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Quell des Lebens

Kategorie: Garten
 Ausgabe_07/08_2016 - 01.07.2016

Text:  Remo Vetter

Der Hochsommer ist die Zeit, wo man den ganzen Tag draussen sein will und der Garten explodiert. Doch bei aller Freude und Schönheit gilt es auch an die Routinearbeiten zu denken.

Jetzt ist definitiv die Zeit da, um sich so viel wie möglich im Freien aufzuhalten. Für uns Gärtner ist der Sommer eine der schönsten Jahreszeiten – das Draussen-Leben-Gefühl ist kaum durch etwas zu überbieten. Die wärmsten Tage des Jahres erwarten uns. Wenn man ganze Tage im Freien verbringen kann, dann fühlt man sich so richtig mit der Natur verbunden. In diesen Momenten bekommen wir wieder das Gefühl, wie wenig es doch braucht, um Glück zu spüren.

Nahrung für die Seele. Ich bin immer wieder überwältigt, wie reichlich uns die Natur beschenkt. Überall blüht und gedeiht es und es gibt viel zu ernten. Fast alles, was wir im Frühjahr gehegt und gepflegt haben, trägt jetzt Früchte und einiges gedeiht im Überfluss. Das Gärtnern fällt einem in dieser Zeit leicht. Man spürt den Boden unter den Füssen, die Natur, die Düfte – und man spürt sich selbst. Jetzt aktiv zuzupacken und zu gestalten fühlt sich gut an. Eine Tomate vom Säen bis zum Ernten zu begleiten, schafft eine Beziehung zu unseren Lebensmitteln und zur Natur. Gärten liefern nicht nur Früchte und Gemüse, sie bieten auch Nahrung für die Seele, indem sie uns inspirieren und Ruhe ausstrahlen. Jeden Tag kehren wir dankbar mit einer reichen Ernte aus dem Garten zurück. Wichtig ist, dass wir die Routinearbeiten aber nicht vernachlässigen und das heisst jäten, giessen, kompostieren und auch die Schädlingsüberwachung gilt es im Auge zu behalten. Bei uns im Appenzellerland fällt relativ häufig Regen, sodass wir nur wenig giessen müssen. Die ideale Giesszeit ist der Morgen, wenn die Pflanzen noch an die etwas kühlere Nachttemperatur gewöhnt sind und das kalte Wasser keinen Schock verursacht. Die Pflanzen haben so auch den Tag hindurch genügend Zeit, die Feuchtigkeit aufzunehmen und man hatweniger Sorgen mit Schnecken, welche gerne abends feuchte Pflanzen aufsuchen.

Mücken lieben Regentonnen. Pflanzen, die relativ viel Wasser benötigen, sind unter anderem Tomaten und Gurken. Wichtig ist, dass wir am Wurzelansatz giessen und nicht über die Pflanzen und Blätter wässern, da dies die Anfälligkeit für Krankheits- und Pilzbefall fördert. Um längere Trockenzeiten zu überbrücken, sammeln viele Gärtner Regenwasser. Aber nicht nur Wasser sammelt sich in den Regentonnen, sondern oft auch die Larven von Stechmücken. Bereits nach wenigen Tagen schlüpfen diese aus und sorgen für juckende Mückenstiche. Damit die Regentonne nicht zur Brutstätte wird, decken wir diese mit einem Deckel ab. Auf diese einfache Weise lagert das Wasser dunkel und geschützt vor Insekten. Im Sommer hat man oft den Eindruck, dass das Unkraut schneller wächst als die Gartenpflanzen. Daher pflegen wir den Boden proaktiv zu kratzen und zu lüften, damit das Unkraut gestört wird und keine Chance zum Wachsen hat.

Vorgezogene Tomatenpflanzen.
Und hier meine Ratschläge für Tomaten, Gurken und Kräuter auf dem Balkon: Auf Wochenmärkten, im Gartencenter und teilweise auch bei Migros und Coop kann man vorgezogene kleine Tomatenpflanzen kaufen. Dies hat den Vorteil, dass man die Pflanzen nach den Eisheiligen (Mitte Mai) direkt in Kübeln auf dem Balkon setzen kann. Wir stützen die Pflanzen mit einem Stab gegen Umfallen oder Brechen. Dazu binden wir den Stamm mit Bast an den Stab. Stark wachsende Tomatensorten müssen regelmässig neu an den stützenden Stab fixiert werden. Im Fachhandel gibt es eine grosse Auswahl an Tomatendüngern, doch wir arbeiten hauptsächlich mit eigenen Brennnessel- und Beinwell-Auszügen (siehe auch «natürlich» 06-2016). Um den Früchten der Tomatenpflanze sowie deren Hauptstamm ein schönes, gleichmässiges Wachstum gewährleisten zu können, muss die Tomate regelmässig ausgegeizt werden. Als Geiztriebe werden die aus den Blattachseln wachsenden Seitentriebe bezeichnet. Versäumt man es, die Tomate regelmässig auszugeizen, wachsen sowohl der Stamm wie auch die Früchte der Tomatenpflanze schlechter. Da die unerwünschten Nebentriebe sehr weich sind, kann man sie einfach mit den Fingern ausknipsen. Gelbe und kranke Blätter sollten ebenfalls sofort entfernt werden, da sie Krankheitserreger sein können. Ab Ende August entfernen wir noch vorhandene Blüten. Die aus den Blüten entstehenden Tomaten könnten in der kurzen Zeit bis zum Saisonende nicht mehr reifen. Trotzdem würde die Tomatenpflanze die neuen Früchte mit Wasser und Nährstoffen versorgen, die den bereits bestehenden reifenden Tomaten zur Verfügung stehen sollten. Je nach Sorte kann man diese zwischen Juli bis Oktober ernten.

Beliebte Gurken. Wegen ihres frischen Geschmacks sind Gurken bei uns sehr beliebt. Ausserdem sind Gurken reich an Vitaminen und Mineralsäuren. Sie können frisch als Salat oder gedünstet als Gurkengemüse serviert werden. Weil Gurken ursprünglich aus Nordindien stammen, bevorzugen sie einen sonnigen, vor Regen und Kälte geschützten Standort. Deshalb ist eine südlich ausgerichtete Hauswand oder Balkon ideal. So sind die Pflanzen gut geschützt und bekommen zusätzlich Wärme ab. Snackgurken, kurze und lange Sorten, lassen sich gut im Kübel oder Topf anpflanzen. Gurken benötigen viel Platz, das ideale Pflanzgefäss muss entsprechend gross genug sein. Unsere Gefässe haben einen Durchmesser von 40 bis 50 und eine Höhe von 60 bis 80 Zentimetern. Wichtig ist auch das Anbringen eines Rankgitters oder eines langen Bambusstabes, an welchem man die rankenden Pflanzen festbindet. Sobald die Temperaturen nachts nicht mehr unter 15 Grad fallen, kann man auf dem Balkon Gurken pflanzen. Gurken auf dem Balkon sind besonders durstig, sodass im Sommer tägliches Giessen nötig ist. Die Erde muss gut feucht gehalten werden. Aber Achtung: Es darf keine Staunässe entstehen. Damit wir über längere Zeit Gurken auf dem Balkon ernten können, ziehen wir einerseits Gurken aus Samen und kaufen auch biologische Jungpflanzen. So haben wir zu unterschiedlichen Zeiten stets erntereife Gurken. Die Gurkensamen müssen nach dem Säen gut feucht gehalten werden, damit sie im Kübel keimen. Es dauert eine bis zwei Wochen bis die Keimlinge anfangen zu spriessen. Wichtig ist auch die Düngung der Gurken, damit diese gut gedeihen. Wir nehmen von unseren Waldspaziergängen oft einige Brennesseln am Wegrand mit und stellen so zusammen mit den ausgegeizten Trieben (siehe weiter oben bei den Tomaten) einen fantastischen Dünger her. Frische Brennnesseln und ausgegeizte Gurkentriebe in eine Giesskanne geben und mit Wasser auffüllen. Nun 24 bis 48 Stunden ziehen lassen und unverdünnt giessen.

Gartenarbeiten im Juli /August
Aussaaten und Pflanzungen
Ab Juli Erdbeeren pflanzen, damit sie nächstes Jahr Früchte tragen. Rettich für die Ernte im Herbst und Winter aussäen. Bis Anfang Juli sind weitere Nachsaaten von Buschbohnen möglich, die dann etwa acht Wochen später geerntet werden können. Regelmässig Kräuter nachsäen. Kleine Sorten der Roten Bete, Radieschen, Rettich und Speiserüben. Bis Ende Juli kann Zuckerhut, Stiel- und Blattmangold ausgesät werden. Herbst- und Wintersalat. Erbsen, Spinat, Fenchel, Chinakohl. Winterlauch wird ab Ende Juli/Anfang August ausgesät. Bis Mitte Juli kann man Endivien direkt ins Freiland säen. Vorgezogene Endiviensetzlinge können ab Mitte des Monats ins Freiland umgesetzt werden. Den ganzen Juli über kann man Radicchio direkt ins Beet setzen.

Prächtige Kräutertöpfe. Die meisten Kräuter lassen sich ganz einfach im Garten oder auf dem Balkon selbst ziehen. In den Sommermonaten sollte man den Kräutern spezielle Beachtung schenken. Kräuter, die in Töpfen auf dem Balkon gezogen werden, müssen regelmässig auf Trockenheit überprüft werden. An sonnigen Tagen trocknen die Töpfe und Kräuter sehr schnell aus. Je nach Standort sollte man daher täglich giessen, da man sonst Gefahr läuft, die Kräuter im Topf zu verlieren. Wenn wir bis in den späten Herbst hinein mit frischen Kräutern versorgt sein wollen, fangen wir rechtzeitig mit Nachsäen an. Je nach unserem persönlichen Verbrauch halten wir Saatfolgen von zwei bis vier Wochen ein. So stellen wir sicher, dass kein Kraut zu früh ausgeht und immer genug in der Küche vorhanden ist.

Zur Person
Remo Vetter wurde 1956 in Basel geboren. 1982 stellte ihn der Heilpflanzenpionier Alfred Vogel ein. Seither ist Vetter im A. Vogel Besucherzentrum in Teufen Appenzell Ausserrhoden tätig.



Fotos: fotolia.com, istockphoto.com

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