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Wir wandern – von einem Schloss zum andern

Kategorie: Natur
 Ausgabe 10/2016 - 01.10.2016

Text:  Peter Siegrist

Der Kanton Aargau überrascht durch seine vielfältige Landschaft – und durch seine reiche Geschichte. Auf der Wanderung von Teufenthal nach Lenzburg begegnet man Burgfräuleins, Hügelgräbern und Bahn-Nostalgikern.

@ at-verlag.ch

Die drei Schlösser-Wanderung führt von der kleinen Trostburg im aargauischen Wynental ins Aabachtal, und dort den Berg hinauf zum Aargauer Paradeschloss: der Lenzburg, die hoch über der gleichnamigen Altstadt thront. Ausgangspunkt der gut dreistündigen Wanderung ist die Gemeinde Teufenthal im mittleren Wynental. Sie liegt an der Strecke der Wynental- und Suhrentalbahn (WSB), und ist damit von Aarau aus in einer Viertelstunde zu erreichen. Schon vom Bahnhof aus sieht man das Schloss Trostburg, das man in zehn Gehminuten erreicht. Die mittelalterliche Höhenburganlage ist das historische Wahrzeichen der 1600-Seelen-Gemeinde. Sie steht auf einem 40 Meter hohen Felsvorsprung oberhalb des Dorfes in einem Seitental der Wyna. Die Quellenlage über die Stammes- und Baugeschichte des kleinen Kyburger Schlosses ist vage. Urkundlich zum ersten Mal erwähnt wurde es bereits 1241. Heute ist das aufwendig renovierte Schloss ein wahres Bijou. Es ist jedoch in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich.

Von Rittern und Richtern. Die Wanderung führt links an der Trostburg vorbei. Der gut ausgeschilderte Weg folgt dem Hang entlang Richtung Norden. Bevor der Weg nordöstlich abbiegt, kann man einen letzten Blick zurück ins Wynental geniessen. Wenig weiter steht man schon vor dem nächsten Schloss, dem Schloss Liebegg. Bei der Bahnfahrt von Aarau nach Teufenthal ist das Schloss gut zu sehen: es thront auf einem 70 Meter hohen Felsvorsprung über der Gemeinde Gränichen.

Die Liebegg wurde während der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut. Damals hat sich ein Zweig der Herren von Trostburg abgespalten – und einen halben Kilometer entfernt einen neuen Stammsitz errichtet. Zur Herrschaft Liebegg gehörten das Dorf Gränichen, die Burg Schöftland mit der dazugehörenden Herrschaft, die niedere Gerichtsbarkeit über Birrwil sowie der Kirchensatz in Schöftland und Birrwil. Von 1318 bis 1371 waren die Ritter von Glarus, ein ritterliches Geschlecht der Stadt Zürich, zur Hälfte an der Herrschaft beteiligt. Ab 1415 lag die Liebegg im Herrschaftsbereich der Stadt Bern. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts geriet das Schloss in Privatbesitz, bis 1946 der Kanton Aargau neuer Besitzer wurde. Heute dient das renovierte Schloss als beliebtes Tagungs- und Kulturzentrum.

Abenteuer Sandsteinhöhlen. Beim Schloss Liebegg biegt der Wanderweg nach rechts ab, und nach knapp zehn Minuten erreicht man die nächste Attraktion: Bei einer Waldlichtung öffnet sich buchstäblich der Berg – man steht vor imposanten Sandsteinhöhlen. Höhlenmenschen haben hier nie gehaust. Vielmehr wurde hier Sandstein abgebaut. Er diente als Baumaterial, zum Beispiel für die Gränicher Kirche, das heutige Kornhaus und mehrere Brücken über die Wyna. Heute finden gelegentlich kulturelle Anlässe statt an diesem fast mystischen Ort, zum Beispiel Theateraufführungen oder Konzerte.

Der Weg führt am Waldrand entlang und oberhalb des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg leicht ansteigend Richtung Nordosten. Während linker Hand noch das Schloss Liebegg zu sehen ist, öffnet sich der Blick in Richtung Norden bis zum Jura und der Wasserfluh, mit einer Höhe von 866 m ü. M. der zweithöchste Punkt des Kantons Aargau. Wir lassen das Wynental hinter uns und kommen in den Gränicher Weiler Refental. Das kleine, schmucke Schulhaus, wo noch bis im Sommer 2013 die Primarschüler des Weilers den Unterricht besuchten, wurde mittlerweile von der Gemeinde aufgegeben und verkauft.

Der Wanderweg durchquert den Weiler und führt an einem modernen Bienenhaus vorbei hinauf auf die Anhöhe zwischen dem Wynental und dem Aabachtal. Schon bald verlässt der Weg den Wald und zieht sich übers offene Feld zwischen Seon und Schafisheim. Nach der grossen Kiesgrube und der Inertstoffdeponie im Emmet überquert man die Hauptstrasse. Auf der andern Seite trifft man auf eine Ausgrabungsstätte aus der Hallstattzeit (800 bis 450 v. Chr.). 1931 wurden hier zwei Grabhügel entdeckt. Die ausgegrabenen Funde sind im Dorfmuseum Seon ausgestellt.

Ein letzter Effort. Knapp einen Kilometer weiter nordwärts erreichen wir das Gebiet «Unteri Buechrüti». Den Staufberg schon vor Augen, steht man am Waldrand vor einer 1 Hektare grossen, schön angelegten Gartenbahnanlage, inklusive Brücken und Tunnel. Die Rundfahrt mit Dampf- oder Elektroloks dauert zehn Minuten.

Der Wanderweg führt weiter ins Dorfzentrum der Gemeinde Staufen. Hier ist eine Entscheidung gefragt. Nordwärts geht es weiter zum Bahnhof Lenzburg, der in gut zwanzig Minuten zu erreichen ist. Wer hingegen die Altstadt von Lenzburg und das Schloss besuchen möchte, biegt beim Schulhaus Staufen rechts ab und wandert durchs sogenannte Dörfli nach Lenzburg. Der Aufstieg zum Schloss verlangt noch eine letzte Anstrengung. Doch das Schloss und der Ausblick von seinen Zinnen oder vom gemütlichen Rundweg um die Lenzburg entschädigt für alle Mühen.

Das Schloss Lenzburg oberhalb der Altstadt zählt zu den ältesten und bedeutendsten Höhenburgen der Schweiz. Die Anlage steht auf dem 504 Meter hohen Schlossberg, der sich rund hundert Meter über die Ebene erhebt, jedoch nur einen Durchmesser von etwa 250 Metern hat. Die ältesten Teile der Lenzburg stammen aus dem 11. Jahrhundert, als die Grafen von Lenzburg ihren Stammsitz errichten liessen. Danach war das Schloss im Besitz der Staufer, Kyburger und Habsburger, diente über 350 Jahre lang als Sitz der Berner Landvögte und gelangte dann in Privatbesitz. 1956 verkaufte die letzte Eigentümerin, die Witwe des Polarforschers Lincoln Ellsworth, das Schloss dem Kanton Aargau. Seit 1987 beherbergt die Lenzburg das Historische Museum des Kantons Aargau, das «Museum Aargau».

Das «Wanderbuch Aargau» mit über 30 einfachen bis mittelschweren Wanderungen ist als Leserangebot zu einem Vorzugspreis erhältlich.

Drei-Schlösser-Wanderung von Teufenthal nach Lenzburg
• Distanz
13 km
• Höhendifferenz
260 m Auf-, 300 m Abstieg
• Wanderzeit
3,5 Stunden
• Ausgangspunkt
Bahnhof Teufenthal
• Endpunkt
Bahnhof Lenzburg
• Variante
Bei der Wegspinne (P. 543) rechts abbiegen und nach Seon hinuntergehen. Der Wanderweg führt quer durch das Dorf und dann dem rechten Ufer des Aabachs entlang nach Lenzburg in die Altstadt und zum Schloss. Ab P. 543 noch 7 km, 1 Std. 30 Min.
• Informationen
Gartenbahnanlage beim Waldrand südlich des Staufbergs: Zwischen April und September werden jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat Fahrtage für die Öffentlichkeit durchgeführt. Infos: www.gartenbahnstaufen.ch

Fotos: at-verlag.ch

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