankheitserreger in die neue Saison mitschleppen.

Manchmal überkommt mich auch im Winter die Lust auszusäen. Rucola und die verschiedenen Asiasalate sind bestens geeignet, um auf der Fensterbank im Haus für knackiges Grün zu sorgen. Und mit dem Keimgerät lassen sich innert weniger Tage schmackhafte Sprossen ziehen. Uh, da kommen schon fast Frühlingsgefühle auf!

Wenn es schneit, kalt und dunkel ist, bringen winterliche Blüten aus dem Garten Leben in die Wohnung und erfreuen unser Gemüt. Ein ganz spezieller Tag im Dezember war für mich als Kind der Barbaratag. Mein Grossvater schnitt jeweils am 4. Dezember Zweige von Kirschbäumen, die meine Grossmutter über Nacht in der Badewanne in kaltes Wasser einlegte. Am nächsten Tag wurden die Zweige an einem hellen Ort in eine Vase gestellt. In der Weihnachtszeit waren die Knospen aufgebrochen und die Zweige standen in der Stube in voller Blütenpracht. Darüber staunte ich als Kind mehr als über den geschmückten Weihnachtsbaum.

Gartenarbeit im Dezember
• Ernte: Winterlauch, Wurzelgemüse, Winterkohl, kälteresistente Salate.
• Pflanzung: sofern der Boden nicht gefroren oder zu durchnässt ist: Knoblauch, Rhabarber, wurzelnackte Obstgehölze und Beeren wie Äpfel, Kirschen, Birnen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche, Brombeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren, Feigen, Stachelbeeren, Himbeeren.
• Winterschnitt: Äpfel- und Birnbäume. Beerensträucher, wenn es nicht frostig ist.
Beete: Kompost oder Stallmist einarbeiten.

Basteltipp Quadrat-Garten. Viele Besucher unseres Schaugartens werden vom Gartenfieber angesteckt und fragen, wie sie, meist in der Stadt oder Agglomeration lebend, auch gärtnern könnten. Mein Tipp: im Quadrat gärtnern. Das habe ich vor vielen Jahren auf einer Reise in England entdeckt. Beim sogenannten «Square foot gardening» handelt es sich um eine besonders platz- und zeitsparende, einfache Art des Gärtnerns. Man baut sich ein kleines Hochbeet aus zwei Zentimeter dickem Holz, das in verschiedene Kästen unterteilt wird. Eine Quadratseite misst idealerweise 120 Zentimeter bei etwa 30 Zentimeter Höhe. Dann teilt man den Kasten mit dünnen Holzleisten in 40 mal 40 Zentimeter grosse Felder. In diese kann man vor allem Kräuter, Blattsalate oder Radieschen optimal anbauen. Ist ein Quadrat abgeerntet, lässt sich umgehend etwas Neues säen oder pflanzen. Man kann so ein Kastenbeet im Hinterhof oder auf einem grösseren Balkon aufstellen. Vor allem Kinder haben grossen Spass daran. Für Hobby-Handwerker wäre das doch das ultimative Weihnachtsgeschenk für Kinder oder Enkel. 

Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im A. Vogel Besucherzentrum in Teufen Appenzell Ausserrhoden tätig.

Fotos: istockphoto.com

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