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Kategorie: Natur
 Ausgabe_11/2016 - 01.11.2016

Text:  Heinz Staffelbach

Eine Winterwanderung durch das ruhige Goms entpuppt sich als Kultur- und Genusstour.

@ at-verlag.ch

Im Goms ist alles ein bisschen anders. Das Goms liegt zwar ganz zuoberst im langgezogenen Rhonetal und könnte sich damit durchaus mit dem Label «Top of Wallis» schmücken. Es bietet ursprüngliche Natur, vorbildlich erhaltene Dorfbilder und direkten Blick auf das mächtige Weisshorn. Und es ist Heimat des grossen Hotelpioniers Cäsar Ritz, dem Gründer der Ritz-Hotels in Paris, London und Madrid, und der Hoteldynastie Seiler.

Ganz schön mondän. Trotzdem scheint sich das Goms in einer Art Dornröschenschlaf zu befinden. «Brachliegendes Potenzial» würde der Tourismusexperte mit hochgezogenen Augenbrauen bemerken. «Unverbrauchtes und authentisches Wallis», denkt der Wanderer, der im alten Dorf Blitzingen steht, umgeben von jahrhundertealten, wettergegerbten Häusern, plätschernden Dorfbrunnen und knorrigen Apfelbäumen, die auf einen weiteren Frühling warten.

Kultur- und Genusstour. Etwas anders ist auch das Winterwandern im Goms. Zwischen Oberwald, am oberen Ende des Tales, und Niederwald erstreckt sich mit etwa 20 Kilometern Länge einer der längsten Winterwanderwege der Schweiz. An der Route reihen sich etwa ein Dutzend Dörfer aneinander wie Perlen auf einer Schnur, regelmässig alle paar Kilometer, meist auf der Sonnenseite des Tales. Fast jedes bietet mindestens ein Hotel und ein Restaurant, natürlich eine Kirche und einen eigenen Bahnhof.

Aus der Ferne ähneln sie sich sehr mit ihren Zeilen aus schwarz gebrannten Häusern und weissen Kirchen. Und doch hat jedes Dorf seinen eigenen Charakter und seine eigene Ausstrahlung. So kann man eine Winterwanderung von Oberwald nach Niederwald zu einer Kulturtour machen und sich ein paar der Dörfer genauer ansehen. Oder zu einer Genuss- und Gastronomiewanderung. Dazu geniesse man zum Beispiel im «Gommerhof», im «Spycher» oder in der «Walliser Sonne» ein Raclette, eine Cholera (gedeckter Lauch-Kartoffel-Kuchen) oder ein Fondue.

Unbesteigbare Gipfel. Anders – und mit Bestimmtheit unerwartet – ist auch das Schneeschuhlaufen im Goms, jedenfalls wenn man es so praktiziert, wie es hier vorgeschlagen wird. Natürlich könnte man von jedem der Dörfer einfach in die Berge hochsteigen – in regelmässigem Abstand reihen sich hier schliesslich weite, anmutige Bergrücken aneinander. Dass weiter oben aber wilde Bergwelten warten, das ahnt man auch ganz unten im Tal. Und doch sollte man wissen, worauf man sich bei einer solchen Tour einlässt. Zuerst ist man nämlich meist für eine ganze Weile im Wald unterwegs – falls dieser überhaupt begehbar ist, denn die meisten Wälder auf beiden Talseiten sind Wildschutzgebiete.

Hat man eine begehbare Route gefunden und es bis über die Waldgrenze geschafft, geht es erst mal steil weiter. Hat man schliesslich den Berg erreicht, entpuppt sich dieser lediglich als Vorgipfel; ist man auf dem nächsten, stellt man abermals dasselbe fest. Hat man dann endlich und definitiv den Gipfel vor sich, entpuppt sich dieser als unbesteigbar, während es inzwischen links und rechts vom Bergrücken atemberaubend steil in die Tiefe geht.

Ruhige Flachwanderung. Nein, eine solche Tour wird dem Goms eigentlich gar nicht gerecht. Viel besser, und mit Bestimmtheit genüsslicher, ist dies: In Oberwald starten und nach Lust und Laune den eigenen Weg durch das lange, meistens angenehm breite und kaum bebaute Tal suchen. Einmal parallel zur Langlaufloipe die Rhone entlang, einmal schnurgerade über eine weite Ebene, einmal kurz auf dem Winterwanderweg durch ein Wäldchen. Für Winterwanderinnen und Schneeschuhläufer gut zu wissen: Eine Tour durch das Goms kann man durchaus in beide Richtungen unternehmen. Da der Höhenunterschied zwischen Ober- und Niederwald trotz 16 Kilometer Distanz nur gerade 120 Meter beträgt, wird man auch bei eine  Wanderung talaufwärts die Steigung kaum bemerken. Wer talabwärts wandert, hat die Nachmittagssonne im Gesicht und die mächtige Pyramide des Weisshorns als Fixpunkt am Horizont. Wer talaufwärts unterwegs ist, hat am Nachmittag die Sonne im Rücken und vor sich die steile Kuppe des Galenstocks als ständigen Begleiter. Schön sind beide Varianten.

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Oberwald – Münster – Reckingen – Niederwald – oder andersrum
• Charakter
Einer der längsten Winterwanderwege der Schweiz. Kaum Höhenunterschiede und auch für Schneeschuhläufer ein Genuss.
• An- und Abreise
Alle Dörfer im Goms haben einen Bahnhof. Der Zug verkehrt im Stundentakt. Man kann also nach Belieben irgendwo die Tour beginnen oder beenden. Und je nach Zeit und Laune die Nacht in einem der Dörfer verbringen.
• Winterwanderung
Anfahrt und Ausgangspunkt: Mit dem Zug nach Oberwald.
1. Tag, Münster: Vom Bahnhof südlich zur Rhone und stets in der Nähe des Flusses via Obergesteln, Ulrichen und Geschinen nach Münster. Länge 9,5 km, je 30 m Auf- und Abstieg, 2 3/4 Std.
2. Tag, Niederwald: Beim Hotel Diana am westlichen Dorfende auf dem Winterwanderweg oberhalb der Kantonsstrasse nach Reckingen. Beim Bahnhof weiter, in der Nähe der Bahnlinie, nach Gluringen, durch das alte Dorf und an der Muttergotteskapelle vorbei nach Ritzingen. Durch das Dorf zur Bahn und südlich von ihr nach Blitzingen. Hoch zum Dorf und etwas oberhalb der Kantonsstrasse nach Niederwald. Länge 10,3 km, 70 m Aufstieg, 170 m Abstieg, 3 Std.
• Die Schneeschuhtouren
Die Routen für Schneeschuhläufer verlaufen dem Winterwanderweg entlang. Flexibel sein ist die Devise. Es gibt sechs markierte Schneeschuh-Trails von 1 1/2 bis 4 1/2 Std.
• Unterkünfte
In allen Dörfern (ausser in Geschinen und Selkingen) gibt es ein oder mehrere Hotels. Informationen finden sich im Internet und bei Goms Tourismus.
• Karten
Landeskarte 1: 25 000, 1250 Ulrichen, 1270 Binntal, Landeskarte 1: 50 000, 265 oder 265 S Nufenenpass
• Informationen
Goms Tourismus, 3984 Fiesch, Telefon 027 971 10 70, www.goms.ch, Gästecenter Obergoms, Im Kehr, 3985 Münster, Telefon 027 974 68 68, www.obergoms.ch

Fotos: at-verlag.ch

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