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Das grosse Aufräumen

Kategorie: Garten
 Ausgabe_11/2016 - 01.11.2016

Text:  Remo Vetter

Im November kann der erste Schnee fallen. Höchste Zeit also, die letzten Arbeiten dieser Gartensaison zu erledigen.

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Nicht viele Menschen schätzen den November. Die Tage sind grau und der Nebel schlägt manch einem Zeitgenossen auf das Gemüt. Mein Plädoyer: Tägliche Bewegung und frische Luft sind gesund! Und ich finde, die Aktivitäten machen besonders Spass, wenn man sie mit einer nützlichen Tätigkeit verbindet – zum Beispiel mit Gärtnern. Mir ersetzt das Gärtnern das Fitnessstudio. Durch das Graben, Heben, Schieben, Bücken und Strecken werden bei der Arbeit im Garten alle möglichen Muskeln beansprucht. Wer regelmässig im Garten arbeitet, kann also effektiv seine Muskeln trainieren. Überdies hinaus wage ich sogar zu behaupten, dass der Aufenthalt im Garten einen glücklicher, ausgeglichener und entspannter macht.

Wer neben Blumen auch Gemüse, Kräuter, Obst und Beeren anbaut, kann mindestens doppelt profitieren: Bei allem, was wir selber pflanzen, wissen wir genau, woher es kommt und dass keine Pestizide oder chemischer Dünger verwendet wurden. Und: frischer als aus dem eigenen Garten geht nicht. Zudem schmecken selbst gezogene Lebensmittel am besten!

Gartenarbeiten im November
Bäume, Sträucher und Hecken schneiden.
Hügelbeete anlegen macht jetzt Sinn, da viel Grünzeug abgeräumt wird.
• Der Kompost vom letzten Jahr ist jetzt reif. Wir sieben ihn und lagern ihn abgedeckt mit einer Blache. So können wir den Kompost im Frühjahr direkt für frische Aussaaten nutzen. Wir können aber auch jetzt schon Kompost verteilen: Er kommt in einer etwa ein bis zwei Zentimeter dicken Schicht auf die abgeräumten Beete.
Pflanzen schützen: Bepflanzte Beete mit Mulch oder Tannenreisig abdecken. Sehr frostempfindliche Pflanzen mit Folie einpacken oder im Gartenhäuschen oder Keller überwintern.
Giessen: Immergrüne Pflanzen brauchen auch im Winter etwas Wasser; Kübelpflanzen im Winterquartier nicht vergessen.
Rasenpflege: Sobald alles Laub von den Bäumen gefallen ist, ist es Zeit, den Rasen zum letzten Mal zu mähen. Dabei kann, wenn nicht zu grosse Mengen angefallen sind, das Laub gleich mitgemäht werden.
Wasseranschlüsse vor den ersten strengen Frösten entleeren, Haupthahn abstellen. Schläuche einrollen und frostgeschützt im Schuppen oder Keller lagern.
Bodenpflege: Ein vitaler und nährstoffreicher Boden ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Gärtnern. Vor dem Winter müssen wir dafür sorgen, dass die Bodenlebewesen den bevorstehenden Frost überstehen. Dafür muss die Erdkrume vor Frost und Trockenheit geschützt werden. In der Natur schützt eine Decke aus Laub und verrotteten Pflanzenresten den Boden. Nach diesem Vorbild mulchen wir den Garten. Dazu wird gesundes Laub oder Stroh auf die Beete gestreut. Wo wir Gründüngungen ausgesät haben, mähen wir die Pflanzen und lassen sie einfach auf dem Boden verrotten. Schwere, lehmige Böden neigen zu Staunässe und verkrusten nach Regenfällen schnell. Das können wir jetzt bei der Vorbereitung der Beete auf den Winter ändern: Zuerst lockern wir die abgeernteten Beete mit dem Sauzahn und graben dann angerotteten Stallmist ein. Wenn wir keinen Mist haben, streuen wir halbfertigen Kompost auf die gelockerten Beete.
Gemüsegarten
Chinakohl: Der Chinakohl erträgt leichte Fröste. Es ist ratsam, die Köpfe rechtzeitig zu ernten und als Wintervorrat einzulagern. Man kann ihn kopfüber an den Strünken aufhängen. Zuckerhut, Weiss- und Rotkohl lassen sich auf die gleiche Weise lagern.
Sellerie: Die Selleriebeete müssen jetzt abgeerntet werden. Die Knollen werden wie Kartoffeln gelagert: in Kisten, dunkel, kühl und vor allem frostfrei.
• Federkohl: Mit der Ernte des Federkohls warten wir bis zu den ersten Frostnächten, denn erst dann erlangt er sein volles Aroma.
Kürbisse: Wenn wir Kürbisse ernten, belassen wir ein längeres Stück des Stieles an der Frucht, das fördert die Haltbarkeit. Im trockenen, kühlen Keller können Kürbisse bis weit über den Jahreswechsel hinaus gelagert werden.
Radieschen: Wenn wir im August oder Anfang September Radieschen ausgesät haben, können wir diese jetzt noch ernten. Auch die Blätter sind als Salat oder in Suppen geniessbar.
Rettiche: Winterrettiche können auf dem Gemüsebeet stehen bleiben, bis starke Fröste einsetzen. Zum Einlagern von Rettichen, Randen und Karotten nehmen wir Kisten und füllen diese mit feuchtem Sand, in den wir das Gemüse legen. Wir lagern im Keller oder in einem frostfreien Schuppen. So bleiben die Pflanzen bis weit in den Winter hinein frisch.
Schwarzwurzeln: Da ausgegrabene Wurzeln nicht lange frisch bleiben, ernten wir sie portionenweise. Sie sind winterhart und können mit einer leichten Laubdecke geschützt noch lange im Beet bleiben. Bei der Ernte muss vorsichtig ausgestochen werden, da die Wurzeln leicht brechen.
Kräutergarten
Salbei, Thymian, Rosmarin, Currykraut und Ysop stammen aus wärmeren Regionen und müssen im Winter geschützt werden. Vor allem während Kälteperioden ist es wichtig, rund um die Pflanzen mit trockenem Laub anzuhäufeln.
Kräuter wie Strauchbasilikum, Zitronenverbene und Rosmarin müssen wir rechtzeitig an einen hellen, kühlen Platz stellen, da sie draussen bei Frost erfrieren würden.
• Schnittlauch kann man auch im Winter ernten: Wir graben einige Wurzelballen aus und pflanzen diese in Töpfe; auf einer hellen, warmen Fensterbank gedeiht er wunderbar.
Ziergarten
• Stauden mit Samenkapseln lassen wir stehen. Sie sind ein schöner Schmuck im winterlichen Garten, besonders wenn sich Reif auf sie legt. Stauden und Pflanzen, die eher wässrig sind und verpappen, schneiden wir jetzt zurück.
• Rosen: Wir geben den Rosen eine Gabe gut abgelagerten Pferde- oder Rindermist. Es kann auch Kompost genommen werden. Die Nährstoffe versorgen die Wurzeln und die Schicht schützt vor der Kälte. Die Rankgitter der Kletterrosen müssen wir vor dem Winter überprüfen, ob sie stabil sind, damit die Rosen gut Halt finden. Sonst kann die Last des Schnees die Zweige brechen.
Kübelpflanzen
Die Pflanzenkübel sollten nicht direkt auf dem Boden stehen, damit das Wasser ablaufen kann. Also zum Beispiel auf Holzleisten stellen. Sonst besteht die Gefahr, dass die Töpfe gefrieren und zerspringen. Nicht winterharte Pflanzen an einen geschützten, frostfreien Ort stellen.

Mit Herz und Hirn. Gerade in der heutigen Zeit, in der viele Menschen zahlreiche Stunden an Bildschirmen verbringen und Verkehrslärm und Staus ausgesetzt sind, ist es für unsere Sinne und die Seele eine Wohltat, «freie Zeit» ungestört im Garten zu verbringen. Ein gepflegter Garten verschönert nicht nur die Umgebung, sondern kann für Familie und Freunde eine wahre Wohlfühloase sein. Damit wir diese Oase in der nächsten Gartensaison geniessen können, ist jetzt, vor Wintereinbruch, das grosse Aufräumen angesagt.

Dabei sollten wir nicht kopflos zu radikal vorgehen. Viele Pflanzen sollte man auch nach dem Verblühen stehen lassen für die Vögel und Insekten. Andererseits können wir Laub- und Asthaufen aufschichten, in denen Nützlinge wie Igel, Kröten, Salamander und Blindschleichen Unterschlupf finden. Regenwürmer und andere Bodenlebewesen profitieren davon, wenn man auf den Gemüse- und Blumenbeeten Laub verteilt. Unter der wärmenden Decke produzieren unsere wichtigsten Gartenhelfer besten Humus für die kommende Saison.

Wenn sich in den Wintermonaten die stehen gelassenen Pflanzen mit Raureif oder Schnee bedecken, entstehen oft fantastische, bizarre Skulpturen, die uns immer wieder faszinieren. Wir Gärtner können uns dann zurücklehnen und das Gartenjahr Revue passieren lassen; und natürlich schmieden wir schon Pläne für die neue Saison. Diese Zeit des Rückzugs, der Ruhe und Musse finde ich als Gärtner extrem wichtig. Schon oft ist mir plötzlich ein Licht aufgegangen – und ruckzuck habe ich neue Ideen und Pläne für einen bestimmten Gartenteil entwickelt. Und wenn es draussen so richtig «hudelt», geniesse ich es bei einer Tasse Kräutertee, in wunderschön bebilderten Gartenbüchern zu stöbern und mich so auf die kommende Saison einzustimmen.

Zur Person
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im A. Vogel Besucherzentrum in Teufen Appenzell Ausserrhoden tätig.


Foto: istockphoto.com

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