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Ein Hoch auf die Blüten

Kategorie: Garten
 Ausgabe 09/2016 - 01.09.2016

Text:  Remo Vetter

Trotz schlechtem Start: Remo Vetter freut sich über eine reiche Ernte und die bunte Blütenpracht von Schnittlauch, Dill und Ringelblumen.

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Der Monat September stellt bei uns im voralpinen Raum bereits den Übergang von Sommer zum Herbst dar. Es ist eine Jahreszeit in der viel geerntet und eingemacht werden kann. Nach einem eher kalten und sehr nassen Frühling und Frühsommer können wir doch ganz beachtliche Ernten einfahren. Die Ernte der späteren Arten ist nun voll im Gang. Lauch und erste Kürbisse sind reif, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Zwetschgen und Herbsthimbeeren werden gepflückt.

Und eins gilt es zu sagen: Die Gartensaison ist ganz sicher noch nicht vorbei, denn jetzt ist die Jahreszeit ideal, Verpflanzungen von mehrjährigen Stauden und Gewächsen vorzunehmen und neue Gartenbereiche anzulegen, aber davon später. Meist sind die Temperaturen in dieser Jahreszeit angenehm und das Werken im Garten macht so richtig Freude, da es in dieser Jahreszeit auch etwas gemächlicher zugehen darf.

Ernten und Einlagern. Die Tomatenpflanzen tragen die letzten Früchte und noch grüne Tomaten reifen am Strauch aus, wenn wir sie mit Folienhauben einpacken. Auf jeden Fall entfernen wir neu gebildete Blüten, damit alleine die Früchte von den Nährstoffen profitieren können. Auch die Kartoffeln sind jetzt reif und können verarbeitet oder im Keller eingelagert werden. Dafür eignen sich jedoch nur gesunde und unbeschädigte Knollen. Der Lagerraum muss trocken und dunkel sein. Damit die Knollen nicht keimen, sollte die Lagertemperatur zwischen 8 und 10 Grad Celsius betragen.

Zucchini haben sich in den vergangenen Jahren zu einem der beliebtesten Gemüse entwickelt. Sie wachsen schnell, sind eher anspruchslos und vielseitig verwendbar. Es gibt sie in unterschiedlichen Formen und Farben. Die bekanntesten sind länglich wie Gurken, es gibt jedoch auch eher runde Formen. Neben den klassischen grünen Zucchini werden auch gelbliche oder sogar gestreifte Züchtungen angebaut. Die Ernte ist auch dieses Jahr hervorragend und es ist wichtig, dass die Früchte noch vor dem ersten Frost geerntet werden. Bis dahin gilt es die Pflanze regelmässig zu wässern und zu düngen. Pflanzenjauche und Kräuterauszüge aus Beinwell und Brennnesseln eignen sich dazu am besten. Mulch aus halb verrottetem Kompost tut der Pflanze ebenfalls gut und so liefert sie noch lange neue Früchte nach.

Zucchini werden gekocht oder gebraten, sie schmecken jedoch auch sehr gut roh, beispielsweise geraspelt als Salat oder in feine Scheiben geschnitten mit Feta, Basilikum, Pinienkernen, Olivenöl und Aceto Balsamico. Selbst die Blüten lassen sich essen und können fantasievoll angerichtet werden. Sie schmecken gefüllt mit einer Ricotta-Parmesan-Kräuter-Füllung oder auch frittiert sehr gut. Übrigens schmecken auch Blüten von Rucola, Schnittlauch, Dill und Koriander vorzüglich, sie sind eine farbenfrohe Bereicherung im Salat oder auf einem Vorspeiseteller. Zudem ziehen die Blüten nützliche Insekten an. Auch Ringelblumen, meist blühen sie orangefarbig, manchmal gelb, sind eine schöne Bereicherung für einen Salat. Die Blüten und Blätter von Borretsch schmecken nach Gurke. Schnittlauchblüten haben ein mildes Zwiebelaroma und die Kapuzinerkresseblüten haben, wie die Blätter, einen pfeffrigen Geschmack. Sie sehen: Die Blüten unserer Gartenkräuter und -pflanzen bieten eine abwechslungsreiche und faszinierende kulinarische Vielfalt.

Gartenarbeiten im September
• Allgemein
Steckzwiebeln können jetzt zur Überwinterung eingepflanzt werden. Beete räumen und Pflanzenreste und altes Laub auf den Kompost bringen. Eingelagertes Obst und Gemüse laufend kontrollieren. Gründüngungen auf abgeernteten Beeten einsäen. Immergrüne Sträucher pflanzen. Auch Pfingstrosen und Clematis können jetzt eingepflanzt werden. Sie entwickeln noch vor dem Einwintern neue Wurzeln und sind dann gut gerüstet für das Frühjahr. Nicht frostresistente Kübelpflanzen auf Schädlinge und Krankheiten kontrollieren und dann ins Winterquartier zügeln. Leichtem Befall von Läusen, Milben und Fliegen kann man mit einem Rückschnitt begegnen. Sind die Pflanzen stärker befallen, greift man zum biologischen Pflanzenschutzmittel.
• Nutzgarten
Letzte Sommergemüse ernten: Bohnen, Tomaten, Paprika, Mais, Kartoffeln. Obst: Späte Pflaumen, Äpfel, Birnen und Herbsthimbeeren ernten. Aussaat oder Setzlinge setzen von Wintersalaten wie Nüsslisalat, Winterportulak, Zuckerhut und Chinakohl. Spargeln zurückschneiden. Rosenkohl stützen oder anhäufeln. Knollensellerie ausputzen. Frühlingskohl und Frühlingszwiebeln pflanzen.

Sinnvolle Gründüngung. Nach dem Ernten der verschiedenen Kulturen im Gemüsegarten ist es wichtig, den Boden gesund zu erhalten. Das erreichen wir zum einen durch Kompostgaben und zum anderen durch die Einsaat von Gründüngungspflanzen. Für deren Anbau gibt es verschiedene gute Gründe: Einerseits wird die Bodenstruktur durch Lockerung und Anreichung von organischer Substanz verbessert, anderseits liefert die Gründüngung Nährstoffe, die von den Folgekulturen genutzt werden. Gleichzeitig wird das Unkraut unterdrückt und das Auswaschen und Verdichten des Bodens verhindert. Darum säen wir auf allen Brachflächen gleich nach der Ernte Gründüngungen ein, vorab schnell wachsende Bienenweide (Phacelia).

Der September ist, wie schon angetönt, ideal, um Stauden und mehrjährige Pflanzen zu verjüngen und umzupflanzen. Jetzt haben die Gewächse noch Zeit, um anzuwurzeln und zu wachsen. Vor dem Verpflanzen lockern wir den Boden auf und geben eine gute Kompostgabe. Wichtig ist, dass alle Unkräuter und deren Wurzeln im Pflanzbereich entfernt werden. Damit verhindern wir Probleme in den Folgejahren, denn wenn sich wild wachsende Pflanzen wie Giersch, Katzenschwanz oder Disteln in den Wurzelstöcken breitmachen, bekommen wir diese fast nicht mehr weg. Nach dem Pflanzen und Verpflanzen von Stauden mulchen wir mit Gras und gehäckselten Zweigen unserer Sträucher, damit das Beikraut keine Chance hat und die Sträucher gut anwachsen können.

Früher bewahrte man eine gute Bodenstruktur, indem man die Stauden alle drei Jahre ausgrub und teilte. Heute haben aber die wenigsten Gärtner Zeit und Lust dazu, denn das Verpflanzen und Neuanlegen ist doch mit einem relativ grossen und zeitintensiven Aufwand verbunden. Aus unserer Sicht ist es realistisch, Stauden nach fünf bis sieben Jahren zu verjüngen und zu verpflanzen. Wichtig ist, dass wir Stauden nicht einfach wild durcheinander pflanzen. Eine Neuanlage sollte – um es etwas barock zu formulieren – wie ein Gemälde komponiert werden. Wir achten dabei auf Farbe, Form, Höhe und Struktur der einzelnen Pflanzen und machen meist eine Skizze, bevor wir die Arbeit in Angriff nehmen.

Zur Person
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im A. Vogel Besucherzentrum in Teufen Appenzell Ausserrhoden tätig.


Foto: fotolia.com, istockphoto.com

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